Basierend auf einer wahren Geschichte verknüpft die Autorin Lynda Rutledge geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen und spinnt daraus eine Handlung, die fesselt und zugleich berührt.
Es ist das Jahr 1938. Die USA leiden noch immer unter der schweren Wirtschaftskrise und in Europa braut sich ein Krieg zusammen. In dieser Zeit sehnen sich die Menschen nach einem Wunder und dieses begegnet ihnen, als die Zeitungen beginnen, über eine 12-tägige Reise zu berichten, die zwei junge Giraffen quer über den Kontinent führt.
Bereits ihre Ankunft im Hafen von New York grenzt an ein Wunder, denn sie haben auf dem Atlantik einen der schwersten Wirbelstürme überlebt, der die Ostküste jemals getroffen hat. Von dort werden sie auf einen umgebauten Laster verladen. Ziel ist der Zoo in San Diego an der Westküste. Ein ungewöhnliches Unterfangen, das es so noch nie gegeben hat.
Gemeinsam mit einem kauzigen Tierpfleger, einer ambitionierten Fotografin und dem armen 17-jährigen Waisenjungen Woody Wilson Nickel am Steuer beginnt für sie eine Fahrt voller Abenteuer.
Der Roman ist herzerwärmend und gibt gleichzeitig tiefe Einblicke in die damalige Lebenssituation vieler Menschen in den USA und deren Hoffnung auf ein besseres Leben.
Eve Bennett hat ein gutes Leben als Lehrerin an der örtlichen Schule. Sie ist glücklich mit ihrem Mann und in ihrem Beruf. Bis ihr Leben auf den Kopf gestellt werden soll. Addie ist eigentlich eine ganz normale Schülerin, bis auf das Geheimnis, das sie zerstören könnte, nur Mister Bennett könnte ihr helfen…
Doch auch er verschweigt seiner Frau etwas. Wer wird am Ende gewinnen und wessen Leben wird sich für immer verändern?
Freida McFadden ist Meisterin, wenn es darum geht, den Leser zu täuschen. Jedes ihrer Bücher war bisher ein Garant für Spannung und Fassungslosigkeit. Sollte jeder mal gelesen haben!
Walter Heinemann: Auf dem Schreibtisch der Braunschweiger Löwe
Es ist ein großes Verdienst der Herausgeber*innen des Buches, die Lebenserinnerungen des Braunschweiger jüdischen Arztes Walter Heinemann einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Erinnerungen sind hilfreich eingeleitet und der Text selbst ist mit Fußnoten versehen, die Fachbegriffe erklären, Namen einordnen oder gelegentlich auch kleinere Korrekturen einfügen, wo es nötig ist.
Walter Heinemann wurde 1883 als Sohn einer Braunschweiger Kaufmannsfamilie geboren, besuchte dort die Schule und studierte in Berlin Medizin. Anschließend ließ er sich in Braunschweig als Facharzt nieder, leistete im Ersten Weltkrieg seinen Wehrdienst als Sanitätsoffizier. 1935 floh er schließlich vor der Verfolgung durch die Nazis zunächst nach Palästina, dann über England in die USA, wo er wieder als anerkannter Arzt arbeitete und sich wie schon in Deutschland vielfältig gesellschaftlich engagierte. 1968 starb er dort im Exil.
Walter Heinemann hatte seine Erinnerungen eigentlich für die Familie geschrieben. So gibt er in einem kurzen ersten Kapitel einen Überblick über die unterschiedlichen verwandtschaftlichen Beziehungen. Für mich beginnt es erst danach richtig spannend zu werden, wenn er über seine Kindheit, Jugend und Schulzeit schreibt. Hier gibt es interessante Einblicke in das bürgerliche Familienleben und die Schule im Kaiserreich. Schon früh wird Walter Heinemann – wie auch in allen späteren Phasen seines Lebens – mit Antisemitismus konfrontiert.
Auch bei der Schilderung aller weiteren Lebensstationen – Studium, Arbeit als Arzt in Braunschweig, Verfolgung in der NS-Diktatur, Flucht nach Palästina und dem Leben in den USA – neigt Walter Heinemann dazu, Anekdoten zu erzählen. Das bleibt aber keineswegs oberflächlich, sondern hat den Grund, „damit manche Erscheinungen und Symptome viel schärfer“ fassen zu können „als mit langatmigen Erzählungen“, wie er selbst am Schluss bemerkt. Dem kann ich durchaus zustimmen.
Für mich war es eine lohnende und trotz der oft schwierigen Verhältnisse und Zeiten, um die es geht, auch eine unterhaltsame Lektüre. Zahlreiche Bilder und andere Abbildungen lassen die Erinnerungen noch anschaulicher werden.
Schon der Titel des Buches verrät nicht nur das Thema, sondern auch die Perspektive, aus der John Boyne die Geschichte erzählt.
Sam Wavers ist 13 Jahre alt, als sein älterer Bruder Jason der Familie eröffnet, dass er schon lange als Mädchen leben möchte – als Jessica. Aus Sams Perspektive erzählt der Autor die Folgen dieses Coming-Outs. Die Eltern wollen nichts davon wissen. Gemeinsam sucht die Familie einen Psychologen auf, der Jason hoffentlich „reparieren“ kann. Sam versteht seinen Bruder nicht und will einfach nur, dass alles wieder so wird wie früher.
Wie Sam diese Zerreißprobe der Familie erlebt, wie er verzweifelt versucht, seinen Bruder zurückzubekommen, erzählt Boyne auf seine einfühlsame und bewegende Art. Gleichzeitig verschärft er das „Problem“ für die Eltern noch. Ist doch die Mutter eine Ministerin mit Ambitionen auf ein noch höheres Amt.
Als Sam seinen Bruder zu verstehen versucht, mit ihm redet und auch streitet, beginnt die Erkenntnis in ihm zu reifen, die dem Buch den Titel gibt.
Vielleicht ist das Ende ein bisschen zu gut geraten, wie manche Kritiker meinen. Mir gefällt allerdings die Hoffnung, dass Familie mehr sein kann als Vater-Mutter-Kind, dass es möglich ist, über alle Sorgen und Unterschiedlichkeiten hinweg eine echte Gemeinschaft zu sein.
Im Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag erschienen ist dieses Buch für Jugendliche ab 12 empfohlen, aber auch für Erwachsene gut zu lesen. Mir jedenfalls hat es viel Freude gemacht!
Die Protagonistin Insa Schönberg, eine junge noch unerfahrene, aber in höchstem Maße abenteuerlustige Fotografin der Nachkriegszeit, geht mit dem bekannten Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt eine Wette ein. Sie wird ihm ein Foto seines Stars Ernest Hemingway beschaffen, das den exzentrischen Autor nicht nur als Person abbilden, sondern ihn nahbar und sehr persönlich zeigen soll. So reist sie also mit nichts als Mut, Entschlossenheit und ihrer Kamera im Gepäck nach New York und dann notgedrungen weiter nach Kuba.
Die Autorin, die selbst sehr jung nach New York „durchbrannte“, lebt heute in Berlin. Der Roman sei als Hommage an die Fotografin und Verlegerin Inge Schönthal, später Inge Feltrinelli, endstanden, schreibt sie im Nachwort. Mit einem guten Gespür für die Ära und natürlich für ihre Protagonistin lässt Natascha Bub uns ein wenig vom Flair des Kuba in den frühen fünfziger Jahren und einen polarisierenden Starautor erleben.
Liebevoll schreibt Güner Yasemin Balci über ihre Heimat Berlin-Neukölln: Schneeflocken im Winter, Fernsehabende mit Hans Rosenthal, die rauen Hände des Vaters, die Currybude auf der Karl-Marx-Straße, laute Musik von Django Reinhardt aus Autoradios, Wettspringen im Freibad, die Sprache und vieles mehr – vor allem aber die Werte des Grundgesetzes, Menschenwürde und Gleichberechtigung.
In der ersten Hälfte ihres Buches beschreibt die Journalistin und heutige Integrationsbeauftragte in Neukölln sehr anschaulich und packend die Geschichte ihrer Familie. Die Eltern kamen als türkische „Gastarbeiter“ nach Deutschland. Güner wurde 1975 inmitten der Großstadtsiedlung, einem sozialen Brennpunkt, geboren und wuchs dort in einem freiheitlichen Umfeld auf. Die Eltern erzogen sie in Liebe zur Freiheit und zu Bildung, gerade auch für sie als Mädchen.
Dabei verklärt die Autorin nichts, sondern schildert auch, wie enge Verwandte teilweise in Armut abrutschten oder ihr Bruder kriminell wurde. Immer zeigt sie ihre Beobachtungen und Einschätzungen an konkreten Menschen und Schicksalen. Deutschland galt den Eltern als Rettung aus „Willkür und Unwissenheit“, auch wenn eine Verbundenheit zu ihren Ursprüngen in der Türkei erhalten blieb, etwa durch die Reisen der Familie.
In der zweiten Hälfte des Buches steht im Mittelpunkt, wie die freiheitliche Welt der Kindheit und Jugend zunehmend in Bedrängnis geriet, nicht nur durch rechtsextreme Ausländerfeindlichkeit, sondern vor allem auch durch islamistische Hassprediger und zugewanderte arabische Clans. Auch diese Bedrohungen werden sehr konkret mit menschlichen Schicksalen verknüpft.
Mädchen werden gezwungen, sich zu verschleiern; Frauen, die aus Zwangsehen fliehen wollen, von der eigenen Familie mit dem Tode bedroht. Antisemitismus, Homophobie und Antiziganismus machen sich breit. Und die Zivilgesellschaft schaut aus falsch verstandener Toleranz zu, was nicht der Demokratie, sondern nur der antidemokratischen Rechten nützt.
Güner Yasemin Balci erfährt, wie sie für ihr Engagement gegen diese Tendenzen angefeindet wird, aber auch Unterstützung erhält. Mir scheint es wichtig zu sein, auch die im Buch beschriebenen demokratiefeindlichen Bestrebungen in unserer Gesellschaft ernst zu nehmen.
„Wir brauchen einen Patriotismus, der weder auf Herkunft noch Hautfarbe gebaut ist, sondern schlicht auf dem Fundament der Werte einer freien demokratischen Gesellschaft. Einen Patriotismus, der vielen einen Platz lässt, aber nicht alles akzeptiert, sondern unmissverständlich Grenzen zieht, wenn an seinen Grundfesten gerüttelt wird.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
Ein Philosophieprofessor, eine Leiche und eine slowakische Pflegerin in Stein am Gebirge. Was kann da schon passieren?
Quintus ist Alkoholiker. Seine Frau hat ihn verlassen, auch seine Tochter spricht nicht mehr mit ihm. Nur mit seinem Hund „Machtnix“ geht er noch Gassi, bis er auf einer dieser Runden auf Evelina trifft. Sie ist auf der Suche nach ihrer Schwester, die zuvor bei einem der reichsten Männer in Stein am Gebirge gearbeitet hat.
Um ihre Schwester zu finden, arbeitet sie als Pflegerin bei Herrn Zillner, dem fast alles in Stein am Gebirge gehört. Zusammen begeben sie sich auf die Suche nach Evelinas Schwester, bis plötzlich Anschläge auf Quintus verübt werden, Evelina Drohungen erhält und als sie den entscheidenden Hinweis erhalten, will die Polizei nichts machen.
So begeben sie sich auf die wilde Jagd im Gebirge, um Angelina zu finden. Doch dass sie dabei auf unerklärliche Tatsachen stoßen, lässt das bescheidene Stein am Gebirge plötzlich wach werden.
Ein witziger und leicht komischer Roman, für dessen Humor man offen sein muss, der jedoch ein absolutes Lesevergnügen bereitet.
Sind Geheimnisse in Ordnung, die höchst eigene Privatsphäre? Hat die nicht Jeder und Jede? Womöglich, und doch können sie zerstörerisch sein, wenn sie ans Licht kommen. Das unangenehme Gegenteil von geheimnisvoll sozusagen. Also geheimniskrämerisch, berechnend, manipulativ und egoistisch oder ein Verheimlichen aus Angst vor einer Auseinandersetzung.
Genau durch so eine Nichterwähnung gerät in Kristina Hauffs neuestem Roman „Schattengrünes Tal“ die Beziehung zwischen Lisa und ihrem Mann Simon mehr als ins Wanken. Als Simon immer wieder verstörende Nachrichten über sein Smartphone erhält, beginnt ein Versteckspiel für ihn, dass einen Abgrund zwischen dem Paar schafft, den Lisa viel zu spät bemerkt.
Das marode Hotel ihrer Eltern, der tyrannische Vater und der nahende Winter in dem kleinen Ort im Schwarzwald beanspruchen ihre ganze Aufmerksamkeit. Dabei möchte Lisa doch noch so viel mehr vom Leben.
Als eine unbekannte und seltsam hilflose Frau ausgerechnet im Familienbetrieb Unterschlupf sucht, scheint das zunächst ein Segen zu sein. Als Lisa merkt, dass die angebotene Hilfe im Hotel und die Suche nach Freundschaft nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eine feindliche Übernahme ihres ganzen Lebens sind, scheint es fast zu spät zu sein. Lisas und Simons vermeintlich stabiler Alltag wird durch ein manipulatives Psycho-Erdbeben erschüttert, dass alle Beteiligten in den Abgrund zu reißen droht.
Annett Gröscher/Peggy Mädler/Wenke Seemann: Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat
So verrückt wie der Titel klingt, so ungewöhnlich ist das Buch. Die drei Autorinnen ostdeutscher Prägung treffen sich an sieben Abenden, an jedem Abend gibt es ein anderes Getränk mit unterschiedlich anregender Wirkung und ein neues Thema. Das Buch protokolliert die Gespräche der Frauen, wobei schon das Etikett „ostdeutsch“ selbst zur Debatte steht.
Kritisch reflektieren die Frauen, wie sie in der DDR geprägt wurden und was geblieben ist. Dabei gewinnt der (in diesem Fall westdeutsche) Leser interessante Einsichten in Ideologie und Alltag der DDR. Und es wird auch der Frage nachgegangen, welche Geister heute noch nachwirken.
Nach dem Ende der DDR, die ihre Versprechungen eines gerechten Staates nicht eingelöst hatte, kam vieles in Bewegung, neue Möglichkeiten ergaben sich – und massiv auch Enttäuschungen. Die Konfrontation mit der harten Realität des Kapitalismus, spürbar etwa bei den Privatisierungen auf dem Wohnungsmarkt, hinterließ Spuren.
Die Ostdeutschen wurden zur „unattraktiven Minderheit“ in der Bundesrepublik. Dennoch: Trotz der Beschädigungen, die die Diktatur hinterlassen hatte, waren die Menschen Teil der Selbstbefreiung. Hoffnungen auf Gerechtigkeit und mehr Demokratie bleiben nach wie vor, wie die Gespräche deutlich machen.
Allerdings wachsen angesichts der heutigen Wirklichkeit auch neue Sorgen: vor der Ausbreitung der AfD, angesichts der wachsenden Klimakatastrophe oder wegen der Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Geflüchteten.
Für mich ist es vorbildlich, wie jede der drei Frauen ihre eigenen Perspektiven einbringen kann und sich gerade aus der Neugier an der Sicht der anderen und der Unterschiedlichkeit ein gutes Gespräch ergibt. Davon ließe sich in der heutigen Gesellschaft lernen.
Zwischentexte, die die Gespräche einordnen, und Fußnoten, die erklärende Hinweise z.B. auf Literatur oder ostdeutsche Zusammenhänge geben, ergänzen die Dokumentation der Gespräche. Mir haben die Gespräche viele Anregungen gegeben, neu nachzudenken – über die DDR, die „Wendezeit“, die Wahrnehmung der aktuellen Situation.
Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven – spielt doch brutale Gewalt die eigentliche Hauptrolle.
Erik erfährt zuhause täglich körperliche Gewalt von seinem Vater, und lernt so, dass Autorität nur durch Gewalt erhalten bleibt. Als Anführer einer Jugendbande verschafft er sich mit den Fäusten Respekt und treibt die Bande zu immer neuen kriminellen Untaten.
Als er eines Tages zu weit geht und von der Schule verwiesen wird, kommt er in das Internat Stjärnberg, einer Eliteschule in der Nähe von Stockholm, aber kein Hort der Friedfertigkeit. Der „Rat“ sadistischer Primaner quält und erniedrigt die jüngeren Schüler grausam und ohne Gnade.
Es klingt kaum möglich, aber genau diese Grausamkeit bringt Erik dazu, die Gewalttätigkeiten hinter sich zu lassen. Er erkennt, dass die Fäuste ihn im Leben nicht weiterbringen, sondern nur der Verstand. Er will immerhin Rechtsanwalt werden, er will das Schulsystem verändern, dafür braucht er das Abitur.
Was sich nach einem rosaroten Happy End anhört, ist in Wirklichkeit die Erkenntnis, dass auch der Verstand eine grausame Waffe sein kann, die Erik ein letztes Mal anwendet, als er nach seinem erfolgreichen Abschluss noch einmal nach Hause fährt…
Ein intensives Buch, beinahe kühl und distanziert erzählt, wirkt es noch lange nach!