Ulrike Schmidt über „Kein Aufwand“

Ulrike Schmidt über „Kein Aufwand“

Andreas Martin Hofmeir:

Kein Aufwand

Schrecklich wahre Geschichten mit meinem Leben mit der Tuba

In seiner, wie Hofmeir schreibt „eigentlich überflüssigen Autobiografie“ nimmt der 37-jährige Tubist den Leser mit auf eine wilde Reise in seine Kindheit und Jugendzeit. Dass er seine Erfolge kleinredet und laufend tiefstapelt, ist der rote Faden der Erzählung!

Ein unterhaltsames, fluffig formuliertes Buch… mit viel Selbstironie und irrwitzigen Geschichten.

„Kein Aufwand“ liest sich leicht in einem Rutsch, locker pointiert mit derbem bayrischem Humor.

Mir hat das Buch Spaß gemacht und ich möchte es deshalb weiterempfehlen!

Urlaubslektüre und nettes Mitbringsel….

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Andreas Martin Hofmeir: „Kein Aufwand“, Btb, 224 Seiten, ISBN 9783442756773, Preis: 14,99 Euro.


Markus Weber über „Fremd“

Markus Weber über „Fremd“

Michel Friedman:

Fremd

„Ich bin in Paris geboren.
Mein erster Ausweis:
von den UN.
Staatenloser Flüchtlingspass. …
An jeder Grenze:
besonders lange Kontrolle.
Lange Befragungen.
Abwehrende Blicke.
Angst der Eltern.
Angst des Kindes.“

Der bekannte Rechtsanwalt, Publizist, Moderator Michel Friedman hat ein sehr persönliches Buch geschrieben, das wohl nicht nur mich überrascht hat. Bisher habe ich ihn eher als überheblich und glatt wahrgenommen – mit diesem Buch erlebe ich ihn von einer ganz anderen, verletzlichen Seite. „Fremd“, der Titel steht für ein Gefühl, nicht dazu zu gehören, und für die Angst vor Anderen von Kindheit an. Angst hatte Friedman auch vor den Reaktionen auf dieses Buch, wie ich einem Interview mit ihm entnehmen konnte.

Das Buch passt in keine Schablone: Roman? Gedichtete Lebensgeschichte? Autobiografisches Gedicht? Friedman findet eine ganz eigene Form, einen eigenen, auch variierenden Stil, um Einblicke in sein Leben und seine Gefühle zu eröffnen. Inhalt und Sprache haben mich gleichermaßen berührt. Das Buch lässt mich mitfühlen, wie Trauer, Angst und Fremdsein prägend geworden sind. Obwohl oder gerade weil es ein so persönliches Buch ist, zeigt es auch, wie in unserer Gesellschaft mit den Fremden und dem Fremden umgegangen wird.

„Ich war ihr Lächeln.
Lächelnde Traurigkeit.
Wie bringe ich euch zum Lächeln?
Wie bringe ich euch zum Lachen?
Wie bringe ich euch zum Glück?
Zum Leben?
Gescheitert. …
Ein Kind sollte das nicht sollen …
Sollte von seinen Eltern
zum Glück getragen werden.“

Eine unbedingte Empfehlung, wenn man bereit ist, ein verstörendes Leben nahe kommen zu lassen.

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Michel Friedman: „Fremd“, Berlin Verlag, 176 Seiten, ISBN 978-3827014610, Preis: 20,00 Euro.

Hans Georg Ruhe über „Die Nacht unterm Schnee“

Hans Georg Ruhe über „Die Nacht unterm Schnee“

Ralf Rothmann:

Die Nacht unterm Schnee

Rothmann schließt mit „Die Nacht unterm Schnee“ seine Trilogie der Kriegs- und Nachkriegszeit ab. Er erzählt die Geschichten verwundeter Menschen, die mit dem Gräuel des Krieges weiterleben (müssen). Die Protagonistin dieses letzten Buches ist Elisabeth, die mit Walter zusammenlebt. Beide sind schwer gezeichnet vom Krieg und von der Nachkriegszeit. Sie leben ihr Leben im Schweigen voreinander weiter. Das, was ihnen begegnet ist, können sie nicht in Sprache fassen.

Elisabeth wurde von Russen vergewaltigt und von Russen gerettet. Danach irrt sie durch die begrenzte Welt, offenbar immer auf der Suche nach einem glücklicheren Leben. Die Gewalt, die ohne Grund über sie gekommen ist, hat ihr Vertrauen in das Leben zerstört.

Das Buch arbeitet mit mehreren Ebenen und Rückblenden, führt zärtlich an die Akteure heran. Trauma und Posttrauma kommen sehr nahe.

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Ralf Rothmann: „Die Nacht unterm Schnee“, Suhrkamp, 304 Seiten, ISBN 9783518430859, Preis: 24,00 Euro.


Markus Weber über „Den Schmerz der Anderen begreifen“

Markus Weber über „Den Schmerz der Anderen begreifen“

Charlotte Wiedemann:

Den Schmerz der Anderen begreifen

Holocaust und Weltgedächtnis

Die Journalistin Charlotte Wiedemann hat ein engagiertes und gut lesbares Buch über neue Dimensionen der Erinnerungskultur vorgelegt. Sie spannt einen weiten Bogen von der Shoah über afrikanische Menschen, die gegen den Nationalsozialismus gekämpft haben, aber nie gesehen wurden, über vergessene Völkermorde und verdrängte Kolonialkriege in Asien und Afrika bis hinein in unsere Migrationsgesellschaft und zur Zukunft der Erinnerung. Das mag sich zunächst abstrakt anhören, wird aber durchgehend sehr anschaulich und immer an konkreten Menschen und Beispielen erzählt. An viele Orte, über die sie berichtet, ist sie selbst gereist und lässt uns daran teilhaben.

So gibt die Autorin Denkanstöße, die auch dann nachdenkenswert sind, wenn man ihr an der ein oder anderen Stelle nicht zustimmt. Streitbar sind sicher die Ausführungen zum Holocaust im Zusammenhang mit dem Israel-Palästina-Konflikt, zu Antisemitismus und Israelkritik oder zur Frage der Einzigartigkeit des Holocausts. Aber es sind notwendige Themen, die diskutiert werden müssen und denen man auch in Deutschland nicht ausweichen sollte.

Wichtig ist es Charlotte Wiedemann, Geschichten der Opfer zu recherchieren und deren Namen zu erinnern: „Mit einem Namen angesprochen zu werden, ist eine Grundform der Anerkennung eines Menschen“. Dabei ist es ihr Anliegen, den westlichen Eurozentrismus in der Gedenkkultur aufbrechen und unseren Blick weiten. Ihr Ziel ist Empathie für alle Opfer von Gewaltherrschaften und Völkermorden, auch für Opfer außerhalb unseres Kulturkreises. Eine so verstandene Erinnerungsarbeit ist ein wichtiger Beitrag für eine Kultur der Solidarität. In diesem Sinn gibt es keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit, sondern die Notwendigkeit, sich selbst neu infrage zu stellen.

Wer sich für Erinnerungskultur und deren Bedeutung interessiert, erhält mit diesem Buch herausfordernde Anregungen.

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Charlotte Wiedemann: Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis, Propyläen-Verlag 2022, 288 Seiten, ISBN 978-3549100493, Preis: 22,00 Euro

Lena Scholz über „Belial“

Lena Scholz über „Belial“

Julia Dippel:

Belial 

Julia Dippel ist eine dieser Autorinnen, die man nie vergisst. Ihre Fantasy-Reihe „Belial“ ist eine Fortsetzung der „lzara Reihe“ und das beste Buch, dass ich jemals gelesen habe. An Spannung, Humor, Intensität und brillanter Schreibweise nicht zu überbieten! Eine greifbare Fantasy-Geschichte, die moralisch vielleicht nicht immer vertretbar, aber für Einsteiger und Oldies im Bereich Fantasy ein absolutes Muss und für immer Highlight ist!

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Julia Dippel: „Belial“, Planet!, 284 Seiten, ISBN 9783522507288, Preis: 16,00 Euro.


Petra Nietsch über „Eine Frage der Chemie“

Petra Nietsch über „Eine Frage der Chemie“

Bonnie Garmus:

Eine Frage der Chemie

Lessons in Chemistry

Elisabeth Zott ist alles, was Frauen Ende der 1950er/Anfang der 1960er nicht sein dürfen: intelligent, unabhängig, eigensinnig, berufstätig und alleinerziehend.

Diese Tatsache macht ihr Leben nicht einfach in einer von Männern dominierten Welt. Sie erfährt u.a. Sexismus, Diskriminierung und sogar den Diebstahl ihrer wissenschaftlichen Forschungsergebnisse.

Aber sie lässt sich nicht verbiegen und als sie auch noch ihre Stelle als Chemikerin verliert, nimmt sie das Angebot an, eine Kochshow zu moderieren. Aber auch hier setzt sie sich zum Ärger ihrer Vorgesetzten über alle Konventionen hinweg. Die Sendung wird zum Erfolg, denn sie nutzt diese, um ihrem weiblichen Publikum zu zeigen, was Frauen  wirklich leisten können.

Trotz der scheinbar schwierigen Thematik ist das Buch witzig und amüsant geschrieben. Die unendlichen Diskussionen die Elisabeth Zott mit ihren unterschiedlichen Arbeitgebern, ihrem Partner, ihrer Tochter und anderen in ihrer Rolle gefangenen Frauen führt, haben mich immer wieder schmunzeln lassen.

Dieser Roman ist ein „Must-Read“.

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Bonnie Garmus: „Eine Frage der Chemie“, Piper, 464 Seiten, ISBN 9783492071093, Preis: 22,00 Euro.

Eine Zweitmeinung zu Bonnie Garmus Bestseller ist gefragt? Auch Bettina Luis hat das Buch in den BÜCHER-HEIMAT-Lesetipps besprochen.


Lena Scholz über „Verity“

Lena Scholz über „Verity“

Colleen Hoover:

Verity

Colleen Hoover hat definitiv Potenzial zu sehr besonderen Romanen mit speziellen Liebesgeschichten. Lowen (die Protagonistin) ist Autorin, die einen Auftrag annimmt, eine Krimireihe zu beenden für eine Bestsellerautorin, die seit einem Unfall im Wachkoma liegt. So lernt sie Jeremy und dessen Kinder kennen, die zusammen mit der kranken Mutter in dem Haus wohnen.

Doch mit der Zeit entwickelt sich einerseits mehr zwischen Jeremy und Lowen, andererseits stößt Lowen auf ein Familiengeheimnis, dass ihrer aller Leben von Grund auf verändern wird. Ein packender, schockierender Roman mit tiefgründigen Fragen und Denkansätzen.

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Colleen Hoover: „Verity“,  dtv Verlagsgesellschaft, 368 Seiten, ISBN 9783423230124, Preis: 15,95 Euro.


Bettina Luis über „The Queen’s Hat“

Bettina Luis über „The Queen’s Hat“

Steve Antony:

The Queen’s Hat

Darf ich vorstellen: Her MAJESTY QUEEN ELIZABETH II – in ihrer ach so unverwechselbaren perfekten Erscheinung und … nie allein… immer dabei: Die GRENADIER GUARDS, eben diese unverwechselbar British 1st Foot-Guards. Aber Stopp: Perfekte Erscheinung? Was Antonys Zeichnungen in diesem Bilderbuch angeht mehr als das!

Was „unsere Queen“ – Gott hab sie selig – hier widerfährt, ist der „worst case of british ceremonies“ – Elizabeths Markenzeichen, IHR HUT, wird vom Winde verweht. Und nun: Alle hinterher – die Queen, wie im Leben halt, allen voran. Und wir Leser – eher Betrachter – hinterher… wer will HER MAJESTY schon alleine lassen…?! Und wir „huschen im Haschen“ nach „The Queen’s Hat“ flugs mal eben durch Londons Attraktionen 😉 Die Guards immer auf den Fersen. Außer Atem am Ende? Ja, vor Lachen! Denn der Hut landet – auf dem Kopf eines königlichen Babys…

Zitat hinterer Buchdeckel: „A witty and stylish celebration of London, the Queen and the new Royal Baby.“

Ich weiß es, HER MAJESTY, Sie haben es damals (2014) schon gewusst … GOD SAVE THE „QUING“! (Ups)

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Steve Antony: “The Queens Hat”, Hachette Children’s Book, 32 Seiten, ISBN 9781444919158, Preis: 9,00 Euro.

Weitere Bände aus THE QUEEN’S SERIES von Steve Antony:

The Queen’s Handbag ( Ihre Reise über British Isles)

The Queen’s Present    (Ihre Reise durch die Welt)

The Queen’s Lift-Off     (Ihre Reise durch das All)


Bettina Luis zum Werk von Clemens J. Setz

Bettina Luis zum Werk von Clemens J. Setz

Clemens J. Setz:

Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Der Trost runder Dinge

Ich kenne kaum einen lebenden Schrift-stellenden Menschen, der so radikal gegen „den Strom“ schreibt und dennoch die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen (Tabu-)Themen so lupenrein vertiefend beschleunigt. Schonungslos konfrontierten mich Clemens J. Setz‘ 38 detaillierten Erzählungen in den zwei Taschenbüchern „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ und „Der Trost runder Dinge“ mit den Abgründen menschlicher Phantasie: Scheinbar sinnlose Aggression (Milchglas/Die Entschuldigung) und pornografische Exzesse (Die Blitzableiterin…/Weltbild), provozieren extrem, um mich gleich wieder in der nächsten Erzählung in ungeheuerlich sprachlich verfremdeter Zärtlichkeit aufzufangen (Spam/Mütter/Das alte Haus). Im Fokus stehen bei Setz immer auch das Surreale, Künstliche Intelligenzen, das Leben in und mit fremden (PC-)Welten (Kvaloeja/Character IV/Condillac), Vergänglichkeit der Leiblichkeit (Die Visitenkarten/Eine sehr kurze Geschichte/Die zwei Tode).

Beim Lesen musste ich viel lächeln und staunen über so irre Kreativität und Phantasie, die oft genug im Nonsens endet oder mich mit ganz neuen Fragen Richtung Zukunft entlassen haben. Da wachsen einem Menschen kurz Flügel, da wohnen Menschen in Riesenradgondeln oder in Schneekugeln im Weltall… Ich mag Setz‘ Unberechenbarkeiten, Achterbahnfahrten, dieses schüttelnde Kribbeln wie bei unbekanntem Brausepulver. Und ich stelle mich der ungenießbar ekligen Bitternis im Erkennenmüssen, dass Mensch und Gesellschaft hier und jetzt tatsächlich so abgründig sind, was ich derart polarisierend gar nicht hören wollte…

Wer Lust auf „Verrücktes“ hat, seine eigenen Lesegewohnheiten erweitern möchte, wer Ernst Jandl und Arno Schmidt sprachlich und inhaltlich zumindest spannend findet, weil der Mensch ja nicht alles verstehen muss/kann, der kommt an Clemens Setz zukünftig nicht mehr vorbei! Empfehlenswert darum auch seine Romane: „Indigo“, „Die Bienen und das Unsichtbare“, „Gedankenspiele über die Wahrheit“. Wahrlich ein noch viel zu „unerhörter“ österreichischer Schriftsteller – trotz Georg-Büchner-Preis-Ehrung 2021.

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Clemens J. Setz: „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“, Suhrkamp, 349 Seiten, ISBN 9783518463352, Preis: 12,00 Euro.

Clemens J. Setz: „Der Trost runder Dinge“, Suhrkamp, 314 Seiten, ISBN 9783518470961, Preis: 12,00 Euro.


Lena Scholz über „Ein ganzes halbes Jahr“

Lena Scholz über „Ein ganzes halbes Jahr“

Jojo Moyes:

Ein ganzes halbes Jahr

Eine Liebesgeschichte, die wirklich ganz anders ist als alle, die ich zuvor gelesen habe. Jojo Moyes Schreibstil ist flüssig, mitnehmend und berührt direkt am Herzen.

Louisa und Will. Ein junger, reicher Mann, der seit einem Unfall Tetraplegiker ist und im Rollstuhl sitzt, weil er unterhalb des Halses nichts mehr spürt. Er möchte sich umbringen, weil er dieses Leben so nicht möchte und Louisa eine jungen, unerfahren, nicht selbstbewusste Frau hat ein halbes Jahr ihn umzustimmen. In diesem „ganzen halben Jahr“ entdeckt Louisa an sich Seiten, die ihr Leben für immer verändern werden, aber ob ihre Liebe zu Will reicht, um ihn umzustimmen?

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —

Jojo Moyes: „Ein ganzes halbes Jahr“, Rowohlt Taschenbuch, 527 Seiten, ISBN 9783499266720, Preis: 12,00 Euro.