Markus Weber über „Hallelujah & Schalom“

Markus Weber über „Hallelujah & Schalom“

Holger Jendrich/Lutz Debus: Hallelujah & Schalom

Es war ein wunderbarer Abend in der BÜCHER-HEIMAT am 8. Oktober 2026, der die zahlreichen Besucher begeistert hat. Der Autor Holger Jendrich und der Musiker Lutz Debus boten eine schöne Mischung aus wohl formulierten Informationen zum Leben von Leonard Cohen und seiner Musik, die auch live gespielt wurde.

Holger Jendrich und Lutz Debus bei ihrem Auftritt in der BÜCHER-HEIMAT.

Dabei waren nicht nur Cohens „Signature Songs“, die jede*r kennt – wie etwa „Suzanne“ und mit dem Künstler und seiner unverwechselbaren Stimme verbindet. Es wurden auch unbekanntere Titel vorgestellt.

Diejenigen, die nicht dabei waren, haben die Möglichkeit, all die Geschichten, die am Abend erzählt wurden und noch mehr, nachzulesen und so im Nachhinein teilzuhaben. Über QR-Codes gibt es einen einfachen Zugang zu den Songs und sie nebenbei zu hören.

Obwohl ich schon seit meiner Jugend immer wieder die Stücke von Leonard Cohen gehört und gelegentlich auch am Lagerfeuer mit Freunden gesungen habe, habe ich viel Neues über den Poeten und Musiker Cohen erfahren – über seine Beziehung zu Judentum, Christentum und Buddhismus, seine zahlreichen Liebschaften, aber auch die politischen Botschaften.

Nicht nur beim Auftritt in der Bücher-Heimat, auch im Buch erfährt man einiges über die langjährige persönliche Beziehung der Autoren zu Leonard Cohen. Beeindruckt hat mich auch, wie Lutz Debus seine Familiengeschichte einfließen lässt und in Verbindung zur Musik von Cohen bringt. Zurückhaltend und dennoch eindringlich.

Man spürt bei beiden Autoren die intensive Beschäftigung mit Werk und Leben Cohens, die ihnen zurecht viele Auftritte an unterschiedlichen Orten – von Synagogen bis in unsere BÜCHER-HEIMAT – eingebracht hat. Der Funke sprang am Abend gleich über, etwas davon wird auch den Leser*innen des Buches spürbar sein.

Holger Jendrich/Lutz Debus: Hallelujah & Schalom. Eine Verneigung vor Leonard Cohen, Ventura Verlag 3. Aufl. 2026, 80 Seiten, ISBN 9783912497014, Preis: 10,00 Euro.

Sonja Weber über „Wilbur und Charlotte”

Sonja Weber über „Wilbur und Charlotte”

Elwyn Brooks White: Wilbur und Charlotte

Einer meiner liebsten Kinderbuch-Klassiker ist „Wilbur und Charlotte” von Elwyn Brooks White. Der Autor war 1945 mit „Stuart Little” bekannt geworden und 1952 erschien „Charlotte`s Web”. Im Deutschen schaut man auf das Buch und denkt: „Ah, es geht um ein Mädchen und das Schwein Wilbur.”  Der englische Originaltitel suggeriert gleich, um wen es sich bei Charlotte handelt.

Die ganze Geschichte beginnt eines Morgens im Frühjahr auf der Farm der Zuckermans. Die kleine Fern sitzt beim Frühstück, als ihr Vater mit einer Axt das Haus verlässt. In der Nacht war ein Mickerling geboren worden, ein kleines Ferkel ohne große Überlebenschance.

Fern rettet das Kerlchen, nennt es Wilbur und päppelt es auf, bis aus ihm ein recht propperes Schweinchen geworden ist, das auf dem Hof so einige Freunde gefunden hat. Ein Lamm, einen Ganter und vor allem die kluge Spinne Charlotte. Diese trägt dann auch wesentlich zu seiner Rettung bei, denn gerettet werden muss Wilbur erneut, wenn man bedenkt, was aus propperen Schweinen auf einer Farm wird.

Aber Dank Charlottes Klugheit und Webkünsten wird aus einem ganz normalen Borstentier ein Pracht-Schwein. Das erstaunt dann sowohl die Zuckermans wie auch den Rest des Dorfes und weil ja Geheimnisse bekanntlich schwer zu hüten sind, weiß schon bald der ganze Bezirk, dass auf der Zuckerman-Farm ein Wunderschwein lebt.

Der Sommer wird damit für alle Beteiligten recht aufregend und vor allem Wilbur hat auf einmal viel um die Schweineohren. Der Sommer vergeht wie im Fluge und als der Herbst langsam in einen frühen Winter übergeht, muss Charlotte ihrem guten Freund eine traurige und schöne Mitteilung gleichzeitig machen.

Elwyn Brooks White: „Wilbur und Charlotte”, Diogenes Verlag, 224 Seiten, ISBN 9783257235241, Preis: 12,00 Euro.


Petra Nietsch über „Die Frauen von Paris“

Petra Nietsch über „Die Frauen von Paris“

Pam Jenoff: Die Frauen von Paris

Dieser Roman basiert auf historischen Tatsachen und beschreibt ein den meisten Leserinnen und Lesern vermutlich unbekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Ähnlich wie in den Romanen von Kate Quinn (die leider vom deutschsprachigen Buchmarkt fast vollständig verschwunden sind), erzählt Pam Jenoff von den mutigen Frauen, die oftmals im Verborgenen geholfen haben, den Krieg zu gewinnen.

Die Handlung beginnt 1946 in Manhattan, als Grace, eine junge amerikanische Kriegswitwe, einen verlassenen Koffer in der Grand Central Station entdeckt. Als sie ihn öffnet, findet sie u.a. einen Briefumschlag, in dem sich die Fotografien von zwölf Frauen befinden.

Aus auch für sie unerklärlichen Gründen begibt sie sich auf die scheinbar aussichtslose Suche nach den Hintergründen. Bald findet sie heraus, dass es sich um junge Britinnen handelt, die im Zweiten Weltkrieg rekrutiert und nach Frankreich eingeschleust wurden, um das britische Spionagenetzwerk zu unterstützen.

Die Geschichte wird aus drei sich abwechselnden Perspektiven erzählt. Neben Grace ist da noch Marie, eine der Frauen auf den Fotografien, die als alleinerziehende Mutter mit finanziellen Sorgen das gefährliche Angebot des britischen Nachrichtendienstes angenommen hat, und Eleanor Trigg, die davon überzeugt war, dass weibliche Spione im besetzten Frankreich schwerer zu entlarven seien als Männer. Sie hatte nicht nur die Idee für diese Spezialoperation, sondern war auch für die Rekrutierung und Ausbildung dieser jungen Frauen verantwortlich. Ihr gehört der Koffer.

So entwickelt sich eine spannende und bewegende Geschichte über Mut, Verrat und politischem Kalkül.

Pam Jenoff: „Die Frauen von Paris“, Aufbau Taschenbuch Verlag, 435 Seiten, ISBN 9783746636283, Preis: 12,99 Euro.


Sonja Weber über „Reclams Literatur-Quiz“

Sonja Weber über „Reclams Literatur-Quiz“

Andrea Hahn: Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat

Zum Geburtstag habe ich von einer lieben Kollegin das „Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat“ bestehend aus fünfzig Rätselkärtchen bekommen und nehme mir jetzt immer zum Frühstück eines vor. Dann hat mein Gehirn sich schon mal einem klassischen Werk gewidmet und ist wach.

Gestern war es „… Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“. Das Kärtchen lässt einem die Wahl zwischen a: große b: künftige und c: dunkle. Und, wissen Sie es sofort? Ich lag zunächst falsch.

Falsch lag ich heute damit, wie lange einen so ein Zitaterätsel umtreiben kann. Da gibt es diesen bekannten Ausspruch „Nichts ist dauernd als …. (a: der Wechsel b: das Leben c: die Welt?), nichts beständig als der Tod.“ Alle, die sich in letzter Zeit mit Heinrich Heine beschäftigt haben denken vielleicht gleich an diesen und seine Harzreise. Aber nö, Heinrich war`s nicht. Der hat`s nur verwendet.

Ursprünglich gesagt hat es wer anders. Wer? Schauen Sie mal nach. Dazu sei allerdings so viel verraten, dieses einleitende Zitat der Harzreise, das Heine sich ausgeborgt und dabei ganz brav den Urheber erwähnt hat, wurde mal abgedruckt und mal nicht. Warum? Sie werden darauf kommen (recherchieren Sie in der Stadtbücherei).

Ach, und wissen Sie, wer wann das Gedicht „Lore Lay“ erschaffen hat und in welchem Gesamtwerk es zu finden ist? Und woher kam denn eigentlich diese sagenhafte Frauengestalt? Aus Rüdesheim, aus Bacharach oder aus Ingelheim?

Das ganze Spiel ist handlich, nur ein wenig größer als ein normales Skatblatt, also auch prima zum Mittnehmen auf Reisen. Damit man nicht versehentlich zuerst die Lösungsseite anschaut, sind die beiden Kartenseiten farblich unterschiedlich gestaltet. In jeder Lösung stecken an sich schon viele Informationen, aber so wie es mir mit dem Nicht-Heinrich-Heine-Zitat ging, finden Sie bestimmt auch Rätsel, Autorinnen, Autoren oder Werke, die es tiefer zu erkunden gilt.

Andrea Hahn: „Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat“, Reclam Verlag, 108 Seiten (Karten), ISBN 4262461870041, Preis: 14,00 Euro.


Markus Weber über „Sanditz“

Markus Weber über „Sanditz“

Lukas Rietzschel: Sanditz

Der Roman beginnt mit einer skurrilen Szene in der fiktiven ostdeutschen Stadt Sanditz, die der Ort der meisten Geschichten des Buches ist. Vom Himmel fallen nachts große Vögel, die sich nach und nach in Männer verwandeln. Sie kommen weit aus der Vergangenheit, um ein Denkmal zu stürzen, das das Wiedererwachen des alten Deutschlands symbolisiert.

Dann aber sind wir mitten in der Realität von Sanditz im Jahr 2021. Die Kapitel des Buches erzählen das Leben sehr unterschiedlicher Menschen und deren Schicksale. Dabei gibt es einen Erzählstrang, der ausgehend vom Jahr 1978 in der DDR beginnt, aber bis ins Jahr 1997 führt.

Ein zweiter Erzählstrang schildert Ereignisse in den Jahren 2021/22. Beide sind einander verschachtelt. In den einzelnen Kapiteln begegnen die Leser sehr vielen Menschen und ihrem Leben, z.B. Bürgerrechtlern der DDR und Offizieren der Stasi, Menschen im kirchlichen Milieu, einer Pastorin, einem Orgelbauer, einem homosexuellen Liebespaar, Kindern, einem Bausoldaten, Arbeitern und einem Banker.

Im Zentrum steht die Familie Wenzel, an der gezeigt sind, wie die Lebenswege aus der DDR in die Nachwendezeit bis in die Gegenwart führen. In vielen der Geschichten wird nicht nur der Alltag lebendig erzählt, sondern auch gezeigt, wie die Politik in diesen Alltag hineinwirkt – und zu Verwerfungen führt.

So werden auch die Brüche der Nachwendezeit anhand der Lebensgeschichten deutlich, etwa wenn ein „Westler“ nun Bankdirektor Sanditz wird, ein „Ostler“ seinen Unterhalt im Westen verdienen muss, Familien sich in der Coronakrise zerstreiten oder der Krieg in der Ukraine neue Konflikte hervorruft.

Von der Kritik wird der Roman vielfach gelobt. Ich stimme dem zu – es ist ein großes Buch über die letzten Jahre der DDR und über die Schwierigkeiten in den Umbrüchen. Aber das Buch macht es dem Leser – zumindest ging es mir so – nicht immer leicht, den verschiedenen Erzählsträngen und den einzelnen Personen zu folgen, zumal es auch in den einzelnen Kapiteln Rückblicke gibt.

Eine kleine Hilfe gibt es in den Innenseiten des Einbands mit Zeichnungen zu den Orten in Sanditz und den persönlichen Beziehungen der Protagonisten. Auf jeden Fall bietet der Roman interessante Perspektiven auf die neuere deutsche Geschichte.

Lukas Rietzschel: „Sanditz“, dtv Verlagsgesellschaft 2026, 480 Seiten, ISBN 978-3423285162, Preis: 26,00 Euro.

Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Margarethe Adler: Die Stunde der Mauersegler

Egal, wohin man geht, man nimmt sich und seine Geschichte immer und überall hin mit! Das ist ein Fazit dieses Romans, ein anderes: Reden hilft!

Margarethe Adler erzählt die Geschichte einer Familie mit dem Fokus auf vier Frauen aus vier Generationen. Da ist Elisabeth, 1932 geboren, nach dem Krieg begeisterte Anhängerin der sozialistischen Idee. Sie arbeitet mit großem Enthusiasmus am Aufbau der DDR. Ihre Tochter Isa allerdings stellt einen Ausreiseantrag für sich und ihre Familie. Als sie 1988 aus der DDR ausreisen, müssen sie ihren Sohn zurücklassen. Anke, Isas Tochter, ist bei der Ausreise 14 Jahre alt und fügt sich. Ankes Tochter Lou wächst als „Nachwendekind“ in Berlin auf.

Als eines Tages Henning mit seiner Frau auf einer Familienfeier erscheint und Elisabeth mit Vorwürfen überhäuft, setzt er Dinge in Gang, die die ganze Familie erschüttern. Lou, inzwischen eine erwachsene Frau, die von Hennings Existenz nichts wusste, stellt plötzlich Fragen, auf die sie keine Antworten bekommt.

Da geht sie einen ungewöhnlichen Schritt und fühlt sich selbst als „Arschloch“, aber den einmal eingeschlagenen Weg kann und will sie nicht mehr verlassen. Als sie ihre Familie mit ihren Erkenntnissen konfrontiert, kommt es zum Eklat.

Das Ende wird natürlich hier nicht verraten, nur so viel, die Frauen der Familie streiten furchtbar und suchen doch nach einem Weg wieder aufeinander zu. Es ist kein Wir-haben-uns-alle-lieb-Ende, aber wie gesagt: „Reden hilft!“

Dieses Buch ist einfühlsam geschrieben, liest sich gut, ist informativ und lehrreich. Ein Stück Geschichtsunterricht, dem ich mit Interesse gefolgt bin – auch wenn mich immer wieder die Erkenntnis erschreckt hat, was Menschen Menschen antun, wenn sie die Macht dazu haben….

Margarethe Adler ist Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen, im Fokus ihres Schaffens stehen selbstbewusste Frauen. Für diesen Roman hat sie viele Zeitzeug*innen interviewt, um einen Einblick in den DDR-Alltag vor und nach der Wende zu bekommen und zu erfahren, wie Diktatur in die Familien hinein- und wie sie nachwirkt.

„Vielleicht kann der Roman ein winziger Beitrag werden …, warum Demokratie die einzig sinnvolle Gesellschaftsform ist und bleibt.“ (Zitat aus der Danksagung der Autorin.)

Margarethe Adler: „Die Stunde der Mauersegler“, Bertelsmann, 349 Seiten, ISBN 9783570105528, Preis: 22,00 Euro.


Johannes Jakob über „Das Narrenschiff“

Johannes Jakob über „Das Narrenschiff“

Christoph Hein: Das Narrenschiff

Christoph Hein: Das Narrenschiff

Was hoffnungsvoll begonnen wurde, endete in einem Desaster. Christoph Hein hat die Geschichte der DDR selbst erlebt. Er hat die Schwächen des Systems gesehen, am 4. November 1989 hat er bei der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz eine Rede gehalten. Über 40 Jahre zeichnet er die Geschichte nach.

Es war wichtiger, sich mit dem System zu arrangieren als Leistung zu bringen. Seine Protagonisten lernen schnell, worauf es ankommt, wenn man in der DDR Erfolg haben will. Kompetenz war weniger gefragt. „Die Partei hat immer recht…“, nach dem Motto lebten ein Ökonom, ein Wissenschaftler für Metalltechnik und deren Ehefrauen und ein international angesehener Professor, der keine Stelle an der Uni bekam, weil er während der Nazizeit in England und nicht in der UDSSR war. Er wurde schließlich für Kinderfilme zuständig.

So haben viele absurde Entscheidungen erst zum Selbstzweifel, zur Verlogenheit und schließlich zum Zusammenbruch geführt. Das Narrenschiff ist gesunken. Eine spannende Geschichte durch 40 Jahre DDR, vor allem für Menschen, die die DDR selbst nicht mehr erlebt haben.

Christoph Hein: Das Narrenschiff, Suhrkamp Verlag, 750 Seiten, ISBN 9783518475355, Preis: 16,00 Euro.

Eine Rezension zum „Narrenschiff“ hat auch Markus Weber vorgelegt.


Sonja Weber über „Über der Brandung“

Sonja Weber über „Über der Brandung“

Franziska Jebens: Über der Brandung

Ein Buch kann für mich zu einer Ruhezeit und einer Insel werden, eine ganz besonders erholsame war „Über der Brandung“ von Franziska Jebens, ihres Zeichens Autorin, Podcasterin und Weltenbummlerin. Ihr wohltuender Roman war eine angenehme Entspannung nach dem letzten trubeligen Wochenende und hat mich gedanklich zusammen mit der Protagonistin auf einer kleinen Kykladen-Insel zu mir selbst kommen lassen.

Die Geschichte ist herrlich undramatisch, bis auf einen heftigen Sommersturm geschieht nichts Bedrohliches, das Leben ist ruhig dort. Genau daran muss sich die aus Berlin kommende junge Frau erst einmal gewöhnen, ebenso daran, dass niemand sie nach dem Warum und Wieso ihrer Flucht auf dieses Eiland fragt.

Im Gegenteil scheint ihre Gastgeberin Hera schon alles über die neu Angekommene zu wissen. Nea, die Neue, wie sie dann auch nur noch genannt wird, lässt sich nach anfänglichem Zögern auf Heras Art das Leben zu leben ein. Sie findet ihre eigene Stärke in langen Wanderungen mit einer zahmen Ziege, bei Zusammenkünften mit anderen Frauen, in der Einsamkeit ihres neuen Zuhauses und in einer neuen Beziehung.

Nea lernt, die Welt zu vergessen, im Moment zu leben und zu vertrauen. Alles kann, nichts muss. Sie erkennt die Heilsamkeit von Gemeinschaft und Freude, die Wichtigkeit, Dinge zu machen, die guttun und den Schutz von Werten und Grenzen, die man für sich festlegt.

Die Insel, neue Freunde und eine nette Ziege machen aus einer an sich zweifelnden mutlosen Autorin, die nie wieder schreiben wollte, eine starke Frau mit starken Grundsätzen, eine Neue, die ihr Leben ohne Angst in die Hand nimmt. Eine, die nicht nur eine Idee davon hat, wie ihre Zukunft aussehen soll, sondern diese wahr werden lässt. Nea ist kein Spiel der Wellen mehr, sie lebt nun über der Brandung.

Franziska Jebens: „Über der Brandung“, Fischer Verlag, 352 Seiten, ISBN 9783758790362, Preis: 22,00 Euro.


Dirk Junicke über „Meine frühen Jahre“

Dirk Junicke über „Meine frühen Jahre“

Winston Churchill: Meine frühen Jahre

Mit großem Interesse habe ich das Buch „Meine frühen Jahre“ von Winston Churchill gelesen. Er beschreibt hier seine ersten 25 Lebensjahre. Er berichtet von einer untergegangenen Welt des britischen Empire, einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.

Churchill war abenteuerlustig und hat an mehreren Kriegen in Indien, Ägypten, dem Sudan und in Südafrika teilgenommen. Besonders wichtig erscheint mir seine Erkenntnis über einen Kriegsbeginn.

Er warnt jeden Kriegstreiber. Damit bekommt das Buch eine besondere Aktualität.

Winston Churchell hat für seine Werke den Literatur-Nobelpreis erhalten. Nach dem Lesegenuss seines Buches „Meine frühen Jahre“ erscheint mir der Literatur-Nobelpreis sehr angemessen.

Winston Churchill: „Meine frühen Jahre“, Kampa Verlag, 448 Seiten, ISBN 9783311240075, Preis: 34,00 Euro.


Markus Weber über „Anton will bleiben“

Markus Weber über „Anton will bleiben“

Nelio Biedermann: Anton will bleiben

Wer möchte nicht, dass auch nach dem Tod etwas bleibt? Dass man nicht spurlos aus der Welt verschwindet?

Anton, der seit Jahren verwitwet ist, alleine lebt und nur mit wenigen Menschen Kontakt hat, erfährt von seinem Arzt, dass er nur noch eine kurze Lebensfrist hat. So macht er sich daran, in der verbleibenden Zeit etwas zu schaffen, das nicht vergehen kann. Er versucht, ein Buch zu schreiben, zu fotografieren und zu malen. Doch alles scheint ihm vergeblich.

Bei alldem begleitet ihn sein alter Freund Emil, der auch seine Geschichte aufzeichnet. An sein Küchenfenster kommen täglich eine Möwe und eine Taube, für die er sich verantwortlich fühlt. Und ganz unerwartet lernt er die junge Schauspielerin Katharina von gegenüber kennen, die ihn herausfordert; die beiden freunden sich an.

Katharinas Freund Konstantin formuliert schließlich, worum es im Leben geht, nämlich „nicht darum, seine Fähigkeiten zu nutzen, um in der Erinnerung Fremder zu bleiben. Es geht darum, sein Talent zu nutzen, um die eigene Welt zu einem klein wenig erträglicheren Ort zu machen.“

Und ist es nicht bedeutend, dass Anton sich als junger Mann dem Krieg verweigert hat, weil er nicht töten wollte? Und dass er viele Jahre mit seiner Frau glücklich zusammenleben konnte? Man muss also keine große Literatur oder Kunstwerke schaffen, um als Mensch Bedeutung zu haben.

Nelio Biedermann erzählt Antons Geschichte poetisch, mit philosophischem Gespür und feinem Humor. Ein ermutigender Roman!

Nelio Biedermann: Anton will bleiben. Roman, Rowohlt Taschenbuch 2. Aufl. 2026, ISBN 978-3499017223, 224 Seiten, 14,00 Euro