Hans-Joachim Wildner stellt historischen Harz-Roman vor

Zwischen Aufbruch und Widerstand

Mit dem Bau der Eisenbahn erreicht die Industrialisierung im 19. Jahrhundert den Harz – und mit ihr eine Zeitenwende, die Gewinner und Verlierer hervorbringt. Was für die einen Fortschritt und wirtschaftliche Zukunft bedeutet, bedroht für die anderen die über Generationen gewachsene Existenz.

In seinem historischen Roman „Solange die Schienen singen“, den Hans-Joachim Wildner am Donnerstag, 20. Mai 2027, um 19.00 Uhr in der BÜCHER-HEIMAT vorstellt, erzählt er von dieser bewegten Zeit und verbindet die großen Veränderungen des 19. Jahrhunderts mit einer persönlichen Geschichte voller Liebe, Loyalität und Schuld.

Im Mittelpunkt steht der junge Eisenbahningenieur Franz von Gleiwitz, der vom Fortschritt der neuen Technik überzeugt ist. Als der Nordhäuser Bürgermeister den Bau der Harzquer- und Brockenbahn vorantreibt, stößt das Projekt jedoch auf erbitterten Widerstand. Fuhrleute und Handwerker sehen ihre Lebensgrundlage bedroht und kämpfen gegen eine Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten lässt.

Zwischen den Fronten gerät Franz nicht nur beruflich unter Druck. Seine Liebe zu Sophie Heitmüller, der Tochter eines Fuhrmanns, wird durch den Konflikt ihrer Familien und ihrer unterschiedlichen Vorstellungen von der Zukunft auf eine harte Probe gestellt. Gleichzeitig holt Franz ein schreckliches Erlebnis aus seiner Militärzeit ein. Was lange verborgen schien, droht seine Gegenwart und seine Zukunft zu erschüttern.

Vor der eindrucksvollen Kulisse des Harzes erzählt der Roman von einer Epoche, in der sich vertraute Lebenswelten unwiderruflich verändern. Zwischen Fuhrwerken und Lokomotiven, Tradition und technischem Fortschritt, persönlicher Schuld und gesellschaftlichem Wandel müssen die Figuren ihren eigenen Weg finden.

„Solange die Schienen singen“ ist ein historischer Roman über den Preis des Fortschritts – und über Menschen, die sich entscheiden müssen, was sie bewahren und was sie loslassen können. Eine Geschichte über Liebe und Widerstand, über alte Wunden und neue Wege und über den Moment, in dem eine ganze Region beginnt, in eine andere Zukunft aufzubrechen.

Donnerstag, 20. Mai 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Hans-Joachim Wildner: „Solange die Schienen singen“, epv-Verlag, 416 Seiten, ISBN 9783969011089, Preis: 16,00 Euro.

Sonja Weber über „Wilbur und Charlotte”

Sonja Weber über „Wilbur und Charlotte”

Elwyn Brooks White: Wilbur und Charlotte

Einer meiner liebsten Kinderbuch-Klassiker ist „Wilbur und Charlotte” von Elwyn Brooks White. Der Autor war 1945 mit „Stuart Little” bekannt geworden und 1952 erschien „Charlotte`s Web”. Im Deutschen schaut man auf das Buch und denkt: „Ah, es geht um ein Mädchen und das Schwein Wilbur.”  Der englische Originaltitel suggeriert gleich, um wen es sich bei Charlotte handelt.

Die ganze Geschichte beginnt eines Morgens im Frühjahr auf der Farm der Zuckermans. Die kleine Fern sitzt beim Frühstück, als ihr Vater mit einer Axt das Haus verlässt. In der Nacht war ein Mickerling geboren worden, ein kleines Ferkel ohne große Überlebenschance.

Fern rettet das Kerlchen, nennt es Wilbur und päppelt es auf, bis aus ihm ein recht propperes Schweinchen geworden ist, das auf dem Hof so einige Freunde gefunden hat. Ein Lamm, einen Ganter und vor allem die kluge Spinne Charlotte. Diese trägt dann auch wesentlich zu seiner Rettung bei, denn gerettet werden muss Wilbur erneut, wenn man bedenkt, was aus propperen Schweinen auf einer Farm wird.

Aber Dank Charlottes Klugheit und Webkünsten wird aus einem ganz normalen Borstentier ein Pracht-Schwein. Das erstaunt dann sowohl die Zuckermans wie auch den Rest des Dorfes und weil ja Geheimnisse bekanntlich schwer zu hüten sind, weiß schon bald der ganze Bezirk, dass auf der Zuckerman-Farm ein Wunderschwein lebt.

Der Sommer wird damit für alle Beteiligten recht aufregend und vor allem Wilbur hat auf einmal viel um die Schweineohren. Der Sommer vergeht wie im Fluge und als der Herbst langsam in einen frühen Winter übergeht, muss Charlotte ihrem guten Freund eine traurige und schöne Mitteilung gleichzeitig machen.

Elwyn Brooks White: „Wilbur und Charlotte”, Diogenes Verlag, 224 Seiten, ISBN 9783257235241, Preis: 12,00 Euro.


Der Literatur „on Tour“ auf der Spur

Der Literatur „on Tour“ auf der Spur

Im Freundschaftstempel des Dichters Gleim

Mit der „BÜCHER-HEIMAT on Tour“ begeben sich Literaturfreunde der Harzregion seit dem Start der Mitmach-Buchhandlung im Jahr 2022 immer wieder auf die Spur großer Literaten und großer Literatur. Das jüngste Ziel lag dabei fast schon vor der Haustür: Das Gleimhaus in Halberstadt.

Das ehemalige Wohnhaus des Dichters und Sammlers Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) in Halberstadt wurde bereits 1862 zum Museum und ist damit heute eines der ältesten deutschen Literaturmuseen. Im „Blaubuch“ der Bundesregierung wird die Ausstellung als „kultureller Gedächtnisort mit besonderer nationaler Bedeutung“ geführt.

Damit fügt sich die Halberstadt-Visite nahtlos in die noch junge Historie der von Petra Nietsch organisierten „BÜCHER-HEIMAT on Tour“ ein. Hinter den reiselustigen Literaturfans liegen so beispielsweise schon Abstecher in die Grimm-Welt in Kassel und ins Wilhelm-Busch-Haus in Mechtshausen.

Viele Freundinnen und Freunde fand auch die Verabredung zum High Tea mit Theodor Fontane auf der Marienburg oder der Spaziergang auf Lessings Spuren, bei dem das Schatzkästlein Wolfenbüttel erkundigt wurde. Gleich zwei Aktionen waren derweil dem ersten von der BÜCHER-HEIMAT in deutscher Sprache herausgegebenem Roman „Der Weg des Zaunkönigs“ gewidmet. Neben der Spurensuche in und um Schloss Colditz stand eine Wanderung auf den Romanspuren im Nordharz auf dem Programm.

Nun also galt das Augenmerk den Sammlungen des Gleimhauses, die auf den Nachlass Gleims zurückgehen. Das Haus wird als „Museum der deutschen Aufklärung“ von einem sehr engagierten Freundeskreis getragen.

Gleim war einer der meistgelesenen Dichter seiner Zeit und mit vielen anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern befreundet. In der umfangreichsten Porträtgalerie großer Geister des 18. Jahrhunderts, seinen „Freundschaftstempel“, trug Gleim ihre Bilder zusammen: Lessing, Klopstock, Herder, Jean Paul, Anna Louisa Karsch und viele andere blickten so nun auch die Besucher aus Bad Harzburg sicher wohlwollend an.

Fast ein wenig erschlagen von der beeindruckenden Flut an Informationen zogen die BÜCHER-HEIMAT-Reisenden bei einem gemeinsamen Essen im Halberstädter Hof ein begeistertes Fazit dieser jüngsten Litera-Tour: „Es war eine überaus gelungene, informative und interessante Führung mit einem unglaublich engagierten Führer!“ Und der ausdrückliche Wunsch nach weiteren literarischen Ausflügen ließ auch nicht lange auf sich warten.

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Lichtbilder-Vortrag über Schloss Derneburg

Genauer Blick auf gräfliche Jugendjahre

„Aus dem Leben der Grafen zu Münster und ihr Erbe in Derneburg“ berichtet Heinz-Peter Gerber am Donnerstag, 3. Juni 2027, im Rahmen eines Lichtbildervortrags um 19.00 Uhr in der BÜCHER-HEIMAT. Gerber, der sein Buch „Schloss Derneburg und der Laves-Kulturpfad“ bereits in Bad Harzburg vorstellte, gilt als ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet.

Kein Wunder, denn seit über 20 Jahren beschäftigt sich der Heersumer Heinz-Peter Gerber mit der Historie von Schloss Derneburg und dem Laves-Kulturpfad. Entstanden sind daraus bisher zwei Bücher zu dem Thema.

2026 jährte sich auch der Verkauf des Schlosses von Georg Baselitz an Christine und Andrew Hall mit der Hall Art Foundation, die den Schlossbezirk saniert haben und das Anwesen zu einem der größten Museen für zeitgenössische Kunst Europas umgewidmet haben – belohnt 2023 mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz und dem Großen Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens.

In der nun dritten erweiterten Auflage des Buches über Schloss Derneburg und den Laves-Kulturpfad wurden die Kapitel von Ernst Friedrich Herbert Graf zu Münster durch seine Jugend- und Ausbildungszeit im Philanthropinum Dessau, der Ritterakademie Lüneburg und der Universität Göttingen ergänzt.

Ebenso wurden zusätzliche Episoden von seinem Sohn Georg Herbert Fürst zu Münster aus seiner Zeit als Botschafter in St. Petersburg, London und Paris integriert, um so besser verstehen zu können, warum sich der Lebensweg und die politischen Laufbahnen dieser beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten so einzigartig entwickelt haben.

Ergänzt wird der Lichtbilder-Vortrag durch Neuheiten rund um das Schloss und den Laves-Kulturpfad, wie den Skulpturenpark im Schlossgarten, dem Hopfengarten, dem Pyramiden-Mausoleum und weiteres.

Weitere Aktualisierungen gibt es noch zur Baselitz-Zeit, über Laves als Freimaurer, Raum- und Möbelgestalter, sowie über den Bahnhof Derneburg und das Rittergut Binder, das zeitweise im Besitz der Grafen zu Münster war.

Der Lichtbildervortrag wird das Publikum am Donnerstag, 3. Juni 2027, in der BÜCHER-HEIMAT für rund 90 Minuten fasziniert fesseln.

Donnerstag, 3. Juni 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Petra Nietsch über „Die Frauen von Paris“

Petra Nietsch über „Die Frauen von Paris“

Pam Jenoff: Die Frauen von Paris

Dieser Roman basiert auf historischen Tatsachen und beschreibt ein den meisten Leserinnen und Lesern vermutlich unbekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Ähnlich wie in den Romanen von Kate Quinn (die leider vom deutschsprachigen Buchmarkt fast vollständig verschwunden sind), erzählt Pam Jenoff von den mutigen Frauen, die oftmals im Verborgenen geholfen haben, den Krieg zu gewinnen.

Die Handlung beginnt 1946 in Manhattan, als Grace, eine junge amerikanische Kriegswitwe, einen verlassenen Koffer in der Grand Central Station entdeckt. Als sie ihn öffnet, findet sie u.a. einen Briefumschlag, in dem sich die Fotografien von zwölf Frauen befinden.

Aus auch für sie unerklärlichen Gründen begibt sie sich auf die scheinbar aussichtslose Suche nach den Hintergründen. Bald findet sie heraus, dass es sich um junge Britinnen handelt, die im Zweiten Weltkrieg rekrutiert und nach Frankreich eingeschleust wurden, um das britische Spionagenetzwerk zu unterstützen.

Die Geschichte wird aus drei sich abwechselnden Perspektiven erzählt. Neben Grace ist da noch Marie, eine der Frauen auf den Fotografien, die als alleinerziehende Mutter mit finanziellen Sorgen das gefährliche Angebot des britischen Nachrichtendienstes angenommen hat, und Eleanor Trigg, die davon überzeugt war, dass weibliche Spione im besetzten Frankreich schwerer zu entlarven seien als Männer. Sie hatte nicht nur die Idee für diese Spezialoperation, sondern war auch für die Rekrutierung und Ausbildung dieser jungen Frauen verantwortlich. Ihr gehört der Koffer.

So entwickelt sich eine spannende und bewegende Geschichte über Mut, Verrat und politischem Kalkül.

Pam Jenoff: „Die Frauen von Paris“, Aufbau Taschenbuch Verlag, 435 Seiten, ISBN 9783746636283, Preis: 12,99 Euro.


Der Zaunkönig im Oberharz

Der Zaunkönig im Oberharz
Hartmut Frenk, Pentra Nietsch und BÜCHER-HEIMAT-Chefin Sonja Weber präsentieren gemeinsam mit dem per Internet zugeschalteten Autor Philipp Schott die deutschsprachige Ausgabe von „Der Weg des Zaunkönigs“.

Erfolgs-Roman wird in Braunlage präsentiert

Wer da meint, auf Harzer Höhen gilt alle Aufmerksamkeit für unsere gefiederten Freunde allein den Harzer Rollern, der muss sich revidieren: Am Freitag, 16. Oktober 2026, um 19.00 Uhr wollen hoffentlich viele Literaturfreundinnen und -freunde den „Weg des Zaunkönigs“ in der Stadt- und Schulbücherei Braunlage verfolgen. Petra Nietsch und Hartmut Frenk sind an diesem Abend einmal mehr auf Vorstellungstournee und werben damit für den ersten von der BÜCHER-HEIMAT verlegten Roman.

Das Werk des Deutsch-Kanadiers Philipp Schott hatte Petra Nietsch, Mitstreiterin im BÜCHER-HEIMAT-Ehrenamtlichenteam, in Kanada entdeckt und mochte sich nicht damit abfinden, dass es den Roman nicht in deutscher Übersetzung gab. Zumal der Erzählstrang auch den Harz streift. In der BÜCHER-HEIMAT fand Petra Nietsch Mitstreiter und Unterstützerinnen, sodass das Buch mittlerweile in der dritten deutschsprachigen Auflage vorliegt.

Die Übersetzung hat Petra Nietsch realisiert, Hartmut Frenk hatte das Lektorat übernommen. Für die dritte Auflage des „Zaunkönigs“ hat die Schülerin Feline Maja Schneider zudem faszinierende Illustrationen geschaffen. An diesem literarischen Abend in Braunlage wird „Der Weg des Zaunkönigs“ bis zur ersten deutschen Auflage mit all seinen Irrungen und Wirrungen ebenso dargestellt wie der fesselnde Roman als solcher. Der Eintritt zu der Lesung mit Vortrag am Freitag, 16. Oktober 2026, um 19.00 Uhr in der Stadt- und Schulbücherei Braunlage (Dr. Kurt-Schröder-Promenade 1) kostet 6,00 Euro.

Sonja Weber über „Reclams Literatur-Quiz“

Sonja Weber über „Reclams Literatur-Quiz“

Andrea Hahn: Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat

Zum Geburtstag habe ich von einer lieben Kollegin das „Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat“ bestehend aus fünfzig Rätselkärtchen bekommen und nehme mir jetzt immer zum Frühstück eines vor. Dann hat mein Gehirn sich schon mal einem klassischen Werk gewidmet und ist wach.

Gestern war es „… Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“. Das Kärtchen lässt einem die Wahl zwischen a: große b: künftige und c: dunkle. Und, wissen Sie es sofort? Ich lag zunächst falsch.

Falsch lag ich heute damit, wie lange einen so ein Zitaterätsel umtreiben kann. Da gibt es diesen bekannten Ausspruch „Nichts ist dauernd als …. (a: der Wechsel b: das Leben c: die Welt?), nichts beständig als der Tod.“ Alle, die sich in letzter Zeit mit Heinrich Heine beschäftigt haben denken vielleicht gleich an diesen und seine Harzreise. Aber nö, Heinrich war`s nicht. Der hat`s nur verwendet.

Ursprünglich gesagt hat es wer anders. Wer? Schauen Sie mal nach. Dazu sei allerdings so viel verraten, dieses einleitende Zitat der Harzreise, das Heine sich ausgeborgt und dabei ganz brav den Urheber erwähnt hat, wurde mal abgedruckt und mal nicht. Warum? Sie werden darauf kommen (recherchieren Sie in der Stadtbücherei).

Ach, und wissen Sie, wer wann das Gedicht „Lore Lay“ erschaffen hat und in welchem Gesamtwerk es zu finden ist? Und woher kam denn eigentlich diese sagenhafte Frauengestalt? Aus Rüdesheim, aus Bacharach oder aus Ingelheim?

Das ganze Spiel ist handlich, nur ein wenig größer als ein normales Skatblatt, also auch prima zum Mittnehmen auf Reisen. Damit man nicht versehentlich zuerst die Lösungsseite anschaut, sind die beiden Kartenseiten farblich unterschiedlich gestaltet. In jeder Lösung stecken an sich schon viele Informationen, aber so wie es mir mit dem Nicht-Heinrich-Heine-Zitat ging, finden Sie bestimmt auch Rätsel, Autorinnen, Autoren oder Werke, die es tiefer zu erkunden gilt.

Andrea Hahn: „Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat“, Reclam Verlag, 108 Seiten (Karten), ISBN 4262461870041, Preis: 14,00 Euro.


Markus Weber über „Sanditz“

Markus Weber über „Sanditz“

Lukas Rietzschel: Sanditz

Der Roman beginnt mit einer skurrilen Szene in der fiktiven ostdeutschen Stadt Sanditz, die der Ort der meisten Geschichten des Buches ist. Vom Himmel fallen nachts große Vögel, die sich nach und nach in Männer verwandeln. Sie kommen weit aus der Vergangenheit, um ein Denkmal zu stürzen, das das Wiedererwachen des alten Deutschlands symbolisiert.

Dann aber sind wir mitten in der Realität von Sanditz im Jahr 2021. Die Kapitel des Buches erzählen das Leben sehr unterschiedlicher Menschen und deren Schicksale. Dabei gibt es einen Erzählstrang, der ausgehend vom Jahr 1978 in der DDR beginnt, aber bis ins Jahr 1997 führt.

Ein zweiter Erzählstrang schildert Ereignisse in den Jahren 2021/22. Beide sind einander verschachtelt. In den einzelnen Kapiteln begegnen die Leser sehr vielen Menschen und ihrem Leben, z.B. Bürgerrechtlern der DDR und Offizieren der Stasi, Menschen im kirchlichen Milieu, einer Pastorin, einem Orgelbauer, einem homosexuellen Liebespaar, Kindern, einem Bausoldaten, Arbeitern und einem Banker.

Im Zentrum steht die Familie Wenzel, an der gezeigt sind, wie die Lebenswege aus der DDR in die Nachwendezeit bis in die Gegenwart führen. In vielen der Geschichten wird nicht nur der Alltag lebendig erzählt, sondern auch gezeigt, wie die Politik in diesen Alltag hineinwirkt – und zu Verwerfungen führt.

So werden auch die Brüche der Nachwendezeit anhand der Lebensgeschichten deutlich, etwa wenn ein „Westler“ nun Bankdirektor Sanditz wird, ein „Ostler“ seinen Unterhalt im Westen verdienen muss, Familien sich in der Coronakrise zerstreiten oder der Krieg in der Ukraine neue Konflikte hervorruft.

Von der Kritik wird der Roman vielfach gelobt. Ich stimme dem zu – es ist ein großes Buch über die letzten Jahre der DDR und über die Schwierigkeiten in den Umbrüchen. Aber das Buch macht es dem Leser – zumindest ging es mir so – nicht immer leicht, den verschiedenen Erzählsträngen und den einzelnen Personen zu folgen, zumal es auch in den einzelnen Kapiteln Rückblicke gibt.

Eine kleine Hilfe gibt es in den Innenseiten des Einbands mit Zeichnungen zu den Orten in Sanditz und den persönlichen Beziehungen der Protagonisten. Auf jeden Fall bietet der Roman interessante Perspektiven auf die neuere deutsche Geschichte.

Lukas Rietzschel: „Sanditz“, dtv Verlagsgesellschaft 2026, 480 Seiten, ISBN 978-3423285162, Preis: 26,00 Euro.

Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Margarethe Adler: Die Stunde der Mauersegler

Egal, wohin man geht, man nimmt sich und seine Geschichte immer und überall hin mit! Das ist ein Fazit dieses Romans, ein anderes: Reden hilft!

Margarethe Adler erzählt die Geschichte einer Familie mit dem Fokus auf vier Frauen aus vier Generationen. Da ist Elisabeth, 1932 geboren, nach dem Krieg begeisterte Anhängerin der sozialistischen Idee. Sie arbeitet mit großem Enthusiasmus am Aufbau der DDR. Ihre Tochter Isa allerdings stellt einen Ausreiseantrag für sich und ihre Familie. Als sie 1988 aus der DDR ausreisen, müssen sie ihren Sohn zurücklassen. Anke, Isas Tochter, ist bei der Ausreise 14 Jahre alt und fügt sich. Ankes Tochter Lou wächst als „Nachwendekind“ in Berlin auf.

Als eines Tages Henning mit seiner Frau auf einer Familienfeier erscheint und Elisabeth mit Vorwürfen überhäuft, setzt er Dinge in Gang, die die ganze Familie erschüttern. Lou, inzwischen eine erwachsene Frau, die von Hennings Existenz nichts wusste, stellt plötzlich Fragen, auf die sie keine Antworten bekommt.

Da geht sie einen ungewöhnlichen Schritt und fühlt sich selbst als „Arschloch“, aber den einmal eingeschlagenen Weg kann und will sie nicht mehr verlassen. Als sie ihre Familie mit ihren Erkenntnissen konfrontiert, kommt es zum Eklat.

Das Ende wird natürlich hier nicht verraten, nur so viel, die Frauen der Familie streiten furchtbar und suchen doch nach einem Weg wieder aufeinander zu. Es ist kein Wir-haben-uns-alle-lieb-Ende, aber wie gesagt: „Reden hilft!“

Dieses Buch ist einfühlsam geschrieben, liest sich gut, ist informativ und lehrreich. Ein Stück Geschichtsunterricht, dem ich mit Interesse gefolgt bin – auch wenn mich immer wieder die Erkenntnis erschreckt hat, was Menschen Menschen antun, wenn sie die Macht dazu haben….

Margarethe Adler ist Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen, im Fokus ihres Schaffens stehen selbstbewusste Frauen. Für diesen Roman hat sie viele Zeitzeug*innen interviewt, um einen Einblick in den DDR-Alltag vor und nach der Wende zu bekommen und zu erfahren, wie Diktatur in die Familien hinein- und wie sie nachwirkt.

„Vielleicht kann der Roman ein winziger Beitrag werden …, warum Demokratie die einzig sinnvolle Gesellschaftsform ist und bleibt.“ (Zitat aus der Danksagung der Autorin.)

Margarethe Adler: „Die Stunde der Mauersegler“, Bertelsmann, 349 Seiten, ISBN 9783570105528, Preis: 22,00 Euro.


Der neue Uhlenklippenspiegel ist da

Der neue Uhlenklippenspiegel ist da

Bewährtes Produkt unter neuem Vorstand

Der neue Uhlenklippenspiegel ist erschienen. Die Nummer 147 im mittlerweile 41. Jahrgang. Seit 1986 versorgt der Harzburger Geschichtsverein (HGV) seine Leserschaft mit ebenso wissenswerten wie unterhaltsamen Beiträgen zur Harzer und vor allem Bad Harzburger Heimatgeschichte.

Mitglieder des Geschichtsvereins erhalten das Heft frei Haus, aber selbstverständlich hat auch die BÜCHER-HEIMAT kostenlose Exemplare vorrätig, um die weiterhin gute Nachfrage zu decken.  Denn die Ortsgeschichte ist ein angesagtes Thema in der Kurstadt und die Mitmach-Buchhandlung in der Herzog-Wilhelm-Straße 64c trägt diesem Umstand in vielfältiger Weise Rechnung. Bücher zur Regionalgeschichte, aber auch Harz-Kalender gehören zum festen Angebot.

Eine Rubrik, die weiter ausgebaut werden soll, erklärt Sonja Weber für die BÜCHER-HEIMAT. Schon länger laufen Gespräche mit dem Harzburger Geschichtsverein, für den die Buchhandlung den Verkauf des umfangreichen Buchbestands forcieren will. Schließlich hat sich der HGV nicht allein mit dem Uhlenklippenspiegel, sondern auch als Herausgeber wichtiger Werke zur Heimatgeschichte einen guten Namen gemacht.

Darunter sind Klassiker wie die „Aktenstücke zur Geschichte des Amtes Harzburg“, die „Beiträge zur Geschichte des Amtes Harzburg“ oder auch Friedrich Erhardts „Namen aus der Harzburger Geschichte“. Und es sind neue Einblicke in die Historie wie „Die Holz- und Pappenindustrie im Harzburger Radautal 1865 – 1961. Vom Epochenwandel in der Harzer Holzwirtschaft“ aus der Feder von Edgar Isermann oder auch Egon Knofs „Gestüt Harzburg – Das Erbe der Braunschweiger Herzöge“.

Nicht allein bei der Finanzierung einzelner Buchprojekte hat dabei die Bad Harzburg-Stiftung eng mit dem Harzburger Geschichtsverein zusammengearbeitet. Das Archiv-Team der Bürgerstiftung, das auf der Plattform Harz-History unter anderem das Ahrens-Fotoarchiv präsentiert, hat die 41 Jahrgänge des Uhlenklippenspiegels digitalisiert und unter https://blog.harz-history.de im Internet aufruf- und durchblätterbar gemacht.

Ein Angebot, das trotz der weitverbreiteten Print-Ausgabe erfreulich gut angenommen wird. Seit dem Start Ende 2024 verzeichnet die Website fast 1600 Besucher und deutlich mehr als 5000 Seitenaufrufe. Tendenz weiter steigend. Und das Blättern in den einzelnen Heften, in denen man sich bei der Lektüre gut verlieren kann, wird hierbei noch nicht einmal erfasst.

Auch in der neuen 147. Ausgabe wartet der Uhlenklippenspiegel wieder mit interessanten Themen aus – beginnend mit HGV-Personalien: Redaktionsleiter Dieter Tramp verabschiedet den alten und stellt den neuen Vorstand vor.  Angekündigt wird zudem der Kalender 2027 des Harzburger Geschichtsvereins, Klaus Röttger erinnert an den Harzburger Kuhhirten Heinrich Rögener, der „Auf seine Weise Spuren in der Geschichte hinterlassen“ hat und Michael & Sven Bartsch begleiten den Weg der Gründerzeitvilla Schmiedestraße/Herzog-Wilhelm-Straße „Vom ,Ratten-Nest‘ zur Freiheit“. Einen „Blick in den Vorgarten der Diktatur – Grenztourismus in Eckertal/Stapelburg“ wird Julius Vesting, während sich Dr. Burkhard Budde dem Jungbrunnen und der „Sehnsucht nach ewiger Jugend“ widmet.

Markus Weber erinnert an den Künstler und Kunsterzieher Hans Stöhr, Elke Cerbe beschreibt „Die Sennhütte – Von der Sennerei zum historischen Baudenkmal“, Helmut Gleuel stellte die größte unterirdische Apotheke im Regensteingebirge vor, Horst Woick erläutert den Harzburger Schwibbogen und „Erotische Porzellan-Botschaften aus Bad Harzburg im Schlossmuseum Fürstenberg“ rücken Michael & Sven Bartsch ins Blickfeld.