Petra Nietsch über „Kaltblütig“

Petra Nietsch über „Kaltblütig“

Truman Capote: Kaltblütig

Gelegentlich nehmen wir uns in unserem Buch-Club vor, einen Klassiker zu lesen. Dieses Mal ist die Wahl auf „Kaltblütig“ von Truman Capote gefallen. Ein Buch, das 1966 erschienen ist, hat mich auch aufgrund seiner Komposition sehr beeindruckt.

Es wird in der Literatur-Welt als erster Tatsachenroman bezeichnet. Capote war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Journalist, was mit ein Grund dafür ist, dass dieses literarische Werk so außergewöhnlich ist. Denn bevor der Roman beginnt, wird der Leser über alle wesentlichen Fakten in Kenntnis gesetzt.

Im November 1959 wird eine vierköpfige Familie von zwei ehemaligen Häftlingen in einem kleinen Ort im Bundesstaat Kansas brutal ermordet. Als Capote durch eine kurze Pressenotiz von dieser Tat erfährt, entscheidet er sich dort hinzufahren. Aus journalistischer Sicht interessiert ihn zunächst, was so ein Ereignis für die Menschen bedeutet, die dort leben. Im weiteren Verlauf möchte er aber auch Näheres über die getötete Familie erfahren, aber auch über die Täter, die sechs Wochen später gefasst und einige Monate später zum Tode verurteilt werden.

All diese Erkenntnisse verarbeitet er in seinem Roman, der durch die sprachliche Kreativität des Schriftstellers auch eine sehr hohe literarische Qualität zeigt.

Ergänzend zu dem wirklich empfehlenswerten Buch lohnt es sich bei dem Fernsehsender ARTE die Dokumentation Truman Capote und „Kaltblütig – Eine mörderische Nacht“ anzuschauen, denn sie liefert nicht nur weitere Hintergrundinformationen, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage, ob die Auseinandersetzung mit den Ereignissen den Autor und Menschen Truman Capote verändert hat (Verfügbar bis zum 28/07/2026).

Truman Capote: „Kaltblütig“, Verlag Kein + Aber, 544 Seiten, ISBN 9783036959030, Preis: 15,00 Euro.


Dienstag, 15. November: Süßer Heinrich

Die verräterischen Bücherregale

Ein zweischneidiger Aktionstag steht am heutigen Dienstag, 15. November 2022, für einen BÜCHER-HEIMAT-Blogger an: Es ist der „Tag des öffentlichen Bücherschranks“ in Deutschland. Kann eine Buchhandlung Werbung für ein kostenloses Bücherangebot machen? Aber klar, die Bücher für die Schränke wie am „Plumbohms“ in der Bummelallee müssen ja erst einmal gekauft werden. Vorzugsweise in der BÜCHER-HEIMAT.

Der erste Bücherschrank wurde am 15. November 2003 in Bonn aufgestellt. Seither kann sich die Idee des kostenlosen Einstellens und Mitnehmens von Büchern auch über ganz Deutschland verbreitet.  Vielleicht aber sollte man auch dabei Vorsicht walten lassen, denn laut „Bücherliebe“  verraten Bücherregale so einiges über uns.

Bei den Recherchen für das „bebücherte Kalenderblatt“ sammelt man reichlich „unnützes“ Wissen an. Beispielsweise, dass die Flagge Brasiliens den Stand der Gestirne über Rio de Janeiro am 15. November 1889 um 8.30 Uhr abbildet. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien ausgerufen.

Ich muss nachher mal schauen, ob dies in dem von mir besprochenen Buch „Spaß mit Flaggen“ vermerkt ist oder in den Flaggen-Folgen von „The Big Bang Theory“ vorkommt. Könnte vielleicht auch in „THE BIG BANG THEORY von A bis Z“ als der „inoffizielle Guide zur Serie“ verzeichnet sein.

Wer einen „Süßen Heinrich“ sucht, muss nicht auf ein Dating-Portal: Als „Süßer Heinrich“ wurden die Zuckerstreuer vermarktet, die Heinrich Kurz am 15. November 1953 erfand. „Die Wahrheit über Zuckerstreuer, Monchichis & Co.“ weiß ein Autor zu berichten, der schon in der BÜCHER-HEIMAT las: Imre Grimms Buch „Das Ding“ liefert Erkenntnisse auch über „Lüsterklemmen, Blockflöten, Shell-Atlanten und Cocktailschirmchen“.

Noch ein paar literarische Besonderheiten des Datums: Heute vor 193 Jahren (1829) wurde Emmy von Rhoden geboren, die „Der Trotzkopf“ schrieb. Vor 160 Jahren (1862) erblickte der spätere Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann das Licht der Welt. Dem Dramatiker verdanken wir Werke wie „Die Weber“ und „Die Ratten“. Die schreckliche Basis für einen starken Tatsachenroman legten Perry Smith und Dick Hickock, als sie am 15. November 1959 eine vierköpfige Farmerfamilie ermordeten. „Kaltblütig“ überschrieb Truman Capote sein Werk.

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