Sonja Weber über „25 letzte Sommer“

Sonja Weber über „25 letzte Sommer“

Stephan Schäfer:

25 letzte Sommer

Der Roman erzählt die Geschichte zweier Männer, die sich am Morgen noch komplett fremd sind und am Abend fast alles übereinander wissen.

Der Erzähler hat ein Wochenendhaus auf dem Land, Frau, Kinder, einen guten Job und endlose To-Do-Listen. Er und seine Familie lieben ihr ländliches Refugium und Marmeladekochen am Wochenende, um sich ursprünglich zu fühlen.

Kartoffelbauer Karl, ist Landwirt, hat immer hart gearbeitet, ist glücklich und badet von Mai bis Oktober jeden Morgen nackt im See. Über Work-Life-Balance macht er sich keine Gedanken. Er liebt seine Frau, seinen Acker und sein Leben, lässt seine Enkelin Trecker fahren und zieht Katzenbabys groß.

Der Stadtmann hat noch nie im See gebadet, er ist auch noch nie Trecker gefahren, der Tag, an dem er im Morgengrauen auf Karl trifft, wird zum Abenteuer seines Lebens und es wird der Tag, an dem er feststellt, dass Leben und Arbeiten gar kein Balanceakt sein sollte. Beide trennt die Art den Alltag anzugehen und das Alter, beide haben im Leben unterschiedliche Erfahrungen gemacht doch sie verstehen sich auf Anhieb.

Beim Frühstückskaffee, beim Essen mit Karls Familie, beim Kartoffeln sortieren und Trecker fahren stellen sie sich Fragen über Vergangenes, die Gegenwart und Zukünftiges. Der Erzähler ist erstaunt, dass ein zufriedenes Dasein nichts damit zu tun hat, wie wichtig man zu sein scheint oder wie aufregend die Freizeit gestaltet wird.

Beim Mittagsschlaf (auch das hat er noch nie getan, seit er erwachsen ist) auf Karls Sofa wird dem immer leicht gestressten nach Perfektion strebenden und gesundheitsbewusst lebenden Mid-Ager klar, was für ein großes Geschenk die Bekanntschaft von Karl ist und was für ein noch viel größeres, jeder neue Tag.

Stephan Schäfer: „25 letzte Sommer“, 169 Seiten, Verlag park x ullstein, ISBN 978-3-9881-6009-6, Preis: 22,00 Euro.


Duo besingt „Die wunderbare Freundschaft“

Symbolbild: Pixabay

Bejubelt, besungen, erlitten und gefeiert

„Zimtsternschnuppen“ servierte Axel Gottschick nach dem kurzfristigen Ausfall Richard Maschkes im November 2023 dem Publikum in der BÜCHER-HEIMAT als Solist. Am Freitag, 8. November 2024, sind die beiden nun wieder als Duo unterwegs und laden zu einem literarischen Abend rund um „Die wunderbare Freundschaft“ ein.

Da solche Freundschaften eher seltene Geschenke sind, wird tief in den Schatullen der Weltliteratur gestöbert, um Schmuckstücke hervorzuholen, die dem wertvollen Thema angemessen sind. Zu hören sein werden so unter anderem Texte von Bettina von Arnim, Bertolt Brecht, John Berger, Anouar Benmalek, Hölderlin, Aldo Palazzeschi, Schnurre und Schiller. Sie alle haben diese wunderbaren Freundschaften, so heißt es in der Ankündigung, „bejubelt, besungen, erlitten und gefeiert“.

Das Publikum in der BÜCHER-HEIMAT darf sich auf großartige Interpretationen von Axel Gottschick und Richard Maschke freuen.

Freitag, 8. November 2024, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Ernst Paul Dörfler und „Das Liebesleben der Vögel“

Dauerhaften Bindungen und One-Minute-Stands

Ernst Paul Dörfler stellt sein neues Buch „Das Liebesleben der Vögel“ vor

Nicht nur Menschen haben sehr unterschiedliche partnerschaftliche Beziehungen, sondern auch die verschiedenen Vogelarten. In seinem neuen Buch: „Das Liebesleben der Vögel“ erzählt der Naturwissenschaftler und Autor Ernst Paul Dörfler am Freitag, 13. Februar 2025, in der BÜCHER-HEIMAT Geschichten aus dem „Privatleben“ unserer liebsten Nachbarn.

Unter dem Motto „Lachen und Lernen“ nimmt Dörfler im direkten Kontakt sein Publikum mit auf die Reise in die bunte Beziehungswelt der Vögel. Von der Amsel bis zum Zaunkönig durchleuchtet er mit Ton-Unterstützung die heimischen Vögel und stellt verblüffende Parallelen in Charakter und Verhalten zwischen Vogel und Mensch fest.

Da gibt es treue und untreue Kandidaten, es gibt Hochstapler und Künstlernaturen, Schmarotzer und sehr friedfertige Vögel.

Auch in Beziehungsfragen ist die Diversität beachtlich. Wir erfahren von dauerhaften Bindungen, von Saisonehen und One-Minute-Stands, von streitsüchtigen Paaren, von emanzipierten Weibchen, von Scheinweibchen und Feministen unter den Männchen. Haremsmodelle, Fernbeziehungen sowie ein Rollentausch zwischen den Geschlechtern runden das Spektrum ab. Diversität ist in der Natur die allgegenwärtige Normalität.

Besonderes Augenmerk legt Dörfler auf die Vogelweibchen, die lange Zeit im Schatten der Forschung standen.

Eine neue Erkenntnis: Mit dem Klimawandel ändern sich auch die Paarbeziehungen – das Treueverhalten schwindet. Doch nicht nur die Treue, auch die Zahl der Vögel schwindet.

Dörflers Botschaft: Kümmern wir uns um die Vögel, kümmern wir uns um uns selbst!

Die erlebte Vogelvielfalt beeinflusst nachweislich unser alltägliches Glücksempfinden, verschafft uns positive Emotionen und stärkt unser Immunsystem. Nur was er liebt und was er kennt, schützt der Mensch. Das Buch verführt dazu, Natur wieder mehr wahrzunehmen und neu zu entdecken.

Das Buch, mit zahlreichen Illustrationen von Ute Bartels, ist im Hanser-Verlag München erschienen und knüpft in seiner heiteren Art an den Spiegel-Bestseller „Nestwärme – Was wir von Vögeln lernen können“ an.

Ernst Paul Dörfler: „Das Liebesleben der Vögel“, 240 Seiten, Hanser-Verlag, ISBN 9783446279711, Preis: 22 Euro.

Zum Autor:

Ernst Paul Dörfler, geboren 1950 in Kemberg bei Lutherstadt Wittenberg, ist promovierter Ökochemiker. Sein Buch „Zurück zur Natur?“ (1986) wurde zum Kultbuch der ostdeutschen Umweltbewegung. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem EURONATUR-Preis der Stiftung Europäisches Naturerbe.

2019 erschien sein Buch „Nestwärme“ bei Hanser, 2021 „Aufs Land“. Der Autor hat sich schon mit 32 Jahren für ein freies Leben in und mit der Natur entschieden, mitten im Europäischen Vogelschutzgebiet und UNESCO-Biosphärenreservat in Steckby bei Zerbst. Der Ort ist seit über 90 Jahren Sitz einer Staatlichen Vogelschutzwarte.

Ernst Paul Dörfler. Foto: Katja Zumpe

Donnerstag, 13. Februar 2025, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Markus Weber über „Hört einander zu!“

Markus Weber über „Hört einander zu!“

Elif Shafak:

Hört einander zu!

Die bekannte Schriftstellerin Elif Shafak, britisch-türkische Autorin mit internationalen Aufenthalten z.B. in Frankreich, der Türkei und Spanien, formuliert ausgehend von eigenen Erfahrungen des Fremdseins ein wunderbares Plädoyer für einen Dialog über Grenzen hinweg. So wie sie selbst nicht auf ihren Akzent, ihre Herkunft reduziert werden will, möchte sie ebenso, dass jeder Mensch als Person mit eigenen Vorstellungen ernst genommen und gehört werden soll.

Dabei geht es nicht um Beliebigkeit und Unverbindlichkeit der Vorstellungen und Ideen, sondern um Gleichberechtigung, freiheitliche Werte und Demokratie. Diese Werte sieht sie auf verschiedene Weise bedroht – z.B. durch digitale Kommunikation, wenn sie sich oftmals, statt ihre Chancen zu nutzen, auf verkürzte Botschaften, Hetze oder Feindbilder reduziert. Statt tieferer Einsichten werden oberflächliche Informationen – auch fake news – verbreitet. Die Komplexität unserer Welt wird auf propagandistische Parolen beschnitten.

Angesichts der gegenwärtigen Bedrohungen von Demokratie, für die es ja nach dem Erscheinen des Buches leider viele weitere Beispiele gibt, möchte sie die Menschen stärken, sich in der Gesellschaft einzubringen, selbst gesehen zu werden und andere zu sehen. Und so auch Kraft zu erhalten, sich für den Erhalt unseres Planeten als lebenswerten Lebensraum einzusetzen.

Ich jedenfalls habe mir eine Reihe von Zitaten aus dem Buch rausgeschrieben, weil ich den Eindruck habe, sie können mich immer mal wieder anregen und aufmuntern.

Elif Shafak, Hört einander zu! Verlag Kein & Aber 3. Aufl. 2022, 96 Seiten, ISBN 978-3036958446, Preis: 16,00 Euro.

Sonja Weber über „Der Kriminalist“

Sonja Weber über „Der Kriminalist“

Tim Sullivan:

Der Kriminalist

Detective Sergeant George Cross sieht die Welt mit etwas anderen Augen als die Meisten von uns. Sein Asperger-Syndrom erschwert ihm zwar die Fähigkeit zur sozialen Interaktion und macht ihn bei der Avon and Somerset Police in Bristol zu einem Außenseiter, aber eben dieses Handicap lässt Cross Dinge bemerken, die andere nicht sehen und Wege beschreiten, die andere aus Höflichkeit nicht gehen würden.

Sein Beliebtheitsgrad bei seiner Partnerin und seinem Chef geht gegen Null, seine Aufklärungsquote ist grandios. Nun hat er den Mord an einem Obdachlosen aufzuklären. Was eben noch ganz schnell gemacht scheint, entwickelt sich zu einem Familiendrama.

Eigenwillig, unromantisch und der Logik verhaftet wie Sherlock Holmes, hartnäckig und spitzfindig wie Columbo (erinnern Sie sich noch, wie der sich immer im letzten Moment nochmal umgedreht hat, um die alles entscheidende Frage zu stellen?) und vielschichtig, irgendwie britisch unaufgeregt wie Inspector Lynley ermittelt DS Cross bis zum Ende. Ihm ist es egal, ob es schon eine Verhaftung gibt, wenn der Verdächtige nicht logisch erscheint, sucht er gegen Anweisungen von Vorgesetzten und alle vermeintlichen Annahmen weiter und schließt solange alles Unwahrscheinliche aus, bis die Wahrheit übrigbleibt.

Tim Sullivan: Der Kriminalist, Blanvalet Verlag, 331 Seiten, ISBN 978-3-7341-1169-3, Preis: 12,00 Euro.


Markus Weber über „Das Wunder von Florenz“

Markus Weber über „Das Wunder von Florenz“


Ross King:

Das Wunder von Florenz

Es ist ein wunderbares Erlebnis, in Florenz die Kuppel des Doms innen hinaufzusteigen und dann von oben auf die Stadt hinabzuschauen. Mein Erlebnis liegt schon einige Jahre zurück. Aber mit dem Buch von Ross King steigen die Erinnerungen wieder hoch.

Der Historiker King erzählt auf spannende Weise die Entstehung der Kuppel. Dabei wird nicht nur das 15. Jahrhundert in Italien anschaulich geschildert, auch die beteiligten Personen – Architekten, Handwerker, Politiker, Kirchenfürsten – werden lebendig. Im Mittelpunkt des historisch fundierten Buches, das sich über weite Strecken wie ein spannender Roman liest, steht der Baumeister Filippo Brunelleschi. Ihm gelingt es letztlich, schier unüberwindbar scheinende technische Herausforderungen zu meistern und immer wieder Lösungen – trotz kräftigen Gegenwinds und einiger Irrwege – zu finden.

All das findet in einer Zeit politischer Verstrickungen statt. Die konkurrierenden oberitalienischen Städte führen immer wieder Krieg gegeneinander. Zeitweise muss der Papst aus Rom nach Florenz fliehen. Zwischen den beteiligten Baumeistern des Doms gibt es heftige Auseinandersetzungen und auch die in Florenz herrschenden reichen Familien wie die Medici mischen kräftig mit.

Egal, ob man die Domkuppel schon bestiegen hat, das für die Zukunft plant oder die Kuppel einfach nur aus der Ferne und auf Bildern anschauen möchte – das Buch lohnt auf jeden Fall, um in eine andere Welt einzutauchen.

Ross King: Das Wunder von Florenz. Architektur und Intrige: Wie die schönste Kuppel der Welt entstand, Pantheon Verlag 3. Aufl. 2019, 256 Seiten, ISBN 978-3570552490, Preis: 15,00 Euro.

Sonja Weber über „Das Haus“

Sonja Weber über „Das Haus“

Monika Maron:

Das Haus

Mit ihrem neuen Roman „Das Haus“ hat Monika Maron mittels der ihr eigenen eleganten Sprache und einer guten Portion Leichtigkeit einen klugen und emotional tiefgehenden Gesellschaftsroman geschaffen.

Ein Haus wird vererbt und die Erbin muss entscheiden, was damit geschieht, soweit die zunächst zweidimensionale Idee. Aber dann kommt Frau Maron und hinterfragt die Beweggründe, die Wünsche und vor allem die einzelnen Charakterzüge ihrer Figuren.

Plötzlich werden Katharina, die Tierärztin im Ruhestand, ihre Freundin und Icherzählerin des Buches Eva und alle anderen Personen, lebendig und das Haus bekommt eine so erlebbare Dreidimensionalität, dass ich beim Lesen immer genaue Bilder vor Augen und das Gefühl, selbst dort zu sein hatte.

Die Autorin lässt ihre Figuren nicht nur mal gepflegt, mal hitzig über die großen Themen unserer Zeit sprechen, sie lässt sie auch hoffen und zweifeln. So weiß Eva eigentlich, dass „kollektive Lebensmodelle“ sie überfordern, aber eine Notsituation bewirkt, dass sie eben doch einzieht und sich irgendwie zu Hause fühlt, während Katharina sich auf einmal fragt, ob das Konzept dieser WG für Menschen ab einem gewissen Alter wohl noch geeignet ist oder ob „sie alle zu sehr sie selbst“ seien.

Monika Maron: „Das Haus“, Hoffmann und Campe Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-01642-0, Preis: 25,00 Euro.


Roland Lange stellt neuen Harz-Thriller vor

Wo die Geier kreisen, lauert der Tod

Nach dem „Harzsturm“, mit dem Roland Lange im Herbst 2023 für Nervenkitzel in der BÜCHER-HEIMAT sorgte, geht es der Harzer Thriller-Autor auch am Mittwoch, 12. März 2025, in Bad Harzburg wieder mörderisch spannend an und lässt die „Harzgeier“ über dem Mittelgebirge kreisen.

Zum Inhalt: Geier im Harz, auf deren Speiseplan menschliche Kadaver stehen? Was für grausame Fantasien schwirren nur im Kopf der jungen Frau herum, die Stefan Blume um ein Haar überfahren hätte? Und von welchen Beweisen redet sie?

Schnell wird Blume klar, dass die verängstigte Frau Katharina Kessler ist, die er im Auftrag ihrer Eltern sucht. Er nimmt die Frau mit, lässt sie bei sich übernachten. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Jemand hat sie entführt. Blume überlässt den Fall der Polizei.

Er muss sich um Katja kümmern, die sich in einer psychosomatischen Klinik befindet. Aber etwas stimmt mit der Klinik nicht. Er will Katja dort herausholen – mit Hilfe einer Anwältin und einer Therapeutin scheint sein Vorhaben zu gelingen. Und noch mehr: Die beiden Frauen verschaffen ihm die unverhoffte Möglichkeit, sich endlich an Gerhard Hauser zu rächen.

Eines Nachts steht Blume dann inmitten eines abgelegenen Felsenareals im Harz tatsächlich seinem Todfeind gegenüber. Noch immer begreift er nicht, dass er in eine groß angelegte Falle getappt ist. Und ebenso wenig wie Hauser ahnt er, dass ganz in der Nähe der mysteriöse Harzer Wolfsmensch lauert, der die Begegnung der zwei Männer mit Argusaugen verfolgt.

Zum Autor

Roland Lange, Jahrgang 1954, lebt in der Nähe des Harzes in Katlenburg-Lindau. Er studierte in Hamburg Vermessungskunde und arbeitete als Vermessungsingenieur. Nebenher begann er zu schreiben, seit 2010 auch Kriminalromane. Seit 2014 widmete er sich ganz dem Schreiben. Roland Lange ist so etwas wie ein krimineller Botschafter des Harzes, denn auf seine Initiative fand 2011 das erste Mordsharz-Krimifestival statt. Lange ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), bei den 42er Autoren und im Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur.

Roland Lange: „Harzgeier“, Niemeyer C.W. Buchverlage, 488 Seiten, ISBN 9783827192929, Preis: 16,00 Euro (vorbestellbar, erscheint am 1. September 2024).

Zwei Autoren erinnern an die innerdeutsche Grenze

Die einstige innerdeutsche Grenze zwischen Eckertal und Stapelburg. Foto: Ahrens-Archiv / Bad Harzburg-Stiftung

Doppelschlag zum Jahresauftakt 2025

Mit einem Doppelschlag startet die BÜCHER-HEIMAT am Donnerstag, 9. Januar, in das dann neue Jahr 2025: Zwei Autoren, die die einstige innerdeutsche Grenze aus dem Effeff kannten, wecken Erinnerungen oder führen einem jüngeren Publikum vor Augen, was der „Eiserne Vorhang“ einst bedeutete. Zu Gast in Bad Harzburg sind an diesem Abend Dietmar Schultke mit seinem Buch „Keiner kommt durch – Die Geschichte der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer“ sowie Mario Dittrich, der in „Feindwärts war hinter mir“ von seinen anderthalb Jahren bei den Grenztruppen der DDR berichtet,

„Keiner kommt durch – Die Geschichte der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer“ hat Dietmar Schultke sein Werk überschrieben. Er berichtet unter anderem über seine persönlichen Erlebnisse als damals 19-jähriger Grundwehrdienst-Soldat und seinen Einsatz als Hundeführer in den Jahren 1987/1988 am Brocken.

Dietmar Schultkes akribisch recherchierte Darstellung der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer liefert Informationen über das Grenzregime der DDR bis 1990 sowie eine Zeittafel und ausgewählte Befehle an die Grenztruppen der DDR. Der Autor erzählt vom militärischen Drill, vom Umgang mit dem Schießbefehl und Schikanen innerhalb der Truppe, aber auch von Kameradschaft und der engen Beziehung zu den Hunden, mit denen er die Grenze am Brocken bewachte.

Zum Autor

Dietmar Schultke, geboren 1967 in Brandenburg, Zerspanungsfacharbeiter, Grundwehrdienst an der innerdeutschen Grenze, nach der Wende Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Studium der Politik- und Erziehungswissenschaft, Psychologie und Raumplanung in Duisburg und Dortmund. 1994 bei der UNO in New York tätig, freischaffender Publizist.


„Feindwärts war hinter mir“ betitelte Mario Dittrich die schriftstellerische Aufarbeitung seines „geheimen Tagesbuchs“ aus seinen anderthalb Jahre bei den Grenztruppen der DDR. 1984 erhält Dittrich den Einberufungsbefehl zu den Grenztruppen der DDR. Er ist geschockt, besonders weil er der DDR kritisch gegenübersteht. Dittrich entschließt sich, über seine Dienstzeit in einem geheimen Tagebuch zu berichten.

Dieses Tagebuch wird ergänzt durch viele persönliche Einschätzungen und Kommentare, ist aber auch im Kontext der vom Autor recherchierten Fällen von Grenzdurchbrüchen und gescheiterten Fluchtversuchen zu sehen. Dittrich zeigt an realen Beispielen, wie das nahezu perfekte Grenzregime der DDR funktionierte. Er gibt bisher unbekannte Einblicke in den Mikrokosmos einer Grenzkompanie, berichtet über außergewöhnlich taktische Handlungen ebenso wie über den gewöhnlichen Grenzalltag.

Zum Autor

Mario Dittrich, geboren 26.4.1965 in der Lutherstadt Wittenberg, arbeitet als Autor, Verleger und Übersetzer für englischsprachige Literatur. Er hat zwei Kinder und lebt in seiner Geburtsstadt.

Lena Scholz legt ihr zweites Buch vor

Lena Scholz legt ihr zweites Buch vor

Eigenes Erleben in einen Roman gegossen

Dass Lena Scholz viel liest, können Besucher dieser Website allein an der Zahl der Rezensionen ablesen, die die Auszubildende der BÜCHER-HEIMAT zu den Lesetipps beisteuert. Mittlerweile aber macht sich die junge Frau auch einen Namen als Autorin. Gerade ist ihr zweites Buch auf den Markt gekommen: „Mein letzter Sommer in Ostdeutschland“.

„Lebensgefühle. Life is a Story”, so hieß im vergangenen Jahr der Erstling von Lena Scholz. Verfasst hatte sie ihn für den „Young Story Teller Award“, den eine große deutsche Buchhandelskette ausschreibt. „Die Buchwelt braucht neue Stimmen – zeig uns deine!“, so lautet das Motto des Wettbewerbs – und sprach Lena Scholz offenkundig so nachhaltig an, dass sie nun ein zweites Buch nachlegte.

In ihrem Erstling ging es um die Lebensgefühle, die jeder Mensch auf dem Weg des Erwachsenwerdens durchlebt. Und auch mit dem neuen Roman wandelt sie literarisch durchaus auch auf autobiographischen Pfaden. Zum Inhalt von „Mein letzter Sommer in Ostdeutschland“:

Es ist Liv‘s letzter Sommer in ihrer Heimat. Ein kleines Dorf in Brandenburg inmitten der Natur. Liv ist hier aufgewachsen und kennt jeden, bis Finn auftaucht, der alles durcheinanderbringt. Die beiden verbindet etwas, denn Finn gibt Liv das Gefühl, lebendig zu sein. Bis zu dem Tag, an dem er offenbart, was er wirklich denkt, und die Illusion eines perfekten Sommers zerbricht. Liv muss sich die Frage stellen, ob es Zeit ist zu gehen und alles hinter sich zu lassen oder zu bleiben. Doch kann man seine Heimat wirklich für immer verlassen? Was passiert, wenn man bleibt und die Vergangenheit mit einem?

 Zentrales Thema ist der Ost-/West-Konflikt und wie er sich heute noch bemerkbar macht. Welche Unterschiede geblieben sind, welche Gedanken und wie auch die heutigen Generationen die Unterschiede noch spürt. Als gebürtige Sachsen-Anhalterin, die nun im niedersächsischen Bad Harzburg lebt, hat Lena Scholz dazu einiges zu sagen.

Was sie unabhängig von ihrem Roman auch für Johan Zoutberg zur interessanten Gesprächspartnerin werden ließ. Der 71-jährige Niederländer studiert an der Universität Amsterdam und arbeitet an seiner Dissertation über die Vereinigung Deutschlands nach dem Fall der Mauer und das heutige „Ost-West-Verhältnis“.

Zu ihrem zweiten Roman schreibt Lena Scholz, es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, dieses Buch zu schreiben, um darauf aufmerksam zu machen, das das Thema nicht abgeschlossen, sondern in manchen Momenten noch spürbar präsent ist. Auch ich habe Vorurteile erlebt. Mit meinem Worten möchte ich die Gesellschaft dazu bringen, offen darüber zu sprechen und Vorurteile abzubauen.

Lena Scholz: „Mein letzter Sommer in Ostdeutschland“, story.one publishing, 68 Seiten, ISBN 9783711530943, Preis: 18,00 Euro.