Petra Nietsch über „Die Frauen von Paris“

Petra Nietsch über „Die Frauen von Paris“

Pam Jenoff: Die Frauen von Paris

Dieser Roman basiert auf historischen Tatsachen und beschreibt ein den meisten Leserinnen und Lesern vermutlich unbekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Ähnlich wie in den Romanen von Kate Quinn (die leider vom deutschsprachigen Buchmarkt fast vollständig verschwunden sind), erzählt Pam Jenoff von den mutigen Frauen, die oftmals im Verborgenen geholfen haben, den Krieg zu gewinnen.

Die Handlung beginnt 1946 in Manhattan, als Grace, eine junge amerikanische Kriegswitwe, einen verlassenen Koffer in der Grand Central Station entdeckt. Als sie ihn öffnet, findet sie u.a. einen Briefumschlag, in dem sich die Fotografien von zwölf Frauen befinden.

Aus auch für sie unerklärlichen Gründen begibt sie sich auf die scheinbar aussichtslose Suche nach den Hintergründen. Bald findet sie heraus, dass es sich um junge Britinnen handelt, die im Zweiten Weltkrieg rekrutiert und nach Frankreich eingeschleust wurden, um das britische Spionagenetzwerk zu unterstützen.

Die Geschichte wird aus drei sich abwechselnden Perspektiven erzählt. Neben Grace ist da noch Marie, eine der Frauen auf den Fotografien, die als alleinerziehende Mutter mit finanziellen Sorgen das gefährliche Angebot des britischen Nachrichtendienstes angenommen hat, und Eleanor Trigg, die davon überzeugt war, dass weibliche Spione im besetzten Frankreich schwerer zu entlarven seien als Männer. Sie hatte nicht nur die Idee für diese Spezialoperation, sondern war auch für die Rekrutierung und Ausbildung dieser jungen Frauen verantwortlich. Ihr gehört der Koffer.

So entwickelt sich eine spannende und bewegende Geschichte über Mut, Verrat und politischem Kalkül.

Pam Jenoff: „Die Frauen von Paris“, Aufbau Taschenbuch Verlag, 435 Seiten, ISBN 9783746636283, Preis: 12,99 Euro.


Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Margarethe Adler: Die Stunde der Mauersegler

Egal, wohin man geht, man nimmt sich und seine Geschichte immer und überall hin mit! Das ist ein Fazit dieses Romans, ein anderes: Reden hilft!

Margarethe Adler erzählt die Geschichte einer Familie mit dem Fokus auf vier Frauen aus vier Generationen. Da ist Elisabeth, 1932 geboren, nach dem Krieg begeisterte Anhängerin der sozialistischen Idee. Sie arbeitet mit großem Enthusiasmus am Aufbau der DDR. Ihre Tochter Isa allerdings stellt einen Ausreiseantrag für sich und ihre Familie. Als sie 1988 aus der DDR ausreisen, müssen sie ihren Sohn zurücklassen. Anke, Isas Tochter, ist bei der Ausreise 14 Jahre alt und fügt sich. Ankes Tochter Lou wächst als „Nachwendekind“ in Berlin auf.

Als eines Tages Henning mit seiner Frau auf einer Familienfeier erscheint und Elisabeth mit Vorwürfen überhäuft, setzt er Dinge in Gang, die die ganze Familie erschüttern. Lou, inzwischen eine erwachsene Frau, die von Hennings Existenz nichts wusste, stellt plötzlich Fragen, auf die sie keine Antworten bekommt.

Da geht sie einen ungewöhnlichen Schritt und fühlt sich selbst als „Arschloch“, aber den einmal eingeschlagenen Weg kann und will sie nicht mehr verlassen. Als sie ihre Familie mit ihren Erkenntnissen konfrontiert, kommt es zum Eklat.

Das Ende wird natürlich hier nicht verraten, nur so viel, die Frauen der Familie streiten furchtbar und suchen doch nach einem Weg wieder aufeinander zu. Es ist kein Wir-haben-uns-alle-lieb-Ende, aber wie gesagt: „Reden hilft!“

Dieses Buch ist einfühlsam geschrieben, liest sich gut, ist informativ und lehrreich. Ein Stück Geschichtsunterricht, dem ich mit Interesse gefolgt bin – auch wenn mich immer wieder die Erkenntnis erschreckt hat, was Menschen Menschen antun, wenn sie die Macht dazu haben….

Margarethe Adler ist Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen, im Fokus ihres Schaffens stehen selbstbewusste Frauen. Für diesen Roman hat sie viele Zeitzeug*innen interviewt, um einen Einblick in den DDR-Alltag vor und nach der Wende zu bekommen und zu erfahren, wie Diktatur in die Familien hinein- und wie sie nachwirkt.

„Vielleicht kann der Roman ein winziger Beitrag werden …, warum Demokratie die einzig sinnvolle Gesellschaftsform ist und bleibt.“ (Zitat aus der Danksagung der Autorin.)

Margarethe Adler: „Die Stunde der Mauersegler“, Bertelsmann, 349 Seiten, ISBN 9783570105528, Preis: 22,00 Euro.


Der neue Uhlenklippenspiegel ist da

Der neue Uhlenklippenspiegel ist da

Bewährtes Produkt unter neuem Vorstand

Der neue Uhlenklippenspiegel ist erschienen. Die Nummer 147 im mittlerweile 41. Jahrgang. Seit 1986 versorgt der Harzburger Geschichtsverein (HGV) seine Leserschaft mit ebenso wissenswerten wie unterhaltsamen Beiträgen zur Harzer und vor allem Bad Harzburger Heimatgeschichte.

Mitglieder des Geschichtsvereins erhalten das Heft frei Haus, aber selbstverständlich hat auch die BÜCHER-HEIMAT kostenlose Exemplare vorrätig, um die weiterhin gute Nachfrage zu decken.  Denn die Ortsgeschichte ist ein angesagtes Thema in der Kurstadt und die Mitmach-Buchhandlung in der Herzog-Wilhelm-Straße 64c trägt diesem Umstand in vielfältiger Weise Rechnung. Bücher zur Regionalgeschichte, aber auch Harz-Kalender gehören zum festen Angebot.

Eine Rubrik, die weiter ausgebaut werden soll, erklärt Sonja Weber für die BÜCHER-HEIMAT. Schon länger laufen Gespräche mit dem Harzburger Geschichtsverein, für den die Buchhandlung den Verkauf des umfangreichen Buchbestands forcieren will. Schließlich hat sich der HGV nicht allein mit dem Uhlenklippenspiegel, sondern auch als Herausgeber wichtiger Werke zur Heimatgeschichte einen guten Namen gemacht.

Darunter sind Klassiker wie die „Aktenstücke zur Geschichte des Amtes Harzburg“, die „Beiträge zur Geschichte des Amtes Harzburg“ oder auch Friedrich Erhardts „Namen aus der Harzburger Geschichte“. Und es sind neue Einblicke in die Historie wie „Die Holz- und Pappenindustrie im Harzburger Radautal 1865 – 1961. Vom Epochenwandel in der Harzer Holzwirtschaft“ aus der Feder von Edgar Isermann oder auch Egon Knofs „Gestüt Harzburg – Das Erbe der Braunschweiger Herzöge“.

Nicht allein bei der Finanzierung einzelner Buchprojekte hat dabei die Bad Harzburg-Stiftung eng mit dem Harzburger Geschichtsverein zusammengearbeitet. Das Archiv-Team der Bürgerstiftung, das auf der Plattform Harz-History unter anderem das Ahrens-Fotoarchiv präsentiert, hat die 41 Jahrgänge des Uhlenklippenspiegels digitalisiert und unter https://blog.harz-history.de im Internet aufruf- und durchblätterbar gemacht.

Ein Angebot, das trotz der weitverbreiteten Print-Ausgabe erfreulich gut angenommen wird. Seit dem Start Ende 2024 verzeichnet die Website fast 1600 Besucher und deutlich mehr als 5000 Seitenaufrufe. Tendenz weiter steigend. Und das Blättern in den einzelnen Heften, in denen man sich bei der Lektüre gut verlieren kann, wird hierbei noch nicht einmal erfasst.

Auch in der neuen 147. Ausgabe wartet der Uhlenklippenspiegel wieder mit interessanten Themen aus – beginnend mit HGV-Personalien: Redaktionsleiter Dieter Tramp verabschiedet den alten und stellt den neuen Vorstand vor.  Angekündigt wird zudem der Kalender 2027 des Harzburger Geschichtsvereins, Klaus Röttger erinnert an den Harzburger Kuhhirten Heinrich Rögener, der „Auf seine Weise Spuren in der Geschichte hinterlassen“ hat und Michael & Sven Bartsch begleiten den Weg der Gründerzeitvilla Schmiedestraße/Herzog-Wilhelm-Straße „Vom ,Ratten-Nest‘ zur Freiheit“. Einen „Blick in den Vorgarten der Diktatur – Grenztourismus in Eckertal/Stapelburg“ wird Julius Vesting, während sich Dr. Burkhard Budde dem Jungbrunnen und der „Sehnsucht nach ewiger Jugend“ widmet.

Markus Weber erinnert an den Künstler und Kunsterzieher Hans Stöhr, Elke Cerbe beschreibt „Die Sennhütte – Von der Sennerei zum historischen Baudenkmal“, Helmut Gleuel stellte die größte unterirdische Apotheke im Regensteingebirge vor, Horst Woick erläutert den Harzburger Schwibbogen und „Erotische Porzellan-Botschaften aus Bad Harzburg im Schlossmuseum Fürstenberg“ rücken Michael & Sven Bartsch ins Blickfeld.

Leseförderung eingetütet

Leseförderung eingetütet
Stolze Abc-Schützen mit ihren kunterbunten Lesetüten. Fotos: Moritz Büsching/Goslarsche-Zeitung

Starke Aktion für die Abc-Schützen

Bücher und Zubehör für den Start ins Schulleben habe alle Erstklässler der Bad Harzburger Grundschulen jetzt in „Lesetüten“ erhalten.  Koordiniert wird das Leseförderungsprojekt durch die BÜCHER-HEIMAT, finanziert durch die Bad Harzburg-Stiftung.

Organisiert hat das Leseförderungsprojekt die Interessengruppe Leseförderung im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Bundesweit läuft das Projekt bereits seit 2011, mit großer Unterstützung der Verlage Oetinger und Arena.

Mit der Übergabe der Geschenke verbunden ist sozusagen auch ein Klassen-übergreifendes Teambuilding an den Grundschulen: Die Zweitklässler bemalen die Tüten für die Abc-Schützen kunterbunt, ehe sie an die neuen Schülerinnen und Schüler überreicht werden. Für ihren Einsatz wurden die Zweitklässler allerdings auch bedacht, sie erhielten Malbücher und Stifte von der Öffentlichen Versicherung Braunschweig.

Die Lesetüten für die Erstklässler befüllte die BÜCHER-HEIMAT, die Koordinatorin des Projekts in der Kurstadt, mit einem Lesezeichen, einem Buch für Erstleser sowie einem Türanhänger mit der Aufschrift „Komm rein zum Vorlesen!“.  Außerdem spendierte die Harzburger Aktion jedem Kind noch ein Pixibuch. Buch, Anhänger und Lesezeichen finanzierte wie schon im vergangenen Jahr die Bad-Harzburg-Stiftung. Alle zusammen bilden ein starkes Team, das die Aktion mit Leben füllt.

Die Übergabe der Lesetüten begleiteten Andrea Scholz von der Bad Harzburg-Stiftung, Stefanie Horn von der Öffentlichen Versicherung und Sonja Weber, die Leiterin der BÜCHER-HEIMAT.

Sonja Weber über „Über der Brandung“

Sonja Weber über „Über der Brandung“

Franziska Jebens: Über der Brandung

Ein Buch kann für mich zu einer Ruhezeit und einer Insel werden, eine ganz besonders erholsame war „Über der Brandung“ von Franziska Jebens, ihres Zeichens Autorin, Podcasterin und Weltenbummlerin. Ihr wohltuender Roman war eine angenehme Entspannung nach dem letzten trubeligen Wochenende und hat mich gedanklich zusammen mit der Protagonistin auf einer kleinen Kykladen-Insel zu mir selbst kommen lassen.

Die Geschichte ist herrlich undramatisch, bis auf einen heftigen Sommersturm geschieht nichts Bedrohliches, das Leben ist ruhig dort. Genau daran muss sich die aus Berlin kommende junge Frau erst einmal gewöhnen, ebenso daran, dass niemand sie nach dem Warum und Wieso ihrer Flucht auf dieses Eiland fragt.

Im Gegenteil scheint ihre Gastgeberin Hera schon alles über die neu Angekommene zu wissen. Nea, die Neue, wie sie dann auch nur noch genannt wird, lässt sich nach anfänglichem Zögern auf Heras Art das Leben zu leben ein. Sie findet ihre eigene Stärke in langen Wanderungen mit einer zahmen Ziege, bei Zusammenkünften mit anderen Frauen, in der Einsamkeit ihres neuen Zuhauses und in einer neuen Beziehung.

Nea lernt, die Welt zu vergessen, im Moment zu leben und zu vertrauen. Alles kann, nichts muss. Sie erkennt die Heilsamkeit von Gemeinschaft und Freude, die Wichtigkeit, Dinge zu machen, die guttun und den Schutz von Werten und Grenzen, die man für sich festlegt.

Die Insel, neue Freunde und eine nette Ziege machen aus einer an sich zweifelnden mutlosen Autorin, die nie wieder schreiben wollte, eine starke Frau mit starken Grundsätzen, eine Neue, die ihr Leben ohne Angst in die Hand nimmt. Eine, die nicht nur eine Idee davon hat, wie ihre Zukunft aussehen soll, sondern diese wahr werden lässt. Nea ist kein Spiel der Wellen mehr, sie lebt nun über der Brandung.

Franziska Jebens: „Über der Brandung“, Fischer Verlag, 352 Seiten, ISBN 9783758790362, Preis: 22,00 Euro.


Thriller-Abend mit Autoren-Paar

Spannung im Doppelpack

Silke Schaudienst ist am Mittwoch, 24. Februar 2027, erneut zu einer Lesung in der BÜCHER-HEIMAT. Nach ihrem ersten Roman, einer Familien-Saga mit historischem Hintergrund aus der Entstehungsgeschichte Wolfenbüttels, präsentiert sie nun ihren Krimi „Im Reigen der Schuld“, der in der Gegenwart Wolfenbüttels spielt.

Durch einen ungewöhnlichen Fundort mit vermeintlich geschichtlichem Hinweis muss sich das ungleiche Kommissarenduo Bruno Heyber und Jasper Nieberger auf ungewöhnliche Spurensuche begeben. Erfahrung und neue Denkansätze prallen aufeinander. In der Stadt will man an vergangene Zeiten nicht erinnert werden.

Dieses Mal ist in Bad Harzburg aber auch Silke Schaudiensts Mann Karl-Heinz Schaudienst dabei. Von ihm gibt es Passagen aus seinem Thriller „Perditus“, deren Handlungsorte von Braunschweig über Wolfenbüttel bis nach Goslar reichen.

Nach einem tödlichen Autounfall eines Galeristen wird dessen Ehefrau Julia in sein doppeltes Spiel um die verschollenen Heldenlieder Karl des Großen hineingezogen. Ein Wettlauf um Erpressung, tödlicher Bedrohung und der Frage, wem sie vertrauen kann, beginnt.

Mittwoch, 24. Februar 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Dirk Junicke über „Meine frühen Jahre“

Dirk Junicke über „Meine frühen Jahre“

Winston Churchill: Meine frühen Jahre

Mit großem Interesse habe ich das Buch „Meine frühen Jahre“ von Winston Churchill gelesen. Er beschreibt hier seine ersten 25 Lebensjahre. Er berichtet von einer untergegangenen Welt des britischen Empire, einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.

Churchill war abenteuerlustig und hat an mehreren Kriegen in Indien, Ägypten, dem Sudan und in Südafrika teilgenommen. Besonders wichtig erscheint mir seine Erkenntnis über einen Kriegsbeginn.

Er warnt jeden Kriegstreiber. Damit bekommt das Buch eine besondere Aktualität.

Winston Churchell hat für seine Werke den Literatur-Nobelpreis erhalten. Nach dem Lesegenuss seines Buches „Meine frühen Jahre“ erscheint mir der Literatur-Nobelpreis sehr angemessen.

Winston Churchill: „Meine frühen Jahre“, Kampa Verlag, 448 Seiten, ISBN 9783311240075, Preis: 34,00 Euro.


Markus Weber über „Anton will bleiben“

Markus Weber über „Anton will bleiben“

Nelio Biedermann: Anton will bleiben

Wer möchte nicht, dass auch nach dem Tod etwas bleibt? Dass man nicht spurlos aus der Welt verschwindet?

Anton, der seit Jahren verwitwet ist, alleine lebt und nur mit wenigen Menschen Kontakt hat, erfährt von seinem Arzt, dass er nur noch eine kurze Lebensfrist hat. So macht er sich daran, in der verbleibenden Zeit etwas zu schaffen, das nicht vergehen kann. Er versucht, ein Buch zu schreiben, zu fotografieren und zu malen. Doch alles scheint ihm vergeblich.

Bei alldem begleitet ihn sein alter Freund Emil, der auch seine Geschichte aufzeichnet. An sein Küchenfenster kommen täglich eine Möwe und eine Taube, für die er sich verantwortlich fühlt. Und ganz unerwartet lernt er die junge Schauspielerin Katharina von gegenüber kennen, die ihn herausfordert; die beiden freunden sich an.

Katharinas Freund Konstantin formuliert schließlich, worum es im Leben geht, nämlich „nicht darum, seine Fähigkeiten zu nutzen, um in der Erinnerung Fremder zu bleiben. Es geht darum, sein Talent zu nutzen, um die eigene Welt zu einem klein wenig erträglicheren Ort zu machen.“

Und ist es nicht bedeutend, dass Anton sich als junger Mann dem Krieg verweigert hat, weil er nicht töten wollte? Und dass er viele Jahre mit seiner Frau glücklich zusammenleben konnte? Man muss also keine große Literatur oder Kunstwerke schaffen, um als Mensch Bedeutung zu haben.

Nelio Biedermann erzählt Antons Geschichte poetisch, mit philosophischem Gespür und feinem Humor. Ein ermutigender Roman!

Nelio Biedermann: Anton will bleiben. Roman, Rowohlt Taschenbuch 2. Aufl. 2026, ISBN 978-3499017223, 224 Seiten, 14,00 Euro

Johannes Jakob über „Die Revolution entlässt ihre Kinder“

Johannes Jakob über „Die Revolution entlässt ihre Kinder“

Wolfgang Leonhard: Die Revolution entlässt ihre Kinder

Das Buch ist 70 Jahre alt. Aber wenn man den Stalinismus verstehen will, gehört es immer noch zu den besten Quellen.

Wolfgang Leonhard kam als 13-jähriger Junge mit seiner Mutter in die Sowjetunion. Seine Mutter wurde während der Säuberungen in den Gulag verschleppt und blieb dort 10 Jahre. Er selbst wurde und blieb überzeugter Kommunist, durchlief die Ausbildung, um später als Führungskraft im neuen Deutschland den Sozialismus aufzubauen.

Er erlebt die Zeit des Krieges in der Sowjetunion. Die Gräueltaten der Nazis blieben ihm weitgehend verborgen. Aber die russische Sicht auf den Krieg wird sehr spannend beschrieben. Er ist dabei nah am Geschehen und kann viele Interna schildern.

1945 kam er noch vor Ende des Krieges mit der sogenannten Gruppe Ulbricht nach Berlin. Aus heutiger Sicht sind vor allem die ersten Jahre in Ostberlin sehr interessant. Sehr detailliert schildert er das Vorgehen, wie es gelang einen Sozialismus sowjetischer Prägung in Deutschland durchzusetzen, was letztlich zur Teilung Deutschlands führte.

Er wurde Dozent an der Parteihochschule, brach aber mit dem System, als seine Hoffnung, dass Deutschland einen eigenen Weg zum Sozialismus gehen könnte, sich in Luft auflöste. Sehr präzise analysiert und beschreibt er die Mechanismen des Stalinismus.

Er floh 1949 zunächst in das damalige Jugoslawien und später in die Bundesrepublik. 2014 starb er. Er war einer der besten Kenner der Sowjetunion und Russlands und lehrte an mehreren internationalen Universitäten. Erst nach der Wende konnte er nach Ostberlin und Russland zurückkehren. Eine spannende Zeitgeschichte des letzten Jahrhunderts.

Wolfgang Leonhard: „Die Revolution entlässt ihre Kinder“, Kiepenheuer & Witsch GmbH, Jubiläumsausgabe, 704 Seiten, ISBN 9783462034981, Preis: 16,00 Euro.


Mit Gräfin von Brühl in den Schattengarten

Den Schattengarten ins rechte Licht rücken

„I never promised you a rose garden!”. Mit diesen Worten, Zeile aus einem bekannten 1970er Hit von Lynn Anderson, leitet der Verlag die Vorstellung von Christine von Brühls jüngstem Roman „Der Schattengarten“ ein. Eben diesen „Schattengarten“ wird die Autorin am Freitag, 23. April 2027, um 19 Uhr in der BÜCHER-HEIMAT ins rechte Licht rücken.

Zum Inhalt

Christine von Brühls Mann hat ein verwildertes Grundstück im Kyffhäuser-Wald in Thüringen entdeckt und möchte darauf einen Garten anlegen. Das Gelände ist unwegsam und düster, es gibt weder Wasser noch Strom. Dafür aber Brennnesseln. Die Diplomatentochter Dr. Christine Gräfin von Brühl fühlt sich verloren und fremd.

Ihr Mann gewinnt Regenwasser vom Dach und leitet es ins Haus. Schließlich bewaffnet sie sich mit Gießkanne und Gummistiefeln und gießt eigenhändig die Rhododendren. Das Projekt ist zu einem gemeinsamen geworden.

Aber plötzlich taucht ein neuer Gegner auf. Als wären Trockenheit und fehlendes Licht nicht schon genug. Er ist mächtig, er ist der kosmische Antagonist des halbschattigen Gärtnerpaares: die Wühlmaus.

Eine Geschichte voller Naturverbundenheit, Widerstandswillen und Beziehungssinn. Genial illustriert von Teresa Habild. Für alle Halbschattengewächse.

Zur Autorin

Dr. Christine Gräfin von Brühl wurde in Ghanas Hauptstadt Accra geboren. Ihr Vater Dietrich Graf von Brühl war als deutscher Diplomat tätig und Christine von Brühl wuchs so in London, Brüssel und Bonn auf. Sie studierte in Mainz, Wien, Lublin sowie Heidelberg die Fächer Slawistik, Osteuropäische Geschichte und Philosophie. Mit einer Arbeit über die nonverbalen Ausdrucksmittel in Anton Tschechows Bühnenwerk wurde sie 1992 von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promoviert.

Dr. Christine Gräfin von Brühl. Foto: Henrik Schrat

Bereits ab Beginn der 1990er Jahre arbeitete sie journalistisch in Dresden, beispielsweise für die „Sächsische Zeitung“. Als Autorin profilierte sie sich ferner bei der „Zeit“, dem „Magazin“ und dem „Spiegel-Magazin Geschichte“. Erste Reiseführer und Bildbände mit ihren Texten wurden wenig später herausgegeben.

Christine von Brühl etablierte sich als freie Autorin in Berlin, veröffentlichte regelmäßig Sachbücher und Romane. Zu ihren wichtigsten Büchern gehören „Die preußische Madonna. Auf den Spuren der Königin Luise“, „Gebrauchsanweisung für Dresden“, „Anmut im märkischen Sand. Die Frauen der Hohenzollern“ sowie „Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen“. Im Frühjahr 2021 folgte ihr Bestseller „Schwäne in Weiß und Gold – Geschichte einer Familie“. Anfang 2025 erschien im Kanon Verlag ihr Buch „Der Schattengarten“.

Christine von Brühl engagierte sie sich für die Bürgerstiftung Dresden und leitet seit Januar 2024 das Regionalbüro der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Chemnitz.

Christine von Brühl ist mit einem bildenden Künstler verheiratet und Mutter zweier nun erwachsener Kinder. Sie lebt alternierend in Berlin, Chemnitz und Dresden.

Freitag, 23. April 2027, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de