Sonntag, 30. Oktober: Winterzeitig

Über Eselsbrücken in die Normalzeit

Es ist Sonntag, 30. Oktober 2022, und an diesem Datum kann es nur eines geben. Ein Thema: Zeitumstellung. Auch wenn der Sommer gerade mit Macht über uns hereinbricht, beginnt heute die Winterzeit. Um 3 Uhr wurde die Uhr um eine Stunde zurück auf 2 Uhr gestellt.

Wer in dem Punkt zweifelt, weil man sich nie merken kann, wohin wann welcher Uhrzeiger gehört, für den haben wir eine gute Eselsbrücke: „Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel vor die Tür. Im Herbst stellt man sie zurück in den Schuppen.“

Wir wollen jetzt gar nicht hinterfragen, was aus der EU-Ankündigung von 2018 geworden ist, die Zeitumstellung abzuschaffen. Geschenkt. Und dass die Winterzeit (die unsere Normalzeit ist) dunkler daherkommt, hat eher wenig mit EU-Verordnungen, sondern schlicht mit den Jahreszeiten zu tun. Das passende Buch könnte da „Wenn’s draußen finster wird“ sein. Bräuche und Legenden sowie Rezepte für die Winterzeit.

Ohnehin scheint die Liebe durch den Winter vermehrt durch den Magen zu gehen. „Backen in der Winterzeit“ wird in vielen Varianten angeboten, das Ganze in unserem Beispielbuch auch noch „einfach, liebevoll, natürlich“. Und während wir warten, dass der Kuchen aus dem Backofen abkühlt, können wir uns die Zeit mit „Spiel und Spaß zur Winterzeit“ vertreiben.

Und wir sind heute natürlich wieder mit Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Wobei wir die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr ja eigentlich doppelt bekommen. Also müssten wir eher von der gewonnenen Zeit sprechen. Die allerdings geht zumindest mir dadurch wieder veloren, dass ich grübele, wie manche Uhren an Öfen oder in Autos zu verstellen sind.

Da mir zudem auffiel, dass ich Marcel Proust zwei Mal im Jahr zur Zeitumstellung bemühe, soll es diesmal etwas Neues geben. Ganz ohne das große Proust-Werk geht es nicht, aber Nicolas Mahlers Comic „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist „keine Kurzversion von Prousts monumentalem Oeuvre, sondern eine überraschend komische Bilderzählung, respektlos und zugleich doch voll und ganz durchzogen vom Proust’schen Geist“.

An dieser Stelle ist eine Entschuldigung meinerseits fällig, habe ich doch am Freitag gehörig zur Zeit-Verwirrung beigetragen. Auf Reisen wurde der Blog vom 29. Oktober vorgeschrieben – und prompt schon am 28. Oktober versandt…

Gegen solche Pannen können uns auch die besten „Eselsbrücken“ nicht schützen. Gleichwohl möchte ich als Fan der herrlichen Merksätze nicht versäumen, weiter für sie zu werben. Denn ohne hätte ich eine Keilerei im Jahre 333 ebenso schon vergessen wie das 753 aus dem Ei schlüpfende Rom oder dass dämlich ist, wer nämlich mit h schreibt. Von der Zeitumstellung ganz zu schweigen.

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Samstag, 29. Oktober: Déjà-vu

Einen großartigen „Don Giovanni“ aus der Wiener Staatsoper bietet derzeit 3sat im Stream. Foto: Wiener Staatsoper

Von Katzenmusik zu großer Klassik

Dieser Samstag, 29. Oktober 2022, begann mit einem Déjà-vu: Heute ist „Tag der Katze“ in den Vereinigten Staaten (National Cat Day). Hatten wir den nicht gerade erst? Am Donnerstag war in England der „Tag der schwarzen Katze“. Auf leisen Samtpfoten haben die Tiere ein enormes Aktionstag-Reservoir gebildet.

Es gibt einen eigenen Katzen-Kalender, der stolze 18 Aktionstage aufweist. Was mit der Tatsache korrespondiert, dass das Suchwort Katzen sage und schreibe 8886 Fundstellen im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT liefert. Die „Katzen-Clicker-Box“ hat es sogar in die Spiegel-Bestsellerliste geschafft.

Das „Clickertraining“ soll eine Möglichkeit sein, mit der Katze „präzise und ohne Missverständnisse zu kommunizieren und neue Verhaltensweisen zu trainieren“. Nun ja, ich kommuniziere schon jetzt präzise mit unserem Haustiger. Wenn sie sich meldet, will sie etwas. Meist mehr im Futternapf. Und mit „Training“ muss ich ihr ganz sicher erst gar nicht kommen.

Während ich also darüber nachsinne, ob ich enorme 74,99 Euro für „Kätzchen 2023“ (Premium, hochwertiger DIN A2 Wandkalender 2023, Kunstdruck in Hochglanz) als Basis für eine Art Altarecke investieren soll, lässt mich der Katzenkalender nicht los. „Weltkatzentag“ (8. August) sollte doch eigentlich reichen.

Aber nein, vor allem nicht in USA. Es geht schon mit „Katzen-Neujahr“ (2. Januar) los. Und nur 20 Tage später kommen so sinnvolle Kreationen wie der „Beantworte-die-Fragen-Deiner-Katze-Tag“. Miau.  Dann schon lieber „Neko no hi“, der Katzentag in Japan am 22. Februar. Unbestritten etwas fürs Herz ist der US-„Tag der süßen Katzenbabys“ (23. März). Dagegen habe ich mit dem „Respektiere-Deine-Katze-Tag“ (28. März) Probleme. Schließlich respektiert sie mich auch nicht.

Schwieriger Übergang, ich versuche es mit der Klassifizierung „keine Katzenmusik“: Meine absolute Lieblingsoper „Don Giovanni“ (Textbuch) wurde heute vor 235 Jahren (1787) uraufgeführt. Das Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte zählt zu den Meisterwerken der Gattung. Und das Don-Juan-Thema wurde laut Lexikon dadurch zum Archetypus, mit dem beispielsweise E. T. A. Hoffmann („Don Juan“) und Søren Kierkegaard („Tagebuch des Verführers“) neu auseinandersetzten.

Prägend in seiner Zeit und auf seine Art war auch das Musical „Hair“ (Textbuch) von Galt MacDermot (Musik), Gerome Ragni und James Rado (Text), das heute vor 55 Jahren (1967) uraufgeführt wurde. Und prägend war (nicht allein für mich) auch ein Held, der am 29. Oktober 1959 in Frankreich das Licht der Welt erblickte: In der Erstausgabe des Comic-Magazins „Pilote“ erschien die erste Folge von „Astérix le Gaulois“  („Asterix der Gallier“).

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Freitag, 28. Oktober: Unnützes Wissen

Der Tramper-Daumen und ein kurzer „Ring“

„In der Kürze liegt die Würze.“ Der Gedanke an die Volksweisheit liegt an diesem Freitag, 28. Oktober 2022, nahe: Heute vor 30 Jahren (1992) wurde Loriots „Der Ring an einem Abend“ (Hörbuch/CD/MP3)  am Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt.

Richard Wagner verfolgte eher den üppigen Ansatz. Er hat den „Ring“ als „Bühnenfestspiel für drei Tage und einen Vorabend konzipiert“. Damit kommt man auf satte 16 Stunden. Loriots konzertante Aufführung nimmt Rücksicht auf das geistige Stehvermögen und das Sitzfleisch der Wagner-Fans, er absolviert den musikalischen Parforceritt in 148 Minuten.

„Geburtstag“ feiert heute eine der berühmtesten Frauen der Welt. „Lady Liberty“, die 92 Meter hohe Freiheitsstatue in New York, ein Geschenk des französischen Volks, wurde am 28. Oktober 1886 eingeweiht. Tatsachen wie „Die Freiheitsstatue hat Schuhgröße 1200“ interessieren aber vermutlich nur Fans der „neuen Dosis unnützen Wissens“.

Zu denen gehöre ich unbedingt. Ich liebe es, mit absurden Wissensbröckchen um mich zu schmeißen. Das Buch liefert laut Verlagswerbung grundlegende Erkenntnisse: Männliche Fruchtfliegen betrinken sich mit Alkohol, wenn sie keinen Sex bekommen (was meiner Erafhrung nach nicht allein für Fruchtfliegenmännchen gilt). Der Vollmond ist neunmal so hell wie der Halbmond. Das russische Pendant zu Max Mustermann heißt Iwan Iwanowitsch Iwanov. Gut zu wissen!????

Mein Lieblingsautor Ernest Hemingway erhielt am 28. Oktober 1954 den Nobelpreis für Literatur, wobei die Jury explizit auf „Der alte Mann und das Meer“  verwies. Die Erzählung hatte Hemingway 1953 bereits den Pulitzer-Preis beschert.

Heute vor 153 Jahren (1869) veröffentlichte Dmitri Iwanowitsch Mendelejew das Periodensystem der Elemente. In Chemie halfen mir in der Schule selbst Bücher nicht, die wie „Das Periodensystem“ anpriesen, es würden „118 chemische Elemente einfach erklärt“. Dürften Handys mit zu Klassenarbeiten, könnten mich heute eBooks wie „Chemie – die Elemente des Periodensystems“ retten. Ich versuchte es noch mit Mini-Ausgaben. Wobei bei der „Periodensystem pocketcard“ leider nicht vermerkt ist, wie groß die Tasche sein muss…

Falls irgendwer heute noch verreisen will: Wir begehen den „Internationaler Tag der Mitfahrgelegenheit“ (International Ride Sharing Day). Funktioniert heutzutage alles online mit BlaBlaCar & Co., aber das gute alte Trampen mit dem Daumen im Wind hält sich offenkundig wacker. Dazu muss man nicht mal „Per Anhalter durch die Galaxis“. Fans der BÜCHER-HEIMAT wissen seit der Lesung von Morten Hübbe, wie es ist, zwei Jahre per Anhalter durch Indien zu touren: „Götter, Gurus und Gewürze“.

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Donnerstag, 27. Oktober: Schwarze Katzen

Ist der Ruf erst ruiniert…

Endspurt! Dieser Donnerstag, 27. Oktober 2022, ist der 300. Tag des Jahres, das folgerichtig in 65 Tagen vorüber sein wird. Abergläubische Zeitgenossen sollten sich heute vorsehen, wenngleich der „Tag der schwarzen Katze“ (National Black Cat Day) nur in Großbritannien im Kalender steht.

Der Aktionstag geht auf eine Initiative der Tierschutzorganisation Cats Protection (ext.) zurück. Damit soll aber nicht vor vermeintlichen Unglücksbringern gewarnt werden. Im Gegenteil. Die Organisation macht auf die niedrigen Adoptionsquoten von schwarzen Katzen aus Tierheimen aufmerksam und wirbt um „Adoptiveltern“. Die sollten zuvor aber Bücher wie Edgar Allan Poes „Die schwarze Katze“  meiden. Da beginnt der Weg der Hauptperson zum Galgen mit einer schwarzen Katze…

Generell spielen Katzen im Aberglauben ein große (und keineswegs immer üble) Rolle. So galten dreifarbige Katzen als Feuerschutz. Außerdem legten die Besatzungen großer Segelschiffe Wert auf eine Katze als Glücksbringer (und Nagervertilger) an Bord. Selbst die schwarze Katze, die den Weg kreuzt, wird bisweilen als gutes Omen angesehen, solange sie nicht von links kam.

„Schwarze Katzen“  werden aber meist dennoch mit Unheil in Verbindung gebracht, weswegen sie häufig auch für Krimititel wie bei Felicitas Mayalls „Laura Gottbergs neunter Fall“ herhalten müssen. Nur am Rande sei an unsere schwarze Katze erinnert. Die hatte offenkundig Wilhelm Busch gelesen: „Ist der Ruf erst ruiniert…“.

Was sonst noch alles an einem 27. Oktober passierte? Nun, heute vor 230 Jahren (1792) wurden die beiden wegen der „Meuterei auf der Bounty“ (DVD) zum Tode verurteilten britischen Seeoffiziere Peter Heywood und James Morrison durch Königlichen Gnadenerlass freigelassen.

Heute vor 121 Jahren (1901) machten sich böse Buben den Fortschritt zunutze: In Paris ging der erste Raub über die Bühne, bei dem ein Auto zur Flucht benutzt wird. Wobei der Wagen eher als Lastenkarre diente, denn überfallen wurde keine Bank, sondern eine Werkstatt. Die Beute: Kupferscheinwerfer, Laternen, Bohrer und Zündkerzen im Wert von 1500 Franc. Wer mehr Fluchtwagenfahrern mitzittern will, liest (oder sieht) den Roman „Driver“ von James Sallis, verfilmt mit Ryan Gosling als wortkargem Chauffeur. Oder „Baby Driver“ mit Ansel Elgort als coolem Fluchtwagenfahrer.

Zum 70. Geburtstag gratulieren wir heute dem italienischen Schauspieler und Filmregisseur Roberto Benigni, der mit „Das Leben ist schön“ ein großartiges Meisterwerk ablieferte.Auch ohne „Nuller“ sei besonders herzlich John Cleese gratuliert, derlegendäre Monty Python-Komiker feiert sein 83. Wiegenfest. Lesenswert ist seine Autobiografie „Wo war ich noch mal?“. Und wer ihm schwarzhumorig-skurril nacheifern will, kann in einer Anleitung des Meisters schmökern: „Kreativ sein und anders denken“.

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Mittwoch, 26. Oktober: Weihnachtliches Win-Win

Bei schwindendem Tageslicht betrachtet

Ich bin bei den Weihnachts-Alarmen aus dem Takt gekommen: An diesem Mittwoch, 26. Oktober 2022, sind es nur noch 59 Tage bis Heiligabend (66 bis Silvester). Der Geschenkedruck steigt – und ich empfehle weiter Bücher, Filme, Spiele, die es alle in der BÜCHER-HEIMAT (auch online) gibt.

Nach dem Fauxpas habe ich mir eine Tabelle angelegt, um tatsächlich in Zehnerschritten vor dem nahenden Fest zu warnen. Schließlich will ich mir nicht vorwerfen müssen, wenn irgendjemand leer ausgeht. Wer nicht shoppen gehen will und weil Liebe bekanntlich durch den Magen geht, kann auch „Die schönsten Geschenke aus der Küche“ zaubern. Oder gleich das edle Rezeptbuchmit Naturpapier und Folienprägung in Gold“ verschenken.

Der Vorteil bei solchen Geschenken ist ohne Frage, dass der Schenkende gegebenenfalls die Kochergebnisse selbst mitgenießen kann. Eine weihnachtliche Win-Win-Situation. Wer darauf setzt, sollte nicht auf den Preis schauen und auf „Mini-Geschenke aus der Küche“ ausweichen. Schließlich darf es Weihnachten ruhig mal ein wenig mehr sein.

Deutlich weniger wird es bis zum Weihnachtsfest noch mit dem Tageslicht. Heute geht die Sonne nach 8.00 Uhr auf (8:02 Uhr) und schon um Punkt 18:00 Uhr unter. Macht nach Adam Riese eine lichte Tageslänge von 9:58 Stunden. Das absolute Minimum erreichen wir mit 7:44 Stunden Tageslicht erst vom 19. bis 24. Dezember, danach geht’s wieder aufwärts.

Wenn die Abende früher hereinbrechen und die Nächste lange dauern, lese ich vorzugsweise Krimis wie Håkan Nessers „Am Abend des Mordes“. Vermutlich, weil ich schon als Kind mit Dunkelheit nicht gut klarkam und der Nervenkitzel so auf natürlich Weise gesteigert wird. Passen können aber auch nachdenkliche Romane wie „Die langen Abende“ von Pulitzerpreisträgerin und Bestsellerautorin Elizabeth Strout, die „von Liebe und Verlust erzählt, vom Altern und der Einsamkeit, von Momenten des Glücks und des Staunens“.

Trauriges Jubiläum für Fans der guten alten Eisenbahnzeit: Heute vor 45 Jahren verabschiedete sich die Deutsche Bundesbahn von Dampfloks. Der letzte reguläre Einsatz endete für die Dampflok 043 903 um 16.04 Uhr am 26. Oktober 1977. Elf Jahre längern bis zum 20. Oktober 1988, waren die schnaufenden Stahlrösser für die Deutschen Reichsbahn in der DDR unterwegs. Da helfen nur noch Erinnerungen an „Die schönsten Dampfloks“, zu bestaunen auf rund „400 größtenteils farbigen Bildern“.

Noch etwas Werbung für ein grandioses Werk: Am 26. Oktober 1984 kam der Film „Amadeus“ von Miloš Forman in die deutschen Kinos. Und die Verfilmung des in London und am Broadway gefeierten Bühnenstücks von Sir Peter Shaffer wurde auch auf der Leinwand zum Super-Erfolg. Bei der Oscar-Verleihung 1985 erhielt „Amadeus“ acht Auszeichnungen.

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Monika Runge über „Schnee“

Monika Runge über „Schnee“

Yrsa Sigurdardottir:

Schnee

Fünf fast unbekleidete Tote werden im Gebirge gefunden. Ein Haus wird verkauft; die neuen Eigentümer geben etwas später noch gefundene Sachen an die Verkäufer (zwei Brüder, die es geerbt hatten): Ein Karton mit Bildern und ein einzelner Kinderschuh.

Geschehnisse und Personen, die erstmal nichts miteinander zu tun haben, verketten sich. Personen hören Stimmen und sehen Erscheinungen, spüren sie körperlich. Einen Schuldigen
für die Toten gibt es am Schluss; ein Mörder? Sehr empfehlenswert.

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Yrsa Sigurdardottir: „Schnee“, Btb, 345 Seiten, ISBN 9783442759521, Preis: 17,00 Euro.


Dienstag, 25. Oktober: Spontanes zur Spontanvegetation

Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung

Der „Doppelwumms“ lässt mich auch an diesem Dienstag, 25. Oktober 2022, nicht los. Wer mit lautmalerischen Fantasieworten nichts anfangen kann, ist vielleicht empfänglich für Beamtendeutsch – man sollte aber „Langenscheidt Deutsch auf dem Amt – Mit Erklärungen in einfacher Sprache“ dabei haben. Das richtet sich zwar vor allem, aber beileibe nicht allein an Migranten.

Zur „Doppelwumms“-Finanzierung gehört auch, dass der Beamtenapparat in Berlin vor sich hin fröstelt. Nur heißt das Herunterdrehen der Heizungen im Bundeswirtschaftsministerium dann nicht „Doppelbibber“, sondern schlicht „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“.

Zum Glück gibt es ja die einleuchtende Kurzbezeichnung: „EnSikuMaV“ (Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen). Werden solche sprachlichen Ungeheuer entfesselt, empfiehlt sich ein „kleiner Übersetzungshelfer für Beamtendeutsch“. Der liegt als eBook vor, sodass man ihn im Handy immer parat hat und nachschauen kann, dass „Raumübergreifendes Großgrün“  ein Baum ist.

Wer mehr dazu will, sollte nicht zu „Poesie aus der Amtsstube“  greifen, denn dabei handelt es sich um einen „Versuch, chinesische Lyrik zu entzaubern“. Und „Verwaltung verstehen“ ist kein weiteres Wörterbuch, sondern eine „theoriegeschichtliche Einführung“ ins Handeln eben dieser Verwaltungen. „Klug, witzig und optimistisch“ soll laut Verlagswerbung ausgerechnet ein „Buch zu Europa“ sein – wo doch für viele die EU das „Bürokratiemonster“ schlechthin ist: „Der diskrete Charme der Bürokratie“ aber verspricht „gute Nachrichten aus Europa“.

Während ich dies schreibe, beobachte ich die Restmüllbeseitigungsbehälterentleerung (vulgo: Müllabfuhr). Leider behindert eine nicht lebende Einfriedung (Zaun) meine Sicht. Derweil freue ich mich über die abflusswirksamen Flächen (Rasen) und den Grüngutsammelplatz (Kompost) in meinem Vorgarten, in den es gerade wegen atmosphärischer Einwirkungen (Wetter)
aus meiner defekten Grundstücksentwässerungsanlage (Regenrinne) tropft. Nur die Spontanvegetation (Unkraut) stört das Bild ein wenig.

Später werde ich von Bagatellgastronomie (der Kaffee im netten Friseursalon) profitieren. Wobei ich noch nicht weiß, ob ich Gelegenheitsverkehr (Taxi) nutze, denn dann hat der Taxifahrer es im Zweifel mit feindlichem Grün (Fehlschaltung bei Ampeln) zu tun. Aber im Gegensatz zu Verhaltens-, Zustands-, Handlungs- und Mitstörern, die das öffentliche Recht kennt, bin ich ein Nichtstörer. Und auf dem Rückweg werde ich vor der Totvermarktung (Auslage beim Fleischer) gierig wässern.

Wer mag, kann sich von diesem Block Mehrstücke (Kopien) fertigen. Oder wie ich den Kopf über einen Amtsstuben-Ausdruck schütteln, der es immerhin zum Unwort des Jahres 1997 gebracht hat: Kommt ein Kind in eine Pflegefamilie, wurde eine Beelterung realisiert…

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Montag, 24. Oktober: Tag der Bibliotheken

Scharfer Tag für Bibliotheken

Keine Sorge, wenn ich das Wort „Zeitenwende“ in den Mund nehme, folgt nicht zwangsläufig ein „Doppelwumms“. Vor allem, weil ich Zeitenwende im eher alltäglichen Sinn nutze: An diesem Montag, 24. Oktober 2022, hat die letzte Woche der Sommerzeit begonnen.

Nachdem wir gestern beinahe der göttlichen Schöpfung ein Ständchen gebracht hätten, sind wir heute wirklich gefordert: Allerdings sollten wir eher uns zu unserer großartigen Bad Harzburger Stadtbücherei (ext.) mit dem tollen Team um Detlef Linke gratulieren. Heute ist der „Tag der Bibliotheken“.

Das Datum ist aus gutem Grund gewählt, denn am 24. Oktober 1828 gründeten der Rentamtmann Karl Preusker und der Arzt Emil Reiniger im sächsischen Hayn die Vaterländische Bürger-Bibliothek als Schulbibliothek für Lehrer, Schüler und den „gewerblichen Bürgerstand“. Die Karl-Preusker-Bücherei ist damit die erste öffentliche Bibliothek Deutschlands.

Der Tag der Bibliotheken wurde in Deutschland am 24. Oktober 1995 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Richard von Weizsäckers ausgerufen. Dabei soll nicht allein auf die  „Geschichte der abendländischen Bibliotheken“ eingegangen werden. Es geht vielmehr darum, die besondere Rolle der Büchereien „als Wissensspeicher, Informationsvermittler und kulturelle Einrichtung“ zu würdigen.

Ausgeträumt hatte ich einen meiner großen Wunschträume am 24. Oktober 2003, als das Überschallflugzeug Concorde zu seinem letzten kommerziellen Flug von New York nach London startete. Ich habe zwar eine gewisse Angst vorm Fliegen, aber „Die Legendäre Concorde“ (zweisprachig deutsch/englisch) faszinierte mich stets. In gut drei Stunden mit maximal Mach 2,23 (2405 km/h) über den Atlantik. Leider waren die Ticketpreise ebenso phänomenal…

Zur Abwechslung mal ein ganz scharfes Finale: Heute ist der „Welttag der Gewürze“ (World Spice Day). Trotz aller aktueller Schlagzeilen um Alfons Schuhbeck und Steuerhinterziehung lohnt sich dazu ein Blick in „Schuhbecks Welt der Kräuter und Gewürze“. Während des Starkochs Welt vorerst das Gefängnis sein könnte. Ich habe derweil ganz andere Probleme.  Gerade was Schärfe angeht, überschätze ich als Fan indischer Küche gern die Widerstandsfähigkeit meiner Geschmacksknospen. Feurio!

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Sonntag, 23. Oktober: Verpasste Party

„Liebhaberbibliothek für eine Leser-Elite“. Die „Bibliothek Suhrkamp“. Foto: Screenshot

Saugeile Dinos und der Anfang der Welt

Happy Birthday, liebe Welt…“ – eigentlich ist das Geburtstagsständchen am heutigen Sonntag, 23. Oktober 2022, gar nicht angebracht. Obwohl Bischof James Ussher errechnet hat, dass Gott das Universum am 23. Oktober 2002 v.Chr. geschaffen habe.

Ussher richtete sich im 17. Jahrhundert nach dem Julianischen Kalender, als er seine „Annalen des Alten Testaments, hergeleitet von den frühesten Anfängen der Welt“ schrieb, jetzt als „The Annals of the World“ als eBook in Englisch zu haben. Nach dem heute gültigen Gregorianischen Kalender entspricht dies dem 21. September. Da haben wir wohl eine Party verpasst…

Ganz pünktlich werfen wir einen sorgenvollen Energiekrisen-Blick in die Bauernkalender: „Wenn’s Sankt Severin gefällt, so bringt er mit die erste Kält’.“ Wir haben Glück, mit bis zu 17 Grad ist es laut TV-Wetterfrosch „eher zu mild“.

Aber was heißt das schon. Ich fühle mich an einen Witz (mit den beeindruckenden Eisbären) erinnert: „Das Eisbärbaby fragt seine Mutter: ,Mama, bist Du ein richtiger Eisbär?‘ ,Ja‘. ,Und ist Papa ein Eisbär?* ,Ja‘ ,Und war Opa ein Eisbär?‘ ,Natürlich!‘ ,Ist mir egal, ich friere trotzdem‘“.

Aus den Kalauer-Niederungen ist es ein gewaltiger Sprung bis zu „Liebhaberbibliothek für eine Leser-Elite“. Die wollte Verleger Peter Suhrkamp schaffen, als er am 23. Oktober 1851 die ersten sechs Bände der „Bibliothek Suhrkamp“ (ext.) herausgab.  Für Band 1 wurde die Erzählung „Die Morgenlandfahrt“ von Suhrkamps Freund Hermann Hesse ausgewählt.

Sowohl nach dem Buch wie noch mehr nach dem Film war ich mir mit meinen Freunden einig: „Sauspannend und geile Dinos!“ Heute hätte Michael Crichton, Schöpfer des Romans „Jurassic Park“ (engl.) seinen 80. Geburtstag feiern können. Jetzt habe ich im Lexikon gelesen, dass der Roman zum einen die „Chaostheorie und ihre philosophischen Konsequenzen veranschaulicht“, zum anderen „aber auch kapitalismus- und fortschrittskritisch als Warnung vor Profitgier, Korruption, menschlichem Überlegenheitsdenken gegenüber der Natur und den nicht abschätzbaren Risiken der Gentechnik interpretiert“ wird. So kann man „saugeil“ eben auch sagen…

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Samstag, 22. Oktober: Helden und Schurken

Chris Howland legt zur Eröffnung der Discothek „Limerick“ 1971 am Karl-Franke-Platz in Bad Harzburg auf. Foto: Ahrens-Archiv/Bad Harzburg-Stiftung

FESTSTELLTASTEN und andere Faszinosa

HEUTE IST SAMSTAG; „“ OKTOBER „=““ – Dass kommt dabei raus, wenn man am Samstag; 22. Oktober 2022, den „Internationalen Tag der Feststelltaste“ damit begehen will, den Text komplett mit der arretierten Feststelltaste zu schreiben. INTERNATIONAL CAPS LOCK DAY.

So wirklich empfehlenswerte Bücher über Feststelltasten im Speziellen oder Computertastaturen im Allgemeinen habe ich nicht finden können. Zumindest vom Titel her passt Terry Pratchetts „Aus der Tastatur gefallen“. Es geht allerdings mehr um „Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte“, die den Erfinder der Scheibenwelt-Romane umtreiben.

Zu den Faszinosa des Tages (Plural von Faszinosum – wieder was gelernt) kommen wir später. Obwohl mich auch Boulevard-Zeitungen bisweilen faszinieren. Heute vor 118 Jahren (1904) erschien mit der „B.Z. am Mittag“ in Berlin die erste deutsche Boulevard-Zeitung im Straßenverkauf.

Wie es in den Redaktionen der bekanntesten deutschen Boulevard-Zeitung „Bild“ zugeht, ist in Günter Wallraffs Bericht „Der Aufmacher“ nachzulesen. Wie wichtig es ist, die Mechanismen zu kennen, zeigt sich im Umgang des Boulevard mit Minderheiten: „Bild dir deinen Hass“ schildert, wie die „Bild-Zeitung gegen Geflüchtete und People of Color schreibt“.

Es gibt nicht viele Bücher und Filme, die mich so nachhaltig beeinflusst haben wie „Die Brücke“.  Der Antikriegsfilm von Bernhard Wicki nach dem autobiografischen Roman von Gregor Dorfmeister (veröffentlicht als Manfred Gregor) erlebte seine Uraufführung am 22. Oktober 1959.

Ein Faszinosum ist und bleibt trotz aller Skandale für mich die „Tour de France“. Heute vor 10 Jahren allerdings erhielt auch meine Begeisterung einen schweren Dämpfer, als der „Fall Lance Armstrong“ die Schlagzeilen beherrschte: „Nichts als die Wahrheit“. Aber selbst, als Profi Tyler Hamilton in „Die Radsport-Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte“ enthüllte, wie das berühmteste Radrennen der Welt zur Tour de Farce wurde, schaute ich immer noch gebannt zu…

Ein überaus positiver Sportheld wäre heute 101 Jahre alt geworden: Bernhard Carl „Bert“ Trautmann, der als einstiger Fallschirmjäger nach dem Krieg zur Torwartlegende in England wurde. Die Queen zeichnete ihn für seine Verdienste um die englisch-deutsche Verständigung aus. „Trautmanns Weg“ fasziniert auch heute noch und ließ seinerzeit Kritiker nach dem Pokalfinale, in dem er mit Genickbruch weiterspielte, schwärmen: „Er ist immer gut und oft ist er fabelhaft. Und dann gibt es noch Tage, an denen er übernatürliche Dinge verrichtet. Und einen seiner besten Tage hat er in diesem Finale.

So, jetzt geht es nur noch darum, ein Foto aus dem Ahrens-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung zu lancieren und so Interesse zu wecken. 1971 legte Chris Howland im „Limerick“ am Karl-Franke-Platz in Bad Harzburg auf. Zehn Jahre zuvor flimmerte am 22. Oktober 1961 zum ersten Mal sein „Musik aus Studio B“ über die Bildschirme. „Yes, Sir!“ heißt seine Autobiografie (eBook), die ein ungewöhnliches Showstar-Leben „aus dem Blickwinkel eines englischen Gastarbeiters“ darstellt.   

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