Richard Wagamese war ein indigener kanadischer Schriftsteller. Protagonist des 2015 erschienenen Romans ist Franklin Starlight. Er ist ein 16-jähriger Junge, der bei dem „alten Mann“, einem Freund der Familie, aufwächst. Dieser lehrt ihn nicht nur die Natur zu respektieren, sondern auch mit ihr in Einklang zu leben. Zu seinem alkoholkranken Vater, Eldon, hat er eine sehr schwierige Beziehung, da dieser ihn immer wieder enttäuscht hat. Aber als der sterbende Vater ihn bittet, ihn in die Wildnis Britisch-Kolumbiens zu führen, um ihn dort wie ein Krieger sitzend und nach Osten blickend zu beerdigen, stellt sich Franklin dieser Aufgabe, seiner Pflicht als Sohn bewusst. Auf der tagelangen beschwerlichen Reise durch die Einsamkeit erzählt Eldon von Stationen seines bewegten Lebens. Die Vater-Sohn-Beziehung verändert sich, doch kann Franklin vergeben?
Die Handlung berührt, gibt aber auch einen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen die indigene Bevölkerung Nordamerikas noch bis in die heutige Zeit zu konfrontiert wird.
Die ganz große Stärke des Romans ist seine Sprache. Richard Wagamese ist ein Storyteller, von denen es so viele in seiner Kultur gibt. Seine Naturbeschreibungen sprechen beim Lesen alle Sinne an.
Ein Roman, ganz nett mal wegzulesen. Stimmt aber auch etwas nachdenklich. Worum es geht, fasst der Diogenes-Verlag zusammen: „Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler, Miranda eine clevere Studentin. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.“
„Sommer 1969. Der elfjährige Tobias fiebert am Stadtrand von Köln der ersten Mondlandung entgegen, während sich seine eher konservativen Eltern mit den politisch engagierten und flippigen neuen Nachbarn anfreunden. Deren dreizehnjährige Tochter Rosa bringt Tobias nicht nur Popmusik und Literatur bei, auch was das Liebesleben hat angeht, hat sie ihm einiges voraus. Zwischen den Eltern entwickelt sich ebenfalls eine wechselseitige Anziehung, aber die Liebe geht andere Wege als vermutet.“ So kündigt der Verlag C.H.Beck den Roman „Der Sommer meiner Mutter“ an. Autor ist Ulrich Woelk, der schon mit seinem ersten Roman „Freigang“ 1990 mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. „Was Ulrich Woelk schreibt, ist eine großartige Prosa, ganz auf der Höhe der Zeit: kurz angebunden, lakonisch, aber stakkato“, so feiert die Süddeutsche Zeitung das neue Werk. Mein Fazit: Toller Roman über wechselseitige Beziehungen. Ging mir unter die Haut.
Mit dem ersten Roman einen Weltbesteller landen. Dieses Kunststück gelang Delia Owens, die einst als Zoologin in verschiedenen afrikanischen Ländern Elefanten, Löwen und Hyänen erforschte, mit „Der Gesang der Flusskrebse“. Die „New York Times“ feiert das Buch: „Ein schmerzlich schönes Debüt, das eine Kriminalgeschichte mit der Erzählung eines Erwachsenwerdens verbindet und die Natur feiert.” Das Buch steht zu Recht auf den Bestsellerlisten, es hat die vielen Leser verdient. „Der Gesang der Flusskrebse“ ist sehr einfühlsam geschrieben und fesselt auch mit tollen Naturbeschreibungen. Am Ende möchte man das Buch gar nicht mehr weglegen.
Bernd-M. Beyer hat ein wunderbares Fußball-Buch geschrieben, das nicht nur für eingefleischte Fußballfans spannend zu lesen ist, sondern auch für alle, die an der Zeitgeschichte interessiert sind. Das Fußballgeschehen in der Bundesliga und rund um die Europameisterschaft 1972 lebt zwar auf und die Größen der damaligen Zeit wie Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Stan Libuda, Günter Netzer & Co werden entsprechend gewürdigt, aber vor allem wird der Fußball gekonnt eingebettet in das politisch-gesellschaftliche Geschehen Anfang der 1970er Jahre.
Es ist eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung. Im Fußball sind Bestechungsskandale an der Tagesordnung, Geld und Fußball verbinden sich immer mehr. Rio Reiser und seine Band Ton, Steine, Scherben geben sich revolutionär und Willi Brandts Politik verspricht neue Beziehungen mit Osteuropa und die Demokratisierung der Gesellschaft. Die RAF terrorisiert Deutschland. All das und noch mehr wird, gegliedert durch die Bundesliga-Spieltage, miteinander verbunden. So entsteht ein buntes Bild der frühen 70er, das man genussvoll lesen kann.
„Irgendwo im Westerwald – Mariana Lekys weiser und warmherziger Bestsellerroman über ein Dorf in der Provinz und seine skurrilen Bewohner. Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.“ So der Dumont-Verlag in seiner Ankündigung. Und weiter: „,Was man von hier aus sehen kann‘ ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt.“
Mein Fazit nach einer beglückenden Lektüre: Einer der besten Romane, die ich je gelesen habe…
Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine Buchserie lest und je näher ihr dem Ende kommt, umso trauriger werdet ihr? Natürlich, ihr wollt unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht. Aber ihr müsst euren Freunden dann Lebewohl sagen. Denn genau das ist Assassinin Celaena Sardothien für mich. Sie ist ein Genie, sie ist charmant, sie ist Feuer. Ihre Arroganz, ihr Mut und ihre Treue kannten keine Grenzen.
Diese fantastische Serie beinhaltet sieben Bücher. Ja, das ist viel. Es könnten aber mehr sein, denn mit jedem Teil habe ich die Bücher noch mehr geliebt. Deswegen habe ich sie in drei Jahren auch zweimal gelesen. Nun, wo ich wieder am Ende angelangt bin, möchte ich eigentlich wieder neu anfangen.
Wenn das keine Bücherliebe ist, dann weiß ich auch nicht.
Fazit:
Klare Leseempfehlung für alle, die Fan des Genres „Coming of Age“ sind (ganz blöder Name). Verliert euch, verliebt euch, werdet mit Celaena und mir zu Wiederholungstätern.
Krimis gibt es wie Sand am Meer. Von Thriller bis Cosy Crime findet sich alles, was das Krimi-Herz begehrt. Auch die Protagonisten sind vielfältig. Ob nun Polizeiinspektoren, Special Agents, Geheimagenten, Privatermittler, der Gärtner oder die Ladys aus dem Book-Club, sie alle führen uns gern in kriminelle Versuchung. Allerdings finde ich inzwischen, dass da schon etwas ganz besonderes um die Ecke kommen muss, denn als Vielleserin langweile ich mich schnell, wenn ich das Gefühl habe, dass mir eine Geschichte nicht wirklich etwas Neues zu bieten. Gerade bei Kriminalromanen oder Thrillern benötige ich über einen interessanten Fall hinaus ein originelles Setting und handelnde Personen, die etwas Besonderes auszeichnet.
Dabei reicht es mir inzwischen nicht mehr, dass die Story dort spielt, wohin ich in den Urlaub fahre oder wo ich wohne. Etwas mehr darf es schon sein. Sehr gut unterhalten gefühlt habe ich mich zuletzt bei den ersten Bänden von Gil Ribeiros „Lost in Fuseta“. Die Idee des Personalaustausches über Länder- und Kulturgrenzen hinweg hat dieser Reihe das gewisse Etwas verliehen. Dazu kommt der teilbegabte und verhaltensoriginelle, aber durchaus sympathische Inspektor Lost, den seine Kollegen in Deutschland erfolgreich ins sonnige Portugal losgeworden sind.
Das gewisse Etwas
Ähnlich verhält es sich nun bei den Büchern von Henrik Siebold. Seine Krimireihe um den Japaner Ken Takeda spielt in Hamburg. Dort lebt der Autor momentan, allerdings war Tokio ebenfalls über Jahre seine Wohn- und Wirkungsstätte, wo er für eine japanische Tageszeitung tätig war. Er kennt sich aus mit den kulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und Japan und seine Idee, einen Inspektor aus Tokio für ein Jahr nach Hamburg zu versetzen hat nicht nur Charme, sondern birgt eben dieses gewisse Etwas. Frisch in Hamburg eingetroffen, muss Takeda nicht nur seine neue Kollegin Claudia Harms davon überzeugen, dass er auch in Deutschland zu guter Ermittlungsarbeit fähig ist, er bekommt es gleich mit einem Doppelmord zu tun. Oder war es vielleicht doch Selbstmord?
Verzwickter Fall
Harms und Takeda stehen vor einem verzwickten Fall und müssen entscheiden, ob und wieso das Buchhändlerehepaar aus Altona ermordet wurde. Dabei wird man als Leser*in zusammen mit den Protagonisten auf diverse Spuren gelockt und was vor drei Seiten noch logisch war, wird auf einmal durch einen neuen Beweis nicht mehr haltbar. Kurzweilig und spannend ist aber nicht nur der Fall, Takeda als Person macht zusammen mit Matcha-Tee und Kampfsport, aber auch mit seinem Saxophon das aus, was die Reihe von vielen anderen Kriminalromanen abhebt. Sozusagen das Salz in der Suppe oder der Korn zum Bier, um beim Hamburger Lütt un Lütt zu bleiben.
Lohnt es sich heutzutage noch, ein Buch von 1983 zu besprechen, das bereits in einer Netflixserie Ausdruck gefunden hat? JA, unbedingt! Ich scheue Klassiker grundsätzlich nicht, wenn sie inhaltlich und sprachlich über sich selbst, Zeit und Raum hinausweisen. Und Walter Tevis (1928-1984) schaffte mit dem Roman „Das Damengambit“ genau dies: Er führte mich mitten hinein in den fulminanten Aufstieg des hochbegabten Mädchens Beth, in höchste, von Männern besetzte, internationale Schach-Welten.
Schmerzhafter Spagat
Es hätte ein wunderbares Märchen werden können. Es hätte eine gelungene Emanzipationsgeschichte werden können. Es wurde ein ur-menschliches, tragisch-schönes Psychogramm eines Entwicklungsprozesses, in dem ein Mädchen einerseits großartig werden darf und andererseits klein und gefangen bleibt in sich selbst, in seiner aufgezwungenen Einsamkeit, nur in der Schachwelt scheinbar mit sich im Reinen. Beth erträgt diesen schmerzhaften „Spagat“ nur mithilfe von „kleinen grünen Pillen“ und Alkohol.
(Eliza)Beth Harmon wächst als Waise in einem autoritär und gefühlskalt geführten Kinderheim auf, wie alle dort medikamentös „ruhiggestellt“. Ein Licht im Dunklen wird der Hausmeister, der im Keller einsam Schach mit sich selber spielt, ihr dann aber die Grundlagen dieses Spiels beibringt und schnell Beths außergewöhnliche Begabung erkennt und fördert, bis ihr das Schachspiel von der Heimleitung offiziell untersagt wird. In ihrer Gedankenwelt entwickelt sie die Begabung in den Folgejahren aber weiter, spielt genial Schachpartien mit und gegen sich selbst im Kopf, verkopft zunehmend.
Steter Kampf gegen Angst und Ohnmacht
Zwischenmenschliche Beziehungen verarmen, bleiben oberflächlich, können nicht wirklich als heilsam integriert wahrgenommen werden. Gelingendes Leben heißt für Beth: Jede Schachpartie muss gewonnen werden! Nur dann spürt sie Genugtuung, nur dann ist sie wer. Ein steter Kampf gegen Angst und Ohnmacht, ein steter Kampf gegen die betäubende Sucht. Ihre reale Schachkarriere ist ein „Damengambit“ – e i n möglicher Weg (nicht nur) der Schachspiel-Eröffnung. Ob Beth ihn letztlich auch im übertragenen Sinne für sich als Frau, als Mensch erkennt/geht …
Fazit
Ich kenne Ziel und ein paar Grundregeln des Schachspiels. Das reichte aber vollkommen, um mich auch symbolsprachlich von der Spannung jeder detailliert beschriebenen Schachpartie fesseln zu lassen. Damit steht fest, dieses Buch mag nicht nur einmal gelesen werden – dafür ist die Vielschichtigkeit von möglichen Schach-Zügen der verschiedenen Schachfiguren, dafür sind Menschen und ihre individuellen Entwicklungswege, viel zu komplex, viel zu überraschend. Eben oft nur s c h e i n b a r ausweglos, weil, bei genauerem Hinsehen, dann doch möglich!
Als Mitglied der Gruppe Pulse of Europe Goslar und interessierte Hobby-Bäckerin bin ich auf dieses Buch von Georg Matthes aufmerksam geworden. Es enthält nicht nur Brotrezepte aus jedem der 28 Länder der Europäischen Union, sondern es bietet auch Fakten und Bilder über das jeweilige Land. Humorvoll wird das Brotrezept eingeordnet, um Land und Leute und die Mentalität der Menschen kennenzulernen.
Die Rezepte sind gut verständlich und verhältnismäßig leicht nachzubacken. Über einen abgedruckten QRCode kann man sich bei Bedarf auch von einem Video, das die Deutsche Welle zur Verfügung stellt, anregen und helfen lassen. Auf ein treffendes Zitat des Verfassers Georg Matthes stieß ich im Buch: „‘In Vielfalt geeint‘ steht für die gemeinsamen Werte, den Binnenmarkt, die Freiheit, überall zu leben, und die buntesten und unterschiedlichsten Kulturen. Mögen Sie blühen und gedeihen, in allen Mitgliedsländern und in ihren Backöfen.“