Sonntag, 16. Juli: Fortsetzung folgt

Die Welt ist in Bayern eben doch eine andere

“What a beautiful world“, sang einst Louis Armstrong. Eine Meinung, die ich schon teilte, als ich noch zur Volksschule ging und fremde Länder fremde Länder blieben – außer in meinem Atlas. Dass ich mich an diesem Sonntag, 16. Juli 2023, daran erinnerte, hat einen historischen Grund.

Heute vor 541 Jahren (1482) druckte Lienhart Holl in Ulm den ersten deutschen Weltatlas, die Cosmographia des Claudius Ptolemäus in der Ausgabe des Nicolaus Germanus. Atlanten begeistern mich seit jeher. Ich galt ohnehin als Exot, weil ich Erdkunde und Geschichte als Lieblingsfächer nannte.

Aber mein Faible für Kartenwerke teilen offenkundig viele Menschen. Das Suchwort „Atlas“ liefert im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT unglaubliche 4822 Fundstellen – obwohl schon auf „Buch“ und „deutsch“ eingeschränkt.

Der Klassiker ist natürlich der „Diercke Weltatlas“. Der schnöde und doch auch faszinierende Schulatlas in der Ausgabe 2023. Zu meiner Schulzeit in einem stumpfen Braunton und filzig anmutenden Einband, kommt er heute weit moderner und farbenfroher daher.

Was mich beim Stöbern ziemlich verwirrte: Es gibt auch den „Diercke Weltatlas – Ausgabe 2023 für Bayern“. Vermutlich ist da der Freistaat größer als die ganz Rest-Bundesrepublik dargestellt…

Es war, was die Kartografie angeht, ohne Frage ein weiter Weg bis zu GoogleMaps und GoogleEarth. Und auf diesem Weg wurde mehr als einmal die falsche Abzweigung genommen. Die „größten Irrtümer und Lügen auf Landkarten“ wurden zusammengetragen zum „Atlas der erfundenen Orte“.

Kein Atlas im klassischen Sinn, aber von Sonja Weber in der BÜCHER-HEIMAT wärmstens empfohlen ist der „Atlas Obscura“. Laut Verlagswerbung entführt das Buch auf „Entdeckungsreisen zu den verborgenen Wundern der Welt“.

„Geburtstag“ hat heute einer der bekanntesten Romane der Welt. Zumindest der Titel ist oft selbst jenen ein Begriff, die das Buch nie gelesen haben. Heute vor 72 Jahren (1951) erschien der Roman „Der Fänger im Roggen“ (The Catcher in the Rye) des US-amerikanischen Schriftstellers J. D. Salinger. Innerhalb von nur zehn Jahren wurde das Werk mehr als drei Millionen Mal verkauft.

An einst gern gelesene Bücher und an meine Mutter erinnerte eine andere Meldung: Heute vor 85 Jahren (1938) veröffentlichte The Saturday Evening Post „Ehrensache, Jeeves!“ (Alter Adel rostet nicht) einen weiteren Roman von P. G. Wodehouse um Bertie Wooster und seinen Kammerdiener Reginald Jeeves als Fortsetzungsgeschichte.

Der Klassiker des britischen Humors um Jeeves, der kein banaler Butler, sondern „gentleman’s personal gentleman“ ist, war in meiner Familie beliebt. Und Fortsetzungsromane im Gandersheimer Kreisblatt gehörten für meine Mutter zum festen Tagesablauf.

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Samstag, 15. Juli: Das Museum der 100 Tage

Kassel und die Kunst

Wenn die Wettervorhersagen ausnahmsweise mal passen, könnte dieser Samstag, 15. Juli 2023, einer der bislang heißesten Tage des Jahres werden. Und beim Blick auf die Verkehrsmeldungen kommt insoweit Freude auf, als wir auf Schulferien nicht mehr achten müssen…

Heute vor 68 Jahren (1955) rückte die nordhessische Stadt Kassel plötzlich in den Mittelpunkt der (modernen) Kunstwelt. Die erste Documenta (die sich selbst immer klein schreibt: documenta) wurde am 15. Juli 1955 eröffnet. Dem „Meilenstein der Ausstellungsgeschichte“ ist ein „wissenschaftliches Lesebuch“ gewidmet „documenta 1955“.

Die Documenta ist zweifelsfrei die weltweit bedeutendste Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst. Sie fand einst alle vier Jahre und findet nun alle fünf Jahre statt.  Dann verwandelt sie Kassel für jeweils 100 Tage in die „Welthauptstadt der Kunst“.  Die Kunstausstellung in den „politischen und gesellschaftlichen Kontext“ rücken will das Buch „documenta. Politik und Kunst“.

Man sollte allerdings selbst in Documenta-Jahren über all der Kunst in keinem Fall „Kassel – Documenta-Stadt“ aus den Augen verlieren. Ein Bildband stellt die oft unterschätzte, mehr als 1100 Jahre alte Residenzstadt vor, in der sich nach eigenem Bekunden „Tradition und Moderne vereinen“. Und in der, wie wir spätestens seit der „BÜCHER-HEIMAT on Tour“ wissen, die Grimm-Welt lockt.

Aktuell schaue ich wieder fasziniert die Tour de France. Heute vor 26 Jahren fieberte ich auch mit, als Jan Ullrich die Pyrenäen-Etappe nach Arcalis gewann und damit den Grundstein für den ersten Toursieg eines Deutschen legte. Keine zehn Jahre später ging auch dieser „Ritter der Landstraße“ im Dopingsumpf unter. Die Geschichte eines tragischen Helden wird in der Biographie „Ulle“ nachgezeichnet.

Da ich bekanntermaßen für Thriller zu haben bin, will ich noch schnell auf zwei Geburtstage eingehen. Heute vor 110 Jahren (1913) wurde Hammond Innes geboren. Viele seiner Abenteuergeschichten wie etwa „The Wreck of the Mary Deare“ (engl.) wurden verfilmt. Die deutsche Fassung wird der Suchdienst der BÜCHER-HEIMAT sicher auch aufstöbern.

Heute vor 92 Jahren (1931) erblickte Clive Cussler das Licht der Welt. Von seinen in 40 Sprachen übersetzten Thrillern wurden mehr als 125 Millionen Exemplare verkauft.  Da wundert es dann auch nicht, dass Cussler mehr als 30 aufeinander folgende New-York-Times-Bestseller wie „Mission Dragonfly“ geschrieben hat.

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Freitag, 14. Juli: Party in der Ananas

Erloschene und glühende Leidenschaften

Vive la France! Unsere Nachbarn feiern an diesem Freitag, 14. Juli 2023, wieder einmal ihren Nationalfeiertag. Da muss ein Blick über den Harzer Tellerrand hinaus drin sein.

Was auch für einen ebenfalls heute anstehenden Geburtstag gilt, der in den Tiefen des Meeres gefeiert wird. Ich bin zwar nicht eingeladen, aber heute ist „Happy Birthday SpongeBob Schwammkopf“-Tag.

Er lebt in einer Ananas auf dem Meeresgrund, hält sich die Schnecke Gary als Haustier und arbeitet im Fast-Food-Restaurant Krosse Krabbe: Robert SquarePants. Besser bekannt als SpongeBob Schwammkopf. Glaubt man seinem in der Serie zu sehenden Führerschein, wurde der Kult-Kerl am 14. Juli 1986 geboren, feiert heute also seinen 37. Geburtstag.

Zum Helden einer Zeichentrick-Fernsehserie gibt es naturgemäß mehr DVD als Bücher. Da wir aber ein bebüchertes Kalenderblatt erstellen, haben wir gesucht und „Meine liebsten Gutenachtgeschichten“ von SpongeBob Schwammkopf gefunden. Mich als erklärtem Quiz-Fan würde dabei (wenn überhaupt) nur das „Trivial Pursuit Spongebob“ reizen – auch wenn ich mangels jeglicher Kenntnisse schnell auf der Verliererstraße wäre.

Nicht mehr richtig mitreden könnte ich auch bei Fußball-Fachsimpeleien. Diese Leidenschaft ist über die Jahre deutlich abgeflaut. Die Zeiten, an denen ich an keinem Kicker vorbeikam, sind vorbei. Auch der bereits bestellbare „Kicker Fußball Almanach 2024“ reizt mich eher wenig. Obwohl das Fachmagazin heute vor 103 Jahren (1920) zum ersten Mal am Kiosk zu haben war. Zum großen Geburtstag vor drei Jahren erschien der Bildband „Zeitenwechsel. 100 Jahre kicker.“

Richtig begeistern und immer wieder vorm Bildschirm oder im Lesesessel fesseln kann mich dagegen ein Werk von Erich Kästner. Heute vor 68 Jahren (1955) wurde der Spielfilm „Drei Männer im Schnee“ (DVD) mit Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt in Köln uraufgeführt.

Ich liebe den Film und ich liebe den Roman „Drei Männer im Schnee“  von Erich Kästner. Und in dieser Ausgabe gibt es die Erzählung „Inferno im Hotel“, quasi die gar nicht so fröhliche Keimzelle des Romans, auch noch als Sahnehäubchen dazu. Wer kann da Nein sagen?

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Sonja Weber über „Weltreise auf dem Teller“

Sonja Weber über „Weltreise auf dem Teller“

Andrea Pfuhl:

Weltreise auf dem Teller

„Weltreise auf dem Teller“ verrät der Leserschaft nicht nur kulinarische Geheimnisse vieler Länder, sondern erklärt auch gleich, warum dort traditionsgemäß so gekocht wird, wie nun einmal gekocht wird. Dabei lüftet die Autorin diverse Tricks berühmter Köche und taucht gleichzeitig in die Geschichte der jeweiligen Länder ein.

Unterhaltsam und spannend verknüpft sie Historie mit dem, ohne das keine Gesellschaft Bestand haben kann: Ernährung. Wieso zum Beispiel hat die englische Küche so einen schlechten Ruf und warum gelten die Franzosen als Feinschmecker? Woher stammen die Begriffe Umami und Kokumi, was bedeuten sie, wie bekomme ich das in ein Essen und ist das eigentlich wünschenswert? Warum gehören in eine traditionelle Paella keine Meerestiere und warum muss sie von Männern zubereitet werden? Wie haben es eigentlich Schnecken und Frösche in die Kochtöpfe geschafft? Warum gehörten zuerst hauptsächlich Bohnen ins Chilli con Carne und dann auf einmal keinesfalls mehr?

Fragen über Fragen und Andrea Pfuhl beantwortet sie alle auf eine unvergleichlich kurzweilige Art und Weise.

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Andrea Pfuhl: „Weltreise auf dem Teller“, Rowohlt Verlag, 313 Seiten, ISBN 978-3-499-00870-2, Preis: 25,00 Euro.


Lena Scholz über „Das Lied des Himmels und der Meere“

Lena Scholz über „Das Lied des Himmels und der Meere“

Anne Müller:

Das Lied des Himmels und der Meere

Schleswig 1872. Emma lehnt sehr zum Ärger ihrer strengen Mutter eine gute Partie ab. Doch Emma kümmert die Meinung ihrer Mutter nicht. Wieso sollte sie heiraten? Sie will raus aus ihrem Dorf, in dem sie geboren ist. Hinaus in die weite Welt. Die große Freiheit spüren.

So macht Emma sich auf nach Amerika. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Schon die Überfahrt ist ein Abenteuer und als Emma die Stelle als Hauswirtschaftlerin bei einer älteren Dame annimmt, wird ihr bewusst, dass diese Reise genau die richtige Entscheidung war. Auf einem Ball lernt sie dann auch noch einen jungen Mann kennen, der ihr einen Antrag macht und schon ist Emma verheiratet. Doch noch immer sieht sie vieles anders als die Menschen, die sie kennt.

Sie geht arbeiten als Sekretärin in einer Schiffswerft, die dem Trauzeugen ihres Mannes gehört. Doch die Leute reden darüber und warum sie keine Kinder bekommt oder warum sie so viel Zeit mit dem Schiffbauer Hans verbringt. Emma ist das egal, doch sie muss sich trotzdem anpassen, denn sie hat keine Stimme als Frau in dieser Zeit.

Sie darf nicht selbst entscheiden, was sie mit ihrem Leben machen möchte. Dann erreichen sie Schreckensnachrichten aus der Heimat und wie das Leben es so will, landet sie nach vier Jahren wieder in Schleswig. Doch alles ist anders und plötzlich bietet sich ihr doch noch die Möglichkeit, ihre Träume zu verwirklichen…

Mal ein ganz anderes Buch, zu einer anderen Zeit. Ehrlich, spannend und berührend geht es um eine Frau, die nicht aufhört, an das Gute im Menschen zu glauben, der Nächstenliebe und Familie wichtiger ist, als alles andere und zu die sich selbst nicht vergisst, weil sie an die Zukunft glaubt, in der sie alles erreichen kann.

Dieses Buch hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Emma ist eine ehrliche, empathische Protagonistin, mit der ich mich sofort identifizieren konnte und die mir gezeigt hat, wie viel Feminismus bedeutet.

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Anne Müller: Das Lied des Himmels und der Meere, Penguin Verlag, 396 Seiten, ISBN 9783328601920, Preis: 20,00 Euro.


Mittwoch, 12. Juli: Loriot und das Lachen

Als der deutsche Humor auf den Hund kam

Mitten in einer Arbeitswoche an diesem Mittwoch, 11. Juli 2023, ist Humor ein Thema des bebücherten Kalenderblatts. Darf man das?

Wenn man sich Loriots Erfahrungen mit dem bundesdeutschen Humor vor Augen hält, können Zweifel aufkommen. Heute vor 70 Jahren (1953) stoppte die Illustrierte „Stern“ die Loriot-Serie „Auf den Hund gekommen“ nach heftigen Leserprotesten.

Der Mensch-Hund-Rollentausch ging vielen zu weit. Als „ekelerregend und menschenunwürdig“, „widerlich“, „beschämend scheußlich“, „geschmacklos und primitiv“ sowie als „eine starke Herabsetzung des ‚homo sapiens‘“ wurden die Zeichnungen attackiert.

Loriot reagierte ein Jahr später, indem er ausgewählte Zeichnungen der Serie in dem Buch „Auf den Hund gekommen“ mit dem Untertitel „38 lieblose Zeichnungen von Loriot“ veröffentlichte. Es war zugleich der Beginn der lebenslangen Zusammenarbeit mit dem Diogenes-Verlag.

Bei Diogenes erschien später auch Loriots autobiografisches Werk „Möpse und Menschen“. In dem Buch veröffentlichte er eine Reihe der unglaublichen Leserbriefe. Und deren Lektüre gemahnt dann an den Satz: Humor ist, wenn man trotzdem lacht… und über Loriot kann ich immer lachen.

Ein grausiger Zwischenfall, der sich heute vor 107 Jahren (1916) im Matawan Creek in New Jersey zutrug, inspirierte den Schriftsteller Peter Benchley 59 Jahre später (1974) zu einem Roman, der zum Weltbestseller wurde. „Der weiße Hai“ basiert auf Geschehnissen des 12. Juli 1916, als bei drei Haiangriffen an einem Tag zwei Menschen ums Leben kommen und einer schwer verletzt wird.

Noch schnell eine Verbeugung vor der wohl am längsten existierenden Rockband der Welt: Heute vor 61 Jahren hatten die Rolling Stones ihren ersten Auftritt im Marquee Club in London. Das Datum gilt als offizielle Bandgründung, nachzulesen im 2022 erschienen Buch „60 Jahre Rolling Stones“.  Da werden irgendwann die Ghostbusters als Roadies herhalten müssen…

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Sonja Weber über „Unter uns das Meer“

Sonja Weber über „Unter uns das Meer“

Amity Gaige:

Unter uns das Meer

Die Autorin und Journalistin Amity Gaige nimmt uns mit auf die spannende Reise einer Familie, die zusammen unterwegs auf dem Ozean einander und sich selbst finden und wieder verlieren. Die Autorin lässt alle ihre Protagonisten, die zusammen unterwegs und trotzdem allein sind, einzeln zu Wort kommen. Am Ende fügt sich alles auf tragische Weise zusammen und liegt die Wahrheit wie so oft in der Mitte beider Leben.

Ein unter die Haut gehendes Buch, von dem ich mehr als froh bin, es gekauft und nun mit Genuss und Erstaunen gelesen zu haben.

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Amity Gaige: Unter uns das Meer, Eichborn Verlag, 381 Seiten, ISBN 9783847901099, Preis: 12,00 Euro.


Dienstag, 11. Juli: Nur noch elf Tage

Spannende Pferderennen und eine grandiose Atmosphäte wie hier 1978 erwarten die Besucher in elf Tagen wieder auf der Galopprennbahn. Foto: Ahrens-Archiv/Bad Harzburg-Stiftung

Schnelle Pferde und eine Nachtigall

Vom heutigen Dienstag, 11. Juli 2023, aus gesehen sind es noch elf Tage, bis die Boxen für das erste Rennen der 143. Bad Harzburger Galopprennwoche geöffnet werden. Und nicht allein auf der Rennbahn kann man die steigende Spannungskurve schon spüren.

Am Samstag, 22. Juli, wird die Galopprennwoche auf der Naturrennbahn am Weißen Stein eröffnet. Fünf Renntage (22., 23., 27., 29., 20. Juli) und ein riesiges Rahmenprogramm werden dafür sorgen, dass wieder Zehntausende nach Bündheim pilgern. Alle Daten sind auf der Website des Harzburger Rennvereins zu finden.

Auf das Harzer Top-Ereignis bestens eingestimmt dürften einige Harzer „Siegertypen“ rund um Lars-Wilhelm Baumgarten sein: Sie gewannen mit ihrem Rennstall Liberty Racing und „Fantastic Moon“ das Deutsche Derby auf der Galopprennbahn Hamburg-Horn. Und um diese Krone des deutschen Galoppsports ging es heute vor 154 Jahren (1869) zum ersten Mal.

Wer sich ebenfalls auf das Meeting einstimmen möchte, aber aktuell gerade keinen Derbysieger im Stall stehen hat, kann zur ohnehin deutlich günstigeren TV-Konserve greifen. Selten hat eine Fernsehserie einer Sportart so viel Rückenwind beschert wie „Rivalen der Rennbahn“ (DVD) dem Galopprennsport.

Auch wenn manche Kritiker nörgelten, den Machern habe es an Expertise gefehlt. Vielleicht hätten die einen Rennsportklassiker aus dem Jahr 1903 zu Rate ziehen sollen. Mit „Rennreiten“ legte der Sportreiter, Schriftsteller und Journalist Kurt von Tepper-Laski „praktische Tipps für Rennreiter und Manager“ vor.

Ich persönlich werde mich eher lesend in Stimmung bringen und gleichzeitig Spannung aufbauen: Felix Francis legte den Galoppsport-Krimi „Hindernis“ vor. Und Hindernis- bis hin zum Seejagdrennen hat ja auch Bad Harzburg zu bieten. Für viele aber dürfte der Altmeister und Vater von Felix Francis selbst der „Favorit“ sein: Der verstorbene Bestsellerautor und Ex-Jockey Dick Francis hat dank seiner Turf-Thriller immer noch einen legendären Ruf und erhält daher von vielen Fans den „Zuschlag“.

Nun wäre das bebücherte Kalenderblatt heute fast ein reines Galoppgeplauder geworden. Aber dann hätten mir belesene Zeitgenossen sicher (und sehr zu Recht) einen Vogel gezeigt: Heute vor 63 Jahren legte Harper Lee ihren ersten und einzigen Roman vor, der ihr Weltruhm bescherte: „To Kill a Mockingbird“ („Wer die Nachtigall stört“).

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Markus Weber über „Blaupause“

Markus Weber über „Blaupause“

Theresia Enzensberger:

Blaupause

Voller Hoffnungen und Träume geht Luise Schilling 1921 ans Bauhaus in Weimar, um Architektin zu werden. „Ich will die Zukunft bauen und die Vergangenheit abreißen“ – so lautet ihr Lebensmotto. In Weimar begegnet sie den berühmten Künstlern, die das Bauhaus prägen: Gropius, Itten, Kandinsky, Klee. Schwärmerisch schließt sie sich der esoterisch angehauchten Studentengruppe um den Farbtheoretiker Johannes Itten an, die sich mit eigenen Regeln und Riten von anderen abgrenzen.

Doch sie merkt bald, dass sie mit ihren Vorstellungen an Grenzen stößt. Selbst am fortschrittlichen Bauhaus ist es für sie als Frau eigentlich nicht vorgesehen, die Holzwerkstatt und die Architektenklasse zu besuchen. Auch am Bauhaus herrschen die gesellschaftlichen Vorurteile gegen Frauen vor. So muss sie für ihre Vorstellungen kämpfen. Die Eltern beordern sie zurück nach Berlin. Erst nach einem Bruch mit der Familie kann Luise ihr Studium schließlich am Bauhaus in Dessau fortsetzen und das Diplom in Architektur machen.

Nicht nur die künstlerischen Ambitionen des Bauhauses und dessen Beschränkungen werden deutlich, auch grundsätzliche Fragen stellen sich: „Ein neuer Mensch, das war das Ziel. Bewegt und geprägt durch die neuen Formen, die ihm umgeben. Aber wie soll das möglich sein, wenn diese Formen doch immer nur von alten Menschen mit all ihren Fehlern und Mängeln geschaffen werden können?“ Das Zusammenleben der Studierenden ist zudem beeinflusst durch die Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik und die Skepsis der Gesellschaft gegen die Moderne: Freigeister, Kommunisten und Nationalsozialisten treffen aufeinander.

So ist Theresia Enzensberger mit ihrem Debut ein toller Roman gelungen, der nicht nur das Bauhaus in all seiner Vielschichtigkeit und die Leichtigkeit studentischen Lebens zeigt, sondern auch die politisch-gesellschaftliche Atmosphäre der Weimarer Republik mit ihren Widersprüchen lebendig werden lässt.

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Theresia Enzensberger, Blaupause. Roman, dtv Verlagsgesellschaft 2019, 256 Seiten, ISBN 978-3423146715, Preis: 12,00 Euro.

Eine kleine Zugabe für Bad Harzburger: Auf dem Cover-Foto aus dem Jahr 1927, das für das Buch koloriert wurde, ist in der oberen Reihe links Georg Gross, Bruder des Harzburger Textilhändlers Felix Gross, zu sehen, der am Bauhaus studierte und sich nach seiner Auswanderung nach Palästina Schlomo Ben-David nannte. Ein ausführlicher Text zur Familiengeschichte findet sich im Uhlenklippen-Spiegel Nr. 137 / Mai – August 2023.

Montag, 10. Juli: Picknick & prima Plan

Unbekannte Siebenbrüder und süße Kätzchen

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist – hat Montag, 20. Juli 2023, begonnen. Ich bin ja bekennender Bauernkalender-Fan, aber heute lassen mich die Wetterweisheiten mal wieder völlig verwirrt zurück.

Kaum haben wir die „Siebenschläfer“ einigermaßen schadlos überstanden, da zaubert der Bauernkalender eine Variante des Themas aus dem Hut. Frei nach dem Motto: Irgendwann wird die Prognose schon passen.

Die „Siebenbrüder“, die heute den Kalender zieren, waren mir bislang völlig unbekannt. Es geht um die frühchristliche Märtyrerin Felicitas und deren Söhne. Was mir auch wieder nichts sagte. Aber vielleicht hilft das  „Alleswisserbuch zur Bibel“.

Wettertechnisch sind die „Siebenbrüder“ die „Siebenschläfer 2.0“: „Ist Siebenbrüder ein Regentag, so regnet’s noch sieben Wochen danach.“ Oder auch: „Wie es die sieben Brüder treiben, soll es noch sieben Wochen lang bleiben.“ Laut Wetter-App wird es heute ein „gemischter Tag“, dann passt die Bauernregel in jedem Fall.

„Oh so cute!“ Der verzückte Ruf wird in USA heute öfter zu hören sein. Zumindest bei all jenen, die den „Kätzchen-Tag“, den „National Kitten Day“ begehen. Wie man so ein Kätzchen vom ersten Miau an begleitet, will „Ein Kätzchen kommt zur Welt“ vermitteln. Und danach sagt der Ratgeber „Unser Kätzchen“, was Katzenkinder brauchen.

Fakt ist aber, dass Katzen größer und sehr eigenwillig werden. Was auch Hape Kerkeling wohl schon lernen musste: „Pfoten vom Tisch!“. Die Grundlage für ein glückliches Zusammenleben mit den Tieren soll dann aber „Der Katzenflüsterer“ legen.

Den „Tag des Teddybär-Picknicks“ (Teddy Bear Picnic Day) lassen wir heute mal außer Acht, lenken die Aufmerksamkeit lieber auf ein „Sundowner Picknick“ an der Canossa-Säule auf dem Bad Harzburger Hausberg.  Am Dienstag, 18. Juli, ab 18.00 Uhr stellt dort der Förderverein Historischer Burgberg die Pläne für den Wiederaufbau des Burgturms vor. Mehr Infos zum Treffen, zu dem alle Interessenten willkommen sind, finden sich auf der Website des Fördervereins Historischer Burgberg.

Wer noch grübelt, was man bei einem „Sundowner Picknick“ trinkt, hier ein leckerer Tipp, denn heute ist auch der „Tag der Piña Colada“. Rezepte finden sich sicher in „Die 100 besten Cocktails aus Hawaii und der Karibik“.

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