Hans Georg Ruhe über „Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“

Hans Georg Ruhe über „Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“

Andrea Paluch und Robert Habeck:

Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf

Diese verwirrende Geschichte tänzelt am Rand der Wirklichkeit. Der Leser schaut in den Spiegel, hinter den Spiegel, prüft die Realität, lächelt über Täuschung oder Mutmaßung.

Erzählt wird aus der Perspektive der Ich-Erzählerin, einer Witwe mit drei Kindern. Sie begegnet einem Mann, der dem ihren aufs Haar gleicht. Sie erkennt dessen Gesichtszüge, seine Bewegungen, Eigenarten. Mit ihm verbringt sie eine Nacht, immer auf der Suche nach der Wahrheit, auf der Suche nach Ähnlichkeit oder Fremdem. Die Erzählerin ist präsent und wirkt lebensklug in ihrer fortdauernden Trauer.

Paluch und Habeck erzählen die Geschichte in fast lakonischem Ton. In knappen Worten und kurzen Sätzen breitet sich eine Zwischenbilanz des Lebens aus. Die Erzählung ist unterhaltsam und schenkt wenig Gewissheit. Dass der Mann im Buch „Robert“ heißt und das Autorenpaar verheiratet ist, täuscht irritierend Autobiografisches vor.

Andrea Paluch und Robert Habeck: „Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf“, Kiepenheuer und Witsch, 150 Seiten, ISBN 978-3-462-00547-9, Preis: 13,00 €.


Sonja Weber über „Yoga Town“

Sonja Weber über „Yoga Town“

Daniel Speck: Yoga Town

Um der Enge und dem „Spießertum“ zu entfliehen, machen sich Marc, Lou und Marie bei Nacht, Nebel und Schneetreiben in einem gekaperten Daimler auf nach Indien. Pässe haben sie nur dabei, um von Berlin aus die damalige DDR zu durchqueren, dann winkt die Freiheit, hinter den Alpen der Frühling, spätestens ab Istanbul der Sommer und ab Peshawar die Erleuchtung.

Die Drei sind auf dem Weg dahin, wo sie ihre Idole vermuten, nach Rishikesh in den Ashram von Guru Maharishi am Ufer des Ganges. Sie folgen einem Traum und müssen lernen, das der beste Traum nur so viel taugt, wie die Realität es zulässt.

Sie wollen von Stars und Gurus lernen, sich selbst finden und die freie Liebe leben. Was das Leben sie lehrt ist, dass man lernen muss, die richtige Wahl zu treffen und man hat immer eine, die richtige kann die unbequemere sein.

Dass der Weg des geringsten Widerstands nicht ohne Folgen bleibt, dass Geheimnisse immer ans Licht kommen und Wunden nur heilen können, wenn man darüber redet, zeigt sich Jahrzehnte später, als Lous Tochter aus einer Sinnkriese heraus auf den Spuren ihrer Eltern reist.

Alle Fäden laufen an einem Ort zusammen und erneut scheint Indien das Land der Erleuchtung zu sein. Letztendlich müssen alle erkennen, dass der Ort nicht wichtig ist, nur die Wahrheit, Liebe und Verzeihen.

Daniel Speck: „Yoga Town“, Fischer Verlag, 480 Seiten, ISBN 978-3-596-71200-7, Preis: 18,00 Euro.


Silke Mahrt zum 3. Mal in der BÜCHER-HEIMAT

Literarischer Stammgast verbreitet „Harzer Angst“

Bereits zum dritten Mal ist die Autorin Silke Mahrt in der BÜCHER-HEIMAT zu Gast, wenn sie am Donnerstag, 9. April 2026, um 19 Uhr in der Mitmach-Buchhandlung ihren neuen Krimi „Harzer Angst“ präsentiert.

Zum Inhalt:

Nach einem Peitschenknaller-Training verschwindet der dreizehnjährige Ben. Tage später entdecken Wanderer die misshandelte Leiche des Jungen. Tom Steiger, Trainer der Gruppe, macht sich große Vorwürfe und beginnt zu ermitteln.

Seine Kollegin und Vorgesetzte Carla Altmann hat noch ganz andere Sorgen. Ihr Sohn Niklas verändert sich und zieht sich immer mehr zurück. Carla spürt, dass etwas nicht stimmt – mit ihrem Sohn, mit dem Fall. Weiß er etwas über Bens Tod?

Im Mittelpunkt von Silke Mahrts drittem Harzkrimi „Harzer Angst“ stehen die Probleme und Sorgen von Kindern und Jugendlichen. Natürlich wird wieder ein Kriminalfall gelöst, wenn Carla Altmann und Tom Steiger in Altenau ermitteln. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz.

Zur Person:

Silke Mahrt studierte Politikwissenschaft und Germanistik in Braunschweig und Hamburg. Heute lebt, arbeitet und schreibt sie in Bad Oldesloe. Sie schreibt Harzkrimis mit dem Ermittlerduo Carla Altmann und Tom Steiger. In ihren Nordseeromanen drückt sie ihre Liebe zu ihrer neuen Heimat Schleswig-Holstein aus.

Die BÜCHER-HEIMAT in der Roswitha-Stadt

Die BÜCHER-HEIMAT in der Roswitha-Stadt
Zu drei Tagen Literatur, Begegnung und Inspiration in Bad Gandersheim trug für die BÜCHER-HEIMAT auch Petra Nietsch mit (werbenden) Informationen über die Mitmachbuchhandlung bei.

Die Leselust hat überall eine BÜCHER-HEIMAT

Die traditionsreiche Buch- handlung Pieper in Bad Gandersheim. Fotos: Lena Scholz

„Leselust in der Innenstadt: Drei Tage Literatur, Begegnung und Inspiration“, mit diesem Slogan warb Bad Gandersheim vom 19. bis 21. September für die Premiere von „Gandersheim liest…“ – und bei dem „Wochenende für Bücherfreunde“ in der Roswitha-Stadt galt das Interesse im Veranstaltungsreigen auch der BÜCHER-HEIMAT aus Bad Harzburg.

Einmal im Jahr soll sich in Bad Gandersheim, der Stadt der ersten deutschen Dichterin Roswitha, alles ums Lesen drehen. Dann wird die Innenstadt zur literarischen Bühne – mit Lesungen, Mitmachaktionen, Ausstellungen und vielen kleinen Entdeckungen rund ums Buch.

Auch der lokale Buchhandel spielt eine zentrale Rolle. Die Buchhandlung Pieper – als letzte unabhängige Buchhandlung der Region – ist mehr als nur ein Ort zum Bücherkaufen. Sie ist Treffpunkt für Lesende, Verweilort, persönlicher Anker für alle, die Geschichten lieben. Zum Lesefest feierte Inhaberin Gitta Wiese-Günther ihr 10-jähriges Jubiläum – ein guter Moment, um der Bedeutung des stationären Buchhandels besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Genau dazu trug bei der feierlichen Eröffnung des Lese-Wochenendes in der Stiftskirche auch Petra Nietsch bei, die im Festvortrag die BÜCHER-HEIMAT und die Idee der Mitmach-Buchhandlung in Form einer gemeinnützigen GmbH einem interessierten Publikum vorstellte: „Wie aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte wurde“.

Vor allem auch das umfangreiche ehrenamtliche Engagement und die vielfältigen Aktivitäten bis hin zur Herausgabe des deutschsprachigen „Zaunkönigs“ in dem Bad Harzburger Vorzeige-Projekt ließen das Publikum aufhorchen – und haben damit vielleicht auch neue Gästekreise erschlossen. Schließlich ist Bad Gandersheim wahrlich nicht aus der Welt…

Sonja Weber über „Einfach Mensch sein – Von Tieren lernen“

Sonja Weber über „Einfach Mensch sein – Von Tieren lernen“

Sy Montgomery: Einfach Mensch sein – Von Tieren lernen

Die in Frankfurt am Main geborene und heute mit Ehemann in New Hampshire lebende Autorin liebt und schätzt Tiere, egal ob groß oder klein, ob zwei, vier, sechs, noch mehr oder keine Beine. Federn, Fell, Schuppen, Haut, Sy Montgomery hat keine Berührungsängste.

Sie sieht die wunderbare und beeindruckende Fauna unseres Planeten mit den Augen einer staunenden, wertschätzenden Schülerin, die von den Fähigkeiten unserer tierischen Erdenmitbewohnern lernen möchte, was möglich ist.

Ihr Buch „Einfach Mensch sein – Von Tieren Lernen“ bringt uns allen vielleicht Lebewesen näher, von denen wir es nicht gedacht hätten. Sie erzählt von den zahlreichen Tieren, die auf ihrem Grundstück und in ihrem Haus leben ebenso, wie von den Reisen als Naturjournalistin zu exotischen Orten und deren Bewohnern.

Sy Montgomery: „Einfach Mensch sein – Von Tieren lernen“, Diogenes Verlag, 208 Seiten, ISBN: 978-3-257-24558-5, Preis: 14,00 Euro.


Markus Weber über „Die verunsicherte Nation“

Markus Weber über „Die verunsicherte Nation“

Matthias von Hellfeld: Die verunsicherte Nation

Der Historiker und Journalist Matthias von Hellfeld, u.a. Redakteur des Formats „Eine Stunde History“ bei Deutschlandfunk Nova, hat aus aktuellem Anlass ein Buch zur deutschen Geschichte vorgelegt. Vielfach wird Geschichte politisch vereinnahmt, um damit nationalistisches und fremdenfeindliches Gedankengut zu verbreiten. Dagegen stellt von Hellfeld ein von Fakten gesättigtes und gut lesbares Buch.

In vier Kapiteln, die aus unterschiedlichen thematischen Perspektiven die deutsche Geschichte durchleuchten, arbeitet der Autor gegen die Verfälschung der Nationalgeschichte von der Römerzeit bis heute an. Dabei stehen die Frage der Migration, die Kleinstaaterei, das Streben nach nationaler Einheit auf demokratischer Basis sowie das Streben nach europäischer Einigkeit im Blickpunkt.

Bei den Durchgängen durch die Geschichte wird ersichtlich, dass weder „Hermann der Cherusker“ noch Karl der Große oder Kaiser Otto Begründer „Deutschlands“ waren oder sein wollten. Im engeren Sinne lässt sich von einem Nationalstaat ohnehin erst mit der Gründung des „von oben“ unter preußischer Vorherrschaft gegründeten Kaiserreiches 1870/71 sprechen. Und dieses war zwar ein wichtiger Schritt zu unserem heutigen Staat, aber doch auch gekennzeichnet durch Ausgrenzung – etwa gegen Polen, Katholiken oder Sozialdemokraten – und imperialistische Politik, die einem friedlichen Zusammenleben der Völker nicht zuträglich war.

Aus der – durchaus begründeten – Vorgehensweise ergeben sich inhaltliche Überschneidungen und Wiederholungen, die ich beim Lesen teilweise als störend empfunden habe. Ein Durchgang weniger hätte sicher auch gereicht.

In einem Schlusskapitel geht der Autor noch einmal auf die fatale Mythenbildung im Umgang mit der Geschichte ein. Er ermutigt dazu, die Vielfalt Deutschlands, die sich aus regionalen Unterschieden, aber auch durch Anwesenheit anderer Kulturen, Lebensgewohnheiten und Religionen ergeben hat, als Vorteil und Stärke zu sehen: „Deutschland ist schon immer von fremden Einflüssen geprägt worden, und es spricht vieles dafür, dass das auch in Zukunft so sein wird.“ Die Propaganda dagegen ist für ihn zutiefst unhistorisch und unpatriotisch, was er nachvollziehbar darlegt.

Trotz der Einwände: Das Buch kann ich gerne empfehlen; es kommt zur rechten Zeit und kann angesichts vielfältiger Verunsicherungen im Umgang mit der Geschichte zu einer Selbstvergewisserung im Sinne der Demokratie beitragen. So ist es ein im besten Sinne aufklärerisches Geschichtsbuch!

Matthias von Hellfeld: „Die verunsicherte Nation. Vielfalt und Migration – eine andere Geschichte Deutschlands“, wbg Theiss 2025, 240 Seiten, ISBN 978-3534610594, 22,00 Euro.

Sonja Weber über „Sprung ins Leere“

Sonja Weber über „Sprung ins Leere“

Heinrich Steinfest: Sprung ins Leere

Eine literarisch reizvolle, spannende und erstaunliche Geschichte mit unvorhergesehenen Wendungen und vielen kleinen Details rechts und links des Erzählstrangs.  Diese zunächst beiläufigen und später doch wichtigen Besonderheiten sind es, die die Geschichte zu einem für Heinrich Steinfest typischen leicht surreal anmutenden Kunststück machen.

Einer Schnitzeljagd gleich schickt er seine Protagonistin Klara Ingold auf die Spur ihrer Großmutter, die irgendwann Ende der Fünfziger Jahre von einem Tag auf den anderen spurlos verschwand. Hinterlassen hat sie nur ein paar außergewöhnliche und in höchstem Maße rätselhafte Fotografien, mit denen die kunstbesessene Klara sich nun auf die Suche nach der verschwundenen Frau macht, von der sie nicht einmal weiß, ob diese noch am Leben ist.

Hinweis für Hinweis folgend, führt die Suche Klara durch Kunstmuseen, in große Städte wie Wien und Tokyo, in kleine Dörfer Japans und auf rätselhaft Inseln. Entlang berühmter Gemälde wie „Der große Wald“ von Jacob van Ruisdael oder der „Bauernhochzeit“ Pieter Bruegels des Älteren hangelt sich Klara zusammen mit einigen Menschen, die vielleicht zufällig, vielleicht vom Schicksal gewollt, ihren Weg kreuzen, näher und näher an eine Frau heran, die nicht nur ihre Großmutter, sondern auch ein Mensch zu sein scheint, auf dessen Spur gefährliche Mächte seit Jahren sind.

Hat Klara wie eine Magierin, nur ohne es zu ahnen, eine Maschinerie ins Laufen gebracht, deren Rädchen schon stillgestanden hatten? Es scheint so, denn auf einmal fügt sich eins ins andere und aufreizend langsam, ruhig und charmant treibt der Autor seine Figuren einem Showdown entgegen der, wie für Steinfest üblich, in seiner logischen Konsequenz überrascht.

Heinrich Steinfest: „Sprung ins Leere“, Piper Verlag, 492 Seiten, ISBN: 978-3-492-32125-9, Preis: 14,00 Euro.


Petra Nietsch über „Das Wunder von Bahnsteig 5“

Petra Nietsch über „Das Wunder von Bahnsteig 5“

Clare Pooley: Das Wunder von Bahnsteig 5

Dieser Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Ein Wohlfühl- und Gute-Laune-Buch, das viel Herzenswärme und Menschlichkeit verströmt, aber trotzdem Tiefgang hat und nicht kitschig ist. Eine Kombination, die man so nur selten findet.

Jeden Morgen fährt dieselbe Gruppe Menschen mit dem Zug nach London hinein und abends wieder zurück. Aber es gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Pendler sprechen nicht miteinander, auch wenn man jedem einzelnen heimlich einen Spitznamen gegeben hat.

Doch eines Tages kommt es zu einem Zwischenfall, der alles verändert. Plötzlich fangen die Menschen miteinander zu reden und aus Fremden werden Freunde, die alle für einander einstehen. Denn jeder von ihnen hat ein Problem, bei dem er Hilfe oder Unterstützung benötigt.

Keines davon ist ungewöhnlich, sondern kommt in unserer Gesellschaft vermutlich tagtäglich vor. Dies ist vermutlich der Grund, warum ich beim Lesen immer das Gefühl hatte, nicht nur Zuschauerin, sondern mittendrin im Geschehen zu sein.

Clare Poole ist selber über Jahre mit dem Zug zur Arbeit gefahren und hat dabei viel gesehen und viel gehört. Einige dieser Erlebnisse sind in diesen Roman geflossen. Daraus erklärt sich, dass die Charaktere alles Menschen wie ich und du sind. Schade, dass ich sie nicht persönlich kennenlernen kann.

Clare Pooley: „Das Wunder von Bahnsteig 5“, Goldmann TB, 400 Seite, ISBN 9783442206377, Preis: 16,00 Euro.


Ehrenamts-Treffen in der „Aubergine“

Ehrenamts-Treffen in der „Aubergine“

Intensiv gelebter Team-Gedanke

Sie bildet die Basis für den Erfolg der BÜCHER-HEIMAT: Die engagierte ehrenamtliche Unterstützerschar. Und die Basis für deren erfolgreiches Wirken ist wiederum der intensiv gelebte Team-Gedanke. Folgerichtig steht bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine besondere Form des Teambuilding hoch im Kurs, im Vierteljahresrhythmus werden fröhliche Treffen in geselliger Runde veranstaltet.

Dazu können sich die Ehrenamtlichen quasi selbst einladen, denn etliche der Preisgelder, die die Idee der gemeinnützigen GmbH einheimste, fließen wie jetzt bei einem Abend in der „Aubergine“ am Golfplatz in diesen Bereich. Für eine gut gefüllte Projektkasse sorgten dabei viele Preise, unter anderem der „Niedersachsenpreis für Bürgerengagement“, der Sozialtransfer-Preis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig und der Innovationspreis der Region Göttingen-Northeim.

Die Idee regelmäßiger Treffen im Kreis der Ehrenamtlichen wurde bei der Premiere im April im „Bella Roma“ geboren. Genutzt werden die Runden gern auch zum allgemeinen Erfahrungsaustausch und zum Austausch über Infos und Anekdoten aus dem Buchhandlungs-Alltag.

Festgeschrieben sind die „Restaurant-Treffen“, bei denen die allen gemeinsame Liebe zum Buch dann halt auch mal durch den Magen geht, aber keinesfalls. Auch zu einer Oker-Floßfahrt in Braunschweig waren die Ehrenamtlichen der BÜCHER-HEIMAT schon unterwegs. Und Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen fallen in der Runde immer auf einen fruchtbaren Boden. Aktuell ist ein Workshop mit einer Buchkünstlerin im Gespräch, die bei der Zaunkönig-Wanderung von Osterwieck nach Vienenburg mit von der Partie war.

Wandern auf dem Weg des Zaunkönigs

Wandern auf dem Weg des Zaunkönigs
Eine froh gestimmte Gruppe macht sich in Osterwieck startklar. Fotos: Nowack, Weber

„Ein Tag, wie ein kleiner Urlaub“

„BÜCHER-HEIMAT on Tour“, das muss nicht immer auf den Spuren der großen deutschen Dichter und Denker vonstattengehen. Zwar lockte schon die Grimmwelt in Kassel, galt es Wilhelm Busch in Mechtshausen zu entdecken und wurde erst in diesem Sommer Lessings Wolfenbüttel ein Besuch abgestattet.

Literarische Zwischenstopps…

Auf großes Interesse stößt im Freundeskreis der Mitmach-Buchhandlung stets alles, was mit dem von der BÜCHER-HEIMAT in deutscher Sprache veröffentlichten Roman „Der Weg des Zaunkönigs“ des Kanadiers Philipp Schott zu tun hat. Schloss Colditz, wo die Flucht der Familie startete, stand schon auf der Reiseliste, aber wie so oft liegt das Gute auch in diesem Fall so nah: Auf den Spuren des Zaunkönigs erkundeten jetzt 16 wanderfreudige Fans den Weg, auf dem die Familie Schott in den Wirren zum Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Nordharzregion gen Westen floh.

Start war am Vormittag mit einer Stärkung in der alten Druckerei in Osterwieck, in der Dirk Junicke eigens einen Raum zur Verfügung stellte. Zu Texten aus dem Zaunkönig wurden Butterbrote und Radieschen gereicht, ehe es auf Schusters Rappen 15 Kilometer auf den Spuren von Familie Schott und deren Fluchtroute durch die Felder über Wiedelah bis Vienenburg ging.

Nach anfänglichem Regen hatte der Wettergott später ein Einsehen, sodass der Großteil der Strecke in Sonnenschein zurückgelegt werden konnte. Zwischendurch gab es auf der Strecke immer wieder Lese-Pausen, in denen Petra Nietsch und Sonja Weber passende Stellen aus dem Zaunkönig vorlasen.

Derweil sorgte Heidi Hülle aus dem Ehrenamts-Team gemeinsam mit ihrem Mann für das Catering. Nach dem Start mit Butterbroten und Radieschen wurde am Ziel in Vienenburg eine Brotsuppe serviert, wie sie in der Art auch die Schotts nach der Flucht bekamen.

Die Zaunkönig-Route zum Nachwandern.

Der Dank der ganzen Wandergruppe galt Simone Lindemann und Claudia Dittrich, die die Bücherei im Vienenburger Bahnhof eigens für die BÜCHER-HEIMAT on Tour geöffnet hatten. Als Willkommensgruß steuerten die Vienenburgerinnen auch noch eine Geschichte passend zu den Fluchterlebnis bei, die den Zaunkönig-Roman prägen.

Das einhellige Urteil der 16 Teilnehmenden fasst ein Mitwanderer in einem Satz zusammen: „Es war ein Tag, wie ein kleiner Urlaub“. Und da man davon ja nie genug bekommen kann, werden sicher weitere Literaturwanderungen folgen.

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