Hans Georg Ruhes Bücherblog

Hans Georg Ruhe war bis zu seinem Ruhestand u.a. Dozent, Organisationsentwickler und zuletzt Personalleiter. Ruhe lebt in Goslar, arbeitet publizistisch und engagiert sich auf unterschiedlichen Feldern. Er gehört zu den Gründern der Goslarschen Höfe und ist beim Pulse of Europe tätig. Seine literarische Liebe gehört der Lyrik; er ist auf vielen Feldern lesend unterwegs. (www.ruhe-goslar.de)

Deine Kleider machen Leute

Deine Kleider machen Leute

„Deine Kleider machen Leute“

Willkommen am Freitag, 22. April. Heute ist der Internationale Tag der Mutter Erde (International Mother Earth Day). Was auch gut so ist, denn manchmal scheint es, dass die (Klima-)Probleme um „Mutter Erde“ über Pandemien und Kriege zu weit aus dem Fokus geraten.

In der kommenden Woche soll es wenigstens das Wetter gut mit uns meinen. Auch wenn sie sich bisweilen hinter Wolken versteckt, dauert der Arbeitstag der Sonne heute schon locker 14:17 Stunden. Die Grillsaison könnte beginnen, wenn es nur wärmer würde. Bis dahin kann man sich der Grillmeisterschaft in der Theorie nähern. Lektüre zum Thema gibt es reichlich.

Kurz als „Earth Day“ startete die globale Umweltkampagne am 22. April 1990. Neunzehn Jahre später erklärte die UN-Generalversammlung das Datum zum „Internationalen Tag der Mutter Erde“.  Das Motto 2022 in Deutschland lautet: „Deine Kleider machen Leute – Nachhaltig, Bio & Fair steht Dir und der Erde besser“.

Wofür es sich lohnt, nachhaltig zu leben, zeigt ein großformatiger Bildband „Mutter Erde – Die Schönheit unserer Erde“. Autor Marsel van Oosten ist der bislang einzige Fotografen, der als „Wildlife Photographer of the Year“, „International Nature Photographer of the Year“ und „Travel Photographer of the Year“ ausgezeichnet wurde.

Die „Laufbahn“ eines meiner eher zweifelhaften Jugendhelden endete am 22. April 1401, als die Vitalienbrüder besiegt und Seeräuber-Kapitän Klaus Störtebeker in Ketten gelegt wurden. Hingerichtet wurde er am 21. Oktober 1401 mit 72 Gefährten. Der Legende nach soll der Hamburger Bürgermeister versprochen haben, allen Piraten das Leben zu schenken, an denen Störtebeker ohne Kopf noch vorbeiginge. Elf Männer soll er geschafft haben, bevor ihm der Henker ein Bein stellte.

Heute vor 59 Jahren hatte mal wieder einer meiner Lieblingsfilme in Cannes Premiere. „Le Salaire de la peur“ (Lohn der Angst) von Henri-Georges Clouzot mit Yves Montand, Véra Clouzot und Peter van Eyck nach dem gleichnamigen Roman von Georges Arnaud. Die literarische Vorlage kenne ich noch nicht, aber bislang habe ich im Internet nur den Film gefunden. Da werde ich wohl den Suchdienst der BÜCHER-HEIMAT einspannen müssen.

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Nessie-Fieber an Schnapszahl-Tag

Nessie-Fieber an Schnapszahl-Tag

Nessie-Fieber an Schnapszahl-Tag

Ein Prosit auf einen Schnapszahl-Tag: Der 21. April ist der 111. Tag des Jahres 2022. Dazu passt irgendwie, dass die Kalender kurioser Feiertage heute den „Tag des berühmtesten Nessie-Fotos“ aufführen.

Monster-Fans und Kryptozoologen haben dabei den 21. April 1934 im Blick, als ein Foto in der Daily Mail für großes Aufsehen sorgte. Der Mediziner Robert Kenneth Wilson soll es geschossen haben. Die Wirkung war fatal, Unterlagen weisen aus, dass selbst die Polizei in Inverness an die Existenz des Monsters im Loch Ness glaubte.

Vielfach wurde das Foto auch angezweifelt, ein schottischer Paläontologe mutmaßte, es habe sich um einen schwimmenden Elefanten des Zirkus „Olympia“ gehandelt. Was dessen Direktor werbewirksam zu nutzen wusste, indem er ein Kopfgeld von 20.000 Pfund aussetzte.

Erst 1994 stellte sich heraus, das Ungeheuer eine Attrappe war, gebastelt aus einem Spielzeug-U-Boot. Was die Bücherwelle aber nicht abebben ließ: Es gibt alles über Nessie, von Kinderbüchern über Reiseführer und Horror-Romanen bis hin zu unzähligen „unwiderlegbaren Beweisen“ für Nessies Existenz.

An ein „Meisterwerk über die Liebe zum Leben“ (Verlagswerbung) erinnerte mich der Hinweis auf den Geburtstag von Anthony Quinn am 21. April 1915. Höre ich den Namen, denke ich sofort an „Alexis Sorbas“ und die Sirtaki-Musik von Mikis Theodorakis. Ein Film, der zu den großen Klassikern des Kinos gehört, den man gesehen haben „muss“.

Darüber allerdings geriet nicht selten die nicht minder großartige Romanvorlage von Nikos Kazantzakis ins Hintertreffen. Dabei wird der Roman gefeiert als „eine Liebeserklärung an Kreta und seine Menschen, ein Schelmenroman von antiker Heiterkeit“. Und er lieferte ein fantastisches Zitat:  „Ich spürte wieder, was für ein einfaches und schlichtes Ding doch das Glück sein kann – ein Glas Wein, eine Kastanie, ein armseliges Kohlenbecken oder das Rauschen des Meeres.“

Und dann noch ein großes Datum für Bücherfans: Die World Digital Library, auf Deutsch „Digitale Weltbibliothek“, ein Projekt der US-Nationalbibliothek Library of Congress und der UNESCO, ging am 21. April 2009 online. Kulturell herausragende Dokumente aus aller Welt stehen hier im Internet kostenlos allen zur Verfügung. Stöbern macht Spaß. Und hier der Link, der ausnahmsweise nicht in unseren Shop führt: https://www.loc.gov/collections/world-digital-library/about-this-collection/

Süßer Welterfolg und eine Rock-Legende

Süßer Welterfolg und eine Rock-Legende

Süßer Welterfolg und eine Rock-Legende

Willkommen an diesem Mittwoch, 20. April 2022, an dem die Sonne um 6:12 Uhr aufgegangen ist. Sie hat einen Arbeitstag von mehr als 14 Stunden, soll sich erst um 20:22 Uhr wieder verabschieden. Vielfach wolkig und ziemlich kühl soll es werden.

Das Leben ist nicht immer süß. Die platte Weisheit kam mir in den Sinn, als ich las, das heute vor 60 Jahren das erste Glas Nutella produziert wurde. Heute verkauft Ferrero jährlich 250.000 Tonnen Nutella in weltweit 75 Ländern. Derzeit sorgt der Konzern allerdings auch mit einem Salmonellen-Skandal für Schlagzeilen und kämpft um seinen guten Ruf.

Nutella hieß übrigens zunächst „Supercrema gianduia“, bis ein Gesetz das „Super“ in Markennamen verbot. Das Ergebnis war das Kunstwort aus dem englischen nut (Nuss) und der italienischen Verkleinerungsform -ella.

Da es die weibliche Verkleinerungsform ist, könnte man meinen, es heiße die Nutella. Aber das Nutella ist in Deutschland ebenfalls üblich. Und „der Nutella“ wird im äußersten Westen Deutschlands sowie in Ostbelgien und Luxemburg gesagt. Der Duden hält sich gepflegt raus. Online gibt es keinen Eintrag, obwohl Nutella für viele Menschen synonym für die süßen Cremes steht.

Laut Wikipedia erklärte Ferrero zur weltbewegenden Nutella-Artikelfrage: „nutella ist ein im Markenregister eingetragenes Fantasiewort, das in der Regel ohne Artikel verwendet wird. Es bleibt jedem selbst überlassen, welchen Artikel er vor nutella setzt.“ Man kann es sich eben auch einfach machen… (PS: Es gibt auch noch etliche andere wohlschmeckende Nuss-Nougat-Cremes. Und da heißt es die Cremes).

Was sonst noch für unser „bebüchertes Kalenderblatt“ die Welt (im Wortsinn) „bewegte“: In Frankreich fand am 20. April 1887, also von 135 Jahren, das erste Autorennen der Welt statt. Der Kurs führte von Paris nach Versailles, der Sieger, ein Dampfdreirad, erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 26 km/h. So berichtet Wikipedia zumindest unter dem Suchwort 20. April.

Wer mehr wissen will und auf „Autorennen“ klickt, liest allerdings folgendes: „Das erste Automobilrennen fand am 22. Juli 1894 von Paris nach Rouen (126 km) statt. (…) Sieger war Albert Jules Graf de Dion mit seinem Dampfwagen.“ Na immerhin, von Paris mit Volldampf ins Ziel passt.

Der enorme Erfolg des Biopics „Bohemian Rhapsody“ zeigt auch, wie unvergessen Freddy Mercury als Queen-Frontmann und einer der Legenden der Rockmusik ist. Heute steht ein Jubiläum an, dass die Erinnerung an den genialen Sänger, der so früh an Aids verstarb, wachhalten wird:  Vor exakt 30 Jahren, am 20. April 1992, treffen sich Superstars aus aller Welt im Londoner Wembley-Stadion und spielen vor 72.000 Menschen das Freddie Mercury Tribute Concert for Aids Awareness.  Mit den Einnahmen wird der Mercury Phoenix Trust gegründet.

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Die hohe Zeit des Bärlauchs

Die hohe Zeit des Bärlauchs

Die hohe Zeit des Bärlauchs

Der heutige Dienstag, 19. April, ist in den USA „National Garlic Day“. Der Knoblauch-tag kann uns im Harz kaltlassen, denn bei uns hat jetzt der Bärlauch, auch Ramsen genannt, seine hohe Zeit.

Während der Knoblauch im Lexikon der kuriosen Feiertage gleich zwei Mal verzeichnet ist („Garlic Lovers Day“ am 6. Oktober), habe ich den Ramsen-Festtag bislang vergebens gesucht. Derweil wird der Knoblauch gefeiert. Wegen seiner „antimikrobiellen Wirkung gegen bakterielle Erkrankungen“ war er in Deutschland 1989 Arzneipflanze des Jahres. Immerhin hat sich mit Eckart Witzigmann ein deutscher Starkoch des Bärlauchs angenommen.

Knoblauch-Tag hätte aus meiner Sicht viel besser auch zum morgigen Mittwoch, 20. April, gepasst. Dann steht der 110. Todestag von Bram Stoker an, der die Welt mit seinem „Dracula“ das Fürchten lehrte. Und da weiß ja jedes Kind, dass Knoblauch gut gegen Vampire ist – was beim Bärlauch trotz ähnlich penetranten Geruchs wohl noch nicht nachgewiesen ist.

Knoblauch und Bärlauch gemein ist der Umstand, dass sie zwischenmenschliche Beziehungen deutlich verkomplizieren können. Ist Knoblauch im Spiel, sollte das Date mit dem ersten Kuss penibel geplant werden…

Der 19. April hat aber noch ein paar Dinge zu bieten, an denen ein „bebüchertes Kalenderblatt“ nicht vorbeikommt. So wurde heute vor 81 Jahren (1941) Bertolt Brechts großartiges Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt.

Zwei Jahre später (1943) testete der Schweizer Chemiker Albert Hofmann erstmals das von ihm entdeckte LSD im Selbstversuch. Das Ereignis ging in die Popkultur-Geschichte als „Fahrradtag“ (Bicycle Day) ein, da Hofmann schon berauscht mit dem Fahrrad nach Hause fuhr. Mit „LSD. Mein Sorgenkind“, lieferte Hofmann einen „Klassiker der Chemiegeschichte“.

Ich kann ja mit gelben Zeichentrickwesen wenig anfangen, aber damit bin ich wohl eher die Ausnahme, wenn es um die „Simpsons“ geht. Heute vor 35 Jahren (1987) hatte die von Matt Groening geschaffene Familie Simpson in der Tracey Ullman Show ihren ersten TV-Auftritt.  

Und dann kam die geilste Titelzeile der Bild: „Wir sind Papst“. Am 19. April 2005 wurde Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt. Der erste deutschstämmige Papst seit fast 500 Jahren amtierte als Benedikt XVI. Ob die Wahl wirklich ein Grund zum Feiern war, stellen heute nicht wenige in Frage…

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Sebastian Maas: Gar es ohne Bares!

Sebastian Maas: Gar es ohne Bares!

Sebastian Maas:

Gar es ohne Bares!

Im Grunde genommen dürfte ich dieses in der BÜCHER-HEIMAT frisch erworbene Buch erst in einige Wochen besprechen. Es geht vor allem um Rezepte – und ich habe noch kein einziges ausprobiert. Andererseits ist dies hier eine Buch- und keine Rezept-Besprechung. Und das Buch faszinierte mich schon vor Erscheinen im April 2022.

Die Erklärung dafür ist denkbar einfach, denn „Gar es ohne Bares!“ stammt aus der Feder von Sebastian Maas, Autor der erfolgreichen „Spiegel“-Kolumne „Kochen ohne Kohle“. Nun liefert er „das kreative Kochbuch für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit“. Wobei ich für meine Person manchmal „ohne Lust“ ergänzen müsste. Obwohl ich im Grunde gern koche.

Von Oma und Mutter geprägt, ist mein Repertoire überwiegend als „gutbürgerlich“ zu bezeichnen. Mehlschwitzen sind da eher die Regel als ein „No Go“. Was sich leider auf der Hüfte und der Waage niederschlägt.

Über die Rezepte werde ich später im BÜCHER-HEIMAT-Blog berichten. An „Beamtenstippe“ und „Schnitzel Wiener Art“ gewöhnt, sammle ich noch meinen Koch-Mut beispielsweise für „Wraps mit gegrillten Pfirsichen, Halloumi und Kartoffelchips“ oder „Gerösteter Kurkuma-Blumenkohl und Rote Beete aus dem Ofen“. Ich komme halt vom Land und „was der Bauer nicht kennt…“

Faszinierend ist aber allemal die Aufteilung der Rezepte nach den Kosten pro Person. Selbst „Anfang des Monats“ sollen die Kosten 3 Euro nicht überschreiten, „Ende des Monats“ dann sogar unter einem Euro liegen. Zudem präsentiert Maas auch Spartipps, „wie man richtig einkauft“ und buchstabiert „das ABC der Lagerung“.

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Sebastian Maas: „Gar es ohne Bares!“, Penguin-Verlag, 240 Seiten, ISBN 9783328108856, Preis: 14,00 Euro.


Kater nach dem Festtags-Kaufrausch

Kater nach dem Festtags-Kaufrausch

Kater nach dem Festtags-Kaufrausch

Willkommen am Montag, 18. April. Ostermontag. Die Festtage neigen sich dem Ende zu. Und wie immer, wenn ein verlängertes Wochenende ansteht, habe ich vorher viel zu viel eingekauft. Angesichts des wirtschaftlichen Umfelds fiel der Kater nach dem Kaufrausch entsprechend heftig aus.

Um eines klarzustellen: Ich neige absolut nicht zu „Hamsterkäufen“, kann eher über flache Kalauer zum Thema grinsen („Was soll ich denn mit einem Hamster?“). Aber zu Weihnachten und Ostern geht beim Einkaufen regelmäßig die Vernunft flöten. Ich werde mir ein Buch der Verbraucherzentralen anschaffen: „Ganz entspannt: Planen, einkaufen, kochen“ verspricht die „Familienküche“ – hilft ja vielleicht auch noch, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Ein anderes Buch kam in diesem April zu spät auf den Markt, um meine normale Fest-Einkaufswut zu bremsen: „Gar es ohne Bares!“ ist laut Eigenwerbung „das kreative Kochbuch für alle mit kleinem Geldbeutel und wenig Zeit“. Fehlt für mich noch der Hinweis „wenig Lust“, aber tatsächlich sind die Rezepte durch die Bank vergleichsweise flink zu realisieren.

Sebastian Maas, der die Kolumne „Kochen ohne Kohle“ im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ schreibt, präsentiert auch Spartipps, „wie man richtig einkauft“ und buchstabiert „das ABC der Lagerung“. Die Rezepte sind spannend bis exotisch. Für mich als bekennenden Carnivoren etwas puristisch. Aber da erfährt die „Sättigungsbeilage“ eben eine Schnitzel-Neuinterpretation. Schwupps kann auch in einem Haushalt mit vegetarischen und veganen Prinzipien wieder gemeinsam gekocht werden.

Ansonsten haben wir die Festtage „faustisch“ mit täglichen Osterspaziergängen hinter uns gebracht. Was unsere Harzer Wanderstempel-Sammlung bereichert hat. Und ich habe endlich mein aktuelles Buch zu Ende gelesen. Meine persönliche Wiederentdeckung von Georges Simenons „Maigret und Pietr der Lette“. Natürlich habe ich nicht an mich halten können und sofort eine Rezension für die BÜCHER-HEIMAT verfasst.

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Frohe Ostern!

Frohe Ostern!
Osterspaziergang. Beispielsweise nach Blankenenburg auf Burg Regenstein und zu den Sandhöhlen (3 Wanderstempel!!!)

Frohe Ostern!

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ Wie anders als mit Goethes „Osterspaziergang“ könnte unser „bebüchertes Kalenderblatt“ an diesem Ostersonntag, 17. April, beginnen. Frohe Ostern!

Goethes „Faust“ als den Klassiker der deutschen Klassiker schlechthin gibt es in nahezu unzähligen Ausführungen. Angefangen bei meiner seit Schulzeiten geschätzten Variante aus „Reclams Universal-Bibliothek“. Ich habe die gelben Heftchen geliebt, halfen sie doch ebenso wie „Königs Erläuterungen“ viel Zeit für das Leben sparen, für das wir angeblich lernen sollten.

Wer ganz viel Zeit und Muße hat, der muss sich natürlich nicht mit dem „Faust“ allein zufriedengeben. Da wäre dann zum Beispiel die Hamburger Ausgabe von Johann Wolfgang von Goethes gesammelten Werken. Vierzehn Bände in Schmuckkassette. Dabei allerdings gilt dann der schöne Wilhelm-Busch-Satz, den Dirk Junicke zu unserem Busch-Blog am Freitag

Aber genug vom Über-Klassiker. Wem jetzt erst einfällt, das Ostern ist oder seine Geschenke doch etwas kümmerlich ausfielen, der kann noch dafür sorgen, dass gleich nach dem Fest ein tolles Buch geliefert wird. Eine interessante Auswahl bieten online unsere Last-Minute-Ostergeschenke.

Ich bin dabei an einem Buch hängengeblieben. „Nachts im Kanzleramt“ von TV-Journalistin Marietta Slomka. „Alles, was man schon immer über Politik wissen wollte“, verspricht die Moderatorin des ZDF-heute journals zu klären. Ein großes Unterfangen, wobei mich vor allem eine Frage schon immer bewegt hat: „Warum tagen Politiker oft bis in die frühen Morgenstunden?

Ich muss vielleicht präziser sagen, dass mich weniger das Warum interessiert. Es ist vielmehr die Frage, wie man beispielsweise mehr als zwölfstündige Verhandlungen durchhält. Konzentrieren kann sich da sicher niemand mehr – aber vielleicht erklärt das einige Entscheidungen, die dann immerhin noch dazu taugen, Stammtischen Futter zu liefern.

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Maigret und Pietr der Lette

Maigret und Pietr der Lette

Georges Simenon:

Maigret und Pietr der Lette

Der Versuch, nach Jahrzehnten die (literarischen) Helden der eigenen Jugend wiederzuentdecken, kann fürchterlich in die Hose gehen. Mit Karl Mays „Winnetou“ ging es mir so. Beim besten Willen vermochte ich nicht mehr zu entdecken, weshalb ich die Bände einst verschlungen habe. Das positive Gegenbeispiel lieferte jetzt der Belgier Georges Simenon mit seinem Kommissar Maigret.

Simenon stand mit Rex Stout, Agatha Christie, Dorothy L. Sayers weit oben in meinem persönlichen Krimi-Autoren-Ranking. Mit „Maigret und Pietr der Lette“ habe ich den Wiedereinstieg mit dem ersten Maigret-Roman gesucht. Und ich habe schnell entdeckt, warum ich die Bücher so mochte. Simenons Blick galt „dem nackten Menschen“. Seine Charakterbeschreibungen sind Psychogramme, hinter denen der Kriminalfall und das sonst Genre-typische „Whodunit“ vielfach in den Hintergrund tritt.

Mich wundert nicht, dass Simenon vor allem mit den 75 Maigret-Romanen zu einem der meist übersetzten und meist gelesenen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts avancierte. Der nächste Band „Maigret und der tote Herr Gallet“ liegt schon auf dem Nachtschrank.

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Georges Simenon: Maigret und Pietr der Lette, Kampa Verlag, 239 Seiten, ISBN 9783311130017, Preis: 17,90 Euro.


Die Gentlemen und das Wandern

Teufelsmauer
Teufelsmauer

Die Gentlemen und das Wandern

Ostersamstag, 16. April. Mir fällt nichts ein. Weswegen mir wieder Wilhelm Busch einfällt: „Gedanken sind nicht stets parat. / Man schreibt auch, wenn man keine hat“…

Eine der Lehren, die ein „bebüchertes Kalenderblatt“ – neben reichlich Stoff zum Schreiben – mit sich bringt, ist die Erfahrung, dass alles schon mal da war. Und wir trotzdem immer noch da sind. Am 16. April 2003 beispielsweise teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit, dass der Auslöser der Infektionskrankheit SARS gefunden worden sei. Es handelt sich um ein Coronavirus.

Der Lexikon-Eintrag klingt fast lyrisch: „Die (…) kugelförmigen Viren fallen durch einen Kranz blütenblattartiger Fortsätze auf, die an eine Sonnenkorona erinnern und die ihnen ihren Namen gaben.“ Und der Blick in unsere lieferbaren Bücher zeigt, dass Literatur über Viren fast so zahlreich ist wie die Viren selbst. Und ein Buch aus der Kinder-Sachbuchreihe „Was ist was“ gibt es als PDF sogar zum kostenlosen Download.

„Die Gentlemen bitten zur Kasse“ – und erhalten drakonische Strafen: Am 16. April 1964 wird die Räuberbande, die am 8. August 1963 beim Großen Postzugraub in Großbritannien nach heutigem Wert 68 Millionen Euro erbeutete, in Aylesbury verurteilt. Ronald Biggs erhielt 30 Jahre Gefängnis, floh spektakulär und wurde jahrzehntelang nicht geschnappt.

Dass den „Gentlemen“ ein gewisses Maß an Sympathie entgegenschlug, haben sie zumindest in Deutschland auch einer Verfilmung zu verdanken. „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ (DVD) mit Horst Tappert als Kopf der Bande war ein Straßenfeger. Und der Verlag Schmidt Spiele gab ein Familienspiel heraus, bei dem Geldsäcke erbeutet und gesichert werden müssen…

Sowohl Bücher wie auch Filme werden bei uns in die Abendstunden verbannt. Die Wettervorhersage verspricht sonnige, wenn auch kühle Tage. Beim Wandern wird einem warm, uns fehlt beispielsweise noch ein Stempel der Harzer Wandernadel an der Teufelsmauer

Und nach der Wanderung zu Buch oder Film am Abend werde ich mich dann gern wieder an Wilhelm Buschs Weisheiten erinnern: „Die erste Pflicht der Musensöhne / ist, dass man sich ans Bier gewöhne“. Oder eher altersgemäß: „Rotwein ist für alte Knaben / eine von den besten Gaben“!

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