Dienstag, 11. Oktober: Mächtig gewaltig

Kulturbanausen und Kult aus Dänemark

„Mächtig gewaltig!“ Spätestens nach diesem Einstieg wissen Fans, was an diesem Dienstag, 11. Oktober 2022, in unserem bebücherten Kalenderblatt folgt: Heute vor 54 Jahren lief der erste Film der dänischen Kultserie „Die Olsenbande“ an.

So gesehen müsste es heute zumindest zum Start „befilmtes Kalenderblatt“ heißen, denn unser Tipp ist der erste Teil von „Die Olsenbande“ (DVD). Hoher Nostalgiefaktor für ältere Semester. Um die skurrile Dängen-Gang zu sehen, wurde auch in der Bundesrepublik seinerzeit gern mal das DDR-Fernsehen gewählt, in dem die Filme liefen.  

„Mächtig gewaltig“ ist übrigens eine sozusagen stubenreine Übersetzung des Originals. Denn da sagt Benny gern und oft „Skide godt“, was übersetzt „Scheiß-gut“ bedeutet. Zumindest gut waren die komischen Krimis tatsächlich, mehrfach sollte der letzte Film gedreht werden, schließlich wurde es dann aber eine 14-teilige Reihe.

Der Einstieg in den Blog mit Filmen und Schauspielern passt heute auch insoweit gut, als wir den bundesweiten „Tag des Schauspiels“ begehen. Ins Leben gerufen hat diesen erst vor drei Jahren der Bundesverband Schauspiel e.V. (ext.), der mit diesem Aktionstag auf die problematische Einkommenssituation der Schauspielerinnen und Schauspieler aufmerksam machen will: „Altersarmut – Ruhm statt Rente“.

Bei mir weckte der „Tag des Schauspiels“ Erinnerungen an die Schulzeit und an die Jahre, in denen man sich noch Gedanken um das eigene Image macht und nicht als Kulturbanause dastehen will. Bei diesen Bemühungen half mir verlässlich „Reclams Schauspielführer“. Oder der Opernführer. Oder der Konzertführer.

Vielleicht sollte man gleich zu „Reclams Musik- und Theaterkassette“ greifen, denn die beinhaltet Opernführer, Schauspielführer, Konzertführer im Schuber.  Oder weltläufiger ausgedrückt: im „slip-cased set“ (da sollte man vielleicht noch ein Englisch-Wörterbuch als Gimmick dazugeben).

Bei den Geburtstagen gibt es heute Tipp-Probleme, denn von Nobelpreisträger (1952) François Mauriac, der heute vor 137 Jahren (1885) zur Welt kam, sind aktuell gar keine deutschen Übersetzungen und auch fremdsprachige Ausgaben nur mit Lieferzeiten erhältlich. Beispielsweise „Vipers‘ Tangle“ (Das Natterngezücht“). Nobelpreisruhm ist offenkundig zumindest an den Ladentheken vergänglich.

Größer ist die Auswahl schon bei Elmore Leonhard, der am 11. Oktober 1925 zur Welt kam. Was allerdings auch leicht erklärbar ist, denn während Mauriac eine sozialkritische, katholische Literatur prägte, wählte sich Leonhard Western und Krimis als Spielwiese. Mit großem Erfolg, viele seiner Bücher wie „Rum Punch“  wurden verfilmt.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Montag, 10. Oktober: Wuff, wuff! Welthundetag

Welpen, Warrior Cats und Darwins Würmer

Dieser Montag, 10. Oktober 2022, sollte gar nicht mein Tag werden. Zum einen habe ich es noch aus dem Berufsleben nicht so mit Montagen. Zum anderen aber ist heute „Welthundetag“. Tortur für einen bekennenden Katzenfreund, der sich allzu oft über Hunde-Hinterlassenschaften aufregen muss.

„Welthundetag“ (World Dog Day) und der am 8. August anstehende Weltkatzentag haben allerdings eines gemeinsam: Alle Jahre wieder feiern Millionen Menschen die Aktionstage und vor allem ihre Lieblinge, aber niemand weiß, woher die Initialzündung dazu kam. Aber was soll’s, Hundetrainer wie der ach so telegene Martin Rütter („Hundetraining“) müssen ja auch ihr Auskommen haben.

Die Hundefreunde haben dabei erkennbar neben den Welpen auch den eigenen Nachwuchs im Blick und wecken mit „Martin Rütters Hundewimmelbuch“ die Hundeliebe. Oder, um es zugegeben gehässig zu kommentieren, damit das Kind auf den Hund kommt. Zum Glück bin ich Pazifist, ansonsten könnte man dazu neigen, die „Warrior Cats“ gegen die Hundewelt ins Feld zu schicken…

Themenwechsel: Für alle, die da Glauben, Charles Darwin habe sich „nur“ über Themen wie „Die Entstehung der Arten“ ausgelassen, sei darauf hingewiesen, dass der Brite auch weitere epochale Werke geschrieben hat. Beispielsweise veröffentlichte er am 10. Oktober 1881 ein Standradwerk über „Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer“.

Zwei Geburtstage wollen wir noch feiern. Wobei ich bei Claude Simon (10. Oktober 1913) meine literarischen Wissenslücken offenbaren muss. Ich kannte den Mann gar nicht, obwohl der als wichtiger Vertreter des „Nouveau roman“ 1985 sogar den Literaturnobelpreis erhielt. Vermutlich hätte ich Probleme mit Werken wie „Die Akazie“, denn sie sind laut Lexikon „aus einer Aneinanderreihung zahlreicher fragmentierter Handlungsstränge aufgebaut, die unvermittelt abbrechen“.  Klingt nach anstrengender Lektüre.

Damit es richtig peinlich für mich wird, gestehe ich, dass ich Nora Roberts (10. Oktober 1950) selbstverständlich kenne. Sowohl ihre „Romance-Romane“ wie auch ihre Thriller, die sie als J.D. Robb verfasst. „The Nora“ (Branchenname) bringt es auf eine Auflage von mehr als 400 Millionen Exemplare, 29 ihrer Bücher landeten auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste. Bei so vielen Romanen lohnt sich ein Paket-Angebot: „Die Blüten-Trilogie: – Rosenzauber / Lilienträume / Fliedernächte (3in1-Bundle)“. Wer weniger Herz-Schmerz und mehr Spannung will, feiert mit J.D.Robb „Eine mörderische Hochzeit“.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Sonntag, 9. Oktober: Briefschreib-Wettbewerb

Sabotage und ein irrer Indientrip

Mit ein klein wenig Verspätung kommt unser bebüchertes Kalenderblatt an diesem Sonntag, 9. Oktober 2022. Was mittelbar auf den Sabotageakt bei der Bahn und auf reiselustige Freunde zurückzuführen ist. Aber der Reihe nach…

Die erste Tasse Kaffee dampfte, auf dem Monitor ein fast leeres „Blatt“, auf dem „Sonntag, 9. Oktober“ stand, und dass auf Ideen für den Blog wartete. Dann klingelt das Telefon und Goslarer Freunde melden sich einigermaßen aufgelöst: Der gerade gestartete Indien-Trip, auf den sie sich auch in der BÜCHER-HEIMAT bei Morten Hübbes Lesung „Götter, Gurus und Gewürze“ eingestimmt hatten, schien schon auf dem Goslarer Bahnhof am großen Züge-Stillstand zu scheitern.

Aber wozu sind Freunde da – schnell ins Auto, die Freunde am Goslarer Bahnhof eingesammelt und ab zum Hamburger Flughafen. Erst unterwegs dämmerte uns angesichts der Staus, dass im hohen Norden die Herbstferien begonnen hatten. Aber wir waren rechtzeitig am Terminal 1.

Mittlerweile sollten die Beiden die erste Reiseetappe erfolgreich absolviert haben.  Und da der Freund bald Geburtstag hat, kam mir dank Morten Hübbe auch eine Geschenkidee, wie man ausfallende Züge und überfüllte Flughäfen auf dem Weg nach Indien zukünftig meidet: „Per Anhalter nach Indien“ auf dem Landweg durch die Türkei, den Iran und Pakistan.

Die Freunde im Flugzeug, da schoben wir noch einen Abstecher bei einem Sohn in Lübeck ein. Wenn schon Reisestress, dann richtig. Dem Nachwuchs bescherte der Überraschungsbesuch ein opulentes Mal in einer Osteria an der Trave – inmitten johlender Horden von „Ersties“, die ihren Start an der Uni Lübeck rund ums Holstentor feierten.

Zurück in den Harz schickte uns GoogleMaps angesichts von „Stauerpartys“ auf der A7 über Lüneburg. Gute Entscheidung, ruhiges Rollen vorbei an Heidekartoffel-Ständen. Die Chance, über die Bahn-Sabotage zu spekulieren. Wobei ich mich als Sabotage-Laie da wohl noch einlesen muss.

Naheliegend wäre Clive Cusslers Thriller „Sabotage“, in dem der Saboteur Züge und Schienenwege der Southern Pacific Railroad Company zerstört. Zugegeben, ein historischer Roman, es geht um die Eroberung des „Wilden Westens“, aber als Einstieg ins Thema Bahn-Sabotage könnte es reichen.

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, greift zu einem Werk des US Office of Strategic Services: „Das kleine Sabotage-Handbuch von 1944“. Laut Verlagswerbung wird erläutert, wie man „mit wenig Aufwand und Risiko möglichst viel Schaden anrichtet“. Derweil können sich alle, die es eher virtuell mögen, in „Little Brother – Sabotage“ auf das Grundstudium „Hackerangriff“ einstimmen.

Als Kontrast dazu noch der kurze Hinweis, dass dieser 9. Oktober auch „Weltposttag“ ist. Meinem Nachwuchs musste ich einst erklären, was Briefkästen und Briefmarken sind.  Daher bezweifele ich auch, dass sie wie Beethoven, Goethe, Napoleon, Lord Byron und Kafka mit der Hand (!!!) jemals Briefe verfassen, in denen sie sich „der Herausforderung stellen, die Liebe in Worte zu fassen“: „Liebesbriefe großer Männer“. Dabei könnte man beim Üben sogar was gewinnen, denn der Weltpostverein richtet einen Briefschreib-Wettbewerb für junge Menschen aus (ext.). Aber Liebe und Trauer ohne herzende und heulende Smileys…

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Samstag, 8. Oktober: Welttag der Buchhandlungen

„Welttag der Buchhandlungen“ Mit diesem Foto lenkte Libri im Internet die Blicke auf das Bad Harzburger Projekt „BÜCHER-HEIMAT“. (ext.)

Nr. 1-Lesestoff und einen großartigen Grantler genießen

Dieser Samstag, 8. Oktober 2022, ist „unser“ Tag. Wobei sich das „unser“ auf die BÜCHER-HEIMAT als Mitmach-Buchhandlung bezieht, denn wir haben heute den „Welttag der Buchhandlungen“ (World Bookshop Day).

Womit hoffentlich ein „Tagesordnungspunkt“ für diesen Samstag bereits feststeht: Wir sehen uns zwischen 10 und 13 Uhr in der BÜCHER-HEIMAT. Schließlich sollte ein Buchkauf an diesem besonderen Aktionstag „Pflicht“ sein. Wenn auch eine sehr erfreuliche.

Ein Vorschlag: „In 60 Buchhandlungen durch Europa“. Darin beschreibt Torsten Woywod, der den Welttag initiiert hat, seine „Reise zu den schönsten Bücherorten unseres Kontinents“. Einziger Nachteil: Das Werk ist 2016 erschienen. Was ganz sicher der einzige Grund ist, warum unsere BÜCHER-HEIMAT nicht vorkommt.

Ansonsten kann man (und werden viele) sich auf Bücher stürzen, die neu auf den Top-Platzierungen der Spiegel-Bestsellerlisten stehen. Wobei sowohl der dritte Band von Sarah Sprinz‘ „Dunbridge-Academy – Anytime“ wie auch „Die vierte Gewalt“ des Philosophen-/Sozialpsychologen-Duos Precht/Welzer gerade erst ausgeliefert werden. Wenn man sich erstmal einen Namen erschrieben (oder er-talkshowt) hat, wird das Ranking zur self-fulfilling prophecy

Wenn ich ein Buch dazu gefunden hätte, stünde aus gegebenem Anlass auch die „Hammelburger Markbeschreibung“ in dieser Empfehlungsliste. Sie datiert auf den 8. Oktober 777 und ist eine der ältesten Urkunden in althochdeutscher Sprache. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass es sich um unterhaltsame Lektüre gehandelt hätte, geht es doch um das Protokoll einer Grenzbegehung.

Der heute vor 94 Jahren, am 8. Oktober 1928, geborene Wiener Kabarettist Helmut Qualtinger war ein bissiger Grantler, aber ebenso ein genialer Vortragskünstler und Imitator, der auch als Autor und selbst international als Schauspieler von Rang („Der Name der Rose“) anerkannt war. Fettnäpfchen aber ließ er auf seinem Weg auch selten aus. Betrunken sorgte Qualtinger 1976 in der TV-Sendung „3 nach 9“ für Aufruhr, als er feststellte: „Die Deitschn san bleed“.

So umstritten er häufig war, so sehr wurde er auch verehrt. Über den Tod 1986 hinaus, er ruht in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 73). Wozu prima ein Satz von ihm passt: „In Wien mußt’ erst sterben, bevor’s dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang.“ Im Original zu hören ziemlich sicher auch auf der „Best-of-CD“.

Seine bissigen Anmerkungen sind zeitlos. „Wenn niemand weiß, was geschehen soll, sagen alle: Es muss was g’schehn!“ passt heute noch ebenso wie die simple Feststellung: „Demagogen sind Leute, die in den Wind sprechen, den sie selbst gemacht haben.“ Und da wir als Harzer in einer sehenswerten Region leben, können wir auch mit folgendem Satz etwas anfangen: „Die meisten sogenannten Sehenswürdigkeiten sind vom vielen Hinschauen ganz abgenutzt.

Mein Qualtinger-Lieblingszitat: „Es gibt kaum etwas Schöneres, als dem Schweigen eines Dummkopfes zuzuhören“  – okay, ich schweige für heute 🙂

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Freitag, 7. Oktober: Muffliger Morgen

Ein ungesehener Film und ein Ex-Staat

Draußen ist es noch dunkel. Mit dem „Aktionstag“ an diesem Freitag, 7. Oktober 2022, der auch noch in Deutschland kreiert wurde, kann ich so ganz und gar nichts anfangen.

Den bundesweiten Tag des Morgenmuffels hat ein (sie ahnen es!) Morgenmuffel initiiert. Dies geschah erst im Jahr 2015. Als „Morgenlerche“ drängt es mich zur lästernden Mutmaßung, dass der namentlich nicht genannte Schöpfer zuvor wohl alle Chancen verschlafen oder vergrantelt hat. „Klar kann ich aktiv und motiviert in den Tag starten. Nur halt nicht morgens“. Wer das brüllend komisch finden, sollte zu dem „humorvollen Geschenk mit lustigen Sprüchen für Kollegen, Morgenmuffel und andere liebe Menschen“ greifen. Das Niveau wird gehalten: „Wer einatmet muss ausatmen, wer einschläft muss ausschlafen“.

Eine Geburtsparty ist seit 32 Jahren vorüber: Heute stünde der 73. Tag der Republik an – wenn die am 7. Oktober 1949 gegründete Deutsche Demokratische Republik noch bestünde. Wie die Staatsführung sich mit all ihrer Macht in die Zukunft retten wollte, schildert „Staatsmacht am Ende“ und beleuchtet den „Militär- und Sicherheitsapparat der DDR in Krise und Umbruch 1985 bis 1990“.

Manche haben den Wagen verlacht, die meisten waren bis über beide Kotflügel verliebt: Am 7. Oktober 1948 präsentierte Pierre-Jules Boulanger, Vorstandsvorsitzender von Citroën, das von Designer Flaminio Bertoni geschaffene Modell Citroën 2CV. Die „Ente“ ist eines der erfolgreichsten Automodelle aller Zeiten, ihr Abgesang erklang erst 1990. Und bundesdeutsche Fans lesen „Citroën 2CV“, denn dabei geht es ausschließlich um „die Ente in Deutschland“.

Zum im Grunde absolut unnützen Wissen zählt sicher, dass am 7. Oktober 1920 der erste Karl-May-(Stumm-)Film uraufgeführt wurde. Der Film „Auf den Trümmern des Paradieses“ (Von Bagdad nach Stambul) gilt als verschollen. Fast möchte man sagen „zum Glück“, denn was würde das für Wokeness-Diskussionen geben…

Mit der Debatte kann ich nichts anfangen. Obwohl ich sehr sicher bin, dass mein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und Rassismus lebt. Trotz (oder gerade wegen) Karl May und Jim Knopf. Alle Bücher sind aus ihrer Zeit zu lesen und werden aus der Zeit verstanden, in der man sie liest.  Als ich versuchte, den Karl-May-Zauber wiederzubeleben, bin ich kläglich scheiterte. Seither grübele ich, was mich in jungen Jahren wohl so begeistert haben mag. Ich lebe gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus an. Was mir sinnvoller erscheint.

Karl May ist der meistgelesene Autor deutscher Sprache. Und er war unfassbar produktiv. Weswegen „Gesammelte Werke“ auch nur als e-Book möglich sind. Immerhin bekommt man damit „über 300 Titel“, inklusive alle Bestseller von Winnetou bis zum Schut. Allein „Winnetou I – III“ bringt es auf schlappe 1920 Seiten…

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Donnerstag, 6. Oktober: Turmbau geht schief

Der „Noch höher“-Drang und eine Grablegung

Nach der gestrigen GZ-Lektüre grübele ich an diesem Donnerstag, 6. Oktober 2022, immer noch, warum gefühlt auf jedem Harzer Berg ein Turm mit „Erlebnischarakter“ gebaut werden muss. Weit genug gucken kann man „dank“ des fürchterlichen Waldsterbens doch auch so von jeder Anhöhe…

Fall gerade noch irgendwer irgendwo einen Turm auf einem Harzgipfel plant, empfehle ich das Buch „Turmbau geht schief“. Es ist für Kinder ab 3 Jahren, da sollte jeder mitkommen. Und daran denken, dass die technischen Probleme vielleicht nur sinnbildlich für den „Noch höher“-Drang stehen.

Im gewissen Sinn einen weiteren Grund zu trauern, bescherte der 6. Oktober 1967. Heute vor 55 Jahren wurde ein Hippie zu Grabe getragen. Sinnbildlich. Die Aktion stand für das Ende des “Summer of Love“ und der ursprünglichen „Hippiephilosophie“, der „Werte und Wege der Liebesgeneration“.

If you’re going to San Francisco, / be sure to wear some flowers in your hair. / If you come to San Francisco, Summertime will be a love-in there.“ Wer (zumindest meiner Generation) fängt beim Lesen dieser Zeilen nicht automatisch an zu summen oder (bei mir im schlimmsten Fall) zu singen? Scott McKenzies Hippie-Hymne „San Francisco“ beherrschte 1967 die Charts. Und auch Musiker, die später als Literaten zu Weltruhm gelangten, machten ihre „Hippie“Erfahrungen wie Paulo Coelho.

Heute vor 135 Jahren (1887) wurde Le Corbusier geboren. Meine Faszination für Architektur hatte ich ja schon mal gebeichtet, der schweizerisch-französische Architekt, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner gehört ohne Frage zu den bewunderten Größen. „Le Corbusier. Béton Brut und der unbeschreibliche Raum“ schildert den „Dialog zwischen dem Realen und dem Abstrakten“. Und die Kapelle Notre-Dame du Haut, beschrieben in „Le Corbusier – Ronchamp“ zählt zu den berühmtesten ihrer Art in der Moderne. Sehr zu Recht gehören 17 von Le Corbusiers Bauten in sieben verschiedenen Ländern zum UNESCO-Welterbe.

Geburtstag hätte heute auch Thor Heyerdahl, der am 6. Oktober 1914 das Licht der Welt erblickte. Der Norweger begründete quasi die experimentelle Archäologie.  Weltbekannt wurde Heyerdahl durch seine Kon-Tiki-Expedition, mit der er bewies, dass es den präkolumbischen Indianern Südamerikas technisch möglich war, Polynesien zu besiedeln.

Gratulieren möchte ich heute auch Attila Ambrus zum 55. Geburtstag. Nicht, dass er als Autor bedeutend gewesen wäre, aber sein Wikipedia-Eintrag verleitet zum Hingucken. Beschrieben wird er als „ungarisch-rumänischer Eishockeytorwart, Pelzschmuggler, Bankräuber und Schriftsteller“. Besungen wird dies auch in „Die Ballade vom Whiskey-Räuber (engl.).

Zum Schluss noch ein Hinweis: Auch wenn es gerade mal wieder wärmer wird, ist der Herbst da. Sagen auch die Bauernregeln, die heute an Bruno von Köln erinnern: „Sankt Bruno, der Kartäuser, lässt die Fliegen in die Häuser“ – was nach Einschätzung der Altvorderen den Herbst ankündigt. Und mich um drei Ecken an eine der spannendsten Schullektüren erinnert: William Goldings „Herr der Fliegen“.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Mittwoch, 5. Oktober: Weltlehrertag

Lehrer und die Lizenz zum Töten

Wer seine Schüler das ABC gelehrt, hat eine größere Tat vollbracht als der Feldherr, der eine Schlacht geschlagen hat.“ Sagte der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz. Und gibt damit die Denkrichtung für diesen Mittwoch, 5. Oktober 2022, vor, denn es ist der „Weltlehrertag“ (World Teacher’s Day).

Ausgerufen hat den bereits 1994 die UNESCO und forderte damit angesichts der „besonderen Verantwortung der Lehrerschaft für Erziehung und Ausbildung (…) eine angemessene Ausbildung, Sicherung der kontinuierlichen, fachlichen Weiterbildung sowie den Schutz der Lehrerrechte“. Zumal, wie wir nicht erst seit Altbundeskanzler Schröders „Faule Säcke“-Titulierung wissen, das Ansehen des Berufsstandes sinkt.

Ich persönlich würde ja mitfeiern – trotz aller Erinnerungen an die Schulzeit. Mit geht es da ein wenig wie Bestsellerautor und „Lehrerkind“ Bastian Bielendorfer. Irgendwie lässt einen die Schule nicht so wirklich los. Andererseits weiß ich nicht, ob ich Leibniz‘ überschwängliche Einschätzung teilen soll. Das Genie glaubte schließlich auch an die Existenz des Einhorns und suchte 1703 in der Einhornhöhle Scharzfeld ernsthaft nach den Überresten des Fabeltieres. „Woher unsere Fabeltiere kommen“, könnte er heute nachlesen: „Einhorn, Phönix, Drache“.

Ein anderes „Fabelwesen“ kann einen runden Geburtstag feiern. Heute vor 60 Jahren hatte mit „Dr. No“ der erste Film der James-Bond-Reihe nach den Romanen von Ian Fleming in Großbritannien Premiere. Hauptdarsteller war Sean Connery (engl.), erstes „Bond-Girl“ Ursula Andress. Und einen besseren 007 hat es meiner Meinung nach nie mehr gegeben. „Dr. No“ ist übrigens zwar der erste Bond-Film, war aber der sechste Roman. Als Ian Fleming das erste Mal zur Feder griff, war „Casino Royale“ das Ergebnis.

Heute vor 130 Jahren (1892) segneten einige der bekanntesten Gangster des Wilden Westens das Zeitliche: Die Dalton-Brüder werden beim Versuch, in Coffeyville im US-Bundesstaat Kansas zwei Banken zu überfallen, von gestellt und in eine Schießerei verwickelt. Vier der fünf Banditen sterben, der überlebende wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Jüngeren Generationen sind die Herren eher als tumbe Gegenspieler von Lucky Luke ein Begriff.

Eine Kulturrevolution brachte der 5. Oktober ohne Frage im Jahr 1969: An diesem denkwürdigen Tag für alle Freunde des britischen Humors strahlte BBC One die erste Folge von „Monty Python’s Flying Circus“ der britischen Komikertruppe Monty Python aus. „Ich meine, was hast du schon zu verlieren, du weißt, du kommst aus dem Nichts und du gehst wieder ins Nichts zurück. Was hast du also verloren? Nichts!“ (Das Leben des Brian).

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Dienstag, 4. Oktober: „Kanelbullens dag“

Mit Volldampf ins Zimtschnecken-Paradies

Der „Tag der Zimtschnecke“ ist dieser Dienstag, 4. Oktober 2022. Zugegeben, es ist ein schwedischer Aktionstag und heißt dort Kanelbullens dag (ext.). Aber für süße Leckereien bin ich immer und überall zu haben.

Gleichzeitig aber trieb mich die Sorge um, es könnte zu Zimtschnecken zu wenig Buchempfehlungen geben – so kann man sich täuschen. Und die Buchtitel fördern durchaus merkwürdige Mahl-Zeiten und Kombinationen zutage. „Zimtschnecken zum Frühstück“ ist da noch die mildeste Variante, die ich mir auch gut vorstellen kann.

Da die „Zimtschneckenliebe“ durch den Magen geht, fehlt es selbstverständlich nicht an Rezeptbüchern. Sogar für Kinder. An den Nachwuchs richtet sich das „Bibelkochbuch“ mit dem verheißungsvollen Titel „Von Falafel bis Zimtschnecke“.

Wobei Kids vielleicht eher „In der Küche mit Pettersson und Findus“ sein wollen, das populäre Duo bietet „neue Lieblingsrezepte für Fleischklößchen, Gemüsetaler, Zimtschnecken und Co.“. Vom Titel her vielversprechend, letztlich aber Etikettenschwindel ist „Jon und die vierte Zimtschnecke“. Statt um Süßes im Überfluss geht es darum, Kinder auf ein Geschwisterchen vorzubereiten…

Geschmacksverirrungen verheißen Bücher wie „Zimtschnecke trifft Currywurst“. Wobei es auch eher um „Alltagsgeschichten aus Kopenhagen und Berlin“ geht. Ohnehin scheinen Zimtschnecken literarisch eher in Dänemark beheimatet. „Blutwurst und Zimtschnecken“ wurde als bester dänischer Krimi des Jahres 2016 gefeiert. Hauptsache ist aber, das man „Das Zimtschneckenfiasko“ vermeiden kann – vielleicht durch die Lektüre der laut Verlagswerbung „rabenschwarzen Kriminalkomödie mit tödlicher Zuckerglasur“.

Stillvergnügt über Zimtschneckenbüchern vor mich hinwässernd, habe ich mein übliches Buchkontingent schon ausgeschöpft. Aber an zwei Volldampf-Eisenbahnthemen kann ich heute aber nicht vorbei. Am 4. Oktober 1883 begann die offizielle Einweihungsfahrt des Orient-Express im Pariser Bahnhof Gare de l’Est. Noch ohne „Mord im Orientexpress“.

Und 15 Jahre später, am 4. Oktober 1898, erreichte die erste Brockenbahn auf der behördlich abgenommenen Reststrecke ihre Endstation auf dem Brocken in 1.125 Meter Höhe. An den verschiedenen Wandkalendern rund um die Harzer Schmalspurbahn können sich Fans gar nicht satt sehen.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Montag, 3. Oktober: Einheit und Kürbisse

Es gruselt mich vor Halloween

Ein langes Wochenende geht an diesem Montag, 3. Oktober 2022, zu Ende, Bad Harzburg war in Feierlaune rund um Kastanien und Kürbisse – nur das Wetter spielte nicht so wirklich mit.

Der 3. Oktober ist vor allem aber der „Tag der deutschen Einheit“, den wir nun schon zum 32. Mal begehen. In „Der lange Weg nach Westen – Deutsche Geschichte I und II“ beschreibt der renommierte Historiker Heinrich August Winkler die Zeiten „vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik und vom ‚Dritten Reich‘ bis zur Wiedervereinigung“.

Der „Tag der deutschen Einheit“ ist auch ein Datum, an den „Kanzler der Einheit“ zu erinnern. Man mag zu Helmut Kohl stehen wie man will. Seine Erinnerungen „Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung“ beschreiben eine der spannendsten und bewegendsten Abschnitte deutscher Geschichte.

Von Kohl zu Kürbis wäre jetzt eine despektierliche Überleitung – de facto aber trifft es sich so: Heute besteht die letzte Chance, beim Kürbisfest auf dem Buritz-Hof in Westerode mitzufeiern und sich mit einem ordentlichen Kürbisvorrat einzudecken. Ich kenne eigentlich nur Kürbissuppe, aber die Zahl der Kürbiskochbücher ist nahezu Legion. „Kürbis – Harte Schale, gesunder Kern“ ist ein Buch betitelt, dass Kürbisgerichte „von pikant bis süß: Backen mit Kürbis I Kürbissalate I Kürbis als Hauptgericht I vegetarische Rezepte I Kürbissuppen I Kürbisgerichte mit Fleisch“ verspricht.

Für nicht wenige Zeitgenossen ist der Kürbis allerdings eher ein Utensil, dass zu Halloween (31. Oktober) benötigt wird. Wer sich darauf vorbereiten will: „Mein gruseliges Halloween-Bastelbuch – Über 30 schaurig-schöne Projekte für die ganze Familie“. Angepriesen werden „Blattgespenster, Kürbis-Lollis, Spinnen-Pancakes, Mumien-Finger, Grusel-Schleim und vieles mehr.“

Ich trauere ja weiter über den Niedergang des Martinsfestes (11. November), der sich parallel zum Halloween-Boom abspielt. Wer das seinen Kindern nahebringen will, findet in „Sankt Martin“ ausgestanzte Spielfiguren zum Spielen und Erzählen. Und wer mit  rabimmel, rabammel, rabumm beim Laternegehen dabei sein möchte, erhält Anregungen in „Laternen basteln mit Kindern“.

Ein Thema, von dem ich nichts verstehe, dass mich aber seit jeher fasziniert, ist die Architektur, vor allem moderne Baukunst. Heute ist der „Internationale Tag der Architektur“ (ext. / World Day of Architecture). In Deutschland stehen die Architekten (Architektenkammer Niedersachsen, ext.) bereits im Juni im Fokus. Obacht! Auf beiden Websites habe ich mich schnell verloren…

Wer es systematischer angehen will, studiert „Moderne Architektur A-Z“. Mit fast 300 Einträgen soll dieses Lexikon der Baukunst einen „unverzichtbaren Überblick über die Schlüsselfiguren bei der Erschaffung moderner Bauformen“ bieten. Es geht aber auch spielerisch. „Irre Bauten I Crazy Buildings“ ist ein Memo mit 36 spektakulären Motiven moderner Architektur und sicher ein ideales Geschenk für Architektur-Freaks.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Sonntag, 2. Oktober: Ein Tag für Globetrotter

Mir großartigen Erntekronen schmückte der Landfrauenverein oft wie hier im Jahr 1983 Rathaus und den Erntedankbasar in der Bummelallee. Heute steht in der Stadt wieder das Kastanienfest an, von 11 bis 18 Uhr sind die Geschäfte geöffnet. In Westerode auf dem Buritz-Hof wird das Kürbisfest gefeiert. Foto: Ahrens-Archiv/Bad Harzburg-Stiftung.

Dank und ein Blick zurück in die Zukunft

Dieser Sonntag, 2. Oktober 2022, wäre ein guter Tag, um hurtig auf eine Weltreise zu gehen. Aber nicht bummeln: Einmal rund um den Globus in nicht mehr als 80 Tagen.

Spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, wer und was meine Gedanken auf Weltreise schickte. Heute vor 150 Jahren, am 2. Oktober 1872, wurde laut Jules Verne die meistgelesene Wette aller Zeiten abgeschlossen: Die „Reise um die Erde in 80 Tagen“. Genau deshalb steht heute der „Internationale Tag der Phileas Fogg-Wette“ (International Phileas Fogg Wager Day) im Kalender. Den Roman veröffentlichte Jules Verne allerdings erst ein Vierteljahr später, am 30. Januar 1873.

Als großer Jules-Verne-Fan habe ich seine berühmten Romane wie „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „20.000 Meilen unter dem Meer“, und eben die „Reise um die Erde in 80 Tagen“ im Bücherregal. Wer das Werk des (Mit-)Begründers der Science-Fiction-Literatur erst für sich entdecken will, kann (zukunftweisend als e-Book) zu „Jules Verne – Gesammelte Werke“ greifen.

Heute ist allerdings weniger ein Tag für Sci-Fi, als vielmehr auch für den dankenden Rückblick: In den Kirchen wird das Erntedankfest gefeiert. Das steht in Deutschland immer am ersten Sonntag im Oktober an. Mehr dazu bieten die „Arbeitshilfen für die Gestaltung von Gottesdiensten“: „GottesdienstPraxis: Erntedankfest / Reformationsfest“.

In unterschiedlichen Ausformungen wird Erntedank in vielen Ländern der Welt gefeiert, am berühmtesten dürfte der amerikanische Thanksgiving Day sein, bei dem traditionell ein Truthahn verspeist wird. Wer es kulinarisch lieber europäisch hat: „Das große Festtags-Backbuch – 70 Rezepte für die besonderen Momente“ hat neben so mehr oder minder bedeutsamen Lebenswegemarken wie „Geburtstag, Hochzeit, (…) Junggesellinnenabschied, Polterabend“ eben auch Erntedank auf dem Zettel.

Und da es mittlerweile zu jedem Fleckchen Erde rund um den Globus und zu jeder Gelegenheit den passenden Krimi gibt, macht da Erntedank keine Ausnahme. Bestseller-Kommissar Kluftinger hatte schon in seinem zweiten Fall mit „Erntedank“ zu tun.

Ein Geschenk wurde der Welt am 2. Oktober 1950 gemacht. Vor 72 Jahren erschien der erste Comic-Strip der „Peanuts“. Am 29. November steht nun ein besonderer Tag an: „Der Schöpfer der Peanuts – Zum 100. Geburtstag von Charles M. Schulz“. Den biografischen Prachtband gibt es erst zu Schulz‘ Geburtstag. Er kann vorbestellt werden. Und wer bis dahin nun gar nicht mehr ohne auskommt, kann den „ultimativen Sammelband mit Geschichten um Snoopy und seine Freunde“ wählen: „Peanuts!“

Noch eine Premiere, die meinen jugendlichen Medienkonsum prägte: Am 2. Oktober 1965 wurde im britischen Fernsehen wird mit „Town of no return“ die Folge von The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone) ausgestrahlt, in der erstmals Diana Rigg als „Emma Peel“, der Partnerin des Geheimagenten „John Steed“ (Patrick Macnee), auftritt.  Dazu passt „Mrs. Peel, wir werden gebraucht!“, das Buch zur Serie.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —