Michael Thode lässt „Blaues Feuer“ lodern

Wenn ein Sensationsfund zur Bedrohung wird

Michael Thode hat bereits im Bastei Lübbe Verlag erfolgreich die Romane „Das stumme Kind“ und „Schuld! Seid! Ihr!“ veröffentlicht, nun folgt im Verlag HarperCollins sein neuer Thriller „Blaues Feuer“. Es ist der erste Band einer konzipierten Reihe um den Kampfschwimmer Yorick Vard und Michael Thode lässt „Blaues Feuer“ am Donnerstag, 11. Februar 2027, auch in der BÜCHER-HEIMAT lodern.

Zum Inhalt

Dr. Kristina Sabo ist etwas gelungen, von dem andere Forscher nur träumen: In der Arktis hat sie ein leuchtendes Bakterium entdeckt – eine wissenschaftliche Sensation, die den weltweiten Energieverbrauch drastisch senken könnte. Um weitere Proben zu sichern, sticht ein Forschungsschiff in See, an Bord Kristina und der Elitesoldat Yorick Vard. Er ist auf verdeckte Operationen spezialisiert, und sein Auftrag lautet: die Mission um jeden Preis zu schützen. Je weiter sie in das Nordpolarmeer vordringen, desto mehr gerät die Fahrt außer Kontrolle. Ein aufziehender arktischer Sturm, Sabotageakte an Bord und unerklärliche Zwischenfälle bedrohen nicht nur die Forschung, sondern auch das Leben der Crew.  

In Hamburg erkennt Kristinas Kollege José Ruiz Fernández unterdessen, welche Gefahr tatsächlich hinter der Entdeckung steckt. Denn ein einziger Fehler kann eine ungeahnte Kettenreaktion auslösen – und eine Entwicklung in Gang setzen, die alles in den Abgrund reißen könnte.  

Ein atmosphärischer Wissenschaftsthriller über Macht, Verantwortung und eine Entdeckung, die zur Gefahr werden könnte – Spannung bis zur letzten Seite.

Zum Autor

Michael Thode, geboren 1974 in Heide/Holstein, ist Jurist und Fachjournalist. Neben seiner Tätigkeit als Autor bringt er seine militärische Erfahrung als Oberst der Reserve regelmäßig in die Bundeswehr ein, unter anderem im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin. Er lebt mit seiner Frau und einem quirligen Gordon Setter in der Nähe von Hamburg. Dort schreibt er Thriller und Kurzkrimis.

Donnerstag, 11. Februar 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Bildstarke musikalische Lesung

Bildstarke musikalische Lesung

Restorchester und anspruchsvolle Foto-Kunst

Restorchester im Strassenbahn Depot in Braunschweig.

Das RESTORCHESTER um Jens Müller stellt am Donnerstag, 14. Januar 2027, sein neues Album „Zukunftsmusik“ als Fotoband mit Kollodium-Nassplattenfotografie in der BÜCHER-HEIMAT vor. In der Region Bad Harzburg ist Jens Müller vor allem als Bassist von SILENT RADIO bekannt, mit denen er regelmäßig Konzerte im Bündheimer Schloss spielt.

Als Singer/Songwriter seiner eigenen Band RESTORCHESTER sorgt er mit deutschsprachigen Liedern und mittlerweile bereits vier Alben für Begeisterung bei Publikum und Presse: „Swingende Melancholie“, „Stilvoller, fein nuancierter Chanson-Pop…“, der „die Tristesse zum Tanzen bringt“, so überschrieb die Braunschweiger Zeitung die Konzerte von RESTORCHESTER, – Klänge von Charleston bis Kuba und von Polka bis Tango sorgen in Kombination mit feinsinnigen, tragikomischen Texten nicht nur für Schmunzeln, sondern lassen das Publikum sogar manchmal mittanzen.

Für das neue Album-Projekt „Zukunftsmusik“ hat sich das RESTORCHESTER mit dem Göttinger Fotografen Andreas Mros zusammengetan, der seit 2014 in Kollodium-Nassplattentechnik arbeitet und dem anspruchsvollen Verfahren intensive Porträts und stimmungsvolle Stillleben abtrotzt. Diese Technik wurde bereits seit 1851 zum Fotografieren genutzt. In einem aufwändigen Verfahren wird dabei eine Glasplatte per Hand mit einer lichtempfindlichen Flüssigkeit überzogen. In einer lichtdichten Kassette wird sie dann schnellstmöglich noch nass in den Apparat geschoben und per Abnehmen einer Objektivkappe belichtet – nach Stoppuhr und Bauchgefühl.

Geht alles gut, entsteht ein echtes Unikat mit fein austarierter Tiefenschärfe und wohltemperierten Schwarz-Weiß- und Sepiatönen. Die Bilder wirken unmittelbar und geheimnisvoll zugleich und in ihrer nahbaren und nostalgischen Ästhetik trotzdem merkwürdig zeitlos. Wahrscheinlich ist es genau diese Qualität, die sie so gut zu den Liedern von RESTORCHESTER passen lassen.

Entstanden ist so ein gemeinsamer Fotoband plus CD, der die Texte und Lieder von RESTORCHESTERS neuem Album „Zukunftsmusik“ mit den Werken von Andreas Mros auf anregende Weise zusammenbringt. In der „Bücher-Heimat“ in Bad Harzburg stellen Fotograf und Band das inspirierende Werk persönlich mit einem kleinen unplugged-Konzert und einem Gespräch vor.

Donnerstag, 14. Januar 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Leseabend mit Imre Grimm

Der Grimm des Lebens

Imre Grimm. Foto: Jan Schölzel

Wer nennt Brötchen ungestraft „Kürbisschlawiner“? Gehört Sternenstaub in den Bauschuttcontainer? Lautet die korrekte Aussprache von „Worchestersoße“ tatsächlich „Whms$%&X!stersoße“? Ist Geben seliger als Bremen? Und wenn dieses Jahr ein Schaltjahr ist – ist dann nächstes Jahr wieder ein Automatikjahr? Wichtige Fragen, die am Freitag, 6. November 2026, in der BÜCHER-HEIMAT beantwortet werden…

Mit feinsinnigem Humor und scharfem Blick für das Skurrile entlarvt der Kolumnist Imre Grimm – Chefautor des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) – die komischen Seiten des Lebens zwischen Toffifee, Tiefkühlkost und Tupperparty. Seine Kolumne erscheint in mehr als 50 Zeitungen in ganz Deutschland. Seit vielen Jahren ist er auch auf den Bühnen des Landes unterwegs. Nun kommt er wieder einmal nach Bad Harzburg. Im Gepäck: Sein frisch erschienenes Buch „Der Grimm des Lebens“.

In seinem musikalisch-literarischen Programm präsentiert Imre Grimm am Freitag, 6. November 2026, in der BÜCHER-HEIMAT seine besten Kolumnen und Satiren in Wort, Bild und Ton. Ein Abend für alle, die am liebsten über sich selbst lachen. Viel Vergnügen!

Freitag, 6. November 2026, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Petra Nietsch über „Die Namen“

Petra Nietsch über „Die Namen“

Florence Knapp: Die Namen

Was für ein Geschenk, dass wir uns im großen Team der Bücher-Heimat immer wieder regelmäßig über Gelesenes austauschen. Dieses Mal hat unsere Auszubildende Thea mir diesen Roman empfohlen, und vier Tage später hatte ich ihn bereits ausgelesen. Es lässt sich also als erstes festhalten, dass das Buch für jede Altersklasse eine Empfehlung ist.

„What’s in a name? “ lässt bereits Shakespeare Julia ihren Romeo fragen. Und um diese Frage geht es auch in dieser Geschichte. Kann der eigene Name unseren Charakter, unser Tun und Handeln und unsere Entscheidungen beeinflussen? Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die versuchen, das zu beweisen.

Aber schauen wir auf den Debut-Roman von Florence Knapp. Eine Junge, drei Namen, drei Lebenswege.
Im Oktober 1987 hat Cora, die  in einer unglücklichen Ehe mit einem gewalttätigen Mann gefangen ist, ihr zweites Kind geboren. Als sie mit ihrer Tochter Maia auf dem Weg zum Standesamt ist, um ihren Sohn anzumelden, sprechen sie über Namen. Während Coras Mann erwartet, dass sein Sohn aus langer Tradition heraus Gordon genannt werden muss, bevorzugt sie Julian, was laut ihrem Namensbuch „Himmelsvater“ bedeutet. Maia schlägt Bear vor, denn für sie sind Bären weich, verschmust und freundlich, aber auch mutig und stark.

Nun beginnt ein spannendes Gedankenexperiment, denn Knapp entwickelt drei unterschiedliche, parallel verlaufene Handlungsstränge. Die Geschichte erstreckt sich über 35 Jahre und zwischen jedem Abschnitt liegen 7 Jahre. Bear, Julian und Gordon wachsen also in der Zeit zu erwachsenen Männern heran. Diese klare Struktur und die Tatsache, dass die wichtigsten Charaktere Teil aller Lebensgeschichten sind, erleichtert das Verständnis beim Lesen.

Ein fesselnder Roman, der Antworten gibt, aber genauso viel Fragen aufwirft.

Florence Knapp: „Die Namen“, Eichborn Verlag, 352 Seiten, ISBN 9783847902294, Preis: 24,00 Euro.


Sonja Weber über „Szene für Szene die Welt entdecken“

Sonja Weber über „Szene für Szene die Welt entdecken“

Andrea David: Szene für Szene die Welt entdecken

Andrea David ist als Filmtouristin unterwegs und bereist und fotografiert auf der ganzen Welt Landschaften, Städte und Gebäude, die in Filmen oder auch Musikvideos zu sehen sind. Vor Kurzem ist Teil zwei von „Szene für Szene die Welt entdecken“ erschienen und die Autorin nimmt uns mit nach Berlin, Paris, Notting Hill, Salzburg und Amsterdam, nach Neuseeland, Tunesien und Japan.

Und eben auch, jetzt wird es für Weihnachtsmärchenfreunde interessant, nach Moritzburg und auf das Schloss Moritzburg knappe zwanzig Kilometer nördlich von Dresden. Hier kann man auf der Schlosstreppe den Schuh von Aschenbrödel bestaunen und im Inneren wurden Szenen des Remakes von „Drei Engel für Charlie“ gedreht.

Die spannendste Entdeckung für mich ist der Strand von Freshwater West bei Pembrokeshire in Wales. Dort kann man das fiktive Grab des Haushelfen Dobby aus den Harry Potter Filmen besuchen. Der kleine Filmelf hat viele Fans und einige haben bunte Steine und tatsächlich Socken zu seinen Ehren dagelassen.

Da möchte ich ja spontan gleich hin, oder nach Tunesien. Indiana Jones und Krieg der Sterne schau ich gelegentlich auch gern und der Dghoumes National Park circa fünfhundert Kilometer südlich von Tunis war oft Kulisse für diese Reihen.

Andrea David: „Szene für Szene die Welt entdecken“, Bruckmann Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-7343-3266-1, Preis: 24,99 Euro.


Petra Nietsch über „Die Briefeschreiberin“

Petra Nietsch über „Die Briefeschreiberin“

Virginia Evans: Die Briefeschreiberin

Dieser Roman hat seit seiner Veröffentlichung im April 2025 weltweit große Anerkennung erfahren. Im Juni dieses Jahres gewann Virginia Evans für ihr Erstlingswerk den Women’s Prize for Fiction, einer der renommiertesten Literaturpreise für Frauen.

Allein schon auf Grund des nur noch selten gewählten Formats ist „Die Briefeschreiberin“ ein außergewöhnliches Buch. Denn es besteht ausschließlich aus Briefen und gelegentlichen Emails, die die Ich-Erzählerin Sybil Van Antwerp an jeden schreibt, dem sie etwas mitzuteilen hat.

Dies sind neben Verwandten und Freunden u.a. auch bekannte Persönlichkeiten wie z.B. die Schriftstellerin Ann Patchett oder der Filmregisseur George Lucas. Wenn sie Antworten erhält, sind auch diese abgedruckt.

Mit Hilfe dieses Formats gelingt es Virginia Evans ein sehr genaues Charakterbild dieser Frau zu zeichnen. So habe ich als Leserin nicht nur wesentliche Daten und Ereignisse aus ihrem langen Leben erfahren, sondern sie als Mensch wirklich gut kennengelernt. Sie braucht feste Routinen, kann kratzbürstig, streitbar und auch belehrend sein, gleichzeitig ist sie aber hilfsbereit, warmherzig und großzügig.

Sybil ist 73 Jahre alt, als der Roman beginnt. Ihr Augenlicht wird immer schlechter und sie weiß, dass sie in einigen Jahren erblinden wird. Sie erkennt, dass sie bis dahin noch einiges, wie z.B. das schwierige Verhältnis zu ihren Kindern, klären muss.

Und dann ist da noch der eine Brief , an dem sie seit Jahrzehnten schreibt, aber den sie nie abgeschickt hat …

Ein wundervoller Roman, der nicht nur durch das ungewöhnliche Format besticht, sondern auch durch die gelungene Charakteristik eines ganz besonderen Menschen. Gleichzeitig ist er auch ein Plädoyer für die Kunst des Briefeschreibens, denn in einem Brief steckt so viel mehr als in einer Text- oder Sprachnachricht.

Virginia Evans: „Die Briefeschreiberin“, Goldmann, 384 Seiten, ISBN 9783442317844, Preis: 24,00 Euro.


Lesung mit Marco Rieck-Assmann

Herz im Harz schlägt in der BÜCHER-HEIMAT

Seinen neuen Roman „Herz im Harz“ stellt Marco Rieck-Assmann am Donnerstag, 19. November 2026, in der BÜCHER-HEIMAT in Bad Harzburg vor.

Der Autor weiß, worüber er schreibt, denn er lebt mit seiner Familie und zwei Hunden im Harz und verbringt die Sommermonate regelmäßig auf der Insel Fehmarn. Zwischen Bergen und Meer, Waldwegen und Strand sammelt er Geschichten. Inspiriert von Begegnungen, Erinnerungen und besonderen Orten entstehen so Romane, die von Nähe, Sehnsucht und Neuanfängen erzählen.

Er schreibt für alle, die romantische Geschichten mögen. Für Leserinnen und Leser, die sich nach einem leichten Sommerroman sehnen oder nach Büchern, die sich anfühlen wie ein kleiner Kurzurlaub vom Alltag. Seine Geschichten wollen unterhalten, berühren und für ein paar Stunden in eine andere Welt entführen.

Mit seinem Debütroman „Sommerklang auf Fehmarn“ führt er auf die Ostseeinsel, die für ihn selbst ein Ort der Weite und des Durchatmens ist. Das Meer, das Licht und die besondere Sommerstimmung bilden den Rahmen für eine Liebesgeschichte über zweite Chancen.

Sein zweiter Roman „Herz im Harz“ ist in seiner Heimatregion angesiedelt. Der Harz mit seinen alten Bergstädten, dichten Wäldern und weiten Ausblicken wird hier zur Kulisse für eine Geschichte über Mut, Vertrauen und die Kraft der Liebe.

Zum Autor

Hauptberuflich ist Marco Rieck-Assmann Musiker, Zauberkünstler und Geschichtenerzähler. Seit über 25 Jahren steht er auf den Bühnen Europas. Diese Erfahrung prägt auch sein Schreiben: Er denkt in Szenen, hört den Rhythmus seiner Dialoge und weiß, wie wichtig Timing für Emotionen ist. Seit mehr als zehn Jahren betreibt er das Wunderkammer Theater in Lautenthal – einen Ort für Kultur, Begegnung und besondere Momente. Hier entstehen Programme, neue Ideen und manchmal auch die ersten Seiten neuer Romane.

Ob zwischen Harz und Ostsee oder zwischen Bühne und Buch – im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen immer die Geschichten und die Frage, was Menschen miteinander verbindet. So ist auch „Herz im Harz“ ein bewegender Harz-Roman über Liebe, Heimat und Neubeginn.

Inhaltsangabe „Herz im Harz“

Als Nina eine abgelegene Pension im Harz erbt, möchte sie eigentlich nur schnell verkaufen. Doch zwischen knarrenden Dielen, duftenden Kräutern, frischer Waldluft und alten Erinnerungen trifft sie ihren Jugendfreund Tim wieder. Während sie ihren eigenen Weg sucht, überschlagen sich die Ereignisse und Nina spürt, dass der Harz weit mehr ist als nur Wälder und Berge. Zwischen romantischen Aufbrüchen und chaotischen Missverständnissen ahnt sie nicht, dass dieser kurze Besuch im Harz ihr Leben für immer verändern könnte…

Donnerstag, 19. November 2026, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Bettina Luis über „Herzschlag, Etty Hillesum – eine Begegnung“

Bettina Luis über „Herzschlag, Etty Hillesum – eine Begegnung“

Heiner Wilmer: Herzschlag, Etty Hillesum – eine Begegnung

„Man möchte ein Pflaster auf vielen Wunden sein“

Die niederländische Jüdin Etty Hillesum (1914 – 1943) kannte ich bis vor einigen Wochen gar nicht. Als mir aber dann diese Frau vier Mal in kürzester Zeit „begegnete“, schien es mir wie ein unüberhörbares Zeichen, dass ETTY m i c h wohl kennen lernen wollte!?  Es gibt die Tagebücher, es gibt eine Hörspielfassung zu den Tagebüchern, nun auch eine Filmserie und es gibt dieses Buch.

Für mich begann alles zufällig mit jenem Radiointerview mit Heiner Wilmer, langjähriger Bischof des Bistums Hildesheim. Anlass des Interviews war die kürzliche Ausstrahlung der sechsteiligen ARTE-Serie ETTY. Da ich H. Wilmer als klugen und achtenswerten Katholiken schätze, horchte ich auf, als er nicht nur die Serie als absolut sehenswertes Muss anpries, sondern von seiner ganz eigenen „Begegnung“ mit Etty Hillesum erzählte, deren Namen er selber auch erst 2018 zufällig auf einem Stolperstein im „Garten der Gerechten der Menschheit von Rom“ entdeckte.

Er forschte nach, stieß so auf ihre Tagebücher. Die „Tagebücher eines „Mädchens, das nicht knien konnte“. Ich hörte daraufhin zunächst die sehr einfühlsame Hörspielreihe, sah dann die tatsächlich unglaublich gute (verstörend aktuelle) ETTY- Serie, las daraufhin erste originale Auszüge aus ihren Tagebüchern und erst zum Schluss Wilmers Buch HERZSCHLAG. Diese Reihenfolge meiner Begegnung mit Etty war für mich genau passend.

So lernte ich Etty zuerst als Frau, ganz Menschin kennen. Anfangs sehr verletzbar, oft psychisch instabil, außergewöhnlich klug, aber intellektuell in sich gefangen, kämpft sie sich widerständlerisch durch einen sie zunehmend überfordernden Alltag. Aber Etty hat Humor, und kann in guten Phasen durchaus lustvoll genießen. Sie teilt Tisch und Bett mit einem sehr viel älteren Mann, studiert, diskutiert, ist „das Mädchen, das nicht knien will“!

Etty sucht therapeutische Hilfe und verliebt sich in den ebenfalls viel älteren jüdischen Analytiker und Chirologen (Handlesewissenschaftler) Julius Spier. Ihm verschreibt sie fortan ihr Leben, unter seinem Schutzschirm reift und wächst ihre Metamorphose zur Mystikerin. Die zunehmenden NS-Repressalien und Verbote im Alltag jüdischer Menschen erlebt Etty als Herausforderung, denen sie sich nur unter Zwang beugt. Yogaübungen, Literaturstudien und ihr innerer Weg zu Gott aber verschaffen ihr letztlich die innere Freiheit zum Niederknien. Etty ist geerdet, widersteht allen Angeboten, der Deportation zu entkommen. Solidarisch mit ihrem „Volk“ geht sie die Wege mit, zunächst ins Durchgangslager Westerbork, dann ins KZ Auschwitz und dort am 30. November 1943 in den erwarteten eigenen Tod.

Heiner Wilmers HERZ SCHLÄGT für das intensive Gespräch mit jener Etty, die sich ganz der kraftspendenden spirituellen Suchbewegung hingibt, der sich Wilmer anschließt. Corona und der Lockdown durchkreuzen Anfang 2001 Wilmers Plan, klösterliche Einkehrtage in einer Trapistengemeinschaft in Orval zu verbringen. Spontan entscheidet er sich für Einzelexerzitien im eigenen Haus.

Ein karger Raum wird für acht Tage zur Klosterzelle. Stille und nur die TAGEBÜCHER der Etty Hillesum (Das denkende Herz der Baracke) werden ihn – fernab jeglicher Ablenkung von außen – begleiten. Eintauchen möchte er, sich ganz tief in das Leben dieser Frau versenken um ihr, ihrem Leben, ihrem Glück und ihrem Leiden nachzuspüren. Er hofft, ihre Verwandlung hin zu jener so menschlichen Mystikerin ganz unmittelbar und nur durch das Durchdringen ihrer Texte in sich erfahrbar werden zu lassen.

Diese Etty, die sehenden Auges das tiefste Leid der deportierten jüdischen Männer, Frauen und Kinder im Durchgangslager Westerbork mit ertrug. Etty, die letztendlich durch ihre schier unantastbare Liebe zum Leben und ihren Humor tatsächlich „das Pflaster auf vielen Wunden sein“ durfte. Etty Hillesums Weg, der sie trotz allem zur „innersten Ruhe“, zum „Allertiefsten und Allerreichsten“, resp. zu Gott führte – dieser Weg ist es, dem H.Wilmer bis nach Auschwitz nachgeht.

Es entsteht ein „tägliches Gespräch“ zwischen einem katholischen Bischof und einer jüdischen Frau – Ettys Tagebuch erzählt ihm ihre und die Geschichte ihrer Zeit. Wilmer liest, hört zu, lässt alles in sich wirken, fragt nach, fragt tiefer nach, versucht in Briefform wort- und bildreich zu ergründen, was er von Etty lernen darf. Genau dies wollte Etty, dass sie gehört werde und sie hoffte, dass einige Juden überleben mögen und erzählen und fragen und nachfragen … wie H. Wilmer.

Die lebendige Geschichte der Jüdin Etty Hillsum steht für mich stellvertretend für alle Entrechteten und Entwürdigten, nicht nur für die niederländischen Juden in der NS-Diktatur.

H. Wilmer: „Unter anderem habe ich von dir gelernt, wie die Macht des Humors wirkt, wie ich mit Hass umgehe, wie komplex Versöhnung ist, wie ich Halt finde in schwerer Zeit und mit meinen Ängsten umgehe, welcher Reichtum in meinem Inneren lebt, wie ich mich abhärte ohne mich zu verhärten, mich auf eine mögliche schwere Zeit vorbereite, wie ich aus mir herausgehe, wie ich mich selbst überschreite, wie wichtig es ist, ein Ohr für den Seufzer in der Nacht zu haben, einen Blick auf die aufgerissenen Herzen und für die Frage: Wie geht Gott? Wie geht Gebet?“

Ich bin keine Bischöfin und die – wenn auch zart gedachte – Sprachgewalt, in der H. Wilmer seine Begegnung mit Etty Hillesum niederschreibt, beeindruckt. In kleinen Sequenzen öffnet er sich unerwartet persönlich. Insgesamt: Hinter all seinen persönlichen „tausend Fragen“ zu Glauben, Theologie und eine daraus entstehende Identität stiftende mögliche Heilkraft, sehe ich jene Etty weniger ganzheitlich beschrieben, wie sie wirklich lebte, zweifelte, kämpfte und vor allem liebte.

Alles, was sich im Kopf staut, sagt S. ihr sinngemäß, muss in dein Herz wandern. Dass Ettys Weg zu GOTT nicht zuletzt erst aus Sehnsucht und konkret erlebter Begegnung zu diesem realen Menschen sinne-voll entdeckt und dann möglich wird, beschreibt m i r Wilmer dann aber doch zu sehr kopfbetont, er wird so zum Prediger. Ettys Verliebtsein und Begehren, ihre bedingungslos authentische und eben auch erotische Liebe zu e i n e m Menschen, zu „S.“ ist es doch, die ihren Herzschlag zunehmend auf GOTT hin einstellt. Sie weiß, dass sie S. letztlich wieder loslassen muss, um v i e l e n zusagen zu können: „Ich will das denkende Herz eines ganzen Konzentrationslagers sein.“

ETTYs Credo für mich: Wenn mensch bedingungslos liebt und sich lieben lassen kann: So geht Gott! So geht Gebet!

Meine Empfehlung:

HERZSCHLAG JA! Aber erst n a c h anderen „Begegnungen“ – wobei die ARTE-Serie ETTY ein MUSS ist!

Heiner Wilmer: „Herzschlag, Etty Hillesum – eine Begegnung“, Verlag Herder GmbH, 160 Seiten, ISBN 9783451034923, Preis: 18,00 Euro.


Einladung zur „Harzreise“

Der Schriftsteller Steffen Kopetzky ist durch den Harz auf den Spuren von Heinrich Heine gewandert und schrieb darüber ein Buch. Eine Zugfahrt auf den Brocken mit der Harzer Schmalspurbahn.

Eine „Deutschlanderkundung“ mit Steffen Kopetzky

Zweihundert Jahre nach Heinrich Heines Harzreise macht sich Steffen Kopetzky, dessen Route folgend, auf durch eine faszinierende deutsche Seelenlandschaft: Im Harz spiegelt sich unser Land – er ist poetischer Märchenort und Brennpunkt der Klimakrise, offenbart historischen Reichtum, Strukturwandel und Armut, war geteilt zwischen Ost und West. Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, um 19.00 Uhr liest Steffen Kopetzky in der BÜCHER-HEIMAT aus seinem Buch „Die Harzreise“.

Jener Streifen, der einst die Grenze war, ist heute als „Grünes Band“ einer der erfreulichsten Krafträume der Natur. Kopetzky stößt auf Erinnerungsorte unseres Landes, von Hexentanzplätzen am mythenumwobenen Brocken bis zu legendären Abhörstationen. Und entdeckt seine riesigen Potentiale. Er macht berührend menschliche Erfahrungen, sieht aber auch die Realität einer verunsicherten Gesellschaft, in der das «Deutschtum» neue Blüten treibt. 

Mit dem Echolot des geschichtsbewussten Autors und der Offenheit des Wanderers erkundet Kopetzky nicht nur das so unbekannte eigene Land, sondern auch jenes Lebensgefühl, für das der Harz seit Heines Zeiten steht, eines Sehnsuchtsortes der Freiheit und der seelischen Erneuerung. Ein überraschendes, lebendig erzähltes Reiseabenteuer – und eine Deutschlanderkundung der besonderen Art.

Zum Autor

Steffen Kopetzky, geboren 1971, ist Autor von Romanen, Hörspielen und Reisereportagen. Sein Roman „Monschau“ stand monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste, ebenso wie „Risiko“, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Zuletzt erschien der Roman „Atom“ (2025), über den Die Zeit schrieb: „Kopetzky zu lesen, macht Spaß. Er erzählt schmissig und doch präzise (…) Aktueller kann ein vermeintlich historischer Roman wirklich nicht sein.“ 2024 wurde Steffen Kopetzky mit dem Literaturpreis der Stahlstiftung geehrt. Er lebt mit seiner Familie in seiner Heimatstadt Pfaffenhofen.

Donnerstag, 22. Oktober 2026, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
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Petra Nietsch über „Herz König“

Petra Nietsch über „Herz König“

Lily King: Herz König

Dies ist der erste Roman, den ich in diesem Jahr  gelesen habe, der mich wirklich gefesselt hat, und den ich nicht aus der Hand legen wollte. Aber als ich mich gefragt habe, warum er mir so gut gefällt, musste ich tatsächlich erst einmal ein wenig überlegen.

Ein Grund ist sicherlich die Tatsache, dass Lily King eine gute Schriftstellerin ist. Das wird u.a. daran deutlich, dass sie ihren Schreibstil dem Inhalt und den Gegebenheiten anpasst. Im ersten Teil, als die drei Protagonisten noch Studenten sind, ist die Sprache eine andere als später, wenn wir sie als Mitvierziger erleben. Zudem nimmt sie in der Mitte des Romans eine Art Perspektivwechsel vor, der in meinen Augen die besondere Gefühlslage unterstreicht, in der sich die Ich-Erzählerin befindet.

Inhaltlich geht es um Liebe, genau genommen um eine erste große Liebe, die nicht hält, die die Erzählerin in ihrem späteren Leben aber wieder einholt, zu einer Zeit als sie ihr Glück mit Mann, zwei Kindern und einem erfolgreichen Beruf gefunden hat. Es geht aber auch um die Erkenntnis , dass ein kurzer Moment, eine einzige Entscheidung, den weiteren Lebensweg unwiderruflich beeinflussen kann. Eine Thematik, die bekanntermaßen in Matt Haigs „Die Mitternachtsbibliothek“ eine zentrale Rolle spielt

Es wird aber nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt, das würde für einen besonderen Roman nicht reichen. Es geht auch um die Frage, in wie weit Bücher uns in bestimmten Phasen unseres Lebens leiten. Sinngemäß sagt die Erzählerin, deren Namen übrigens erst ganz am Ende der Geschichte genannt wird, dass ein großartiger Roman nicht nur ein besonderes literarische Erlebnis vermittelt, sondern er auch die Art und Weise, wie man auf das eigene Leben blickt, verändert und verstärkt.

Im englischen Original liest sich das so:

“A great novel, a truly good one not only captures a particular literary experience, it alters and intensifies the way you experience your own life while reading it.”

Und genau dies ist der Autorin meines Erachtens ebenfalls gelungen: ihr Roman regt zum Nachdenken an.

Mir persönlich gefällt auch das Cover sehr gut. Es ist ausdrucksstark und stellt Bezüge zum Inhalt her.

Lily King ist in den USA eine anerkannte Schriftstellerin, die es verdient hat auch bei uns von einer größeren Leserschaft wahrgenommen zu werden.

Der Roman ist für den Women’s Prize for Fiction 2026 nominiert, einer der bedeutendsten Literaturpreise Großbritanniens.

Lily King: „Herz König”, C.H. Beck, 222 Seiten, ISBN 9783406848193, Preis: 24,00 Euro.

Die deutsche Ausgabe ist vorbestellbar, der Roman erscheint am 9. Juli 2026.