Bettina Luis über „Stay away from Gretchen“

Bettina Luis über „Stay away from Gretchen“

Susanne Abel:

Stay away from Gretchen – eine unmögliche Liebe

Dieser spannende und irgendwie leider auch aktuelle Roman hat mich beschämt zurückgelassen!

Tom, ein gefragter, perfekt aufgestellter und erfolgreicher Fernsehjournalist und Nachrichtensprecher arbeitet viel, zu viel. Er hat keine Zeit für ernsthafte Beziehungen, fordert von seinen MitarbeiterInnen absolute Ergebenheit, und Loyalität. Alles steht im Zeichen der persönlichen Karriere, er liebt den Stress internationaler Recherchen, die ihm viel Anerkennung bringen. Toms Mutter GRETA ist eine  verwitwete Seniorin, die ihre Sohn nur noch im täglichen Fernsehen begleitet, ihn dort bewundert, sich mehr Nähe wünscht, dies aber niemals offen aussprechen würde. GRETA/Gretchen wirkt nach außen sehr taff, eloquent und selbstständig. Sie hat es scheinbar nach allen Kriegswirren geschafft, ist beruflich und sozial aufgestiegen, hat eine vorteilhafte Ehe geschlossen und eben diesen wunderbaren TOM, ihren Sohn. TOM weiß und spürte wohl immer, dass seine Mutter emotional unerreichbar schien, sich depressiv verschlossen hielt. Lange und häufige Klinikaufenthalte der Mutter sind die Folge. Dass Kriegstraumata hierfür verantwortlich sein könnten, erscheinen ihm der nachvollziehbare Grund. Nie aber wurde gesprochen, nie wurden Details bekannt.

Dann erkrankt GRETA an Alzheimer Demenz und die Vergangenheit bricht auf. „Sie hat vergessen, dass sie vergessen wollte“, sagt TOM. Zunächst ist er extrem genervt und sieht sich außer Stande GRETA und Job zu vereinbaren. Dann wächst sein Interesse an der eigenen Familiengeschichte zunehmend und als er erfährt, dass er eine farbige Halbschwester hat, erwacht seine Neugier und er beginnt professionell zu recherchieren. Gretas Lebensgeschichte und Toms Gegenwart bewegen sich im Roman heilsam aufeinander zu.

 Am Ende berührt eines in diesem Roman zutiefst: Es gibt sie, die wirkliche, tiefe und „grenzenlose“ Liebe!! Die emotional ehrliche Liebe und Treue, zwischen Liebespaaren, zwischen Generationen, die mutige Liebe von Eltern zu ihren Kindern. Liebe ist langmütig, sie besteht und übersteht viele Krisen, Liebe ist aber auch verletzlich. Wird sie aggressiv zerstört, verstummen Menschen und verdrängen –  vergessen um zu überleben.

Darum bin ich beschämt: Ich gehöre einer durchaus interessierten Nachkriegsgeneration an und der Begriff der TRANSGENERATIONALEN WEITERGABE VON TRAUMATA im Zusammenhang mit den zumeist sprachlosen Kriegs- und Fluchterlebnissen auch meiner Eltern ist mir nicht fremd. Aber welches Leid in der Nachkriegszeit auch noch den farbigen afroamerikanischen GIs im eigenen Land und in dem fremden Besatzungsland (hier Deutschland) zugemutet wurde… welche Dramen sich innerhalb von Beziehungswirklichkeiten abspielten, wenn ihre verbotene Liebe zu weißen deutschen „Gretchens“  lebendige Folgen hatte und welches Leben diese BROWN BABIES erwartete … Ich hatte dies in d e r dramatischen Dimension bisher nicht wirklich als Thema im Blick.

Eben diese Unwissenheit beschämt mich heute, denn die Dramen spielten sich natürlich auch im Umfeld meiner Kindheit ab … Rassismus und Diskriminierung von „Fremden“, Verleumdung, Unterstellung Verachtung von Menschenrechten in  furchtbarsten Sanktionen, sowie staatlich legitimierter Adoptionshandel („Deportation“!) von dunkelhäutigen Kindern in das „Land ihrer Vorfahren“, das ihnen scheinbar die Integration „unter Gleichen“ erleichtern sollte…?! Ungerechtfertigte Entziehung von Sorgerecht, Zwangstrennungen, Sprengung intakter Familiensysteme, weil diese Menschen nicht ins Bild von der heilen Familie der 50/60er Jahre passten. Grausamkeiten, die den ohnehin schon von Krieg, Flucht und Ausgrenzung gezeichneten Opfern ein weiteres Trauma zumuteten.

Unerträgliche Zumutung auch für mich als Leserin? Ja und Nein, denn Susanne Abels Roman liest sich wie die literarische Verfilmung einer Familiensaga, die fasziniert und dank der exzellenten Recherche – bei aller Fiktion – wahre Fakten über die jeweiligen politisch und sozial relevanten historischen Ereignisse liefert. Und so bekomme ich als Leserin der ersten Nachkriegsgeneration immer wieder neue Einsichten in vergleichbare Familiengeschichten. Warum waren die Eltern so, wie sie waren, warum bin ich die, die ich bin… Und es bleibt viel Bewunderung ob der Stärke und Kraft, mit der unsere (Groß)Elterngeneration so viele Beschädigungen aber auch meisterten. Danke, Susanne Abel!

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Susanne Abel: „STAY AWAY FROM GRETCHEN, eine unmögliche Liebe“, dtv 2023, 544 Seiten, ISBN 9783423220149, Preis: 13,00 Euro.


Mittwoch, 21. Juni: Sommersonnenwende

Der längste Tag und lange Tiere

Um 16.57 Uhr ist es an diesem Mittwoch, 21. Juni 2023, soweit. Dann erreicht die Sonne ihren höchsten Stand im Jahreslauf. Kurz gesagt: Sommersonnenwende.

Heute ist also der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres 2023 – zumindest auf der Nordhalbkugel, auf der Südhalbkugel ist heute Wintersonnenwende.  Für uns ist astronomischer Sommerbeginn, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die Sonne unabhängig von Zeitzonen und Koordinaten ihren höchsten Stand im Meridiandurchgang. Zum Tag passt zumindest vom Titel „Sonnenwende“ her ein Beziehungsroman aus der Feder von Edgar Rai.

Ansonsten ist dieser 21. Juni ein tierischer Tag. Was im gewissen Sinn auch an der Sonnenwende liegt. Die australische Dachshund Rescue Australia Inc. rief den „Welttag der Dackel“ (World Dachshund Day) an diesem Datum nach dem Motto ins Leben: „longest night – longest dog“.

In Europa müssen wir halt nur das „night“ durch „day“ ersetzen, um den als selbstbewusst und eigensinnig geltenden Hunden zu huldigen. Die Charakterbeschreibung untermauern Bücher wie „Der (wahre) Chef bin ich!“, das „Hundegeschichten vom anderen Ende der Leine“ liefert, oder auch „Schon wieder das letzte Wort“, was angeblich „typisch Dackel“ sein soll.

Längster Tag/Nacht – längster Hals: Schon sind wir beim nächsten Aktionstag. Die internationale NGO Giraffe Conservation Foundation (GCF) legte den „Welttag der Giraffe“ (World Giraffe Day) unter Hinweis auf die Sonnenwende auf den 21. Juni. Die Begründung ist nachvollziehbar, klingt aber ein wenig nach dem Romantitel „Die Prohezeiung der Giraffe“.

Und der Tag hat auch einen ernsten Hintergrund. Denn der GCF liegt der Schutz der der Tiere insbesondere vor Habitatverlusten und Wilderern am Herzen. Derweilen faszinieren die gigantischen Tiere offenkundig vor allem auch kleine Kinder. Die Auswahl an Kinderbüchern wie „Lulatsch, die kleine Giraffe“ ist enorm.

Nach so vielen Aktionstagen bin ich doch etwas müde – was heute prima gepasst hätte, denn von 2000 bis 2003 fiel der „Bundesweite Tag des Schlafes“ in Deutschland auf den 21. Juni. Der Verein Tag des Schlafes wollte damit auf die Bedeutung des Schlafes aufmerksam machen. Dummerweise schlief nach drei Jahren die Sponsoring-Bereitschaft ein. So muss man sich heute damit begnügen, „Das große Buch vom Schlaf“ zu studieren – und dabei vielleicht selig einzuschlummern…

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Markus Weber über „Das Schloss der Schriftsteller“

Markus Weber über „Das Schloss der Schriftsteller“

Uwe Neumahr:

Das Schloss der Schriftsteller

Von November 1945 bis Oktober 1946 fand in Nürnberg gegen führende Repräsentanten des NS-Staates der Hauptkriegsverbrecherprozess statt. Die drei Siegermächte USA, Sowjetunion und Großbritannien wollten gemeinsam mit Frankreich diejenigen öffentlich anklagen und zur Verantwortung ziehen, die für den Weltkrieg und Verbrechen gegen die Menschheit verantwortlich waren.

Dieser Prozess wird aus einer interessanten Perspektive betrachtet, nämlich aus derjenigen der Journalisten, Reporterinnen und Schriftsteller, die hier zusammengekommen waren, um zu berichten. Untergebracht waren sie im Schloss der Schreibwarenfabrikanten Faber-Castell, das als „Press Center“ eingerichtet war. So kam hier eine illustre Schar auch international bekannter Persönlichkeiten zusammen – u.a. von Erika Mann über Erich Kästner, Alfred Döblin, John Don Passos, Martha Gelhorn bis hin zu Willy Brandt und Markus Wolf. Sehr einfühlsam ist der Wahrnehmung dieser Persönlichkeiten jeweils ein Kapitel gewidmet, wobei jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

So kommt ein sehr vielfältiges Bild zustande, das nicht nur von den jeweiligen politischen Standorten, sondern auch den nationalen Haltungen und Vorgaben geprägt ist. Man bekommt einen Eindruck von den beginnenden Spannungen zwischen den Siegermächten und dem Kalten Krieg.

Leider kommt die sowjetische Sicht nur recht kurz zum Tragen. Dennoch wird nicht nur der Prozess in aller widersprüchlichen Bewertung beleuchtet, sondern auch die Persönlichkeiten der Angeklagten – von Faszination bis Abscheu.

Und das Buch bietet ebenso einen Blick auf das zerstörte Nürnberg und auf Nachkriegsdeutschland. Die Kontroversen sind eindrücklich aufgezeigt, beispielhaft an den Geschwistern Mann: Während Erika nach der Exilszeit den Deutschen unversöhnlich gegenübersteht, setzt sich ihr Bruder Golo in den 80er Jahren für die Freilassung von Rudolf Hess, dem Stellvertreter Adolf Hitlers, ein.

Ein sehr lesenswertes Buch!

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Uwe Neumahr: Das Schloss der Schriftsteller. Nürnberg ’46. Treffen am Abgrund, Verlag C.H. Beck 2023, 304 Seiten, ISBN 9783406791451, Preis: 26,00 Euro.

Dienstag, 20. Juni: Tag der Filtertüte

Melitta und der krümelfreie Kaffeegenuss

Mit dem Hashtag #MeowMonday beginne ich an diesem Dienstag, 20. Juni 2023, das bebücherte Kalenderplatt. Aus Schuldgefühl, ich habe den stets auf den dritten Juni-Montag fallenden „Nimm-Deine-Katze-mit-zur-Arbeit-Tag“ (Take Your Cat To Work Day) übersehen.

Ich frage mich allerdings, seit ich vor rund 15 Jahren erstmals von diesem Aktionstag hörte, den die US-amerikanischen Tiersitter-Vereinigung Pet Sitters International (PSI) 2006 ins Leben rief, ob unsere Katze das überhaupt wollen würde. Ich werde dem auf den Grund gehen und den Fotobuch-Ratgeber „Was denkt meine Katze“ studieren.

Sehr viel näher ist mir gerade so früh morgens heute ein deutscher Aktionstag: Zu Ehren von Melitta Bentz begehen wir heute den „Tag der Filtertüte“. Am 20. Juni 1908 erteilte das kaiserliche Patentamt den Gebrauchsmusterschutz für einen Rundfilter mit vorgefertigtem Filterpapier. Womit krümelfreier Kaffeegenuss endlich möglich war.

Allein dadurch hätten „Frische und Geschmack – Melitta Bentz und der Kaffeefilter“ als Hörbuch mehr als eine Laufzeit von nur 12 Minuten verdient. Zumal es im Leben der Erfinderin einen innigen Harzbezug gab: Sie heiratete Johannes Emil Hugo Bentz, der 1873 in Clausthal-Zellerfeld als zwölfter Sohn des dortigen Rektors das Licht der Welt erblickte und in der Firma seiner Frau später der erste Mitarbeiter war.

Den Begriff „Filterkaffee“ muss man heutzutage etlichen Zeitgenossen erklären, denn mittlerweile stehen in Küchen und Büros Kaffeemaschinen, die mich mit ihren Displays und LED-Anzeigen eher an Raumschiffe erinnern. Da lohnt dann sicher „Das Kaffeebuch für Anfänger, Profis und Freaks“, das sogar für die Barista-Ausbildung empfohlen wird. Baristi sind jene Kaffee-Ausschenker, die einen angucken, als hätte man nicht alle Tassen im Schrank, wenn man einen schlichten schwarzer Kaffee möchte.

Ein wenig die gute Laune am guten Kaffee kann einem ein Buch von Mai Thi Nguyen-Kim rauben. In „Komisch, alles chemisch!“ deckt sie auf, dass bei „Handys, Kaffee, Emotionen“ mit Chemie wirklich alles erklärt werden kann. Das Stichwort Chemie erklärt dann vielleicht auch die ganze Batterie an Krimis, die den Kaffee im Titel führen. „Kaffee. Mokka. Tot.“  sind Kurzkrimis – viel mehr geht ja bei Mokka oder Espresso auch nicht. „Eine Leiche zum Kaffee“ ist dagegen schon ein ausgewachsener Roman, mit dem man über diese Woche schmökern kann.

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Montag, 19. Juni: Weltbummeltag

Bummelallee und Radau im Jahr 1988. Foto: Bilderarchiv Ahrens/Bad Harzburg-Stiftung

Ganz gemächlich in die Woche bummeln

An diesem Montag, 19. Juni 2023, können wir uns auf den nahen Pausentee freuen: Am Mittwoch steht die Sommersonnenwende an. Und in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli ist auch rechnerisch mit 182,5 Tagen die Jahresmitte erreicht.

Aber nicht allein deshalb sollten wir es heute gemächlich angehen. Wir begehen heute den „Weltbummeltag“ (World Sauntering Day). Was gerade in Bad Harzburg mit der von herrlichen Kastanien gesäumten Bummelallee eine ganz spezielle Note erhält. Ein Abstecher in die Fußgängerzone zwischen Platz Stadtmitte und Kurpark sollte heute eigentlich freudige Pflicht sein.

Dabei aber immer daran denken, dass das englische Verb „to saunter“ eine bewusst langsame Form des Gehens mit Muße und Freude beschreibt. Mark Twain mag bei seiner Touren ja Freude empfunden haben, aber seine Strecken waren durchaus herausfordernd: „Bummel durch Deutschland“ (mit Zeichnungen von Hans Traxler) geht ja noch, aber zu Fuß von Deutschland nach Italien als „Bummel durch Europa“ zu betiteln, trifft es vielleicht nicht ganz. In jedem Fall aber sind beide Reiseschreibungen eine höchst vergnügliche Reiselektüre.

Heute vor 45 Jahren (1978) wurde der erste Garfield-Comic-Strip veröffentlicht. Weswegen in USA heute auch der „National Garfield the Cat Day“ im Kalender vermerkt ist.  Mit „Garfield – Jederzeit fressbereit” hätte man bereits die wichtigste Beschäftigung des wohl fettesten, faulsten, zynischsten Katers der Welt abgehakt. Wem das nicht reicht, der stürzt sich auf die „Garfield Gesamtausgabe“ nach Erscheinungsjahren, in diesem Fall die Comicstrips von 1988 bis 1990.

Eigentlich gratulieren wir an dieser Stelle ja allein Schriftstellern zum Geburtstag, aber für ganz besondere Persönlichkeiten können wir mal eine Ausnahme machen. Und dazu zählt für mich der Basketball-Superstar Dirk Nowitzki, der heute seinen 45. Geburtstag feiert.

Nowitzki spielte 21 Jahre für die Dallas Mavericks in der NBA. In der NBA-Saison 2006/07 bekam Nowitzki als erster Europäer den NBA Most Valuable Player Award (MVP) für den wertvollsten Spieler der Hauptrunde verliehen, 2011 gewann er mit den Dallas Mavericks als erster Deutscher die NBA-Meisterschaft und wurde zudem mit dem NBA Finals MVP Award für den wertvollsten Spieler der Finalserie ausgezeichnet. Nach solch einer Bilanz kann man mit Fug und Recht „Das Nowitzki-Phänomen“ besingen.

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Sonntag, 18. Juni: Köstlicher Tag

Eine Kleinigkeit genussvoll aufpicken

Wetter und Wochentag sollten passen, um an diesem Sonntag, 18 Juni 2023, den „Internationalen Tag des Picknicks“ (International Picnic Day) angemessen zu begehen.

Es ist ein klug gewähltes Datum, drei Tage vor der Sommersonnenwende sind die Aussichten auf gutes Wetter nicht schlecht. Aber was soll serviert werden? „Nimm’s mit“ will Anregungen geben für „transportable Gerichte für Büro, Schule & Picknick“.

Das Wort Picknick stammt übrigens wohl aus dem 17. Jahrhundert und ist eine Kombination der französischen Begriffe piquer (aufpicken) und nique (Kleinigkeit). Nachdem der französische Einfluss geklärt ist, wollen wir uns natürlich nicht auf typisch deutsche Outdoor-Klassiker wie den (von mir geliebten) Kartoffelsalat beschränken. Dabei hilft „PICKNICK – weltweit und kreativ“.

Noch ein Hinweis und ein Tipp für einen speziellen Fall: Picknick mit Kindern. Der Platz sollte unbedingt so gewählt werden, dass die Kids ausreichend Auslauf haben, ohne ständig die Picknickdecke zu überqueren. Oder man beschäftigt den Nachwuchs. Beispielsweise mit „PickNick Set (8 x 1 Ex)“  von  René Goscinny und Jean-Jacques Sempé: acht kleine Bände aus der Reihe „Der kleine Nick“.

Wer noch immer nicht genau weiß, was er oder sie in den Picknickkorb packen soll, kann sich gleich an einem weiteren Aktionstag orientieren: Heute ist auch „Internationaler Sushi-Tag“ (International Sushi Day). Nicht unbedingt mein Fall. Weder in Herstellung noch in Verzehr. Bei der Produktion soll das „Sushi Kochbuch für Anfänger“ mit mehr als 100 Rezepten helfen.

Man könnte das Picknick natürlich auch mit einem größeren Ausflug verbinden. Und auch dafür haben wir selbstverständlich aus gegebenem Anlass einen guten Tipp: Am 18. Juni 1896 wurde das Kyffhäuserdenkmal auf dem Berg Kyffhäuser in Thüringen eingeweiht. Von Bad Harzburg sind das rund 90 Kilometer, die Strecke ist in anderthalb Stunden zu machen. Zum Einlesen: „Im Zauberbann des Kyffhäusers“ die Kyffhäuser-Sagen nach Ludwig Bechstein.

Eine weitere lockere Lektüre auf der Picknickdecke haben wir wahllos „Begegnung in der Nacht“ aus dem opulenten Werk Utta Danellas gegriffen, die heute vor 103 Jahren geboren wurde. Mit rund 70 Millionen verkauften Büchern gehört sie zu den erfolgreichsten deutschen Autoren.

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Samstag, 17. Juni: Ein deutscher Aufstand

Im Gedenken an den brutal niedergeschlagenen Arbeiteraufstand 1953 in der DDR trafen sich 1966 auf Torfhaus mehr als 2000 Jugendliche. Foto: Ahrens-Archiv, Bad Harzburg-Stiftung

Ein geschichtsträchtiges Datum

Müll, Echsen und Artistik haben die besonderen Aktionstage an diesem Samstag, 17. Juni 2023, im Blick. Dass an diesem Datum jahrzehntelang auch der „Tag der deutschen Einheit“ begangen wurde, scheint vergessen.

Tatsächlich war dieser „Tag der deutschen Einheit“, der im Gedanken an den brutal niedergeschlagenen Arbeiteraufstand 1953 in der DDR erinnerte, lange Zeit ein Gedenktag, der durchaus Menschen auf die Beine brachte. So versammelten sich 1966 am Vorabend des 17. Juni mehr als 2000 Jugendliche bei Torfhaus mit Blick auf den Brocken (Foto oben, Ahrens-Archiv).

Den geschichtlichen Hintergrund liefert das Buch „17. Juni 1953“, dasden deutschen Aufstand beleuchtet und analysiert. Von 1954 bis zur Wiedervereinigung 1990, als der 3. Oktober zur Wachablösung antrat, war der 17. Juni der Tag der deutschen Einheit. Aber man kann das Thema heute auch ganz entspannt angehen. Beispielsweise mit einem Buch. Rundherum um den Aufstand hat Frank Goldammer in „Juni 53“ einen seiner Max-Heller-Krimis gesponnen.

Jetzt haben wir so viel mit Geschichtsdaten jongliert, da können wir uns auch gleich dem „Tag des Jonglierens“ zuwenden. Als Geschenk böten sich an diesem „World Juggling Day“ „3 Bälle & Jonglier-Anleitung“. Die Bälle sind blau, weiß, silber und (viel wichtiger) „große Jonglierbälle“. Da ich zwei linke Hände habe, schnappe ich mir als historisch interessierter Mensch vielleicht doch lieber ein anderes Buch: „Jongleur der Macht“ stellt Kardinal Mazarin als „Lehrmeister des Sonnenkönigs“ vor.

Noch größere Probleme habe ich mich mit dem nächsten Aktionstag, denn ich finde Krokodile zum Fürchten. Trotzdem ist heute der „Welttag der Krokodile“ (World Croc Day) die unseres Schutzes bedürfen. Vielleicht kann ich mich mit den urzeitlichen Tieren anfreunden, wenn ich das Buch „Krokodile“ über „ein Leben mit Panzerechsen“ gelesen habe.

Und schon sind wir beim letzten Aktionstag für heute. Es ist ein ganz wichtiger Tag für uns alle. Wir begehen den „Internationalen Tag der Müllabfuhr“ (Global Garbage Man Day). Der Ehrentag der Müllmänner und Müllfrauen soll die Bedeutung der geleisteten Arbeit ins Bewusstsein rücken.

Was offenkundig nötig ist, denn Müllabfuhr scheint nur Kinder zu interessieren. Zumindest fördert die entsprechende Anfrage im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT nahezu ausschließlich Kinderbücher zutage: „Bei der Müllabfuhr“ aus der Reihe „WAS IST WAS“ bringt das Thema schon Kindergarten-Kids mit „Malen, Rätseln, Stickern“.

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Rebecca Spaunhorst über „A Good Girl’s Guide to Murder“

Rebecca Spaunhorst über „A Good Girl’s Guide to Murder“

Holly Jackson:

A Good Girl’s Guide to Murder

(Dreiteilige Reihe)

Fans von „Pretty Little Liars“ aufgepasst, hier kommt etwas Gutes! Die Serie rund um Pippa Fitz-Amobi und ihre Kleinstadt Little Kilton, fesselt in jedem Band. Die Charaktere bekommen dabei von Seite zu Seite und von Band zu Band mehr Tiefgang und man gerät schnell tief in den Sog der Detektivarbeit. Ich kann ihn in Band zwei förmlich hören, den True-Crime-Podcast!

Pippa verliert sich, findet sich, findet Mörder:innen, Entführer:innen, Lügner:innen.

Frei nach dem Motto „One of us is lying“, geht es hier richtig rund.

Das perfekte Buch, um sich darin zu verlieren. Wenn ihr also auf der Suche seid nach etwas, dass euch denken lässt „nur noch eine Seite. Okay, aber das ist wirklich die Letzte. Okay, aber diese jetzt WIRKLICH!“, nur um am Ende doch die halbe Nacht zu lesen, dann seid ihr hier richtig.

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Holly Jackson: “A Good Girl’s Guide to Murder”, One, 480 Seiten, ISBN 9783846601594, Preis: 14,00 Euro.

Holly Jackson: “Good Girl, Bad Blood”, One, 448 Seiten, ISBN 9783846601600, Preis: 14,00 Euro.

Holly Jackson: “As Good as Dead”, One, 512 Seiten, ISBN 9783846601730, Preis: 14,00 Euro.


Freitag, 16. Juni: Spannung pur

Schockmomente dank Hitchcock und Fußball

Ich liebe Psycho-Thriller – bin aber leider ein ausgemachter Feigling. Was mit schon ewig bei einem Film gruselige Probleme bereitet, der an diesem Freitag, 16. Juni 2023, exakt 60 Jahre alt wird: „Psycho“.

 Das Meisterwerk von Alfred Hitchcock nach dem Roman „Psycho“ von Robert Bloch startete am 16. Juni 1960 in den US-amerikanischen Kinos und sorgte für lange Schlangen an den Kinokassen. Dazu beigetragen hatte der Umstand, dass eine aufwändige Werbekampagne (auch schon mit schönen Schockeffekten) die Spannung angefeuert hatte.

Die Szene, in der die weibliche Hauptfigur unter der Dusche erstochen wird, zählt zu den bekanntesten und meistzitierten Szenen der Filmgeschichte. Und auch die von Anthony Perkins verkörperte Figur des Serienmörders Norman Bates erlangte Berühmtheit. Wer nicht genug bekommen kann, wählt die „Psycho Collection I-IV“.

Bei Hitchcock-Filmen grübele ich häufig, wie der Regisseur das wohl bewerkstelligt haben mag. Was offenkundig auch andere und darunter einen weiteren großen Regisseur beschäftigte. In dem Interview-Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“  antwortet Hitchcock auf 500 Fragen von Francois Truffaut. Das Ergebnis ist das „vielleicht aufschlussreichsten Filmbuch überhaupt, eine Hommage an Hitchcock und an das Filmemachen“.

Fußball ist im Idealfall ja mindestens so spannend wie ein Hitchcock-Thriller. Oder sollte es sein. Wobei die deutschen Fans aktuell in Erinnerungen schwelgen müssen, denn die Realität war zuletzt doch eher traurig.  Heute aber ist so ein erinnerungsseliger Tag: Am 16. Juni 1954 wurde die Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz eröffnet – mit dem bekannten und umjubelten Ergebnis.

Die Vielzahl der Veröffentlichungen beweist, welche Bedeutung das Ereignis für Deutschland und die Deutschen hatte und hat. „Das Wunder von Bern“ zielt im Titel auf die Fußballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, hat aber auf dem Cover auch die „Titelsterne“ von 1974, 1990 und 2014.

Deutlich weiter wird der Bogen gespannt in „Sommer 1954“, da geht es um Fußball, Verbrechen und Agentenspiele. Aber vielleicht lässt man am besten einen der Väter des Triumphs zu Wort kommen: „3:2 – Deutschland ist Weltmeister“ (eBook) sind die Erinnerungen von Fritz Walter an das Wunder von Bern überschrieben – „eine wahre Geschichte von Mut, Freundschaft und Teamgeist“.

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Donnerstag, 15. Juni: Geistiger Durchbruch

Eiskaltes Vergnügen und literarische Herausforderung

Handwerker im Haus und ein Blog-Thema, das einen Lecker-Schlecker an diesem Donnerstag, 15. Juni 2023, garantiert nicht daheim verweilen lässt. Es geht passend zu den aktuell sonnigen Tagen um Speiseeis. Und da fällt der Blog etwas knapper aus.

Heute vor 172 Jahren (1851) hat der Milchhändler Jacob Fussell aus Baltimore die weltweit erste Fabrik zur Herstellung von Speiseeis in Betrieb genommen. Die Geschichte der cremig-kühlen Versuchung an sich reicht aber viel weiter zurück.

Natürlich waren es mal wieder die Chinesen, die uns auch diese Erfindung voraushatten. Immerhin kannten und schätzten im antiken Europa die Römer das Eis. Wir dagegen mussten uns lange in Abstinenz üben: Das Kochbuch von Anna Wecker „Ein köstlich new Kochbuch von allerhand Speisen“, enthielt 1597 ein Rezept für eisgekühlten Milchrahm. Also wenigstens eine Vorstufe des Milchspeiseeis‘.

Nun braucht es aber nicht unbedingt eine Fabrik, um Eis herzustellen. Do-it-yourself ist angesagt. Anleitungen gibt es genug. „Bestes Eis selbst gemacht“ verspricht die „besten Rezepte für Cremeeis, Fruchteis, Sorbets, Frozen Yogurt, Parfaits, Konfekt, Torten, Drinks & Toppings“. Realisierbar mit und ohne Eismaschine.

Wem das nicht genug ist, der kann sich „Gelato Geniale“ und 80 Rezepten zuwenden. Und selbst Veganer müssen sich bei diesem Milch-lastigen Thema nicht in Verzicht üben: „Das große vegane Eisbuch“ wartet mit „himmlischer Nice-Cream zum Selbermachen“ ohne Milch oder andere tierische Produkte auf.

So, bevor es in die Eisdiele geht, noch ein vorbereitender weltliterarischer Hinweis: Morgen ist „Bloomsday“ in Irland. Literarischer Feiertag zu Ehren des James Joyce Romans „Ulysses“. Ich verzichte trotzdem auf einen erneuten Anlauf, das Werk hat mich geschafft. Aber irgendwie kitzelt mich die Suhrkamp-„Sonderausgabe mit rotem Farbschnitt“. Ob mir das den geistigen Durchbruch bescheren könnte?

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