Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Heike Zumbruch über „Die Stunde der Mauersegler“

Margarethe Adler: Die Stunde der Mauersegler

Egal, wohin man geht, man nimmt sich und seine Geschichte immer und überall hin mit! Das ist ein Fazit dieses Romans, ein anderes: Reden hilft!

Margarethe Adler erzählt die Geschichte einer Familie mit dem Fokus auf vier Frauen aus vier Generationen. Da ist Elisabeth, 1932 geboren, nach dem Krieg begeisterte Anhängerin der sozialistischen Idee. Sie arbeitet mit großem Enthusiasmus am Aufbau der DDR. Ihre Tochter Isa allerdings stellt einen Ausreiseantrag für sich und ihre Familie. Als sie 1988 aus der DDR ausreisen, müssen sie ihren Sohn zurücklassen. Anke, Isas Tochter, ist bei der Ausreise 14 Jahre alt und fügt sich. Ankes Tochter Lou wächst als „Nachwendekind“ in Berlin auf.

Als eines Tages Henning mit seiner Frau auf einer Familienfeier erscheint und Elisabeth mit Vorwürfen überhäuft, setzt er Dinge in Gang, die die ganze Familie erschüttern. Lou, inzwischen eine erwachsene Frau, die von Hennings Existenz nichts wusste, stellt plötzlich Fragen, auf die sie keine Antworten bekommt.

Da geht sie einen ungewöhnlichen Schritt und fühlt sich selbst als „Arschloch“, aber den einmal eingeschlagenen Weg kann und will sie nicht mehr verlassen. Als sie ihre Familie mit ihren Erkenntnissen konfrontiert, kommt es zum Eklat.

Das Ende wird natürlich hier nicht verraten, nur so viel, die Frauen der Familie streiten furchtbar und suchen doch nach einem Weg wieder aufeinander zu. Es ist kein Wir-haben-uns-alle-lieb-Ende, aber wie gesagt: „Reden hilft!“

Dieses Buch ist einfühlsam geschrieben, liest sich gut, ist informativ und lehrreich. Ein Stück Geschichtsunterricht, dem ich mit Interesse gefolgt bin – auch wenn mich immer wieder die Erkenntnis erschreckt hat, was Menschen Menschen antun, wenn sie die Macht dazu haben….

Margarethe Adler ist Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen, im Fokus ihres Schaffens stehen selbstbewusste Frauen. Für diesen Roman hat sie viele Zeitzeug*innen interviewt, um einen Einblick in den DDR-Alltag vor und nach der Wende zu bekommen und zu erfahren, wie Diktatur in die Familien hinein- und wie sie nachwirkt.

„Vielleicht kann der Roman ein winziger Beitrag werden …, warum Demokratie die einzig sinnvolle Gesellschaftsform ist und bleibt.“ (Zitat aus der Danksagung der Autorin.)

Margarethe Adler: „Die Stunde der Mauersegler“, Bertelsmann, 349 Seiten, ISBN 9783570105528, Preis: 22,00 Euro.