Sieh hin!

Sieh hin!

Wieteke van Zeil:

Sieh hin!

Ein offener Blick auf die Kunst

Die niederländische Kunsthistoriker öffnet den Blick für Kunst und leitet den Blick der Betrachtenden auf ganz besondere Weise. So entsteht ein schöner Zugang zu bekannten oder unbekannten Kunstwerken, immer wird der Blick zunächst auf ein Detail gerichtet, das sonst vielleicht gar nicht aufgefallen wäre. Vom Detail her wird das gesamte Kunstwerk – vor allem Gemälde, aber auch Skulpturen – erschlossen. „Erst das – scheinbar – unbedachte Detail macht ein Bild wirklich unvergesslich“ ist das leitende Motto des Buches. Vorrangig geht es um Kunstwerke vom 14. bis zum 19. Jahrhundert.

Da fällt der Fuß von Daphne aus der griechischen Sage auf, die goldenen Kugeln in der Hand des Heiligen Nikolaus oder auch die schwarzen Sklavinnen, die nach Surinam verschleppt wurden. Immer gelingt es der Autorin, die Details in die größeren Zusammenhänge zu rücken, oft auch erstaunliche Verbindungen zu unserer Gegenwart herzustellen.

Ergänzt werden die Betrachtungen durch grundlegende Erkenntnisse und konkrete Tipps, die hilfreich sind für Museumsbesuche und die eigene Erschließung von Kunst. Auch Interviews mit Menschen, die schon von berufswegen auf das genaue Hinschauen angewiesen sind, z.B. mit einem Polizisten oder einer Genetikerin, sind eine bereichernde Ergänzung.

Gelegentlich hätte ich mir die Bilder in besserer Qualität gewünscht. Aber im Internet und erst recht beim Museumsbesuch findet man ja bessere Ansichten. Alles in allem ein wunderbares Buch, das Lust auf Kunst macht. Das Buch macht eine grundlegende Erkenntnis glaubwürdig: „Gute Kunst, darauf können Sie vertrauen, birst vor Details, die Ihnen Neues enthüllen, wenn Sie sich die Zeit dafür nehmen.“

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Wieteke van Zeil: Sieh hin! Ein offener Blick auf die Kunst, E. A. Seemann Verlag 2022, ISBN 978-3865024701, 224 Seiten mit 80 farbigen Abbildungen, 28,00 Euro.

Dienstag 5. Juli Mit allen Sinnen

Hinhören und hingucken

Es ist ein Willkommen-und-Abschied-Datum, dieser 5. Juli, der in diesem Jahr auf einen Dienstag fällt. Abschied nahm beispielsweise Maria Callas von der Bühne, das Willkommen galt unter anderem Elvis Presley – und einem Schaf.

Fangen wir mit dem tierischen Beitrag an, zumal das Willkommen für das Schaf Dolly am 5. Juli 1996 durchaus von skeptischen Stimmern begleitet wurde: Das schottische Schaf war das erste geklonte Säugetier. Erstrebenswert? Oder doch lieber die althergebrachte Methode der „Schafzucht“?

Dolly wurde nur sechs Jahre alt. Ausgestopft gehört sie heute zu den Exponaten des Royal Museum Edinburgh. Und einige Kopierprogramme nutzten Dollys Berühmtheit für ihre Zwecke, werben mit einem Schaf im Logo.

Ob Dolly ein Hingucker war, mögen andere entscheiden. Unstrittig ist dies bei einem anderen Newcomer: Am 5. Juli 1946 wurde im Pariser Schwimmbad Piscine Molitor der Bikini präsentiert. Zumindest die öffentlich zur Schau getragene Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Seinerzeit löste der Bikini einen Skandal aus, dem ein weltweites Trageverbot beim Baden in der Öffentlichkeit folgte. Was sich aber nicht lange hielt. Das mag an Männerfantasien gelegen haben, anders ist wohl kaum das Coloring-Bandit-Buch „Bikini Babes – Malbuch für Väter“ zu erklären. Und bei so mancher Frau sorgte der Bikini dafür, dass auf Linie gedrillt wurde: „Das Bikini-Bootcamp“.

Eine Legende zum Hinhören startete am 5. Juli 1954 durch: Elvis Presley nahm heute vor 68 Jahren im Sun Studio in Memphis „That’s All Right, Mama“.  Und eine andere Musik-Legende verabschiedete sich elf Jahre später, am 5. Juli 1965, im Royal Opera House in Covent Garden in London: Mit der „Tosca“ trat die Diva und Primadonna Maria Callas von der Opernbühne ab.

Ich habe schon Probleme mit dem Titel „Philosophiae Naturalis Principia Mathematica“, dennoch aber gehört das heute vor 335 Jahren (1687) veröffentlichte Hauptwerk Isaac Newtons zu den berühmtesten Büchern der Welt. Das „Gesetz der Schwerkraft“ habe ich noch so einigermaßen verstanden. Für alles weitere greife ich zu „Total Genial! Isaac Newton“.

Empfohlen für Kinder ab 6 Jahren, was meinem naturwissenschaftlichen Niveau entsprechen dürfte. Sachbücher für Kinder sollte man ohnehin nicht geringachten. Bei der „Sendung mit der Maus“ habe ich einiges mehr gelernt als in der Schule.

Zum Schluss wieder ein Glückwunsch: Am 5. Juli 1889 wurde Jean Cocteau, französischer Schriftsteller, Regisseur und Maler, geboren. Cocteau gehörte zu den führenden Surrealisten seiner Zeit, bestand aber darauf, in erster Linie Dichter zu sein. Was sein Zeitgenosse André Breton anders sah. Er nannte Cocteau einen „notorischen falschen Dichter, einen Versmacher, der alles, was er berührt, entwertet statt aufwertet“. Mit solchen Spitzen konnte Cocteau aber auch selbst dienen: „Gute Erziehung besteht darin, zu verbergen, wie sehr man sich selbst schätzt und wie wenig die anderen.

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Montag 4. Juli Das Wunder von Bern

Schwarz-rot-goldene Glücksgefühle

„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen…“ Zum Glück tat er es am 4. Juli 1954 und machte Deutschland damit zum ersten Mal zum Fußballweltmeister. Damit kann an diesem Montag, 4. Juli 2022, für mich nicht einmal die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mithalten.

Ganz abgesehen von schwarz-rot-goldenen Emotionen liegt der Tag, an dem der zweite Kontinentalkongress die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verabschiedete, auch deutlich länger zurück. Wurde das deutsche Fußballmärchen vor 68 Jahren wahr, muss man sich an den großen Tag der USA schon 246 Jahre zurückerinnern.

Da empfehlen wir allein mit Blick auf den zeitlichen Abstand lieber große amerikanische Gegenwartsliteratur. Auch wenn Richard Fords „Unabhängigkeitstag“ mit den historischen Ereignissen nur das Datum der Handlung gemein hat. Immerhin erhielt er für den Roman 1996 den Pulitzer-Preis.

Wer sich literarisch lieber ins regennasse Berner Wankdorfstadion des Jahres 1954 zurückversetzen möchte, der kann zu einem Buch zum Sönke-Wortmann-Film greifen: „Das Wunder von Bern“ lässt den 3:2-Sieg über Ungarn lebendig werden.

Emotional vielleicht nicht so packend, aber in jedem Fall interessant dürfte auch das Buch „Vom ,Wunder von Bern‘ bis ,Schwarz-Rot-Geil‘“ sein. Darin wird die Berichterstattung der BILD-Zeitung zu den Fußballweltmeisterschaften 1954, 1974 und 2006 unter die Lupe genommen.

Runden Geburtstag feiert heute die Idee zu einem unvergänglichen literarischen Welterfolg. Auf einer Bootsfahrt auf der Themse erzählt Charles Lutwidge Dodgson am 4. Juli 1862 den Schwestern Alice, Edith und Lorina Lidell eine Geschichte, die er dann für Alice aufschreibt. Genau drei Jahre später erscheint in London unter dem Künstlernamen Lewis Carroll die Erstausgabe von „Alice im Wunderland“.

Frei nach dem Motto, das Beste kommt zum Schluss, wurde am 4. Juli 1991 in der letzten Folge der Fernsehsendung „Total Normal“ der Streich „Hurz!“ von Hape Kerkeling und Achim Hagemann ausgestrahlt. Den muss man gesehen haben, dieser Link führt zu Youtube.

Heute feiert Kerkeling Erfolge mit Geschichten eines Katzenfreundes: „Pfoten vom Tisch!“. Die Genialität von „Hurz!“ hat das für mich eher weniger. Aber vielleicht ist es Elke Heidenreich mit einer Anthologie gelungen, die Verbindung wieder herzustellen: „Katzenmusik und Katerstimmung –  Tierisch-musikalische Geschichten“.

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Sonntag 3. Juli Plastiktütenfrei

Ein Aktionstag, der lange überflüssig sein sollte

An Sonntagen machen die Recherchen zum „bebücherten Kalenderblatt“ am meisten Spaß. Da macht auch dieser Sonntag, 3. Juli 2022, keine Ausnahme. Der Grund dafür ist allerdings eher irrational: Ich habe „gefühlt“ mehr Zeit – was im Ruhestand nicht wirklich ausschlaggebend ist.

Heute aber stolperte ich zudem durch Themen persönlicher Betroffenheit. Eines meiner Lieblingstiere steht ebenso im Fokus wie eine Frage, die jeder Rätselfan kennt. Und literarisch gesehen hat dieses Datum auch einiges zu bieten. Aber der Reihe nach.

Heute ist der „Internationale Welttag der Erdmännchen“ (World Meerkat Day). Spätestens seit Timon & Pumbaa bin ich vernarrt. Nein, nicht ins Warzenschwein. Ins Erdmännchen.  Und nicht ohne Grund nehmen die beiden auf dem Cover des Disney-Klassikers mehr Raum ein als der (künftige) „König der Löwen“ selbst.

So lustig der Zeichentrickfilm, so bitter ist das nächste Thema für den Globus, auf dem wir leben: Heute ist „Internationaler Plastiktütenfreier Tag“ (International Plastic Bag Free Day). Wobei ich mich angesichts der Plastikmüllmenge in den Weltmeeren frage, warum wir diesen Aktionstag nicht schon lange überflüssig gemacht haben.

Grundsätzlich bin ich „Für eine Umwelt ohne Plastik“, wie ein Kinderbuch titelt. Höchstens als Objekte der Begierde für Sammler sollten sie noch okay sein. Die ziehen die Plastiktüten ja gewissermaßen auch aus dem Verkehr, sodass sie einem nicht irgendwann im Meer entgegentreiben. Wer daran teilhaben möchte, findet ein Fachbuch: Tüten aus Plastik – Eine deutsche Alltags- und Konsumgeschichte (…) für alle Sammler von Tragetaschen und Fans des Kultobjekts“.

Uraufgeführt wurde heute vor 78 Jahren (1944) ein grandioser Film eines meiner Lieblingsregisseure: Mit „Frau ohne Gewissen“ legte Billy Wilder ein Film-noir-Meisterwerk vor. Die Romanvorlage „Doppelte Abfindung“ (nur auf Englisch erhältlich: Double Indemnity) stammt von James M. Cain, der mit „Der Postbote klingelt immer zweimal“ auch die Basis für den Filmwelterfolg „The Postman Always Rings Twice“ mit Jack Nicholson legte.

Als bekennender Kreuzworträtselfan komme ich um den 3. Juli 1721 nicht herum: Missionar der Grönländer? Egede! Der norwegische Pfarrer Hans Egede begann heute vor 301 Jahren  damit, den Inuit das Christentum nahezubringen.

Und schließlich sind da noch zwei (wieder postume) Geburtstagsglückwünsche angebracht: Am 3. Juli 1883 erblickte Franz Kafka das Licht der Welt. Und 25 Jahre später startete der Franzose Thomas Narcejac seine irdische Laufbahn, auf der er zusammen mit Pierre Boileau großartige psychologischen Kriminalromane verfasste. Darunter den Klassiker des Psychothrillers überhaupt: „D’entre les morts“ (Vertigo) wurde Alfred Hitchcock unter dem Titel „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ verfilmt.

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Samstag 2. Juli Süße Versuchung

Ich liebe Kirschen!

Heute ist mein Tag! Dieser Samstag, 2. Juli 2022, ist der „Tag des Kirschkernspuckens“ (International Cherry Pit Spitting Day). Falls ich es noch nicht gesagt hatte: Ich liebe Kirschen! Am meisten die hellen, knackig-festen Exemplare.

Erst einmal muss ich mich erneut mit der „Zeit-Frage“ herumschlagen. Bei 365 Tagen im Jahr ist die Halbzeit schwerer auszumachen. Tatsächlich ist es heute am 183 Tag des Jahres soweit. Und zwar präzise um 13 Uhr. Was wiederum an der Sommerzeit liegt.

Doch zurück zu dem weit süßeren und mir viel näheren Thema des Tages: Wenn man im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT schaut, wie die Kirsche durch die Literatur geistert, steht zu vermuten, dass ich mit meiner Obsession nicht allein bin. „Die Zeit der Kirschen“ schaffte es als Liebesroman zwischen Küche und Literatur in die Spiegel-Bestsellerlisten.

Dort tummelt sich mehrfach auch die Spiegel-Bestsellerautorin Caroline Bernard, aus deren Feder „Die Kirschen der Madame Richard“ stammt. Und da die süßen Früchte auch den Nachwuchs locken, gibt es selbstverständlich auch reichlich Kinderbücher wie „Theo will Kirschen“. Theo ist laut Verlagswerbung das gemütlichste Schwein der Welt, das nichts aus der Ruhe bringen kann –  außer Kirschen, die hoch am Baum hängen.

Irgendwie fühle ich mich Theo sehr nah. Und dann ist da noch der verheißungsvollste Titel, der zu einem Roman aus der (Kirschen-reichen) Dordogne stammt: „Ein Sommer voller Kirschen“. Den wünsche ich mir, obwohl ich auf diesem Gebiet meist wie „Die kleine Raupe Nimmersatt“ unterwegs bin und daher häufig mit Bauchweh zu tun habe.

Dagegen aber wiederum soll es ja probate Mittel vom „Heilpflanzenbalkon“ geben. Und wenn sonst nichts mehr geht, könnte man zur Rezeptsammlung „All you need is soup“ greifen. Die verspricht „von Bauchweh bis Fernweh – eine Suppe für jede Lebenslage“.

Zum guten Schluss und der Vollständigkeit halber noch der Hinweis, dass heute auch „Welt-UFO-Tag“ (World UFO Day) ist. Was nie so mein Thema war. Bevor ich warte, dass wer nach unten kommt, starte ich doch lieber selbst „Per Anhalter durch die Galaxis“ und lese nocheinmal Douglas-Adams Kultromanreihe.

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Freitag 1. Juli „Witzischkeit“

Ein Tag für „Witzischkeit“

Willkommen im Monat Juli – der uns an diesem Freitag, 1. Juli 2022, im Grunde wie schon am 30. Juni mit einer „Zeit-Frage“ beschäftigt. Aber mit Sekunden geben wir uns nun nicht mehr ab.

Der 1. Juli ist der 182. Tag des Jahres, in dem uns also noch 183 Tage bleiben. Rechnerisch gehört der 1. Juli nach Tagen also zur ersten Jahreshälfte, während er nach Monaten der zweiten Jahreshälfte zugerechnet wird. Was stimmt, ich hab’s in bewährter Manier an den Handwurzelknochen nachgezählt…

Bei Juli denke ich auch an die Schriftstellerin Juli Zeh. Die hatte übrigens gestern Geburtstag (30. Juni 1974). Und ihre Bücher kommen beim Publikum bestens an, was auch Rezensionen aus dem BÜCHER-HEIMAT-Team beispielsweise über den Roman „Treideln“ belegen.

Ansonsten müssten wir heute lachend oder doch zumindest kichernd durch den Tag kommen: Seit 1994 ist der 1. Juli der „Internationale Witze-Tag“. Nun halte ich nichts davon, Witze zu lesen. Witze muss man erzählt bekommen (und sich dann merken können). Und ich bin skeptisch, wenn „Wirklich witzige Witze“ versprochen werden, selbst wenn die Adressaten in diesem Fall Kinder sind. Meist sind es gerade jene Werke, die den größten Schenkelklopf-Effekt versprechen, die sich in peinlichen Plattheiten verlieren.

Nun gelte ich im Bekanntenkreis zwar als Witzequell, der bisweilen auch die „nach unten offene Beckmann-Skala“ strapaziert, halte es aber selbst eher mit Humor a la Heinz Erhardt, Loriot oder Mark Twain. Manchmal herrlich blödelnd, meist feinsinnig, scharfzüngig und nicht selten schmerzhaft den verbalen Finger in Wunden legend.

Wobei nicht jeder jeden Scherz mögen muss. Politiker*innen dürften sich mit Loriots Einschätzung schwertun: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen!“ Und Heinz Erhardt liefert lange vor Fake News und Querdenkern einen bemerkenswerten Satz: „Sie dürfen nicht alles glauben was Sie denken!“ Und dann ist da noch Mark Twains Klage über „Die schreckliche deutsche Sprache“ (deutsch/englisch). Ohne Frage die amüsanteste Auseinandersetzung mit den Tücken des Deutschen.

Es gibt natürlich auch gute Witze. Als Arthur-Conan-Doyle-Fan gefällt mir zum Beispiel dieser: „Sherlock Holmes und Dr. Watson zelten. Mitten in der Nacht weckte Holmes Watson und sagt: „Watson, schau zu den Sternen und sag mir, was du siehst.“ Watson erklärt: „Ich sehe Millionen und Abermillionen von Sternen.“ Holmes ungeduldig: „Und was leiten Sie daraus ab?“ Watson überlegt: „Nun, wenn es Millionen von Sternen gibt und wenn sogar einige davon Planeten haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass es da draußen einige Planeten wie die Erde gibt. Und wenn es da draußen ein paar Planeten wie die Erde gibt, könnte es auch Leben geben.“ Darauf Holmes: „Falsch, es bedeutet, dass jemand unser Zelt gestohlen hat.“

Eher platt, dafür aber den von Land zu Land unterschiedlichen Humor zeigend, war das Ergebnis der Suche 2009 nach dem „Besten Witz der Welt“. Nachzulesen in der „Welt“. Gewonnen hat ein Schwede. Deutschland landete auf Platz 11 mit diesem Versuch: „Kommt ein Mann zur Wahrsagerin.  „Wie ich sehe, sind Sie Vater von zwei Kindern“, sagt die Wahrsagerin. „Das glauben SIE!“, erwidert er. „Ich bin Vater von drei Kindern.“ Die Wahrsagerin lächelt: „Das glauben SIE!“

Eher einen sehr bitteren Beigeschmack hat angesichts der aktuellen Entwicklungen der russische Beitrag: „Wegen der Rezession wird, um Strom zu sparen, das Licht am Ende des Tunnels abgeschaltet. – Gott.“

Witzischkeit kennt keine Grenzen“ und schon gar kein Pardon, wusste schon Hape Kerkeling. Da kommen wir zum Schluss doch lieber wieder auf Mark Twain zurück, auch wenn dessen unabweisbare Erkenntnis im Grunde auch nicht lustiger ist: „Das Wichtigste im Leben ist die Ehrlichkeit – wenn man die überzeugend vortäuschen kann, hat man es geschafft!“

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Donnerstag 30. Juni Die Schaltsekunde

Wem die Sekunde schlägt

Dieser Donnerstag, 30. Juni 2022, ist der 181 Tag des Jahres und bei Bedarf wird am letzten Juni-Tag eine Schaltsekunde eingefügt. Heute aber nicht, wir ticken noch richtig.

Wer jetzt meint, ich brächte da etwas mit Schalttagen durcheinander, irrt. Allerdings muss ich einräumen, dass ich von der Schaltsekunde heute bei den Recherchen zu unserem „bebücherten Kalenderblatt“ zum ersten Mal gehört habe. Es geht darum, dass die Erde sich minimal langsamer dreht, als sie per Definition sollte. So dauert ein Tag um Sekundenbruchteile länger als die 86.400 „Norm“-Sekunden.

Was harmlos klingt, aber man sollte die Sekunde nicht zu gering achten. Beispielsweise zeigt die Reihe „…in 30 Sekunden“, dass in wenig Zeit viel Wissen konsumiert werden kann. So bringt uns „Das Gehirn in 30 Sekunden“ laut Klappentext „die erstaunlichsten Theorien der Neurowissenschaften in 30 Sekunden“ näher. Und wenn da eine Sekunde fehlt…

Zurück zu den Schaltsekunden. Irgendwann hinken wir auf der trödelnden Erde eine satte Sekunde hinterher. Was natürlich gar nicht geht. Deshalb wird in manchen Jahren am 30. Juni eine Schaltsekunde in die koordinierte Weltzeit (UTC) eingefügt, um sie mit der auf der Erdrotation basierenden Weltzeit (UT1) möglichst synchron zu halten.

Genau dies geschah genau heute vor 50 Jahren (1972) zum ersten Mal: Eine Schaltsekunde wurde ans Tagesende angefügt, um die offizielle Zeit mit der mittleren Sonnenzeit zu synchronisieren. Und wer mehr darüber wissen will, liest „Die Erfindung der Zeit – Die Geschichte der Zeitmessung von der Antike bis heute“. Oder man nimmt es fatalistisch und greift gleich zu Hemingways „Wem die Stunde schlägt“.

Kein Weg vorbei führt für ein „bebücherten Kalenderblatt“ am 30. Juni 1936: An diesem Tag veröffentliche Margaret Mitchell ihren Roman „Vom Winde verweht“ (Gone With the Wind) um Scarlett O’Hara und Rhett Butler. Es wurde ein unfassbarer Welterfolg und zieht die Menschen bis heute in den Bann.

Bis heute wurden weltweit mehr als 30 Millionen Exemplare des Buches verkauft. Und die von David O. Selznick produzierte Verfilmung mit Clark Gable, Vivien Leigh (DVD), die drei Jahre später in die US-amerikanischen Kinos kam, wurde zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Margaret Mitchell wurde für „Vom Winde verweht“ 1937 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

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Mittwoch 29. Juni Ein großer Buchstabe

Großer Buchstabe, kleines Jubiläum

Wir wollen an diesem Mittwoch, 29. Juni 2022, natürlich keine erneute Diskussion um die deutsche Rechtschreibung anstoßen (obwohl das ein prima Streitthema ist). Aber es gilt, heute einen großen Buchstaben zu ehren, der ein kleines Jubiläum feiert.

Das große Eszett (ẞ) ist seit fünf Jahren (29. Juni 2017) Bestandteil der amtlichen deutschen Rechtschreibung. Darüber war ewig gestritten worden, letztlich aber verlangte die (vor allem im Internet) zunehmende Unsitte, ganze Worte in Versalien (Großbuchstaben) zu schreiben, ein Handeln.  Bei „STRAẞE“ und „Strasse“ ging das bis auf die Betonung ja noch an, aber wenn aus „MAẞEN“ plötzlich „MASSEN“ werden…

Zugegeben, ich drücke mich seit Jahrzehnten um den überfälligen „Crashkurs Rechtschreibung“ herum. Aber man kann sich speziellen Problemen wie „Dehnung, Schärfung, Auslautverhärtung“ ja auch mit spezieller Lektüre stellen. Die „Knackpunkte der Rechtschreibung 1“ (pdf eBook) klären beispielsweise auch die Frage, ob „Soße“ oder „Sosse“ – wobei ich die Flucht in „Sauce“ bevorzuge.

Bilde ich es mir nur ein: Im Zuge der „Handysierung“ scheint die Zahl der Illustrierten beispielsweise bei Friseuren und in Wartezimmern zu schrumpfen. Was für mich dramatische Folgen hat, denn ich liebe die Klatschpresse, wäre aber viel zu genant, die bunten Blätter am Kiosk zu kaufen. Die Promi-Spalte in der täglichen GZ kann das natürlich nicht abfangen.

Eine ganz große Klatschstunde habe ich schon allein deshalb verpasst, weil ich am 29. Juni 1956 noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte. An diesem Tag heiratete Hollywood-Ikone Marilyn Monroe den Dramatiker Arthur Miller, der für „Tod eines Handlungsreisenden“ bereits einen Pulitzerpreis eingesackt hatte. Was für ein Paar!

Die Ehe ging schief. Obwohl Miller seiner Marilyn aus einer Kurzgeschichte noch das Drehbuch für „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ (eBook pdf Englisch)  auf den Leib geschrieben hatte. Bei der Trennung 1961 in gegenseitigem Einvernehmen bewiesen beide Cleverness: Der gerichtliche Scheidungstermin wurde auf den 20. Januar gelegt, damit die Presse vom Amtsantritt des US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy abgelenkt war (der seinerseits von der Monroe abgelenkt war, aber das ist ein anderes Thema).

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Dienstag 28. Juni Die Zielgerade

Von Hunden und großen Denkern

Heute ist Dienstag, 28. Juni 2022. Wir sind auf der Juni-Zielgeraden und stehen dicht vor der Jahreshalbzeit.

Als erklärter Katzenfreund war ich kurz versucht, über einen Eintrag in unserem „bebücherten Kalenderblatt“ hinweg zu huschen: Heute vor 163 Jahren (1859) präsentierten britische Herrchen und Frauchen ihre bellenden Lieblinge in Newcastle upon Tyne auf der weltweit ersten Hundeausstellung.

In Deutschland musste der „beste Freund des Menschen“ noch vier lange Jahre warten, ehe vom 14. bis 20. Juli 1863 in Hamburg 453 Hunde zum ersten Mal Rasse und Klasse zeigen durften. Wer mit dem eigenen Bello Ambitionen hegt, sollte vielleicht „Rassehunde perfekt präsentieren“ lesen.

Ich mag „Google+“, wenn auch aus einem perfiden Grund. Falls sich niemand sonst mehr erinnert: „Google+“ war das soziale Netzwerk des Google-Konzerns, das am 28. Juni 2011 startete.  Es ging auch ganz gut los, bis 2013 war es hinter Facebook weltweit das zweitgrößte soziale Netzwerk. So richtig Attacke auf Mr. Zuckerberg funktionierte aber nicht, eine Datenpanne kam dazu und 2019 war „Google+“ Geschichte. Und darum mag ich es, sozusagen als Beleg dafür, dass die datengierigen Internet-Giganten doch nicht unfehlbar sind. Und während einige erklären „Was Google wirklich will“ spekulieren andere schon über „Das Leben nach Google“.

Wenn es um den „Tatort“ geht, verstehen deutsche TV-Gucker ja eher selten Spaß. Folgerichtig komme ich an dem 28. Juni 1981 nicht vorbei. An diesem Tag strahlte die ARD den ersten Schimanski-Tatort aus. Und man glaubt es nicht, „Der wahre Schimanski“, Duisburgs Chefermittler Sprenger, sieht Götz George sogar sehr entfernt ähnlich.

Und zu gratulieren gilt es wieder. 310 Jahre (1712) alt wäre heute Jean-Jacques Rousseau geworden. Das Universalgenie hatte als Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung großen Einfluss in Europa. Nur sein berühmtestes Zitat hat er so gar nicht gesagt: „Zurück zur Natur!“ – was trotzdem nie so ganz verkehrt ist.

Gesucht und gefunden: „Sechs Personen suchen einen Autor“ überschrieb Luigi Pirandello das Drama, mit dem er Weltruhm erlangte. Der Italiener, der zu den bedeutendsten Dramatikern des 20. Jahrhunderts zählt und 1934 den Nobelpreis für Literatur erhielt, würde heute 155 Jahre alt.

Rousseau und Pirandello zähle ich schon zur eher härteren Kost und wende mich lieber meinem dritten Geburtstagskind zu. Als einer der großen Geburtshelfer des Thriller-Genres ist mit Eric Ambler sehr viel näher. Der Mann, der am 28. Juni 1909 geboren wurde, schaffte mit seinem fünften Roman „Die Maske des Dimitrios“ einen Klassiker. Wobei ich „Topkapi“ mehr mag, allerdings unsicher bin, ob dies nicht eher an der genialen Verfilmung mit Peter Ustinov liegt.

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Montag 27. Juni Siebenschläfertag

Das Sieben-Wochen-Wetter

Stimmen die Wettervorhersagen für den heutigen Montag, 27. Juni 2022, dann stehen uns sieben wechselhafte Wochen ins Haus. Heute ist Siebenschläfertag.

Den Bauernregeln zufolge wird das Wetter der nächsten sieben Wochen an Siebenschläfer bestimmt. Wie so oft bei den tradierten Wetterweisheiten gilt die Devise: Reim dich oder ich hau dich. „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Keine hohe Dichtkunst, aber vielleicht noch einen Hauch besser als „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“.

Das mag sein, aber man mag es nicht hören. Dann schon lieber die Methode Null-acht-einfach: „Siebenschläfer Regen – sieben Wochen Regen“. Aber ich stehe ja trotz Klimaerwärmung und zu trockener Böden weiter auf sonniges Sommerwetter. Folgerichtig mein Favorit für heute: „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“.

Allerdings muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Name „Siebenschläfer“ gar nichts mit dem Wetter zu tun hat. Tatsächlich verdankt der Siebenschläfertag einer alten Legende, nach der sieben junge Christen von Kaiser Decius um 250 n.Chr. verfolgt wurden und in einer Berghöhle nahe Ephesos Zuflucht gesucht. Sie wurden jedoch entdeckt und lebendig eingemauert.

Der Legende nach starben sie aber nicht, sondern schliefen satte 195 Jahre lang. Heute vor 1576 Jahren, also am 27. Juni 446, sollen sie dann mehr zufällig entdeckt worden sein, wachten auf, bezeugten noch flink ihren Glauben an die Auferstehung der Toten, um dann wenig später tatsächlich zu sterben.

Demnach hat der Siebenschläfertag also ebenso wenig mit dem Wetter wie auch mit den possierlichen Nagetieren gleichen Namens zu tun. Beim Blick in den Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT aber wird immerhin deutlich, dass die Nager wenigstens als Kinderbuchstars große Nummern sind. In ganzen  Serien wie „Bobo Siebenschläfer“ oder auch „Der kleine Siebenschläfer“ haben sie die Hauptrolle inne. Sogar die Schlümpfe kommen daran nicht vorbei: „Der Siebenschläferschlumpf“.

Aber kommen wir doch noch mal kurz aufs Wetter und die Bauernregel zurück. Denn wenn es etwas gibt, das noch früher als Spekulatius und anderes Weihnachtsgebäck in den Regalen auftaucht, dann sind es schöne Kalender fürs kommende Jahr. Und bis zum Wechsel ins Jahr 2023 sind es heute nur noch 187 Tage. Es ist also sozusagen höchste Zeit. Und Bauernregeln in Bauernkalendern gibt es in jeder Größe, Form und Farbe.

Bestellen kann man den Kalender ähnlich einfach wie die Bücher bei uns im Online-Shop. Einfach den Links folgen. Geholfen werden kann neuerdings aber auch all jenen, die bestellen lassen wollen:  Ab sofort können in der Mitmach-Buchhandlung Bücher schnell und einfach per WhatsApp bestellt werden! Und das geht denkbar einfach: Unter der Rufnummer 01746631960 Buchwünsche und Namen schicken, dann wird das BÜCHER-HEIMAT-Team sofort aktiv und bestellt den Lesestoff.

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