Petra Nietsch über „Schicksal und Gerechtigkeit“

Petra Nietsch über „Schicksal und Gerechtigkeit“

Jeffrey Archer:

Schicksal und Gerechtigkeit

Nothing Ventured

Jeffrey Archer ist ein Vielschreiber und der einzige Schriftsteller, der die Bestsellerlisten in den Kategorien Roman, Kurzgeschichten und Sachbuch angeführt hat. Durch seine eigene Biografie hat er sich in vielen Lebensbereichen große Kenntnisse angeeignet, so dass seine Erzählungen immer sehr lebensnah wirken.

Die siebenbändige Clifton-Saga habe ich verschlungen und auch Kain und Abel haben mich begeistert. Nun bin ich durch Zufall auf die William-Warwick-Reihe gestoßen, die Archer 2019 begonnen hat. Den ersten Band habe ich in nur wenigen Tagen ausgelesen.

Warum geht es? Entgegen des Wunsches seines Vaters Sir Julian Warwick, einem einflussreichen und erfolgreichen Anwalt, sehnt sich William nach einer Laufbahn bei der Londoner Polizei. Diese durchläuft er in den aufeinander aufbauenden Bänden vom einfachen Polizisten bis hin zum Polizeipräsidenten. Dabei lässt er seine Leserinnen und Leser an seiner Arbeit auf der Straße, bei Festnahmen, im Gerichtssaal ebenso teilhaben wie an seinem Familienleben.

Jeffrey Archer sagt: „dies ist keine Kriminalgeschichte, sondern die Geschichte über einen Kriminalbeamten.“ Seine Kritiker sagen, die Geschichte sei flott erzählt, fesselnd, unterhaltsam und enthielte unerwartete Wendungen, zudem sei Archer ein großartiger Erzähler. All dem kann ich vorbehaltlos zustimmen.

Auch den zweiten Band habe ich schon so gut wie ausgelesen – fünf Bände sind bereits erschienen, vier davon ins Deutsche übersetzt.

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Jeffrey Archer: „Schicksal und Gerechtigkeit“, Heyne Taschenbuch, 460 Seiten, ISBN 9783453426610, Preis: 12,00 Euro.


Markus Weber über „Jaffa und Fatima. Schalom, Salaam“

Markus Weber über „Jaffa und Fatima. Schalom, Salaam“

Fawzia Gilani-Williams:

Jaffa und Fatima. Schalom, Salaam

Die Autorin Fawzia Gilani-Williams erzählt in diesem Bilderbuch eine alte Geschichte mit jüdischen und arabischen Wurzeln nach. Die beiden Freundinnen Jaffa und Fatima haben benachbarte Dattelplantagen und leben in ihren eigenen religiösen Traditionen. Jaffa feiert die jüdischen Feste und Riten, Fatima die muslimischen. Die Unterschiede stehen ihrer Freundschaft nicht im Wege.

In einer Notsituation helfen die beiden einander und sorgen sich um das Wohl der anderen. So ist diese kleine Geschichte ein Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Toleranz, freundlich illustriert von Chiara Fedele.

Empfohlen wird das Buch ab einem Alter von vier Jahren. Doch die einfache Botschaft des friedlichen Zusammenlebens – für Schalom und Salaam – ist in unserer friedlosen Welt auch für Erwachsene aktuell.

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 „Jaffa und Fatima. Schalom, Salaam“. Erzählt von Fawzia Gilani-Williams, illustriert von Chiara Fedele, Ariella Verlag 2018, 32 Seiten, ISBN 978-3945530207, Preis: 12,95 Euro.

Ulrike Schmidt über „Jahre mit Martha“

Ulrike Schmidt über „Jahre mit Martha“

Martin Kordic:

„Jahre mit Martha“

Zeljko, der von allen „Jimmy“ genannt wird, ist fünfzehn, als er Martha kennenlernt und sich in sie verliebt. Seine Mutter arbeitet als Putzhilfe in Marthas Haushalt, er darf sich gelegentlich im Garten bei Martha nützlich machen und sein Taschengeld aufbessern. Martha hat, was Zeljko sich sehnlichst wünscht: Bildung, Bücher und Souveränität.

Mit Martha besucht er zum ersten Mal ein Theater, sie spricht mit ihm, wie sonst niemand mit ihm spricht. Mit Marthas Liebe wächst Zeljkos Welt…

Es ist eine Geschichte der Erfahrungssammlung, auch sexuell, zugleich Migrations- und Coming-of-Age-Erzählung.

Ein zärtlich mitreißender Roman über Machtverhältnisse und über die Frage nach dem Gleichgewicht der Welt.

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Martin Kordic: „Jahre mit Martha“, S. Fischer, 285 Seiten, ISBN 9783103971637, Preis: 24,00 Euro.


Julia Steinmann über „Tante Ernas letzter Tanz“

Julia Steinmann über „Tante Ernas letzter Tanz“

Markus Orths:

Tante Ernas letzter Tanz

Ewig währt am längsten – Tante Ernas letzter Tanz: Die „Langfassung“ des Romantitels spielt mit Zitaten. Es geht um Benno, der bei seinen Eltern auf zähem Heimaturlaub ist. Die Nachbarin beklagt sich, wie selten die eigene Tochter sich blicken lässt.  Und sie fasst einen Plan: Sie ruft ihre Tochter an und behauptet, Tante Erna sei gestorben. Wer kann zu einem Begräbnisbesuch Nein sagen…?

Ein ganz wunderbares Buch. Genau das richtige für ein verregnetes Wochenende auf dem Sofa oder vor dem Kaminofen. Habe beim Lesen mal wieder herzlich gelacht.

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Markus Orths: „Ewig währt am längsten – Tante Ernas letzter Tanz“, dtv Verlagsgesellschaft, 155 Seiten, ISBN 9783423290012, Preis: 10,00 Euro.


Markus Weber über „Ein Krieg, der keiner sein sollte“

Markus Weber über „Ein Krieg, der keiner sein sollte“

Krzysztof Pilawski/Holger Politt:

Ein Krieg, der keiner sein sollte

Die beiden Autoren bieten Sichtweisen auf den Ukrainekrieg an, die wir sonst in Deutschland häufig nicht zur Kenntnis nehmen. So unterscheidet sich schon aus historischen Gründen der Blick in Polen und den baltischen Staaten auf Moskau und Kiew klar von der deutschen Perspektive.

Krzysztof Pilawski hat in Kiew studiert und war lange Korrespondent einer polnischen Zeitung in Moskau, Holger Politt lebt und arbeitet seit vielen in Warschau; vor diesem Hintergrund eröffnen beide Fragen und Erkenntnisse, die die Diskussion über den Ukrainekrieg gewinnbringend erweitern können. Der Band vereinigt neue und ältere Beiträge, die längerfristige Entwicklungen verdeutlichen.

Grundsätzlich positionieren sich beide Autoren eindeutig: Eine Rechtfertigung für den brutalen, von Putin angeordneten Überfall auf die Ukraine gibt es nicht. Die Autoren zeigen in verschiedenen Annäherungen, aus welchen Traditionen und welcher Geisteshaltung der Befehl zum Überfall stammt, und kritisieren das zugrunde liegende imperialistische Großmachtdenken. Brüche und Kontinuitäten der russischen und sowjetischen Geschichte werden markiert.

Ein besonderes Augenmerk liegt darüber hinaus auf den Entwicklungen der baltischen Staaten und Polens im Verhältnis zur Sowjetunion bzw. zu Russland, eng verflochten mit deren Kampf um das nationale Recht auf Selbstbestimmung in den letzten 200 Jahren. Betont wird, dass weder die baltischen Staaten noch Polen nach der Wende 1990/91 territoriale Ansprüche gegenüber Russland erhoben haben – im Gegensatz zu Putins Russland. Zudem wird die Problematik der russischen Minderheiten in den baltischen Staaten in ihrer Bedeutung für die aktuellen Konflikte aufgezeigt.

Auch dann, wenn man nicht allen Beurteilungen zustimmt, fordert das Buch heraus zur Prüfung eigener Einschätzungen.

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Krzysztof Pilawski/Holger Politt: Ein Krieg, der keiner sein sollte. Russlands Überfall auf die Ukraine aus Sicht unmittelbarer Nachbarn, VSA Verlag Hamburg 2022, ISBN 978-3964881717, 172 Seiten, Preis: 16,80 Euro.

Auf Einladung der pax christi-Gruppe Nordharz wird Holger Politt, einer der beiden Autoren, am 8. März 2023 in der Bücher-Heimat zum Thema des Buches sprechen.

Christine Weber über „Der Buchhändler aus Kabul“

Christine Weber über „Der Buchhändler aus Kabul“

Åsne Seierstad:

Der Buchhändler aus Kabul

Sultan Khan ist ein geschäftstüchtiger Buchhändler in Kabul, der seine Bücher verkauft, egal ob die Kommunisten oder die Taliban im Lande regieren. Er stellt sich auf die jeweilige Leserschaft ein; auch in der Zeit, als die amerikanischen Soldaten in Afghanistan waren. Für sie und ausländische Journalisten hält er die passenden Bücher bereit.

Die norwegische Schriftstellerin Åsne Seierstad, die als Kriegsberichterstatterin nach Afghanistan kommt, lernt den Buchhändler kennen und lebte fünf Monate als Gast im Haus der Familie – mit den zwei Ehefrauen, fünf Kindern und weiteren Verwandten auf engstem Raum. So lernt sie die Verhältnisse in Kabul nach dem 11. September 2001 und der Stationierung westlicher Militärkräfte kennen.

Die Autorin schlägt dem Buchhändler am Ende vor, ein Buch über ihn und seine Familie zu schreiben, womit er einverstanden ist. Zuerst erschien das Buch auf Norwegisch 2002, 2003 auf Englisch. Dagegen erhebt der Buchhändler dann schließlich Einspruch, was zu langen persönlichen und gerichtlichen Auseinandersetzungen führte, sodass das Buch in anderen Sprachen erst sehr viel später erscheinen konnte. Das Buch gibt einen intimen Einblick in die familiären Verhältnisse in Afghanistan: Besonders die Situation der Frauen war auch ohne die Herrschaft der Taliban bestimmt von Unterdrückung.

Mir hat das Buch dazu verholfen, mich besser in die Lage in Afghanistan hineinversetzen zu können. Ich empfehle es allen, die sich mit diesem Thema beschäftigen wollen.

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Åsne Seierstad: Der Buchhändler aus Kabul. Eine Familiengeschichte, Verlag Kein & Aber, 352 Seiten, ISBN  978-3036961118, Preis: 15,00 Euro.


Petra Nietsch über „Denen man vergibt“

Lawrence Osborne: Denen man vergibt

Lawrence Osborne:

Denen man vergibt

The Forgiven

Lawrence Osborne: Denen man vergibt

Ein wohlhabendes britisches Ehepaar ist auf dem Weg zu einer Party der Reichen und Schönen in der marokkanischen Wüste. Durch einen Streit abgelenkt und zudem angetrunken kommt es zu einem Verkehrsunfall, bei dem ein junger Einheimischer, der Fossilien an Touristen verkauft, tödlich verletzt wird.

Diese Situation nutzt der Autor als Ausgangspunkt für einen Roman, der äußerst facettenreich ist. Osborne thematisiert die Frage von Schuld ebenso wie das Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen, was zwangsläufig zu kulturellen Missverständnissen führt, und ein immer noch vorhandenes koloniales Verhalten der westlichen Zivilisation.

Durch den regelmäßigen Wechsel der Erzählperspektive schaut der Leser durch die Köpfe unterschiedlicher Charaktere auf die Ereignisse, so dass sich dieser sein eigenes Bild machen kann.

Alle diejenigen, für die sich gute Literatur auch durch ausdrucksstarke Sprache definiert, kommen in diesem Roman ganz auf ihre Kosten. Es ist ein Lesen mit allen Sinnen.

“This is a lean book that moves like a panther.” (Zitat aus der Rezension in der New York Times)

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Lawrence Osborne: „Denen man vergibt“, dtv Verlagsgesellschaft, 272 Seiten, ISBN 978-3-423-14699-9, Preis: 13,00 Euro.

Das Buch „Denen man vergibt“ hat aus dem BÜCHER-HEIMAT-Team auch Sonja Weber schon einmal besprochen.


Markus Weber über „Bruno Fabeyer – ,Waldmensch‘ und ,Moormörder'“

Markus Weber über „Bruno Fabeyer – ,Waldmensch‘ und ,Moormörder'“

Christof Haverkamp:

Bruno Fabeyer – „Waldmensch“ und „Moormörder“

„Bruno Fabeyer“, das ist ein Name, der in meiner Kindheit im Osnabrücker Land Angst und Schrecken verbreitete. Der Journalist und Historiker Christof Haverkamp erzählt die Geschichte der Verbrechen Fabeyers und seiner langen Fluchtgeschichte auf Grundlage einer genauen Recherche in Medien und amtlichen Unterlagen sehr detailliert und nüchtern. Als jemand, der in der Nähe von Osnabrück aufgewachsen ist, kommen mir viele Ortsnamen, die sich im Text und auf einer Karte im Umschlag finden, bekannt vor.

Aber ist das Buch auch für Leser*innen interessant, die keinen regionalen Bezug zur Geschichte Fabeyers haben? Ich finde schon, denn über den konkreten Fall hinaus wird Zeittypisches und Menschliches deutlich. So zeigt sich, dass die Polizei mit ihren Fahndungsmethoden – trotz ihres Einsatzes von Hundertschaften, Hunden und Hubschraubern – nur unzulänglich arbeitete. Nicht zuletzt fehlten technische Voraussetzungen für einen Erfolg. Erst recht versagte die Zusammenarbeit über Bundesländergrenzen hinweg, als Bruno Fabeyer seinen Wirkungskreis über Niedersachsen hinaus ausweitete.

Der Autor erzählt auch die Vorgeschichte Fabeyers mit seiner schwierigen Kindheit in prekären Verhältnissen und mit Heimaufenthalten in der NS-Zeit, die trotz der Gewaltverbrechen Fabeyers dazu angetan waren, teilweise Mitleid bei den Zeitgenossen zu erwecken. Schließlich zeigt sich auch, wie wenig das verbreitete Rechtsempfinden in der frühen Bundesrepublik (heutigen) rechtsstaatlichen Standards entsprach. Eine Zeitung schrieb etwa: „Das Fallbeil des Henkers ist in der Bundesrepublik außer Dienst, sonst würde man Bruno Fabeyer – hätte man ihn – gewiss aufs Schafott schicken, wie 1942 seinen wegen Fahnenflucht verurteilten Bruder Fritz.“ Und immer wieder forderten Zeitungen die Bevölkerung zur Mithilfe auf, Fabeyer „zur Strecke zu bringen“. Das Buch ist insofern auch ein Beitrag zur Gesellschaft in den 1960er Jahren.

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Christof Haverkamp: „Bruno Fabeyer »Waldmensch« und »Moormörder«“. Eine reale Kriminalgeschichte, Edition Temmen 2022, 131 Seiten, ISBN 9783837840711, Preis: 17,90 Euro.

Markus Weber über das Buch „Lotte Lenya und Bertolt Brecht“

Markus Weber über das Buch „Lotte Lenya und Bertolt Brecht“

Jürgen Hillesheim:

Lotte Lenya und Bertolt Brecht

Der Leiter der Brecht-Forschungsstelle in Augsburg, Jürgen Hillesheim, hat eine interessante und gut lesbare Doppelbiografie zweier einzigartiger Persönlichkeiten des Kulturlebens im 20. Jahrhundert vorgelegt. Der Autor verfolgt deren Lebensweg von ihrer Kindheit in Wien bzw. Augsburg bis zu ihrem Tod. Immer wieder begegnen sich beide im Laufe ihres Künstlerlebens, das einerseits von Konkurrenz geprägt ist, doch andererseits ist der Erfolg beider voneinander abhängig: „Nichts repräsentiert … die ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘ besser und eindringlicher als diese Zusammenarbeit; trotz aller Bitterkeit, die sie von Anfang an bestimmte,“ schreibt Hillesheim resümierend.

Wir lernen beide in ihren privaten Umfeldern in einer Zeit des Wandels kennen, teils – wie bei Lotte Lenya – geprägt durch Armut und Gewalt in der Kindheit. Auch zahlreiche Liebschaften beider durchziehen deren Biografien. Und wir können das Leben über den Erfolg in der Weimarer Republik, die schwierigen und bedrohlichen Zeiten des Exils während der nationalsozialistischen Diktatur bis in die Nachkriegszeit verfolgen: Lotte Lenya, die sich für ein Leben in den USA entscheidet und Erfolge feiert, und Bert Brecht, der in der DDR sein eigenes Theater aufbauen kann. Gleichzeitig begegnen wir vielen weiteren bedeutenden Persönlichkeiten, die das Leben der beiden gekreuzt haben.

Die Widersprüchlichkeit der Protagonisten wird keineswegs ausgespart. So ließ die SED am Grab von Bert Brecht, der trotz seines zeitweise opportunistischen Verhaltens gegenüber der Politik zeitlebens seine pazifistische Grundhaltung bewahrt hat, Soldaten der Nationalen Volksarmee Spalier stehen – wie immer Brecht darüber gedacht hätte.

Wer spannende Entwicklungen im Kulturleben des 20. Jahrhunderts erlesen möchte, kann mit Gewinn zu diesem Buch greifen.

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Jürgen Hillesheim: „Lotte Lenya und Bertolt Brecht. Das wilde Leben zweier Aufsteiger“, Verlag: wbg Theiss 2022, ISBN 978-3806245356, 304 Seiten, Preis: 25,00 Euro.

Hans Georg Ruhe über „Kummer aller Art“

Hans Georg Ruhe über „Kummer aller Art“

Mariana Leky:

Kummer aller Art

Die Bestsellerautorin („Was man von hier aus sehen kann“) hat ihre literarischen Kolumnen, die zuerst in „Psychologie heute“ erschienen sind, überarbeitet und gesammelt veröffentlicht. Leky beschäftigt sich mit dem Alltag, mit den kleinen und großen Macken, dem scheinbar Nebensächlichen. Man merkt den kurzen Geschichten an, in welchem Umfeld sie zunächst erschienen sind: Psychos kommen auf ihre Kosten. Zwangshandlungen, Alltagsneurosen, soziale Defizite und liebenswerte Kummereien werden mit leichter Hand und viel Humor selbstironisch erzählt. Flach bleibt es selten. Meistens spielen die tatsächlichen oder fiktiven Nachbarn eine Rolle: Frau Wiese, Herr Schnepp oder der unsägliche namenlose Untermieter.

„Kummer aller Art“ ist ideal für den Nachttisch: Nach jeweils zweieinhalb Seiten wird man mit einem Lächeln einschlafen oder ratlos wachliegen, weil man sich ertappt fühlte.

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Mariana Leky: „Kummer aller Art“, Dumont Buchverlag, 170 Seiten, ISBN 9783832182168, Preis: 22,00 Euro.