Markus Weber über „Nachtlichter“

Markus Weber über „Nachtlichter“

Amy Liptrot:

Nachtlichter

In „Nachtlichter“ verbinden sich wunderbare Naturbeschreibungen der vor Schottland gelegenen Orkney-Inseln mit dem Ringen der Autorin um die Befreiung von ihrer Alkoholsucht. Mit 18 Jahren wollte Amy Liptrot der Inselwelt entfliehen und suchte im Großstadtleben Londons neue Erfahrungen und Freiheit. Sie fühlte sich wild und lebendig.

Doch schließlich landete sie mit etwa 30 Jahren in Arbeitslosigkeit, wurde verlassen von ihrem Freund. Alle Versuche, mit Alkoholexzessen ihrem Jammer und ihren Ängsten zu entkommen, scheiterten. Nach einer überstandenen Entziehungskur kehrt sie für einige Zeit zurück auf die Orkneys. Im Erkunden der Inseln, der Tier-, vor allem der Vogelwelt, der Geologie, des nächtlichen Himmels und des Meeres, erkennt Amy sich selbst Stück für Stück neu.

Es bleibt jedoch immer ein Ringen mit der Sucht. „Seit ich trocken wurde, fühle ich mich mitunter überrascht und beglückt vom ganz normalen Leben. … Das Leben kann größer und reicher sein, als ich gedacht habe.“

Das Schöne an Büchern ist ja auch, dass man in fremde und faszinierende Welten eintauchen und diese gemeinsam mit den Autoren entdecken kann. Zur Erkundung der Orte kann man dorthin fahren, man muss es aber nicht unbedingt, sondern man kann den kalten Wind der Orkneys auch im warmen Zuhause spüren. Wunderbar.

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Amy Liptrot: Nachtlichter, btb Verlag 2019, 352 Seiten, ISBN 978-3442718412, Preis: 10,00 Euro

Freitag, 10. Februar: Goldige Teddybären

Eine wahrhaft tragisch endende Komödie

In der laufenden Valentinswoche ist an diesem Freitag, 10. Februar 2023, der „Tag des Teddybären“ angebrochen. Wenn man sonst nichts zum Knuddeln hat…

Wer jetzt wehmütig-sehnsüchtig an seinen Teddy-Freund aus Kindertagen denkt, kann sich in die Materie im Wortsinn einarbeiten. „Ciesliks Teddybär-Lexikon“  bietet „Marken – Daten – Fakten“ zu den Produkten von „über 270 deutschen Herstellern“. Mich fasziniert die Lebensgeschichte der „Mutter aller Kuscheltiere“, würde mir also die Romanbiografie „Margarete Steiff – Teddybären und Kinderträume“ schnappen.

Von goldigen Kindheitserinnerungen zu goldenen Schallplatten. Am 10. Februar 1942 erhielt Glenn Miller von seiner Plattenfirma RCA Victor für 1,2 Millionen verkaufter Platten von „Chattanooga Choo Choo“ ein vergoldetes Exemplar überreicht. Auch wenn es Ähnliches schon 1931 gab (Gene Autry, „That Silver Haired Daddy of Mine“), gilt Millers Exemplar als erste offiziell verliehene Goldene Schallplatte.

Die meisten Auszeichnungen dieser Art erhielt (wenig überraschend) der King of Rock’n’Roll, Elvis Presley. In Graceland dürften sich 167 Gold- und Platin-Platten fast gestapelt haben.  Ich würde in diesem Fall statt Gold Kunst bevorzugen: „Art Record Covers“ . Und obwohl ein Bild ja mehr als tausend Worte sagen soll, gibt es das Buch gleich in drei Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch.

Der 10. Februar ist offenkundig auch ein gutes Datum für berühmte Autoren und deren berühmte Werke. Wobei in unserem ersten Beispiel tragische Ereignisse auf eine große Komödie folgten. Heute vor 350 Jahren (1673) wurde Molières „Der eingebildete Kranke“ uraufgeführt. Bei der vierten Vorstellung eine Woche später erlitt Molière auf der Bühne einen Blutsturz und starb im Kostüm.

Ein solches Schicksal blieb William Shakespeare am 10. Februar 1605 erspart. Er überlebte die erste bekannte Aufführung der Komödie „Der Kaufmann von Venedig“. Im Publikum saß King James I.

Geburtstag hätte heute ein 1890 geborener Literaturnobelpreisträger, bei dem man sich streiten kann, ob nun sein Roman oder dessen Verfilmung berühmter sind. Wobei das bei Boris Leonidowitsch Pasternaks „Doktor Shiwago“ schwer festzustellen ist, denn der Titel ist identisch.

Ein letztes literarisches Highlight: Am 10. Februar 1949 wurde Arthur Millers Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ (vorbestellbar oder über den Bücher-Suchservice der BÜCHER-HEIMAT)  am Broadway uraufgeführt. Was mich an meine Schulzeit erinnert: Königs Erläuterungen zu Death of a Salesman haben mich durchs Abi gebracht.

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Lena Scholz über „Dark Ivy – Wenn ich falle“

Lena Scholz über „Dark Ivy – Wenn ich falle“

Nicola Hotel:

Dark Ivy – Wenn ich falle

Irgendwie war Dark Ivy das Buch, von dem niemand wirklich dachte, dass es so viele Menschen begeistern wird. Erst war ich skeptisch, doch nachdem ich von so vielen gehört hatte, wie gut es doch sei, musste ich es auch lesen.

Zum Inhalt: Edin Collins hat vor ziemlich genau elf Monaten ihren besten Freund durch Suizid verloren. Seitdem gibt sie sich die Schuld dafür, schließlich hätte sie es verhindern können. Nun ist sie auf der Suche nach einem Neuanfang, den sie auf der Woodfort Academy finden möchte. Und vor allem möchte sie Menschen kennenlernen, die sie so akzeptieren wie sie ist. Und das klappt auch.

Vor allem zu William entwickelt sie eine enge Beziehung, doch nach seiner Geburtstagsfeier passiert es: Ein Unwetter, sechs junge Erwachsene, zwei Boote und einer stirbt. Von diesem Tag an ist nichts mehr zu spüren, von dem Neuanfang, den Edin wollte.

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Nicola Hotel: „Dark Ivy – Wenn ich falle“, Rowohlt Taschenbuch, 416 Seiten, ISBN 9783499008740, Preis: 15,00 Euro.


Donnerstag, 9. Februar: Wohlige Wärme

Tipps für den „In-der-Badewanne-lesen-Tag“

Von der Sonne verwöhnt, dieser Satz soll auch am heutigen Donnerstag, 9. Februar 2023, in unseren Breiten noch gelten. In der Valentinswoche steht heute der „Schokoladentag“ an. Was mich kalt lässt, ich bin kein Schoko-Fan.

Aber apropos kalt. Das Hochdruckgebiet hat uns ja nicht allein viel Sonne, sondern auch reichlich frische Tage beschert.  Da könnte ein Aktionstag Abhilfe schaffen, der heute in USA den Kalender ziert: Der „In-der-Badewanne-lesen-Tag“ (Read In The Bathtub Day) gefällt im Team der BÜCHER-HEIMAT naturgemäß gleich doppelt – wohlige Wärme und ein frisch erworbenes Buch…

Wir hätten da auch gleich einen Tipp. Für Männer in Sachen Selbsterkenntnis, für Frauen vermutlich eher zum liebevoll-spöttischen Schmunzeln. In den Geschichten und Gedichten mit dem schönen Titel „Monolog in der Badewanne“ lässt sich Erich Kästner über die wundersame Spezies „Mann“ aus: „Da liegt man nun, so nackt, wie man nur kann, | hat Seife in den Augen, welche stört, | und merkt, aufs Haar genau: Man ist ein Mann. | Mit allem, was dazugehört.

Gebe es einen „Weg des Ruhms“ für deutsche Literaten (eigentlich eine prima Idee, wie wär’s an der BÜCHER-HEIMAT?), Kästner hätte sich seinen Stern verdient. Den allerersten Stern auf dem weltberühmten Hollywood Walk of Fame erhielt heute vor 63 Jahren (1960) die US-amerikanische Schauspielerin Joanne Woodward.

Ein Buch über den „Walk of Fame“ selbst habe ich nicht gefunden. Und für „Legenden – Unvergessene Filmstars“ läuft sozusagen das Verfallsdatum, es ist ein Wandkalender 2023. Alternativ könnte man noch zu den Erinnerungen des TV-Journalisten Dieter Wahl greifen, der in  „Mein Walk of Fame“ Begegnungen mit Weltstars und VIPs beschreibt.

Und wenn wir schon bei Kino und Sternen sind: Heute vor 45 Jahren (1978) startete der „Krieg der Sterne“ in den deutschen Kinos. Bei den vielen Filmen, die die Star Wars mittlerweile geliefert hat, kann das „Star Wars-Lexikon der Helden, Schurken und Droiden“ hilfreich sein. Für alle, die wie ich den Versuch aufgegeben haben, alles zu verstehen, empfiehlt sich derweil vielleicht das „Star Wars Kochbuch: Cantina“ mit „40 Rezepten aus einer weit, weit entfernten Galaxis“.

Noch zwei Geburtstage von Autoren, die Bücher geschrieben haben, deren Stoff mich fesselte. Alter vor Schönheit: am 9. Februar 1834 wurde der Jurist, Schriftsteller und Historiker Felix Dahn geboren. „Ein Kampf um Rom“ schildert den Untergang des spätantiken Ostgotenreiches in Italien, zählt zu den so genannten „Professorenromanen“ und als Jugendlicher habe ich es verschlungen.

Von meinem zweiten Geburtstagskind kenne ich nur die Verfilmung von Steven Spielberg, den Roman von Alice Walker, die am 9. Februar 1944 geboren wurde, muss ich noch lesen. Es sollte sich lohnen. „Die Farbe Lila“ erhielt den American Book Award und den Pulitzer-Preis.

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Mittwoch, 8. Februar: Welttage ohne Mobiltelefon

Die digitale Balance (wieder)finden

Fast hätte ich wichtige Aktionstage übersehen – vermutlich habe ich zu oft und zu lange aufs Handy gestarrt: Vom 6. Februar bis zum heutigen Mittwoch, 8. Februar 2023, stehen die „Welttage ohne Mobiltelefon“ (World Days Without Phone and Smartphone) im Kalender.

Im Jahr 2001 startete der Aktionstag ursprünglich als Werbegag für einen französischen Krimi. Immer mehr Handys sorgten jedoch für immer mehr Beachtung. An den drei Tagen soll nun ein Bewusstsein für die zunehmende Abhängigkeit von Mobiltelefonen geschaffen werden.

Der komplette Verzicht, also das so genannte „digital Detox“ (digitale Entgiftung) fällt mir zugegeben schwer. Vielleicht habe ich eine Alternative gefunden: Dank „Digitale Balance“ soll man „mit smarter Handynutzung leichter leben“. Eine „30-Tage-Challenge“ soll auf dem Weg dahin helfen.

Einer der großen Skandale der Bundesrepublik nahm am 8. Februar 1982 seinen Lauf, als „Der Spiegel“ gegenüber dem Vorstand des gewerkschaftseigenen Baukonzerns Neue Heimat Bereicherungsvorwürfe erhob. Der folgende Zusammenbruch des bedeutendsten nicht-staatlichen Wohnungsbaukonzerns Europas war ein gesamtgesellschaftlicher Schock. „DIE NEUE HEIMAT (1950 – 1982)“ berichtet mit zeitlichem Abstand über „eine sozialdemokratische Utopie und ihre Bauten“.

An Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ musste ich denken, als ich las, was wir (okay, ich war noch nicht geboren) früher schon alles geschafft haben: Am 8. Februar 1952 teilte das Statistische Bundesamt mit, dass 9,6 Millionen Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland leben. Während der Flüchtlingskrise 2015 waren es etwas mehr als 1 Million. Das anfängliche Zitat bezog sich wie gesagt auf Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel, nicht auf Thilo Sarrazins „Erläuterungen zum politischen Wunschdenken“, die den Kanzlerinnen-Satz als Titel aufspießen „Wir schaffen das“.

Man kann Jules Verne ja gar nicht oft genug würdigen: Heute vor 195 Jahren (1828) wurde der Mitbegründer der Science-Fiction-Literatur geboren. Nähern kann man sich dem Werk mit „Die Romane“. Vier Bände im Schuber bieten Klassiker wie „20.000 Meilen unter den Meeren“, „In 80 Tagen um die Welt“, „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und „Von der Erde zum Mond“.

Geburtstag hat heute auch der 1887 geborene Heinrich Spoerl, dem wir „Die Feuerzangenbowle“ verdanken. Mit unpolitisch-humorvoller Unterhaltung sicherte er sich dauerhafte Erfolge wie mit dem Roman „Wenn wir alle Engel wären“ („Die Hochzeitsreise / Wenn wir alle Engel wären“ – zwei Romane in einem Band). Auch der Roman wurde verfilmt (1956), die Hauptrollen spielten Marianne Koch und Dieter Borsche.

Grund zum Feiern hat auch eine der erfolgreichsten Autoren unserer Zeit: Am 8. Februar 1955 wurde John Grisham geboren. Seine Justizthriller wie „Bestechung“ erreichen eine Gesamtauflage von 275 Millionen Exemplaren und wurden in 42 Sprachen übersetzt.

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Lesung mit Carl-Ludwig Reuss

Die Schatten der Vergangenheit

Carl-Ludwig Reuss liest aus „Dark Shadows – Die Schatten der Vergangenheit“

„Kriegsverbrecher gefasst, Veterinärrat Dr. Lutz Reuss verhaftet“. Eine Überschrift in der regionalen Zeitung im Januar 1962 verändert alles. 17 Jahre nach Kriegsende wird Lutz Reuss von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt. In der Untersuchungshaft in Ravensburg beginnt er, sein Leben zu überdenken. Der gedankliche Film lässt für Lutz schließlich auch Erlebnisse aus der Kriegszeit lebendig werden, die tiefe Narben auf seiner Seele hinterlassen haben. Geschehnisse, die er lieber vergessen hätte. Tiefes Schweigen beginnt zu bröckeln und Reuss stellt sich den Fragen, die ihm am meisten Angst machen: „Warum war er 1934 freiwillig Mitglied der Allgemeinen SS geworden“? „Warum hatte er den Nationalsozialismus begeistert unterstützt“? „War er nur ein naiver Mitläufer gewesen, oder ist er ein Täter“

Im Roman „Dunkle Schatten der Vergangenheit“ beleuchtet der Goslarer Carl-Ludwig Reuss das Leben seines Vaters und zeichnet die Welt aus seiner Perspektive. Dabei begibt sich der Autor auf eine Spurensuche nach der Wahrheit über seinen Vater und die bewegte Zeit rund um den Zweiten Weltkrieg.

Carl-Ludwig Reuss macht seinen Protagonisten zum Sinnbild junger Männer einer ganzen Generation – blind in ihrem Glauben an eine bessere Welt, tief gezeichnet und innerlich zerrüttet vom Krieg und gefangen in

ihrem Unvermögen, eine Mauer jahrelangen Schweigens zu durchbrechen.

In Rückblenden beschreibt der Autor den Wunsch, Vergangenes vergessen zu können und die Sehnsucht seines Vaters nach Vergebung. Detailreiche Erzählungen gehen unter die Haut und nehmen mit in eine Welt steter Unsicherheit, während die dunklen Schatten der Kriegszeit beim Lesen stets begleiten.

Biografie

Carl-Ludwig Reuss, geboren 1947, ist diplomierter Volkswirt und war General Manager in einem internationalen Konzern. Neben seinen Leidenschaften für die Jagd, die Imkerei und die Musik widmet sich Reuss intensiv dem Schreiben. Nach seinen bisherigen Veröffentlichungen, dem zeithistorischen Buch „Blutopfer – WK 1 Tagebücher“, dem Buch „Carl & Anna – Eine Harzer Forst- und Familiengeschichte“

ist „Dark Shadows – Die Schatten der Vergangenheit“ nicht nur ein Roman, der sich mit der Zeitgeschichte des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzt, sondern zugleich die Vergangenheit des eigenen Vaters beleuchtet.

Dienstag, 7. Februar: Der Rosentag

Der Valentins-Countdown läuft

Rote Rosen werden in Schlagern beträllert, in Poesiealben verewigt und in Gedichten besungen. Und der heutige Dienstag, 7. Februar 2023, ist der richtige Tag dafür. Wir begehen den „Rosentag“ und starten damit in die Valentinswoche.

Entweder habe ich es nicht gewusst oder schon wieder verdrängt, dass die rosarote Valentinstag-Wolke (aus Sicht der Floristen) viel länger als nur am 14. Februar durch die Luft wabert. Heute also Rosentag, morgen steht der „Tag des Heiratsantrags“ an, am 9. Februar ist „Schokoladentag“, am 10. Februar „Tag des Teddybären“ und am 11. Februar „Tag des Versprechens“.

Schon bis dahin gibt es jede Menge Fallstricke und Fettnäpfchen zu beachten. Dies um so mehr, wenn man „Die Sprache der Blumen“ nicht fließend spricht, also die „symbolische Bedeutung“ jeder einzelnen Pflanze nicht kennt. „Schenken Sie Ihrer Mutter niemals einen Hahnenfuß oder gar Ihrem Chef Orchideen!“, warnt der Band „Floriografie“.  Die Erklärung habe ich mir gespart.

Sehr praktisch vor allem für Lauffaule, die den Gang zum Floristen scheuen, klingt das Buch „Ein Blumenstrauß für dich“. Das wartet nicht allein mit der Bedeutung der Blumen auf, sondern liefert auch vorformulierte gute Wünsche und – „zusätzliche können zwölf ausgestanzte bewegliche Blumen, aus dem Buch herausgedreht werden, so dass im Nu ein unvergänglicher Blumenstrauß voll guter Wünsche zum Verschenken entsteht“.

Ich vermute allerdings, dass die Herren der Schöpfung, die diese Variante wählen, eher raus sind, wenn es intimer wird. Am 12. Februar steht der „Tag der Umarmung“ an, am 13. Februar der „Tag des Küssens“ und dann endlich sind wir am Valentinstag angekommen. Wir sollten darüber aber nicht vergessen, dass Liebe gefährlich sein kann.

Gibt man „Liebesgrüße“ als Suchbegriff im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT ein, erscheinen verdächtig oft morbide Coverbilder mit Pistolen und Grabsteinen. Dabei spielt es weniger eine Rolle, woher die Beteuerungen ewig-inniger Zuneigung kommen: Ob „Liebesgrüße aus Napoli“, „Liebesgrüße aus Moskau“ oder gar „Liebesgrüße aus der Hölle“ kommen, scheint nebensächlich. Und Band 8 der Disney-Enthologien „Mitten ins Herz“ sendet „Liebesgrüße aus Entenhausen“.

„Unsterbliche Liebe“ als Suchwort liefert derweil überwiegend Fundstellen aus dem Bereich Fantasy. Was auch immer das bedeuten mag. „Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe“ beispielsweise wurde erfolgreich verfilmt unter dem Titel „Beautiful Creatures – Eine unsterbliche Liebe“.  Die Realität hat es in Liebesdingen halt auch viel schwerer.

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Montag, 6. Februar: In neuen Bahnen

Wenn das Schicksal zuschlägt

Und wieder starten wir an diesem Montag, 6. Februar 2023, in eine neue Woche. Manchmal mag einen ja das Gefühl einer gewissen Eintönigkeit beschleichen. Dabei kann jeder Tag, jede Nachricht Leben in völlig neue Bahnen lenken. Wofür wir heute weltberühmte Beispiele hätten.

Am 6. Februar 1952 genoss Prinzessin Elisabeth gemeinsam mit ihrem noch vergleichsweise jung angetrauten Prinz Philipp (Heirat 1947) im Treetops Hotel den Aberdare-Nationalpark bei Nyeri in Kenia, als sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters George VI. erhielt. Damit war Elisabeth im Wortsinn über Nacht zur Königin und zum Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs und verschiedener anderer Länder des Commonwealth geworden.

Damit begann, was der Untertitel des Spiegel-Bestsellers „Die Queen“ mit „Elisabeth II. und ihr Zeitalter“ trefflich beschreibt. Sie saß 70 Jahre auf dem britischen Thron, konnte kurz vor ihrem Tod im vergangenen Jahr ihr Platin-Jubiläum feiern. Dabei gelang es ihr, über alle Krisen hinweg, die Menschen immer wieder für sich einzunehmen. Selbst Kinder, die sich in der Reihe „Little People, Big Dreams“ dem Phänomen „Queen Elizabeth“ nähern können. Da bleibt für die Nachfahren woll erstmal nur die „Reserve“-Rolle…

Einen mehr als dramatischen Einschnitt brachte der 6. Februar sechs Jahre später dem Fußballklub Manchester United. Bei einer Zwischenlandung auf dem Flughafen München-Riem auf dem Weg von einem Europacup-Spiel 1958 in Belgrad nach Manchester verunglückt der British-European-Airways-Flug 609. 23 von 44 Passagieren, darunter fast die gesamte ManU-Mannschaft, kamen ums Leben.  “Rising from the Wreckage” (engl./wörtlich: Auferstehung aus den Trümmern) beschreibt den Wiederaufbau von Manchester United in den zehn Jahren nach der Münchner Katastrophe bis 1968.

Noch zwei Geburtstagsgrüße (posthum): Am 6. Februar 1947 wurde auf Jamaika Robert Nesta Marley geboren, der als Bob Marley weltberühmt wurde und die Reggae-Musik mitbegründete. Songs wie Buffalo Soldier, Get Up, Stand Up, I Shot the Sheriff, No Woman, No Cry, Could You Be Loved? und Stir It Up gehören bis heute zu Rundfunk-Standards. Auf Jamaika wird heute der “Bob-Marley-Tag“ begangen.

Lothar-Günther Buchheims Erinnerungen an seine Zeit als Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg bescherten uns einen der erfolgreichsten deutschen Romane überhaupt: „Das Boot“ wurde in 18 Sprachen übersetzt und erzielte eine Millionenauflage (man munkelt von mehr als 3 Millionen). Auch die Verfilmung wurde ein Welterfolg. Lothar-Günther Buchheim erblickte am 6. Februar 1918 das Licht der Welt.

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Petra Nietsch über „Schicksal und Gerechtigkeit“

Petra Nietsch über „Schicksal und Gerechtigkeit“

Jeffrey Archer:

Schicksal und Gerechtigkeit

Nothing Ventured

Jeffrey Archer ist ein Vielschreiber und der einzige Schriftsteller, der die Bestsellerlisten in den Kategorien Roman, Kurzgeschichten und Sachbuch angeführt hat. Durch seine eigene Biografie hat er sich in vielen Lebensbereichen große Kenntnisse angeeignet, so dass seine Erzählungen immer sehr lebensnah wirken.

Die siebenbändige Clifton-Saga habe ich verschlungen und auch Kain und Abel haben mich begeistert. Nun bin ich durch Zufall auf die William-Warwick-Reihe gestoßen, die Archer 2019 begonnen hat. Den ersten Band habe ich in nur wenigen Tagen ausgelesen.

Warum geht es? Entgegen des Wunsches seines Vaters Sir Julian Warwick, einem einflussreichen und erfolgreichen Anwalt, sehnt sich William nach einer Laufbahn bei der Londoner Polizei. Diese durchläuft er in den aufeinander aufbauenden Bänden vom einfachen Polizisten bis hin zum Polizeipräsidenten. Dabei lässt er seine Leserinnen und Leser an seiner Arbeit auf der Straße, bei Festnahmen, im Gerichtssaal ebenso teilhaben wie an seinem Familienleben.

Jeffrey Archer sagt: „dies ist keine Kriminalgeschichte, sondern die Geschichte über einen Kriminalbeamten.“ Seine Kritiker sagen, die Geschichte sei flott erzählt, fesselnd, unterhaltsam und enthielte unerwartete Wendungen, zudem sei Archer ein großartiger Erzähler. All dem kann ich vorbehaltlos zustimmen.

Auch den zweiten Band habe ich schon so gut wie ausgelesen – fünf Bände sind bereits erschienen, vier davon ins Deutsche übersetzt.

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Jeffrey Archer: „Schicksal und Gerechtigkeit“, Heyne Taschenbuch, 460 Seiten, ISBN 9783453426610, Preis: 12,00 Euro.


Sonntag, 5. Februar: Süßer Sonntag

Zuckerguss, Himbeerkonfitüre und Nutella

Ein Tipp für alle, die noch grübeln, was an diesem Sonntag, 5. Februar 2023, auf die nachmittägliche Kaffeetafel kommen soll: Passend wäre (auch als Verbeugung in Richtung Skandinavien) ein Runeberg-Törtchen. In Finnland ist heute „Runeberg-Tag“ (Runebergin päivä).

Fredrika Runeberg, selbst eine bekannte Schriftstellerin, soll ihrem Gatten jeden Tag aus kleingehackten Mandeln, Mehl, Brösel von Lebkuchen und Sauerteigbrot, Ei und weiteren Zutaten ein mit Zuckerguss und Himbeerkonfitüre garniertes Törtchen gebacken haben (Rezept, ext.). Offenkundig Kraftnahrung für Literaten, denn Johan Ludvig Runeberg avancierte zu Finnlands Nationaldichter.

Das berühmteste Werk Runebergs, „Fänrik Ståls sägner“ („Fähnrich Stahl“) liegt derzeit nur in Schwedisch vor. Es besteht aus 35 Gedichten, das erste, Vårt land („Unser Land“) ist Text der Nationalhymne Finnlands. Die nach ihm benannten Törtchen kann man in der Regel erst ab Ende Januar kaufen und nach dem Runenberg-Tag verschwinden sie wieder aus den Sortimenten.

Wer geschmacklich tiefer in die finnische Küche eintauchen will, dem sei das „Finnische Kochbuch“ empfohlen. Geboten werden laut Verlagswerbung „100 leckere & traditionelle Rezepte aus Finnland – Gerichte mit Fisch und Fleisch, vegan und vegetarisch, süße Desserts und Spezialitäten“.

Apropos süß: Heute ist „Welt-Nutella-Tag“ (World Nutella Day, ext.).  Die Idee soll während eines Italienaufenthalts die US-amerikanische Autorin Sara Rosso geboren haben. Dennoch überrascht es wenig, dass die meisten Links auf Webseiten des Ferrero-Konzerns führen. Wer die Nussnougatcreme daheim hat und Süßes zaubern will, findet in „Nutella“ die 30 besten Rezepte.

Das Buch kann mich weniger reizen, ich bin kein Schokoladenfan. Sehr viel ansprechender finde ich den Titel „Nutella hat Lichtschutzfaktor 9,7“. Es verspricht „die volle Dosis unnützes Wissen“. Beispielsweise dass jährlich mehr Menschen durch knallende Sektkorken als durch Giftspinnen sterben. Oder dass die Anordnung der Kerne in einer Sonnenblumenblüte auf der Fibonacci-Reihe basiert. Mit solchen Erkenntnissen kann man herrlich „klugsch…“ – mein einziges Problem dabei: Alles Wichtige vergesse ich meist…

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