Zach Wells, zynisch, Haut dunkel, Professor für Geologie/Paläobiologie an einer Universität in Kalifornien, ist in seinen Grundfesten erschüttert, als er erfährt, dass seine Tochter als Teenager an Demenz sterben wird. Ursache: Ein Gendefekt. Wie er und seine Frau mit dem körperlichen und geistigen Verfall ihrer Tochter umgehen, wird auf der einen Seite in dem Buch beschrieben. Daneben noch ein Kriminalfall: Zacharias Wells erhält bei Lieferung bestellter Kleidung – darin eingenäht – Hilferufe. Die beschäftigen ihn und er geht ihnen nach. Sehr eindringliche Lektüre.
Trevor Noah wird als Sohn eines Schweizers und einer Xhosa zur Zeit der Apartheid im Township Soweto geboren. Da in diesem System solch eine Beziehung illegal war, galt er in den Augen des Staates als Verbrechen.
In seinem Buch erzählt der Autor episodenhaft, wie er während und nach der Apartheid aufwuchs. Seine persönlichen Erfahrungen vermitteln einen Eindruck, welche Herausforderungen an die Gesellschaft in Südafrika gestellt wurden und immer noch werden, zeigen Ursachen auf, warum die schwarze und weiße Bevölkerung so schwer zueinander findet und wie stark Armut das Leben bestimmen. Viele seiner Schilderungen machen betroffen, aber Trevor Noah erzählt seine Geschichten feinfühlig und mit viel Humor, so dass man schmunzeln oder manchmal sogar laut lachen muss.
Eine Empfehlung für alle, die nicht nur die Schönheit Südafrikas kennenlernen möchten, sondern auch mehr über seine Geschichte, seine Politik und seine Menschen erfahren wollen.
Trevor Noah lebt seit 2011 in den USA, ist ein erfolgreicher Kabarettist und Schauspieler und moderiert die „Daily Show.
Dies ist die wahre Geschichte eines Jungen, der in Malawi aufwächst, wo Hunger und Wasserknappheit das Leben der Menschen bestimmen. Als in 2002 eine Dürre die gesamte Ernte in seinem Heimatdorf vernichtet, kann William nicht weiter die Schule besuchen, da seine Eltern das jährliche Schulgeld von $80 nicht mehr aufbringen können. Doch der 14-jährige hat in der Bücherei ein Buch über Energiegewinnung gefunden, und er entwickelt einen Traum. Er möchte ein Windrad bauen, um das Leben seiner Familie zu erleichtern. Und gegen alle Widrigkeit gelingt es ihm. Ihr Haus bekommt Strom und später auch fließendes Wasser
William Kwamkwamba hat in einem Interview zwei Dinge gesagt, die mich nicht nur berührt haben, sondern auch seinen Mut und seine Zielstrebigkeit unterstreichen:
„Ich habe dieses Buch geschrieben, um den Menschen zu erzählen, dass sie alles schaffen können, wenn sie es nur wollen.“
„Die meisten Geschichten über Afrika sind negativ. Ich möchte eine Geschichte voller Hoffnung erzählen. Ich habe aus meiner Geschichte gelernt, dass man es nur versuchen muss.“
Die Trauerweide, ursprünglich aus China, das Lampenputzergras aus Afrika, jetzt in Europa wachsend und Samen, die auch nach Jahrtausenden wieder austreiben können… sie und viele andere pflanzliche Überlebenskünstler sind die eigentlichen Pioniere der Erde!
Der italienische Botaniker Stefano Mancuso (geb. 1965) beschreibt auf sehr unterhaltsame Weise die „Tricks“, mit denen sich scheinbar unbewegliche Pflanzen über die ganze Welt ausbreiten. Ergänzt mit wunderschönen Aquarellen von Grisha Fischer vermittelt das feinfühlig aufgemachte Buch einen kurzweiligen Einblick in die Welt der größten Gruppe von Lebewesen.
Faszinierende Informationen zur „unglaublichen Reise der Pflanzen“ lassen staunen – der Blick wird achtsamer…!
Delphine de Vigan, eine französische Schriftstellerin, hat mich mit diesem kleinen Buch über ein schweres Thema, begeistert.
Mischka, eine alte, selbständig lebende Dame spürt, dass sie nicht mehr allein in ihrer Wohnung leben kann und findet einen Platz im Altersheim. Dort wird sie weiterhin von Marie, einer jungen Freundin, und auch von Jerome, dem Logopäden der Einrichtung, besucht und betreut und darf erfahren, dass es für nichts zu spät ist, vor allem nicht für die Antwort auf eine sie quälende Frage.
Mit viel Zuneigung und Mitgefühl gehen Jung und Alt achtsam miteinander um. So gelingt eine feinfühlige Geschichte über das Alter. „Nach einer gewissen Weile kann es nicht mehr weitergehen. Es beginnt sogar gutzutun. Es ist nicht traurig, aber es macht Angst“.
Sehr berührt hat mich das gerade erst im Februar 2022 erschienen Buch „Dschinns“ von Fatma Aydemir. Es ist die Innenansicht einer türkischen Familie. Der Vater kam in den 70-igern nach Deutschland, als Gastarbeiter, wie viele. Nach und nach holte er seine Familie ebenfalls nach. Kinder wurden in Deutschland geboren. Eines von mehreren Geheimnissen in der Familie, der Vater und die Mutter sind Kurden, gehörten also in der Türkei zur ausgegrenzten, verfolgten Bevölkerung.
Sie bauen sich ein bescheidenes Leben in Deutschland auf. Der Vater kauft eine Wohnung in der Türkei, um als Rentner mit seiner Ehefrau (eventuell auch den Kindern?) zurück in die Türkei zu gehen. Als es soweit ist und er die Wohnung bezieht, stirbt er am gleichen Tag. Die Ehefrau und die Kinder sowie andere Verwandte aus der Türkei treffen sich in der Wohnung, um die Beerdigung zu vollziehen. In dem Buch werden nun die einzelnen Familienmitglieder mit ihrer (Lebens)-Geschichte dargestellt; beginnend mit dem Toten. Als letztes kommt die Ehefrau „zu Wort“, die dann ihrer Tochter ein weiteres Geheimnis der Familie preisgibt…
„To the stars that listen and the dreams that fulfill“
Wieder so eine Reihe, die meine Bücherliebe anfeuert und meine jede-Geschichte-muss-enden-Toleranz auf eine harte Probe stellt. Unsere Heldin ist Feyre. Eine starke junge Frau, die ihr Leben unter widrigen Umständen lebt. Auf den ersten Blick ist sie keine Sympathieträgerin. Im Gegenteil: Es gibt reichlich Momente, in denen ich mir mit der Hand vor den Kopf schlage und denke: Mädchen, wirklich? Aber, klassisch für dieses Genre, können wir bei ihr eine unglaubliche Entwicklung beobachten.
Ich liebe es, Feyre und ihre Freunde über vier Bände auf ihrer Reise zu begleiten. Ich leide mit ihr, lache mit ihr, weine mit ihr. Eine echte Stärke dieser Autorin sind ihre Protagonistinnen: Starke Frauen mit Ecken und Kanten. Jemand der Frau gerne wäre oder gern zur Freundin hätte.
Einziges Manko: Band vier. Ganz ehrlich? Er ist wie die Weihnachtsfolge in einer Serie. Muss wirklich nicht sein. Gespannt bin ich aber nun auf Band 5 – steht ganz oben auf meiner Leseliste.
Fazit: Klare Leseempfehlung für alle, die Fan des Genres „Coming of Age“ sind (ganz blöder Name).
Queen Elisabeth entdeckt am Hintereingang des Buckingham Palasts zufällig einen Büchereibus. Zunächst aus Höflichkeit leiht sie sich ein Buch aus. Dieses Ereignis führt dazu, dass sie mit 80 Jahren die Welt der Literatur entdeckt und zu einer begeisterten Leserin wird. Nicht verwunderlich, dass dies Einfluss auf ihre royalen Pflichten hat, die sie zunehmend langweilen. Ihr Verhalten führt zu Irritationen bei den Bediensteten aber auch bei Staatsempfängen.
Die von Alan Bennett geschriebene Erzählung ist ein Muss für alle, die den britischen Humor genauso lieben wie die Literatur und das englische Königshaus. Durch sein Kürze und nicht allzu komplexe Sprache ist das Büchlein auch im Original gut lesbar.
Richard Wagamese war ein indigener kanadischer Schriftsteller. Protagonist des 2015 erschienenen Romans ist Franklin Starlight. Er ist ein 16-jähriger Junge, der bei dem „alten Mann“, einem Freund der Familie, aufwächst. Dieser lehrt ihn nicht nur die Natur zu respektieren, sondern auch mit ihr in Einklang zu leben. Zu seinem alkoholkranken Vater, Eldon, hat er eine sehr schwierige Beziehung, da dieser ihn immer wieder enttäuscht hat. Aber als der sterbende Vater ihn bittet, ihn in die Wildnis Britisch-Kolumbiens zu führen, um ihn dort wie ein Krieger sitzend und nach Osten blickend zu beerdigen, stellt sich Franklin dieser Aufgabe, seiner Pflicht als Sohn bewusst. Auf der tagelangen beschwerlichen Reise durch die Einsamkeit erzählt Eldon von Stationen seines bewegten Lebens. Die Vater-Sohn-Beziehung verändert sich, doch kann Franklin vergeben?
Die Handlung berührt, gibt aber auch einen Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen die indigene Bevölkerung Nordamerikas noch bis in die heutige Zeit zu konfrontiert wird.
Die ganz große Stärke des Romans ist seine Sprache. Richard Wagamese ist ein Storyteller, von denen es so viele in seiner Kultur gibt. Seine Naturbeschreibungen sprechen beim Lesen alle Sinne an.
Ein Roman, ganz nett mal wegzulesen. Stimmt aber auch etwas nachdenklich. Worum es geht, fasst der Diogenes-Verlag zusammen: „Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler, Miranda eine clevere Studentin. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.“