Samstag, 21. Januar: Jogginghosentag

Schlabberlook mit irreführendem Namen

Endlich einmal bin ich an diesem Samstag, 21. Januar 2023, beim Schreiben des Blogs für einen Aktionstag angemessen gekleidet: Wir begehen heute den „Internationalen Jogginghosentag“ (International Sweatpants Day).

Der Aktionstag resultierte 2009 aus einem Faschingsscherz Grazer Schüler. Die trafen einen Nerv, 2011 feierten mehr als 600.000 Teilnehmer aus gut 50 Ländern den Tag virtuell mit.  Demnach muss es schlecht bestellt sein um die Menschheit, denn früh fällte Mode-Guru Karl Lagerfeld ein vernichtendes Urteil: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“.

Die Jogginghose ist salonfähig geworden“ behauptet dagegen das Buch „Hoggings“ und verspricht nicht weniger als „Jogginghosen – selbstgenähte It-Pieces aus Jersey. 20 Modelle in den Größen 34-46.“ Und das Ganze sogar inklusive Online-Videos. Was soll da noch schiefgehen?

Ich amüsiere mich (in Jogginghosen) derweil über einen ach so wahren Satz aus anonymer Quelle im Internet: Für ein Kleidungsstück, in dem so viele Menschen auf dem Sofa sitzen und Chips futtern, hat die Jogginghose einen eher irreführenden Namen. Wer den Schlabberlook wieder auf sein namentlich angestammtes Terrain führen will, wird also vermutlich eher auf „Die Laufbibel“ schwören, das „Standardwerk für den Laufsport“.

Jogginghosen haben unbestritten den Vorteil, dass man in ihnen keinesfalls „den Gürtel enger schnallen“ muss. Dass ein enger Hosenbund Probleme bereiten kann, daran arbeiten unzählige TV-Kochsendungen mit. Und als allererster Fernsehkoch trat heute vor 86 Jahren (1937) Marcel Boulestin vor die Kameras der BBC in London: „The Best of Boulestin“ (engl.) gibt es nur mit „unbestimmter Lieferzeit“. Wer schnell an Herd (und Futternapf) will, sollte sich an den prominentesten „Nachfahren“ halten: „Besser kochen mit Jamie Oliver“.

An einem anderen Eintrag in unserem bebücherten Kalenderblatt merkt man, dass die eigenen Kinder mittlerweile erwachsen sind: Heute vor 20 Jahren erschien der erste Band „In die Wildnis“ der Buchreihe „Warrior Cats“, die alle drei Jungs begeistert gelesen haben. Heute gibt es bereits acht Staffeln. Und meine „Kinder“ lesen andere Bücher…

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Freitag, 20. Januar: Mogelpackungen

Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Weniger Inhalt, höhere Preise

Alle Jahre wieder gibt es nicht allein Weihnachtsgeschenke, sondern wird auch die „Mogelpackung des Jahres“ gekürt. Am heutigen Freitag, 20. Januar 2023, haben Verbraucherinnen und Verbraucher nur noch zwei Tage, um auf der Website der Verbraucherzentrale (ext.) abzustimmen.

Wiederkehrende Anlässe verführen dazu, sich selbst zu zitieren. Ich versuche es mal mit meinem Blog-Einstieg aus dem vergangenen Jahr: „,Die Welt will betrogen sein‘“, stellte der Humanist Sebastian Brant schon 1494 in seinem Werk „Das Narrenschiff“ fest. Allzu gern würde ich widersprechen, doch gehöre ich beim Einkaufen zu den Kunden, die im Zweifel eher zu (teuren) Markenprodukten greifen. Im Glauben, da könne man nichts falsch machen.“

Im Nachhinein bleibt mir da nur eine ernüchternde Feststellung: So kann man sich täuschen! Gerade in Zeiten der heftigen Preissteigerungen durch die Inflation muss man den Verbraucherschützern dankbar sein, dass sie die „10 beliebtesten Tricks, um Preiserhöhungen zu verstecken“ (ext.) offenlegen.

Vertiefen kann man sein Wissen in dem Buch „Achtung Mogelpackung!“. Laut Verlagswerbung der „ultimative Einkaufsratgeber“ von Yvonne Willicks, Moderatorin der WDR-Erfolgssendung „Servicezeit“.  Gemeinsam mit der Journalistin Stefanie von Drathen hat Willicks „eine Fülle von Fakten, Hintergrundinfos und Tipps zusammengetragen, um die Tricks der Lebensmittelindustrie zu entlarven und dem Verbraucher den bewussten Einkauf zu erleichtern“.

Parallel dazu könnte es sich lohnen, einer Frage nachzugehen: „Was Sie über Inflation wissen sollten“ verspricht die „Wahrheit darüber, warum Ihr Vermögen schrumpft“. Das Buch gilt als Klassiker von 1960 und ist seit einigen Jahren wieder lieferbar – wohl aus gutem Grund.

Aber zurück zu den Mogelpackungen. Die fünf aktuellen Kandidaten sind der Aufstrich „Rama“, der Scheibenkäse „Leerdammer“, die Chips „Pringles“, der Wasserenthärter „Calgon“ und die Haribo-„Goldbären“ – letztere für mich persönlich der größte und traurigste Schock. Ausgewählt wurden die nominierten Produkte nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg aufgrund zahlreicher Beschwerden über versteckte Preiserhöhungen wegen geschrumpfter Inhalte.

Die Online-Abstimmung (ext.)der Verbraucherzentrale Hamburg läuft bis Sonntag, 22. Januar, und endet dann um 18.00 Uhr. Das Endergebnis der Abstimmung wird am Montag, 23. Januar, vormittags bekannt gegeben.

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Lesung „Klassenfoto mit Massenmörder“

Eine wahre Geschichte über Verbrechen und Vertuschung

Niedersachsen, August 1961. Der Klassenlehrer Walter Wilke wird in seiner Dorfschule aus dem Unterricht abgeholt und später in einem der ersten großen Prozesse über deutsche Verbrechen in Osteuropa verurteilt. In seinem kleinen Ort wird über die Sache nicht gesprochen. Später kehrt der Mann zurück und lebt bis zu seinem Tod 1989 zurückgezogen im Dorf. Seine Frau, mit der er über Jahre in Bigamie gelebt hatte, ist die beliebte Landärztin.

Jürgen Gückel, mehrfach ausgezeichneter Gerichtsreporter, geht einer Spur nach. Einer Geschichte, die ihn seit der Schulzeit beschäftigt, denn Walter Wilke war sein erster Lehrer. Gückel rekonstruiert einen einzigartigen Lebensweg: „Walter“ war in Wahrheit Artur Wilke, der die Identität seines gefallenen Bruders angenommen hatte. Artur selbst war studierter Theologe und Archäologe, im Dritten Reich der SS beigetreten, nachweislich an Massenerschießungen von Juden beteiligt, galt als gefürchteter Partisanen-Jäger und wurde nach dem Krieg dann – Volksschullehrer. Sein Name ist mit grauenhaften Kriegsverbrechen verbunden, doch zur Rechenschaft gezogen wurde er für seine Taten im Partisanenkampf nie.

Das Buch zeichnet nicht nur eine spektakuläre deutsche Biografie im 20. Jahrhundert nach – die Entwicklung eines Intellektuellen zum Täter und die Verneinung jeglicher persönlicher Schuld, das Wegsehen der Gesellschaft. Es zeigt auch auf, wie schwierig das Erinnern ist, wie unterschiedlich Erlebtes bewertet wird und wie schwer die Erarbeitung historischer Wahrheit letztlich ist. Auch nach der Sichtung mehrerer zehntausend Seiten Gerichtsakten und anderer Dokumente bleiben scheinbar einfache Fragen offen. In seiner Lesung geht Gückel auch darauf ein, dass der Hauptangeklagte des Koblenzer Massenmord-Prozesses, Dr. Georg Heuser, nach dem Krieg zunächst in Bad Harzburg untergetaucht war und hier als Rechtsanwalt arbeitete, ehe er bei der rheinland-pfälzischen Polizei Karriere machte und Chef des Landeskriminalamtes wurde.

„Klassenfoto mit Massenmörder“ ist eine wahre Geschichte über Bigamie und Theologie, Verbrechen und Vertuschung, über die deutsche Nachkriegsgesellschaft und über eine familiäre Tragödie.

Mittwoch, 25. Januar 2023, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Lesung mit Musik: „Chiffre 567“

Anregender Federkrieg macht Geschichte lebendig

Lesung mit Barbara Tegethoff und Musik von Rolf Köhlert

„Mutiger Gegner für anregenden Federkrieg v. lebensbejahender Endzwanzigerin gesucht. Chiffre 567“

Als Erich auf diese Kontaktanzeige antwortet und Post von Christa erhält, ahnt er nicht, wieviel Zeit er in den nächsten 14 Monaten mit Briefe schreiben verbringen wird. Aus der anfänglich flapsigen Korrespondenz werden schon bald Liebesbriefe. Dass die Annonce gar nicht von Christa stammt, dass der Briefwechsel von Recklinghausen nach Leipzig über die deutsch-deutsche Grenze hinweg immer wieder von den Behörden der DDR zensiert wird und dass ein persönliches Kennenlernen auf legalem Wege unmöglich ist, macht die Sache nicht einfacher. Doch beide glauben fest an ihre große Liebe und machen das Unmögliche möglich.

Eintauchen ins vorige Jahrhundert: Der Briefwechsel im Originalwortlaut von Erich und Christa beleuchtet authentisch die Nachkriegszeit und die Situation zwischen West und Ost in den Jahren 1950/51. Der Nachlass der beiden zeigt, welche Kraft, Intensität und Beständigkeit eine Kommunikation per geschriebenem Wort hat im Gegensatz zur heutigen digitalen Kommunikation oder Social-Media-Netzwerken. Vor dem Hintergrund des aktuellen Kriegs mitten in Europa ist das Buch gleichzeitig ein Aufruf zur Überwindung von jedweden Grenzen für ein friedliches Zusammenleben.

Die Autoren

Im Jahr 1949 kommt Erich Molke nach mehr als vier Jahren russischer Kriegsgefangenschaft frei und geht zu seinen Eltern, die von den Russen aus Breslau vertrieben wurden und schließlich in Recklinghausen („im Westen“) landeten.

Auch Christa Donath und ihre Eltern wurden aus Schlesien vertrieben und strandeten nach dem Krieg in Leipzig („Ostzone“).


Donnerstag, 13. April 2023, 19,00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Dienstag, 17. Januar: Mittlerer Wintertag

Lichte Momente und zersägte Jungfrauen

Dieser Dienstag, 17. Januar 2023, ist höchst offiziell ein „mittlerer Wintertag“. Und als solcher wird er zu „Besonnungsstudien“ herangezogen. Bei dem Namen muss es sich um irgendetwas Behördliches handeln.

Tatsächlich sind Besonnungsstudien Teil einer Bauleitplanung zur Erstellung eines Bebauungsplanes. Und da es für alles eine DIN-Norm gibt, könnte ein Buch auf die richtige Fährte führen: „Einführung in die DIN-Normen“. In diesem Fall ist es die „DIN 5034 – Tageslicht in Innenräumen“, die die „qualitativen und quantitativen Mindestanforderungen für Belichtungsverhältnisse in Wohnräumen“ definiert.

Maßgeblich dafür sind vier Tage, der 21. Juni (höchster Sonnenstand), der 21. März und der 21. September (Tagundnachtgleichen) und eben der heutige 17. Januar als „mittlerer Wintertag“.  Mein lichter Moment ließ mich zu „Zauberhafte Sonnentage im Heckenrosenweg“ mit den „schönsten Bilderbuch-Geschichten um Tilda Apfelkern“ greifen…

Wer jetzt über Licht- und Schattenspiele in seiner Behausung grübelt, muss sich wenigstens keine Gedanken um das passende Mittagsmenü machen. Heute ist der „Tag der italienischen Küche“ (International Day of italian cuisines). „Die Gourmet-Bibel Italien“ verspricht „absolut alles über die italienische Küche“.

Unter 265 Rezepten sollte sich etwas für einen Tag wie diesen Dienstag finden lassen. Ein eher spezielles Kochbuch hat es derweil in die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. „Gennaros Limoni“ gibt Tipps zur italienischen Kochkunst mit Zitronen.

Von der Kochkunst zur Bildenden Kunst: Heute ist „Art’s Birthday“.  Den hat der französische Künstler Robert Filliou einst willkürlich auf seinen Geburtstag am 17. Januar und auf das Jahr 998.038 v. Chr. festgelegt. Die Kunst würde heute also 1.000.061 Jahre alt. Da muss „Das Buch der Kunst“ schon ein großes „Panorama der Kunst von der Vor- und Frühgeschichte bis heute“ bieten.

Ob Comics Kunst sind, mag jeder für sich entscheiden. In jedem Fall haben Comics ihre eigenen Helden. Zum ersten Mal erschient am 17. Januar 1929 Popeye als Nebenfigur in einer Zeichengeschichte. Heute hat der Spinat-liebende Matrose einen eigenen Band in „Die Bibliothek der Comic-Klassiker: Popeye“.

Zu guter Letzt etwas für Freunde der Magie (und es muss nicht immer Harry Potter sein!): Heute vor 102 Jahren (1921) zersägte der englische Zauberkünstler P. T. Selbit erstmals auf der Bühne eine Jungfrau. Die Illusion avancierte zum Klassiker. Für Magie-Anfänger empfehlen wir „Zaubertricks für Dummies“ oder – da es um Jungfrauen geht – doch besser „Das Zauberbuch für Erwachsene“.

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Montag, 16. Januar: Nichtstun, Flirten, Küssen

Heiße Rezepte wärmen von innen

Zieht euch warm an, denn die Kälte greift den Darm an“, so persiflierte die Punkband ZK einst das „Lied der Wolgaschlepper“. Gegen die aufkommende Kälte können wir an diesem Montag, 16. Januar 2023, nicht wirklich etwas tun. Aber um den Darm können wir uns kümmern.

Dazu bei trägt allein der Umstand, dass heute der „Internationale Tag der scharfen Gerichte“ (International Hot and Spicy Food Day) ist. Und „sehr scharf“ heißt im Englischen nicht umsonst „very hot“. Das richtige Essen wärmt von innen.

Ein „Tage- und Rezeptbuch“ mit dem vielversprechenden Titel „Angerichtet, herzhaft und scharf!“ hat Restaurantchef Vincent Klink vorgelegt. Und in Sachen Schärfe nichts falsch macht man garantiert, wenn man sich mit „Spirit & Spice“ der südindischen Kochkultur zuwendet.

Wer mit Blick auf die Zutaten unsicher ist, sollte mit dem „Atlas der erlesenen Chilis und Paprika“ bestens bedient sein. Nicht unbedingt scharf, aber nach Dauer-Krisenjahren auf harte Zeiten eingestellt ist man in der Küche mit „Krisenvorsorge für Notzeiten“. Das Buch umfasst „Rezepte aus Kriegskochbuch-Handschriften von 1914-1918“.

Ansonsten ist heute zu verkünden, dass ich zum Wochenanfang einen weitreichenden Entschluss gefasst habe: Ich werde heute den „Tag des Nichtstuns“ würdigen und den Blog hier enden lassen. Okay, eigentlich wird der „National Nothing Day“ nur in den USA begangen, aber gute Ideen darf man ja auch mal adaptieren. Und in der Kürze liegt die Würze. Was wiederum nicht für „Nichtstun, Flirten, Küssen“ gilt…

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Sonntag, 15. Januar: Schlagloch-Tag

Halbzeit und die Winter-Wetterwende

Dieser Sonntag, 15. Januar 2023, markiert nicht allein die „Halbzeit“ des ersten Monats im neuen Jahr. Er soll auch die Wetterwende sein, der Winter steht demnach vor der Tür. Auch kurz vor der närrischen Hoch-Zeit stellt sich dabei die Frage „Wolle mer se reinlasse“ allerdings weniger.

Wer sich auf kältere Tage einstimmen möchte, kann zu eiskalter Kinder- und Jugendlektüre greifen. Die „Die Schneekönigin“ von Hans-Christian Andersen ist zeitlos. Ich studiere ja immer erstmal die Bauernkalender. Was heute zu St. Habakuk nicht so wirklich hilft: „Spielt auch die Muck’ um Habakuk, der Bauer nach dem Futter guck.

Einen echten Fingerzeig statt eines solch kryptischen Orakels gab es vor fünf Tagen am 10. Januar zu Paulus Einsiedel (Paulus von Theben). Man erinnere sich an die fast frühlingshaften Tage, die hinter uns liegen, und erschauere bei dieser Bauernregel-Prognose: „Ist der Paulustag gelinde, gibt’s im Frühjahr raue Winde.

Mit dem Winter wird es aber auch Zeit, wir haben heute schließlich den Internationalen Schnee-Tag (World Snow Day).  Initiiert hat diesen Aktionstag der internationale Ski-Verband Fédération Internationale de Ski (FIS). Das Kürzel verlangt nach Werbung für ein sehenswertes Harzer Museum, ein Abstecher ins  Heimat- und FIS-Skimuseum Braunlage (ext.) lohnt.

Wenn die FIS einen Aktionstag ausruft, geht es natürlich nicht um den Schnee an sich. Wintersport steht im Fokus. Und dabei denkt man im Harz auch nach dem Rücktritt von Arnd Peiffer automatisch an die „Faszination Biathlon“. Wer Schnee pur würdigen will, kann auf den Ehrentag der Schneeflocke (Flake Appreciation Day) am 18. Dezember warten.

„Aus gegebenem Anlass“ ist heute die Lektüre von Wilhelm Hauffs „Das Wirtshaus im Spessart“ im „Märchen-Almanach auf das Jahr 1828“ zu empfehlen. Heute vor 65 Jahren (1958) wurde die fantastische gleichnamige Filmkomödie von Kurt Hoffmann uraufgeführt.

Mit von der Partie war dabei der Kabarettist Wolfgang Neuss, der am 15. Januar 1962 für einen Medienskandal sorgte.  In einer Zeitungsanzeige verriet er den Namen des Mörders in Francis Durbridge’s „Straßenfeger 02 – Das Halstuch & Die Schlüssel“ (DVD). Das berühmte Neuss-Couplet aus dem Spessart-Wirtshaus mochte da kein Krimi-Fan anstimmen: „Ach, das könnte schön sein…“.

Eine Randbemerkung zum Finale: In Großbritannien wird heute der „Tag des Schlaglochs“ (National Pothole Day) begangen. Warum haben wir so etwas nicht, mittlerweile könnten wir doch fraglos mithalten.

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Samstag, 14. Januar: Sprachlügen

Die Zeitenwende mit Klimaterroristen

Nach dem „Wort des Jahres“ (Zeitenwende) haben wir nun auch das „Unwort des Jahres“ (Klimaterroristen). Irgendwie schüttelt es mich an diesem Samstag, 14. Januar 2023, bei beiden Begriffen.

Wahrlich nicht immer bin ich mit der Jury der Philipps Universität Marburg (ext.) bei der Wahl des „Unwort des Jahres“ einer Meinung. Diesmal allerdings geht der Daumen hoch. Ganz hoch. „Klimaterroristen“ ist ein schlimmer Begriff, setzt er doch Klimaaktivisten mit kriminellen und gewalttätigen Terroristen gleich. Solche Wortschöpfungen fallen für mich unter „Sprachlügen“, die im gleichnamigen Buch als „Unworte und Neusprech von ,Atomruine‘ bis ,zeitnah‘“ entlarvt werden.

Durchaus auch kritisch und mit satirischer Schärfe, jedoch ohne solch mörderische Sprachverirrungen, setzt sich der Kabarettist Vince Ebert mit den Themen Klimawandel und Energiewende auseinander. „Lichtblick statt Blackout“ soll zeigen, „warum wir beim Weltverbessern neu denken müssen“.

Aber zurück zu den „Unwörtern des Jahres 2022“. Da hat es CDU-Chef Friedrich Merz, selbst gerade erst wieder aus der Versenkung hervorgeholt, brillant geschafft, dem 2013er Unwort des Jahres neuen Glanz zu geben. Das Wort Sozialtourismus“ nutzte er im Zusammenhang mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen.  Das reichte für Rang 2.

Kaum besser ist der dritte Platz: Die Wortschöpfung „Defensive Architektur“ bezeichnet eine Bauweise, die verhindern soll, dass sich Obdachlose länger an öffentlichen Orten niederlassen können. Wer solche Begriffe nutzt, sollte dingend „Kein Dach über dem Leben“ lesen, die Biographie eines Obdachlosen.

Nun mag mancher sagen, meiner Argumentation fehle es an Logik. Was wahrscheinlich ist, denn zum einen rege ich mich über solche Begriffe auf, zum anderen ist dies heute eigentlich so gar kein Tag für mich: Seit 2019 fällt der „Welttag der Logik“ (World Logic Day) auf den 14. Januar.

Logik und logisches Denken gelten demnach als zentrales Merkmal des „Vernunftwesens Mensch“. Also sollen heute „Rationalität, Verständnis und Intelligenz im Mittelpunkt“ stehen. Immerhin mag ich die Reihe „Logical Rätselbuch“, muss also noch nicht alle Hoffnung fahren lassen, als „Vernunftwesen“ anerkannt zu werden.

Noch ein Touchdown zum Schluss: Am 12. Februar ist es wieder soweit, steigt der Super Bowl, dann mit der Nummer LVII (57) in Glendale, Arizona. Wer sich darauf vorbereiten will liest „Unnützes American Football Wissen“.  Dabei dürfte es auch um einen einsamen Rekord gehen: Am 14. Januar 1973 gelang den Miami Dolphins mit ihrem Sieg im Super Bowl VII als bislang einzigem Team eine ausschließlich aus Siegen bestehende perfekte Saison.

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Markus Weber über das Buch „Lotte Lenya und Bertolt Brecht“

Markus Weber über das Buch „Lotte Lenya und Bertolt Brecht“

Jürgen Hillesheim:

Lotte Lenya und Bertolt Brecht

Der Leiter der Brecht-Forschungsstelle in Augsburg, Jürgen Hillesheim, hat eine interessante und gut lesbare Doppelbiografie zweier einzigartiger Persönlichkeiten des Kulturlebens im 20. Jahrhundert vorgelegt. Der Autor verfolgt deren Lebensweg von ihrer Kindheit in Wien bzw. Augsburg bis zu ihrem Tod. Immer wieder begegnen sich beide im Laufe ihres Künstlerlebens, das einerseits von Konkurrenz geprägt ist, doch andererseits ist der Erfolg beider voneinander abhängig: „Nichts repräsentiert … die ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘ besser und eindringlicher als diese Zusammenarbeit; trotz aller Bitterkeit, die sie von Anfang an bestimmte,“ schreibt Hillesheim resümierend.

Wir lernen beide in ihren privaten Umfeldern in einer Zeit des Wandels kennen, teils – wie bei Lotte Lenya – geprägt durch Armut und Gewalt in der Kindheit. Auch zahlreiche Liebschaften beider durchziehen deren Biografien. Und wir können das Leben über den Erfolg in der Weimarer Republik, die schwierigen und bedrohlichen Zeiten des Exils während der nationalsozialistischen Diktatur bis in die Nachkriegszeit verfolgen: Lotte Lenya, die sich für ein Leben in den USA entscheidet und Erfolge feiert, und Bert Brecht, der in der DDR sein eigenes Theater aufbauen kann. Gleichzeitig begegnen wir vielen weiteren bedeutenden Persönlichkeiten, die das Leben der beiden gekreuzt haben.

Die Widersprüchlichkeit der Protagonisten wird keineswegs ausgespart. So ließ die SED am Grab von Bert Brecht, der trotz seines zeitweise opportunistischen Verhaltens gegenüber der Politik zeitlebens seine pazifistische Grundhaltung bewahrt hat, Soldaten der Nationalen Volksarmee Spalier stehen – wie immer Brecht darüber gedacht hätte.

Wer spannende Entwicklungen im Kulturleben des 20. Jahrhunderts erlesen möchte, kann mit Gewinn zu diesem Buch greifen.

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Jürgen Hillesheim: „Lotte Lenya und Bertolt Brecht. Das wilde Leben zweier Aufsteiger“, Verlag: wbg Theiss 2022, ISBN 978-3806245356, 304 Seiten, Preis: 25,00 Euro.

Lesung zum Ukraine-Krieg

Lesung zum Ukraine-Krieg

Ein Krieg, der keiner sein sollte

Blick aus Polen auf Russlands Überfall auf die Ukraine ein Jahr später

Buchvorstellung mit Holger Politt

Seit nunmehr einem Jahr tobt im Osten Europas ein Krieg, der den gesamten Kontinent erschüttert. Jüngst ist im Hamburger Verlag VSA das Buch „Ein Krieg, der keiner sein sollte“ der beiden Autoren Krzysztof Pilawski und Holger Politt erschienen. In ihm setzen sich die Autoren mit Zusammenhängen auseinander, wie sie aus der Sicht unmittelbarer Nachbarländer Russlands und der Ukraine schärfer als anderswo in den Blickpunkt gelangen.
Sie begreifen das Buch zudem als eine Bereicherung für die friedenspolitische Diskussion in Deutschland, denn ohne Zweifel ist Putins Entscheidung, das Nachbarland im Februar 2022 militärisch zu überfallen und mit einem schrecklichen Krieg zu überziehen, ein untrüglicher Beweis für das Scheitern der Moskauer Ukrainepolitik.

Die Autoren:
Holger Politt war bis September 2022 Leiter des Büros Warschau der Rosa-Luxemburg-
Stiftung.
Krzysztof Pilawski ist Publizist und war von 1990 bis 2002 Korrespondent einer polnischen
Tageszeitung in Moskau.

Mittwoch, 8. März 2023, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de