Der Harz vor 150 Millionen Jahren

Eine Zeitreise durch die Geologie des Harzes

„Harz – 150.000.000 BC“ ist ein Fach- und Sachbuch über die Geologie im Harz, den Bergbau, die Entstehung von Mineralien und Fossilien und Fundorte im Harz. Warum dies ein hochspannendes Thema ist, wird Autor Lars Jendrzok bei einer Lesung am Donnerstag, 11. März 2027 in der BÜCHER-HEIMAT eindrucksvoll vermitteln.

Der Harz ist weit mehr als ein sagenumwobenes Mittelgebirge – er ist ein offenes Geschichtsbuch der Erde. Auf engstem Raum offenbaren sich hier geologische Prozesse aus über 500 Millionen Jahren, die eine weltweit einzigartige Vielfalt an Gesteinen und Erzen hervorgebracht haben.
Das Buch Harz – 150.000.000 BC versteht sich laut Jendrzok als Hybrid aus Fachbuch, Sachbuch und Ratgeber: Es vermittelt fundiertes geologisches Hintergrundwissen, erzählt die bewegte Geschichte des Harzer Bergbaus und dient gleichzeitig als praktischer Wegweiser zu den spannendsten Fundstellen für Mineralien und Fossilien im Harz.
Wer die Entstehung des Brocken-Granits verstehen, tief in die Stollen der Bergbautradition blicken oder selbst mit dem Geologenhammer auf Entdeckungstour gehen will – dieses Werk ist ein Begleiter von der Theorie direkt ins Gelände und lädt zu einem Blick in die faszinierende Unterwelt des Harzes ein.

Über den Autor:

Schon als Kind gab es für Lars Jendrzok nach eigenem Bekunden nichts Spannenderes, als mit dem Blick am Boden durch die Wälder und Täler des Harzes zu streifen. Er hielt Ausschau nach „Schätzen“, die viel älter waren als alles Lebendige um uns herum. Ein glitzerndes Mineral im Bachbett oder die feinen Linien eines Fossils in einem grauen Schieferstein – diese Funde waren Zeitkapseln aus einer längst vergangenen Welt.

Der Harz ist für Lars Jendrzok nicht nur ein Gebirge, sondern ein offenes Geschichtsbuch der Erde.

Das Herzstück seiner Begeisterung schlägt dabei für eine ganz besondere Zeit: vor genau 150 Millionen Jahren. In seinem Buch möchte er Leserinnen und Leser mitnehmen auf eine Reise durch die Geologie des Harzes.

Es gibt nur wenige Hobbys, die uns so unmittelbar mit der Geschichte unseres Planeten verbinden wie die Suche nach Fossilien und Mineralien. Wer einen Stein aufhebt, hält nicht einfach ein Stück Materie in der Hand — sondern ein Fragment der Erdgeschichte, ein Kapitel aus einem Buch, das vor Millionen von Jahren geschrieben wurde. Jedes Fossil erzählt von einem längst verschwundenen Meer, von Tieren, die vor unserer Zeit über den Meeresboden krochen, schwebten oder schwammen. Jeder Kristall ist das Ergebnis von Druck, Hitze, Wasser und Zeit — ein Kunstwerk, das die Natur selbst geschaffen hat, lange bevor der Mensch existierte.

Für den verheirateten Vater eines Kindes ist das Buch „Harz – 150.000.000 BC“ auch persönlich ein besonderer Schritt. Nach jahrelanger Arbeit (seit 2007 als Autor tätig, u. a. im Kinderbuchbereich) zeigt Lars Jendrzok nun eine neue, reifere Facette seines literarischen Schaffens. Dennoch bleibt er seinem Talent treu, komplexe Welten und Themen vor dem inneren Auge der Leser lebendig werden zu lassen.

Das Buch „Harz – 150.000.000 BC“ ist in der BÜCHER-HEIMAT erhältlich.

Michael Thode lässt „Blaues Feuer“ lodern

Wenn ein Sensationsfund zur Bedrohung wird

Michael Thode hat bereits im Bastei Lübbe Verlag erfolgreich die Romane „Das stumme Kind“ und „Schuld! Seid! Ihr!“ veröffentlicht, nun folgt im Verlag HarperCollins sein neuer Thriller „Blaues Feuer“. Es ist der erste Band einer konzipierten Reihe um den Kampfschwimmer Yorick Vard und Michael Thode lässt „Blaues Feuer“ am Donnerstag, 11. Februar 2027, auch in der BÜCHER-HEIMAT lodern.

Zum Inhalt

Dr. Kristina Sabo ist etwas gelungen, von dem andere Forscher nur träumen: In der Arktis hat sie ein leuchtendes Bakterium entdeckt – eine wissenschaftliche Sensation, die den weltweiten Energieverbrauch drastisch senken könnte. Um weitere Proben zu sichern, sticht ein Forschungsschiff in See, an Bord Kristina und der Elitesoldat Yorick Vard. Er ist auf verdeckte Operationen spezialisiert, und sein Auftrag lautet: die Mission um jeden Preis zu schützen. Je weiter sie in das Nordpolarmeer vordringen, desto mehr gerät die Fahrt außer Kontrolle. Ein aufziehender arktischer Sturm, Sabotageakte an Bord und unerklärliche Zwischenfälle bedrohen nicht nur die Forschung, sondern auch das Leben der Crew.  

In Hamburg erkennt Kristinas Kollege José Ruiz Fernández unterdessen, welche Gefahr tatsächlich hinter der Entdeckung steckt. Denn ein einziger Fehler kann eine ungeahnte Kettenreaktion auslösen – und eine Entwicklung in Gang setzen, die alles in den Abgrund reißen könnte.  

Ein atmosphärischer Wissenschaftsthriller über Macht, Verantwortung und eine Entdeckung, die zur Gefahr werden könnte – Spannung bis zur letzten Seite.

Zum Autor

Michael Thode, geboren 1974 in Heide/Holstein, ist Jurist und Fachjournalist. Neben seiner Tätigkeit als Autor bringt er seine militärische Erfahrung als Oberst der Reserve regelmäßig in die Bundeswehr ein, unter anderem im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin. Er lebt mit seiner Frau und einem quirligen Gordon Setter in der Nähe von Hamburg. Dort schreibt er Thriller und Kurzkrimis.

Donnerstag, 11. Februar 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Bildstarke musikalische Lesung

Bildstarke musikalische Lesung

Restorchester und anspruchsvolle Foto-Kunst

Restorchester im Strassenbahn Depot in Braunschweig.

Das RESTORCHESTER um Jens Müller stellt am Donnerstag, 14. Januar 2027, sein neues Album „Zukunftsmusik“ als Fotoband mit Kollodium-Nassplattenfotografie in der BÜCHER-HEIMAT vor. In der Region Bad Harzburg ist Jens Müller vor allem als Bassist von SILENT RADIO bekannt, mit denen er regelmäßig Konzerte im Bündheimer Schloss spielt.

Als Singer/Songwriter seiner eigenen Band RESTORCHESTER sorgt er mit deutschsprachigen Liedern und mittlerweile bereits vier Alben für Begeisterung bei Publikum und Presse: „Swingende Melancholie“, „Stilvoller, fein nuancierter Chanson-Pop…“, der „die Tristesse zum Tanzen bringt“, so überschrieb die Braunschweiger Zeitung die Konzerte von RESTORCHESTER, – Klänge von Charleston bis Kuba und von Polka bis Tango sorgen in Kombination mit feinsinnigen, tragikomischen Texten nicht nur für Schmunzeln, sondern lassen das Publikum sogar manchmal mittanzen.

Für das neue Album-Projekt „Zukunftsmusik“ hat sich das RESTORCHESTER mit dem Göttinger Fotografen Andreas Mros zusammengetan, der seit 2014 in Kollodium-Nassplattentechnik arbeitet und dem anspruchsvollen Verfahren intensive Porträts und stimmungsvolle Stillleben abtrotzt. Diese Technik wurde bereits seit 1851 zum Fotografieren genutzt. In einem aufwändigen Verfahren wird dabei eine Glasplatte per Hand mit einer lichtempfindlichen Flüssigkeit überzogen. In einer lichtdichten Kassette wird sie dann schnellstmöglich noch nass in den Apparat geschoben und per Abnehmen einer Objektivkappe belichtet – nach Stoppuhr und Bauchgefühl.

Geht alles gut, entsteht ein echtes Unikat mit fein austarierter Tiefenschärfe und wohltemperierten Schwarz-Weiß- und Sepiatönen. Die Bilder wirken unmittelbar und geheimnisvoll zugleich und in ihrer nahbaren und nostalgischen Ästhetik trotzdem merkwürdig zeitlos. Wahrscheinlich ist es genau diese Qualität, die sie so gut zu den Liedern von RESTORCHESTER passen lassen.

Entstanden ist so ein gemeinsamer Fotoband plus CD, der die Texte und Lieder von RESTORCHESTERS neuem Album „Zukunftsmusik“ mit den Werken von Andreas Mros auf anregende Weise zusammenbringt. In der „Bücher-Heimat“ in Bad Harzburg stellen Fotograf und Band das inspirierende Werk persönlich mit einem kleinen unplugged-Konzert und einem Gespräch vor.

Donnerstag, 14. Januar 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Leseabend mit Imre Grimm

Der Grimm des Lebens

Imre Grimm. Foto: Jan Schölzel

Wer nennt Brötchen ungestraft „Kürbisschlawiner“? Gehört Sternenstaub in den Bauschuttcontainer? Lautet die korrekte Aussprache von „Worchestersoße“ tatsächlich „Whms$%&X!stersoße“? Ist Geben seliger als Bremen? Und wenn dieses Jahr ein Schaltjahr ist – ist dann nächstes Jahr wieder ein Automatikjahr? Wichtige Fragen, die am Freitag, 6. November 2026, in der BÜCHER-HEIMAT beantwortet werden…

Mit feinsinnigem Humor und scharfem Blick für das Skurrile entlarvt der Kolumnist Imre Grimm – Chefautor des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) – die komischen Seiten des Lebens zwischen Toffifee, Tiefkühlkost und Tupperparty. Seine Kolumne erscheint in mehr als 50 Zeitungen in ganz Deutschland. Seit vielen Jahren ist er auch auf den Bühnen des Landes unterwegs. Nun kommt er wieder einmal nach Bad Harzburg. Im Gepäck: Sein frisch erschienenes Buch „Der Grimm des Lebens“.

In seinem musikalisch-literarischen Programm präsentiert Imre Grimm am Freitag, 6. November 2026, in der BÜCHER-HEIMAT seine besten Kolumnen und Satiren in Wort, Bild und Ton. Ein Abend für alle, die am liebsten über sich selbst lachen. Viel Vergnügen!

Freitag, 6. November 2026, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Petra Nietsch über „Die Namen“

Petra Nietsch über „Die Namen“

Florence Knapp: Die Namen

Was für ein Geschenk, dass wir uns im großen Team der Bücher-Heimat immer wieder regelmäßig über Gelesenes austauschen. Dieses Mal hat unsere Auszubildende Thea mir diesen Roman empfohlen, und vier Tage später hatte ich ihn bereits ausgelesen. Es lässt sich also als erstes festhalten, dass das Buch für jede Altersklasse eine Empfehlung ist.

„What’s in a name? “ lässt bereits Shakespeare Julia ihren Romeo fragen. Und um diese Frage geht es auch in dieser Geschichte. Kann der eigene Name unseren Charakter, unser Tun und Handeln und unsere Entscheidungen beeinflussen? Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die versuchen, das zu beweisen.

Aber schauen wir auf den Debut-Roman von Florence Knapp. Eine Junge, drei Namen, drei Lebenswege.
Im Oktober 1987 hat Cora, die  in einer unglücklichen Ehe mit einem gewalttätigen Mann gefangen ist, ihr zweites Kind geboren. Als sie mit ihrer Tochter Maia auf dem Weg zum Standesamt ist, um ihren Sohn anzumelden, sprechen sie über Namen. Während Coras Mann erwartet, dass sein Sohn aus langer Tradition heraus Gordon genannt werden muss, bevorzugt sie Julian, was laut ihrem Namensbuch „Himmelsvater“ bedeutet. Maia schlägt Bear vor, denn für sie sind Bären weich, verschmust und freundlich, aber auch mutig und stark.

Nun beginnt ein spannendes Gedankenexperiment, denn Knapp entwickelt drei unterschiedliche, parallel verlaufene Handlungsstränge. Die Geschichte erstreckt sich über 35 Jahre und zwischen jedem Abschnitt liegen 7 Jahre. Bear, Julian und Gordon wachsen also in der Zeit zu erwachsenen Männern heran. Diese klare Struktur und die Tatsache, dass die wichtigsten Charaktere Teil aller Lebensgeschichten sind, erleichtert das Verständnis beim Lesen.

Ein fesselnder Roman, der Antworten gibt, aber genauso viel Fragen aufwirft.

Florence Knapp: „Die Namen“, Eichborn Verlag, 352 Seiten, ISBN 9783847902294, Preis: 24,00 Euro.


Bettina Luis über „Das gute Übel“

Bettina Luis über „Das gute Übel“

Samantah Schweblin: Das gute Übel

Cover Das gute Übel Schweblin

In Spanien wurde 2026 erstmalig der sehr hochdotierte AENA-Literaturpreis vergeben. Die Auszeichnung erhielt die 1978 in Buenos Aires/Argentinien geborene Autorin SAMANTHA SCHWEBLIN. Das mit dem Preis verbundene Preisgeld von 1 MIO Euro ist nicht unumstritten. Stammt das Geld doch von der gleichnamigen Fluggesellschaft…

Die im Suhrkamp Verlag erschienene Erzählsammlung DAS GUTE ÜBEL (El BUEN MAL) wurde 2025 immerhin zum besten spanischsprachigen Buch erklärt.

Ich habe angesichts der immensen Summe allerdings auch gestutzt und wollte dem „Besonderen“ in dem Buch unbedingt nachspüren, ohne natürlich letztlich ein Urteil über dessen „Preiswürdigkeit“ zu fällen. „Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters“, heißt es. Gleiches gilt m.E. auch für Literatur und jede Rezension bleibt subjektiv. So las ich DAS GUTE ÜBEL unter genau dieser Fragestellung: Möchte ich es anderen Lesern empfehlen und wenn ja, warum?

Soviel vorab: Ich mag skurrile und befremdliche Literatur und lasse mich gerne ein auf Texte, die durchaus auch surreal und/oder sprachlich irritierend sein dürfen. Diese Vorlieben bedient SCHWEBLIN in den sechs Erzählungen durchaus. Es gibt verbindende Themen, allerdings steht jede Geschichte für sich. „Bilder“ erscheinen, sind düster gefärbt, morbide, z.T. auch abstoßend:

Eine Frau beschreibt detailliert ihr freiwilliges Ertrinken und erkennt dann neue Nähe, („Willkommen im Club“).

Eine andere Mutter ertrinkt in ihrer langjährigen Trauer um den kleinen Sohn, den nun ein geschundenes Pferd der Freundin ersetzen soll, („Ein fabelhaftes Tier“).

Eine ungewöhnliche Geburtstagsparty in einem Studentenzimmer wird durch einen vergifteten Kater in ziemlich unheimlicher Art aufgelöst. Wie fühlt es sich an, verrückt zu werden? („William am Fenster“).

In „Das Auge in der Kehle“ verunfallt ein Kleinkind, weil für den Bruchteil einer Sekunde der Vater abwesend war. Das Kind wird durch eine Tracheotomie („Das Auge in der Kehle“) zwar gerettet, bleibt aber seitdem stumm. Seine Eltern versinken in seltsam „schützende“ Schuldgefühle.

„Die Frau aus Atlántida“ verwahrlost zunehmend – heimlich nehmen sich einzig zwei Mädchen immer nachts ihrer pflegend an.

In der letzten Geschichte wird eine verwirrte Greisin aufgegriffen. Ihr höflicher Sohn entpuppt sich allerdings letztlich als Psychopath. („Der Allmächtige macht einen Besuch“).

Die Zumutung dieser Lektüre liegt zum einen sicher darin, sich dem Horror im Chaos menschlicher Urgründe auszusetzen. Besonders schwer zu ertragen ist dabei das gesellschaftliche „Ausblenden“ psychosozialer Nöte, das SCHWEBLIN in ihren Texten exemplarisch sehr bildhaft vorstellt und offensichtlich anprangert.  Dem „Übel“ gegenüber stellt sie jedoch auch das unscheinbare „kleine Gute“, das in Form von menschlicher Nähe, Fürsorge, Freundschaft, … durchschimmert. Das „Gute“ liegt versunken im „Übel“, es scheint ertrunken, untergegangen im überschwemmt Werden von erstickenden Ereignissen.

Sprachlich erlebe ich die Erzählungen als ausgesprochen lebendig – also gewollt konträr zur inhaltlich düsteren Atmosphäre. Innere Monologe und kurzweilige äußere Dialoge passen sich dem wiederkehrenden Thema WASSER mal fließend, mal stürmisch an. Bildreiche Formulierungen garantieren: Viel Raum für Phantasien und damit:  Keine Langeweile auf 190 Seiten!

Möchte ich also DAS GUTE ÜBEL anderen LeserInnen empfehlen? JA, wenn folgende Vorlieben geteilt werden: Die Liebe zur Kurzgeschichte, die Spannung eines Krimis, kunstvolle psychopathisch detaillierte Phantasiebeschreibungen, surreale (Traum)Welten, offene Enden… u.a.m. Dann findet man sich als LeserIn ungeschützt wieder inmitten eigener aktueller Sozialdramen und lässt sich bestenfalls ein auf das Finden von jenem Not-wendigem GUTEN im ÜBEL der eigenen Gegenwart. Oder denkt zumindest mal darüber nach!

Samantah Schweblin: „Das gute Übel“, Suhrkamp, 189 Seiten, ISBN 9783518431382, Preis: 25,00 Euro.


Werner Beckmann über „Die Känguru-Rebellion“

Werner Beckmann über „Die Känguru-Rebellion“

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion

Ich bin kein Freund von Hörbüchern, auch Literatur-Verfilmungen haben es bei mir schwer. Ich schaffe mir die Figuren lieber selbst. Daniel Radcliffe war nie mein Harry Potter. Aber es gibt Ausnahmen, weswegen hier Marc-Uwe Klings „Die Känguru-Rebellion“ als Hörbuch besprochen sein soll.

Wenn der „Kleinkünstler“ das Beuteltier mit dem Hang zur Anarchie oder Kneipenwirtin Hertha spricht, ist das ähnlich großartig (und doch ganz anders) wie Timur Vernes‘ „Er ist wieder da“, vorgelesen von Christoph Maria Herbst.

Eigentlich geht es um Bewährtes und Beliebtes – und doch ist etwas anders. Ein neues Känguru-Erlebnis. Deutlich politischer, häufig schärfer als in den Vorgängerwerken. Warum das so ist, erklärt das Känguru selbst: „Im Wort ‚Unterhaltung‘ steckt auch das Wort ‚Haltung‘.“

Worum es geht? „Hauptsächlich geht’s darum, dass wir rebellieren. Gegen die Zustände. Muss ich noch mehr dazu sagen?“ Nein, muss er nicht, denn, so souffliert das Beuteltier: „Von den Zuständen kriegt man ja Zustände.“ Und die werden am Rebellion-Stammtisch in Herthas Eckkneipe ausgelebt.

Der (aber-)witzige Kampf gegen Rechtsextreme, fürs Klima und gegen den Kapitalismus geht weiter. Ohrfeigen gibt es für den Politbetrieb in Berlin, vorneweg für die AfD, aber auch für Merz und Söder und etliche andere. Wobei an der begrenzten Zahl der „Gebashten“ auch deutlich wird, dass in der Politik die satisfaktionsfähigen Charakterköpfe offenkundig seltener werden.

Absolut im Visier haben Kling und Känguru auch die megareichen Tech-Unternehmer. Damit, dass sich „unser digitales Leben in der Hand weniger Superreicher befindet“, wollen sie sich nicht abfinden. Und irgendwie kann man viele Gedanken nachvollziehen: „Ich finde das so absurd, dass die beiden reichsten Typen auf diesem Planeten Raketenfirmen gründen und zum Mars wollen.“

Es gibt Passagen, die sind politisches Kabarett, in denen kommt einem das Känguru wie die Neuauflage von Volker Pispers oder Dieter Hildebrandt vor. Aber auch die beiden Kabarett-Großmeister brachten uns ja zum Lachen – bis es im Hals steckenbleibt…

Kling jedoch findet eine gute Mischung, verzichtet weder auf Schnapspralinen noch auf falsch zugeordnete Zitate. Beispiele gefällig: Die Fußballer-Weisheit „Elf Freunde sollt ihr sein“ legt Kling den Zwölf Aposteln in den Mund. Und vom Ex-FDP-Chef Christian Lindner stammt demnach die Weisheit „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“

Wer sich das Hörbuch herunterlädt (oder das Buch kauft), wird hernach auch seine Meinung zur vermeintlich so schönen virtuellen Welt überdenken: „Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass es auch jeder tut.“

Und jetzt habe ich mich mit dieser Rezension da eingereiht…

Marc-Uwe Kling: „Die Känguru-Rebellion“, Hörbuch Hamburg, Laufzeit ca. 7 Stunden und 30 Minuten, ISBN 9783844944549, Preis: 12,95 Euro.

Für alle, die lieber etwas in der Hand haben: Hier geht es zum Taschenbuch der Känguru-Rebellion…


Markus Weber über „Auf den Straßen Teherans“

Markus Weber über „Auf den Straßen Teherans“

Nila: Auf den Straßen Teherans

Der gegenwärtige Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die öffentliche Aufmerksamkeit nun noch einmal in besonderer Weise auf das Land gelenkt. Anfang Januar 2026 hatte die Ermordung von Zehntausenden Demonstranten die Brutalität des Mullah-Regimes in Teheran gezeigt. Unabhängig davon, wie man den Krieg und die Frage bewertet, ob er die demokratische Opposition im Lande stärkt oder ihr schadet, hilft das Büchlein, die Hintergründe des Aufbegehrens der Frauen zu verstehen.

Nila, Pseudonym einer mutigen iranischen Frau, gibt Zeugnis davon, unter welchen Verhältnissen besonders die Frauen im Iran leiden und was sie bewegt, dagegen unter erheblichen persönlichen Risiken auf die Straßen zu gehen. Das Buch war schon 2023 auf Französisch und Englisch veröffentlicht worden, Anfang 2026 ist es nun – endlich! – auch auf Deutsch erhältlich. Es wird sehr eindrücklich und glaubwürdig geschildert, wie die Unterdrückung ausgeübt wird. So müssen die Familien der Opfer in manchen Fällen die Kugeln bezahlen, mit denen ihre Töchter von den Milizen erschossen wurden, um die Leichen bestatten zu können – ein unglaublicher Zynismus. Und eine Herausforderung für solidarisches Handeln andererseits.

Eingeflochten in die Darstellung der heutigen Situation sind Geschichten über die religiös begründete patriarchale Gewaltherrschaft, die nicht erst 1979 mit der sogenannten islamischen Revolution begann. Und es gibt alte Geschichten der Gegenwehr von Frauen, auf die sich die heutige Opposition bezieht. So kann das Verständnis für die Entwicklungen vertieft werden.

Und im Buch finde ich Sätze, die mich länger beschäftigen, die hängen bleiben: „Ohne Ziel vor Augen steige ich in die U-Bahn. Ich schwebe durch die Stadt wie in einem Traum, dessen Träumerin gestorben ist. Zwischen den Stationen starren die Menschen nur auf ihr eigenes Spiegelbild im Fenster des Waggons. Kein Wort wird gewechselt. Vollkommene Stille. Wie die Reaktion Gottes auf ihr Leid.“

Das Vorwort der Journalistin Natalie Amiri erinnert daran, wie wichtig es ist, sich für die Freiheit zu engagieren – auch bei uns. Erläuterungen zu einzelnen Personen und Ereignissen und eine Zeittafel zu den Jahren 2022/23 ergänzen den Text.

Nila: Auf den Straßen Teherans. Ein eindringliches Zeugnis der Revolution mit einem Vorwort von Natalie Amiri. Pfaueninsel 2026, ISBN 978-3691310085, 144 Seiten, 20,00 Euro.

Sonja Weber über „Das Jahr“

Sonja Weber über „Das Jahr“

Jonas Tjäder / Maja Knochenhauer: Das Jahr

Jonas Tjäders und Maja Knochenhauers neues Bilderbuch „Das Jahr“ ist für alle kleinen Menschen von vier bis sieben gedacht und alle Großen, die gerne mit Kindern Bücher anschauen.

Anhand einer Stadt, aufgeteilt in drei verschiedene Szenen und bevölkert von vielen Leuten, beschreiben die beiden jeden einzelnen Monat auf je einer Doppelseite. Ein Mehrfamilienhaus, eine Bücherei, die Bäckerei und das Sportgeschäft aus dem Januar trifft man im April, Juli und Oktober wieder. Was im Kindergarten und der Kirche los ist, entdeckt man Februar, Mai, August und November, die Schule, den Markt und ein Neubaugebiet bekommt man im März, Juni, September und Dezember zu sehen.

Die vielen, vielen kleinen Figuren, die jede Seite bevölkern, tummeln sich ebenfalls auf den Umschlaginnenseiten vorne und hinten. Einige von ihnen verstecken sich richtig gut im Buch und man hat lange zu suchen, andere haben ein paar Rätselaufgaben für alle Bilderbuchfans. Mit jeder Figur kann man das Jahr in einer individuellen Geschichte erleben.

Jonas Tjäder und Maja Knochenhauer haben ein kleines Universum erschaffen, in das man nach Lust und Laune eintauchen kann.

Jonas Tjäder / Maja Knochenhauer: „Das Jahr“, Oetinger Verlag, 32 Seiten, ISBN 978-3-7512-0785-0, Preis: 17,00 Euro.


Markus Weber über „Die Unzertrennlichen“

Markus Weber über „Die Unzertrennlichen“

Simone de Beauvoir: Die Unzertrennlichen

Simone de Beauvoir, eine der berühmtesten Frauenrechtlerinnen Europas, hat mit diesem Roman ein sehr persönliches – autofiktionales – Buch geschrieben. Für ihren langjährigen Lebensgefährten Jean-Paul Sartre war es zu persönlich. Deshalb war es zu ihren Lebzeiten nicht erschienen. Erst Simone de Beauvoirs Adoptivtochter, Sylvie Le Bon de Beauvoir, sorgte dafür, dass das Buch lange nach ihrem Tod 1986 erscheinen konnte. Eine gute Entscheidung, wie ich finde.

Simone de Beauvoir erzählt die Geschichte einer Beziehung zwischen zwei Freundinnen, die sich als 10-jährige am katholischen Mädcheninstitut kennenlernen. Es ist eine für mich fremde Welt, in der sich die Kinder Siezen müssen, wie es sich für das Bildungs- und Besitzbürgertum der damaligen französischen Gesellschaft so gehörte. Und trotz der herzlichen und langjährigen Freundschaft der beiden, die mit dem tragischen Tod der 22-jährigen Freundin Zaza (im Roman: Andrée) endet, bleibt das bis zum Schluss so. Für Simone (im Roman: Sylvie) ist es mehr als eine Mädchenfreundschaft.

Die Welt, in der die beiden Mädchen aufwachsen, ist geprägt von einem rigorosen Katholizismus, der Schuldgefühle einimpft, wann immer Regeln übertreten werden – und sei es in Gedanken. Und die Mädchen werden trotz ihrer hohen Bildung in Rollen gedrängt, was bei Sylvie früh eine Wut gegen die strengen Regeln und die Enge auslöst. Eine Wut, die Sylvies Tante sagen lässt, sie sei „vom Teufel besessen“. Und im Unterschied zu Andrée kommt Sylvie zu dem Schluss, einen solchen Gott, der sich gegen die Menschen stellt, könne und dürfe es nicht geben. Sylvie durchbricht die Erwartungen, während Andrée gegen ihre inneren Widerstände ankämpft und sich unterwirft, woran sie letztlich zerbricht.

Die Widmung des Romans an Zaza zeigt etwas, das den Roman durchzieht: Ein Verantwortungsgefühl für Zaza und ein Schuldgefühl, weil diese so früh sterben musste: „Wenn ich heute Abend Tränen in den Augen habe, ist es dann, weil sie tot ist oder weil ich lebe?“ Trotz dieser Schwere ist es ein schöner Roman über eine Freundschaft.

Sylvie Le Bon de Beauvoir hat dem Roman ein Vorwort vorangestellt. Und im Anhang geben bisher unveröffentlichte Bilder und Briefauszüge Einblicke in die Freundschaft von Simone und Zaza.

Simone de Beauvoir: Die Unzertrennlichen. Roman, Rowohlt Taschenbuch 2023, ISBN 978-3499005497, 144 Seiten, 14,00 Euro.