Mittwoch, 28. Juni: Auf den Hund gekommen

EIN ABSOLUT ÜBERFLÜSSIGER AKTIONSTAG     

Im Grunde kann ich mit den Themen des bebücherten Kalenderblatts an diesem Mittwoch, 28. Juni 2023, selbst gar nichts anfangen. Als Katzenfreund sind Hunde nicht mein Thema. Und dann ist da noch ein absolut überflüssiger Aktionstag, der bei mir dennoch Emotionen weckt.

Heute ist der „Internationale Tag der Feststelltaste“ (INTERNATIONAL CAPS LOCK DAY). Er ist nichts weiter als eine Parodie auf die Flut der Computer-Aktionstage. Ich aber hasse die Taste. Wobei ich sie selten nutze. Zum Beispiel bei der BÜCHER-HEIMAT – UND DANN SCHREIBE ICH DANACH NATÜRLICH JEDESMAL WEITER IN VERSALIEN:::

Aber lassen wir das, schauen wir uns Hunde an. Heute vor 164 Jahren (1859) fand im britischen Newcastle upon Tyne die weltweit erste Hundeausstellung statt. Die erste Ausstellung in Deutschland folgte vier Jahre später vom 14. bis 20. Juli 1863 in Hamburg. Wer wie ich bei Hunderassen durcheinanderkommt, kann sich langsam herantasten. Beispielsweise von „50 kleine Hunderassen“ über „250 Hunderassen“ bis zu „400 Hunderassen von A-Z“

Geburtstag hätte heute der 1867 geborene Luigi Pirandello, seines Zeichens Nobelpreisträger (1934) und einer der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Einer seiner größten Erfolge startete mit einem Skandal und Aufruhr im Publikum. „Sechs Personen suchen einen Autor“  heißt das Werk, das das Premierenpublikum in Rom zu Zwischenrufen „Irrenhaus! Irrenhaus!“ veranlasste.

Ganze einfache Kost ist das Werk allerdings auch nicht: Während einer Theaterprobe tauchen sechs Personen auf, die vom Theaterdirektor verlangen, dass er „sie“ aufführt. Sie wollen ihr Stück auf der Bühne sehen, wollen „leben“. Damit wandte sich Pirandello gegen das Illusionstheater und schuf die Grundlage für das moderne Drama – wofür er später gefeiert wurde.

Ich räume an dieser Stelle ein, dass mir unser zweites Geburtstagskind mit seiner „Schreibe“ deutlich näher ist. Am 28. Juni 1909 wurde Eric Ambler geboren, einer der entscheidenden Begründer des Thriller-Genres. Insbesondere sein fünfter Roman „Die Maske des Dimitrios“ gilt als ein Meilenstein und als Klassiker.  Am bekanntesten aber ist – auch durch die Verfilmung mit Peter Ustinov, Melina Mercouri und Maximilian Schell – Amblers Spionageroman „Topkapi“ .

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Dienstag, 27. Juni: Siebenschläfer

Feste Daumen drücken für schönes Wetter!

Heute ist Dienstag, 27. Juni 2023. Siebenschläfer! Wir sollten die Daumen für schönes Wetter drücken!

Nach dem liturgischen Kalender der christlichen Kirchen handelt es sich allerdings um den Gedenktag der sieben Schläfer von Ephesus, die die Christenverfolgung bis 446 n. Chr. schlafend 195 Jahre überlebten. Weit bekannter aber als „Die Siebenschläferlegende“ ist das Datum als sogenannter Lostag in den Bauernkalendern.

 Das Wetter am Siebenschläfertag soll das Wetter der darauffolgenden sieben Wochen bestimmen. Nur mit dem possierlichen Tierchen gleichen Namens, dem so viele Kinderbücher wie „Bobo Siebenschläfer“ gewidmet sind, hat der Tag ebenso wenig zu tun wie mit dem „Siebenschläferschlumpf“.

Hoffen wir mal darauf, dass heute schönes Wetter ist. Sonnenschein würde auch viel besser zu einem weiteren Gedenktag passen, denn heute begehen wir den „Internationalen Tag der Ananas“ (International Pineapple Day).

Für alle, die Ananas in den eigenen vier Wänden stets griffbereit frisch haben möchten, empfiehlt sich „Regrow für Einsteiger“ als lehrreiche Lektüre. Es geht um „endlose Nachzucht von Ananas, Avocado, Salat, Lauch, Süßkartoffel, Kürbis u.v.m. in der Wohnung und auf dem Balkon“.

Wer es noch exotischer mag, sollte „Trüffeltang, Ananas-Ameisen und die Fässer des Herrn Takahashi“ für sich entdecken. Kulinarische Reisegeschichten vom Polarkreis bis Honolulu.

If you ever plan to motor west, travel my way, take the highway that is best. Get your kicks on route sixty-six”, sang das Nat-King-Cole-Trio 1946. Das mit dem Highway hatte sich heute vor 38 Jahren (1985) erledigt, die weltberühmte „Route 66“ (Reiseführer) verlor den Status als US-Highway – ihrer Faszination bei Nostalgikern und vor allem auch Wohnmobil- und Motorradfahrern tat das keinen Abbruch.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Montag, 26. Juni: Wer ist das Problem?

Bruno und der Bärengedenktag

Eigentlich schade, dass heute Montag, 26. Juni 2023, ist. An einem Sonntag hätte ich ansonsten eine Fahrt ins Eichsfeld nach Worbis in den „Alternativen Bärenpark“ empfohlen. Heute ist in Deutschland „Bärengedenktag“.

Der Bärengedenktag erinnert an den Tod des Braunbären Bruno, der in den frühen Morgenstunden des 26. Juni 2006 in Bayern erlegt wurde. Das Raubtier hatte Nutztiere gerissen. Und Ministerpräsident Edmund Stoiber, der seine rhetorische Gewandtheit häufiger unter Beweis stellte, beispielsweise wenn er die Fahrt vom Münchner Bahnhof zum Flughafen schilderte, schuf den Begriff des „Problembären“. Wobei sich manch einer fragte, wer denn da wohl eher das Problem sei…

Besuchens- und fördernswert ist in jedem Fall der von der Deutschen Stiftung für Bären getragene  „Alternative Bärenpark Worbis“ bei Duderstadt. Knapp anderthalb Stunden von Bad Harzburg aus. Auf fünf Hektar leben dort neun Bären und drei Wölfe. Eine „Sichtgarantie“ wie in normalen Tierparks gibt es da nicht, aber die Tiere fühlen sich definitiv besser. Eine Ausflugstipp fürs kommende Wochenende?!

Das Verhältnis Bär – Mensch ändert sich offenkundig mit dem Lebensalter. Jenem der Menschen. Bei Kindern sind Bären überaus beliebt. Seit fast 100 Jahren ein Klassiker in den Kinderzimmern ist „Pu der Bär“. Mithalten kann da vielleicht gerade noch „Ein Bär namens Paddington“, der ja bekanntermaßen schon mit Queen Elizabeth über Marmeladensandwiches gefachsimpelt hat.

Vielleicht möchte man in studentischen Jahren John Irvings skurriler Roman-Aufforderung „Laßt die Bären los!“ Folge leisten. Aber wer sich den Bären sachlich-fachlich nähern will, greift besser zur bewährten „Was ist was“-Reihe, die in Band 15 „Bären, Grizzly, Panda, Eisbär“ im Blick hat.

Ein großer Tag für ein kleines Theater war der 26. Juni 1802: Das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt wird in Anwesenheit des Dichters eröffnet. Zur Aufführung kamen Goethes Vorspiel „Was wir bringen“ und Mozarts Oper „Titus“. „Was wir bringen“ scheint aktuell nicht vorrätig, aber da kann sicher der Suchdienst der BÜCHER-HEIMAT helfen.

In unzähligen Varianten vorrätig sind weiterhin die Harry-Potter-Bände von J.K. Rowling. Heute vor 26 Jahren (1997) erschien das erste Buch „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (Taschenbuch). Wer es edler haben will, nimmt die Schmuckausgabe, für die man allerdings deutlich tiefer in die Tasche greifen muss.

Die Startauflage in Großbritannien war mit 500 Exemplaren aus heutiger Sicht lächerlich. Was Sammler jedoch erfreut, denn die Bücher sind wertvoll. Die Originale der ersten Ausgabe erkennt man an der Ziffernfolge „10 9 8 7 6 5 4 3 2 1“ und dem Autorennamen „Joanne Rowling“. Die Preise variieren zwischen 40.000 und 55.000 Dollar!

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Sonntag, 25. Juni: Fetzige Poesiealben

Ein Freund, ein guter Freund…

Nach dem gewittrigen Wochenausklang und dem sommerlichen Verwöhnwochenende steht an diesem Sonntag, 25. Juni 2023, im Bauernkalender schon übermorgen wieder eine Wegmarke an: Der Siebenschläfertag naht – ebenso wie die Sommerferien. Letzteres lenkt den Blick auf den heutigen „Welttag der Schulfreunde“.

Der Aktionstag fordert dazu auf frühere Kontakte neu aufleben zu lassen oder bestehende Schulfreundschaften zu intensivieren. Wer im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT unter „Schulfreunde“ sucht, landet beim guten alten Poesiealbum. Nur kommt das heute fetzig-trendiger daher.

Das „Schulfreunde-Erinnerungsalbum“ gibt es beispielsweise als „Trötsch Meine Schulfreunde BMX Album“ oder als „Meine Schulfreunde: Piraten“ für all jene, die unter der Totenkopfflagge durchs Schulleben segeln wollen. Auch Einhorn– oder Emoji-Fans können in den „Poesiealben“-Reihen fündig werden. Für was auch immer man sich entscheidet, es sei nochmal daran erinnert, dass die Ferien näher rücken, wem noch Einträge fehlen, der muss sich sputen.

Geburtstagswünsche für zwei der Großen der literarischen Welt. Heute vor 120 Jahren wurde George Orwell geboren. Bei dem Namen denkt natürlich jeder sofort an „1984“, die Zukunftsvision von einem totalitären Staat, die Orwell weltberühmt machte. Oder an die „Farm der Tiere“, die grandiose satirische Fabel über den Sowjetkommunismus.

Aber der Schriftsteller, der ein bewegtes Leben hatte, bei der britischen Kolonialpolizei in Birma arbeitete und auf republikanischer Seite am Spanischen Bürgerkrieg teilnahm, war auch ein herausragender Journalist. „Reise durch Ruinen“, eine lesenswerte Reportagensammlung aus Deutschland und Österreich im Jahr 1945, belegt dies eindrucksvoll.

Heute vor 97 Jahren (1926) erblickte die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann das Licht der Welt. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr zu Ehren wird seit 1977 jährlich der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Im Onlineshop der BÜCHER-HEIMAT gibt es fast mehr Bücher über sie und ihre Briefwechsel mit anderen Schriftstellern als Werke von ihr. An dieser Stelle seien dennoch „Sämtliche Gedichte“ empfohlen.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Samstag, 24. Juni: Tripp, trapp, Käsenapp

Traditionen, Fantasy und ein Denkanstoß

Tripp, trapp, Käsenapp, heute ist Johannistag.“ Es gab Zeiten, da wäre dieser Ruf am heutigen Samstag, 24. Juni 2023, durch den ganzen Harz zu hören gewesen. Heute sind es eher wenige Orte wie St. Andreasberg und Bad Grund, wo „Johanni“ noch gefeiert wird.

Die passende Lektüre gibt es natürlich auch. Wobei man im Fall von Charles Lewinskys „Johannistag“ sogar von Etikettenschwindel sprechen könnte. Der Roman hat eher wenig mit dem Brauchtum zu tun. An seinem literarischen „Johannistag“ entspinnt sich ein „Netz aus Verbrechen längst vergangener Tage und höchst lebendiger Intrigen“.

Immerhin haben wir einen guten Grund, zum Thriller einen Whisky zu trinken. Heute ist der „Tag des Deutschen Whiskys“, es würde sich also ein guter Tropfen aus der Zorger Hammerschmiede anbieten.

Um richtig tief ins „Wasser des Lebens“ einzutauchen, empfiehlt sich als Lektüre „Schumann’s Whisk(e)ylexikon“. Damit kann sich der geneigte Genießer erstmal einen Überblick verschaffen. Ob deutsche Tropfen dabei sind, weiß ich nicht.

Wer Getränk und Buch noch besser aufeinander abstimmen will, kann sich einen der unzähligen Krimis schnappen, die den Whiskey im Titel führen. Wobei – so sehr ich irischen Whiskey schätze, Krimis von der Insel wie „Der Tote im Whiskey-Fass“ wecken wenig leckere Assoziationen.

Wer zuviel Whisky trinkt und so richtig „blau“ ist, trifft es heute ebenfalls perfekt. Wir begehen den „Internationalen Tag der Schlümpfe“ (Global Smurfs Day). Wer sich bei den kleinen Kerlchen einlesen will, sollte selbstverständlich bei Adam und Eva anfangen. Was in diesem Fall bei „Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe“ bedeutet. So heißt Band 1 der Schlümpfe.

Wenn wir schon bei sagenhaften Wesen sind, können wir gleich weitermachen, denn heute ist auch der „Internationale Feen-Tag“ (International Fairy Day). Das Buch, das mir dazu als erstes ins Auge stach, klingt nach hartem Studium, ist aber ein „herzerwärmender Fantasy-Roman“, der unter dem Titel „Emily Wildes Enzyklopädie der Feen“ daherkommt.

„Kunst, Symbolik und Politik“ wurden am 24. Juni 1995 in Berlin vereint. Nach mehr als zwanzigjähriger Vorbereitung präsentierte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude die Kunstinstallation Verhüllter Reichstag – ausdrücklich als „Denkanstoß“.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Petra Nietsch über „Demon Copperhead“

Petra Nietsch über „Demon Copperhead“

Barbara Kingsolver:

Demon Copperhead

Sprache: Englisch. Die deutsche Übersetzung erscheint im Frühjahr 2024 bei dtv.

Dieses Buch hat den Frauenpreis für Belletristik  2023 (Women’s Prize for Fiction) und während ich den Roman bereits las, auch den diesjährigen Pulitzer-Preis für Literatur gewonnen.

Barbara Kingsolver überträgt die Geschichte von David Copperfield in die Appalachen Ende des 20. Jahrhunderts. Alle im Roman von Charles Dickens für die Handlung relevanten Charaktere tauchen auf und sind an ihren nur leicht veränderten Namen gut wiederzuerkennen. Und auch die Thematik ist gleich, denn es geht um soziale Gerechtigkeit.

Demon, Protagonist und Erzähler, wird in eine Welt geboren, die von Armut, Drogen- bzw. Medikamentenmissbrauch geprägt ist. Schon früh lernt er, dass er für sich alleine die Verantwortung übernehmen muss, denn niemand bleibt lange genug in seinem Leben, als dass er sich auf irgendjemanden verlassen kann. Und nicht nur das, er fühlt sich auch für alle Menschen verantwortlich, die ihm nahestehen.

Nicht alle Entscheidungen, die er trifft, sind richtig, so gleicht sein Leben einer Achterbahn, denn es geht ständig bergauf und bergab. Auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit erlebt er immer wieder Rückschläge. „Ich habe nichts getan, um Glück zu verdienen und ich weiß, wie Menschen sind. Früher oder später wenden sie sich von dir ab“, sagt er an einer Stelle. Aber für den Leser wird immer wieder deutlich, dass er nicht nur ein Kämpfer ist, sondern auch sehr talentiert und intelligent, denn er erkennt u.a. die Faktoren, warum eigentlich niemand der Armut, dem Drogenmissbrauch und der Kriminalität entkommen kann.

Durch die Perspektive des erzählenden Demon entsteht ein Eindruck von dem Leben, das die Menschen in den Appalachen auch heute noch führen. Aber Demon hat auch Humor und trotz einer oftmals düsteren Stimmung, musste ich auch immer wieder schmunzeln, über seine Art Dinge zu erzählen.

Barbara Kingsolver hat eine Sprache gewählt, die mich sehr an den Stil von Charles Dickens erinnert hat.

Dieser Roman ist alleine wegen des literarischen Kniffs David Copperfield zu Demon Copperhead zu machen und dessen Geschichte in das ländliche Amerika zu transportieren, zu empfehlen,  trägt aber auch dazu bei, zumindest in Teilen zu verstehen, mit welchen Problemen die USA auf Grund ihrer geografischen und sozialen Diversität konfrontiert sind.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —

Barbara Kingsolver: „Demon Copperhead“, Faber and Faber Ltd., 548 Seiten, ISBN 9780571376483, Preis: 12,50 Euro.


Freitag, 23. Juni: Eine Liebesgeschichte

Schreibmaschinen sind „beseelte Wesen“

Freitag, 23. Juni 2023. Besuch hat sich angesagt. Eine Grill-Party muss vorbereitet werden. Konsequenz: Ich rufe meinen persönlichen Notstand aus und fasse mich heute mal wieder ganz kurz.

Im Wesentlichen ist es ein Grund, warum ich überhaupt etwas schreiben muss: Heute ist der „Tag der Schreibmaschine“ (International Typewriter Day). Und an diesem Tag bette ich immer das geniale Youtube-Video mit Jerry Lewis‘ „Typewriter“ nach der Musik von Leroy Anderson ein.


Mit dem Laden des Videos akzeptierst du die Datenschutzerklärung von YouTube.

Der vielfach preisgekrönte US-Autor Paul Auster schrieb auf seiner Olympia seit 1974 sein Gesamtwerk, das zu den kreativsten und anerkanntesten der jüngeren US-Literaturgeschichte gehört. Inklusive des Buches „Die Geschichte meiner Schreibmaschine“. Sam Messers steuerte kraftvolle Bilder bei.  So wurde ein „eigentlich unbelebtes Objekt in ein beseeltes Wesen mit fühlbarer Präsenz verwandelt“.

Ein besonders inniges Verhältnis zu seiner Schreibmaschine hatte offenkundig auch Lars Gustafsson, einer der bedeutendsten Autoren Schwedens. Eine Gedichtsammlung überschrieb er mit „Etüden für eine alte Schreibmaschine“.

Wer es mehr mit den Fakten hat, dürfte vermutlich das „Lexikon Historischer Schreibmaschinen“ bevorzugen. Es lädt (in zwei Bänden) zu einer Zeitreise ein von „1940 bis zum Beginn der Elektronik“.

Wobei ich an dieser Stelle einräumen muss, dass ich zwar auch (anders als zu allen Computern) eine innige Beziehung zu meiner Olympia-Kofferschreibmaschine hatte, ihr aber dennoch nicht wirklich eine Träne nachweine. Kein Durch-Ixxxxen (wie schreibt man das?) und keine Tippex-Kleckerei mehr. Copy & Paste sind einfach toll ­ – man muss ja damit nicht betrügen…

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Donnerstag, 22. Juni: Große Geburtstage

Es war einmal: Käfer und (bald auch) Kino?

Nach einem Rüffel aus der Leserschaft hatte ich beschlossen, an diesem Donnerstag, 22. Juni 2023, das bebücherte Kalenderblatt wieder literarischer zu gestalten. Es ist mir nur bedingt gelungen. Wenn ich etwas Interessantes sehe, muss ich halt meinen Senf dazugeben

Aber wir starten zumindest mit großer Literatur, die aktuell auf der Kinoleinwand neue Erfolge feiert: Heute vor 125 Jahren (1898) wurde Erich Maria Remarque geboren. Autor eines der berühmtesten Anti-Kriegsbücher der Welt: „Im Westen nichts Neues“. Mit vier Oscars ausgezeichnet wurde in diesem Jahr die insgesamt dritte und erste deutsche Verfilmung (DVD) des Dramas.

Es steht zu befürchten, dass bald mehr Leute den Film als das Buch kennen. Und vermutlich werden bald auch jene Zeitgenossen in der Überzahl sein, die den Streifen daheim gestreamt haben. Womit zum einen der Austausch nach dem Kinobesuch fehlt, zum andern die Lichtspielhäuser immer mehr in die Bredouille geraten. Irgendwann müssen unsere Kinder dann ihren Kindern erklären, was ein Kino war. Ich habe das durch mit Telefonzellen, Fax und Walkman

Seinen 113. Geburtstag (1910) hätte heute jener Mann, mit dem im gewissen Sinn die Zukunft (aber auch der oben beschriebene Abschied von vielen Dingen) begann:  Der deutsche Bauingenieur und Tüftler Konrad Zuse ist der Erfinder des ersten funktionstüchtigen Computers. Seine Autobiographie trägt den korrekten Titel „Der Computer – Mein Lebenswerk“.

So, jetzt aber zurück zur Schriftstellerei. Und noch dazu zu einem Auflagenmillionär. Worüber in deutschen Literaturzirkeln ja gern die Nase gerümpft wird, aber etliche der Bücher von Dan Brown habe ich verschlungen.  Der Mann, der heute seinen 59. Geburtstag (1964) feiert, kann großartig und fesselnd erzählen. „Sakrileg“ oder auch „Illuminati“ sind die bekanntesten Beispiele dafür.

Na gut, unser nächstes Geburtstagskind ist trotz eines Spiegel-Bestsellers weniger Schriftsteller als Punk-Sänger: Campino feiert heute seinen 61. Geburtstag. Man könnte nun Biographien über den Frontmann der „Toten Hosen“ studieren. Viel mehr allerdings sagt vermutlich sein eigenes Buch „Hope Street“ aus, in dem auch seine glühende Leidenschaft für den FC Liverpool eine zentrale Rolle spielt.

Noch flink ein Aktionstag, der irgendwie auch ein Geburtstag ist. Wir begehen heute den „Welttag des VW-Käfers“ (Worldwide VW Beetle Day). Am 22. Juni 1934 wurde ein Vertrag zwischen dem Reichsverband der Automobilindustrie (RDA) und Dr. Ferdinand Porsche unterzeichnet, in dem sich die Porsche GmbH verpflichtete, einen „Volkswagen“ zu entwickeln. Heraus kam im Februar 1935 der erste Prototyp des VW-Käfers. Bücher über das Kult-Gefährt gibt es im Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT jede Menge…

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Bettina Luis über „Stay away from Gretchen“

Bettina Luis über „Stay away from Gretchen“

Susanne Abel:

Stay away from Gretchen – eine unmögliche Liebe

Dieser spannende und irgendwie leider auch aktuelle Roman hat mich beschämt zurückgelassen!

Tom, ein gefragter, perfekt aufgestellter und erfolgreicher Fernsehjournalist und Nachrichtensprecher arbeitet viel, zu viel. Er hat keine Zeit für ernsthafte Beziehungen, fordert von seinen MitarbeiterInnen absolute Ergebenheit, und Loyalität. Alles steht im Zeichen der persönlichen Karriere, er liebt den Stress internationaler Recherchen, die ihm viel Anerkennung bringen. Toms Mutter GRETA ist eine  verwitwete Seniorin, die ihre Sohn nur noch im täglichen Fernsehen begleitet, ihn dort bewundert, sich mehr Nähe wünscht, dies aber niemals offen aussprechen würde. GRETA/Gretchen wirkt nach außen sehr taff, eloquent und selbstständig. Sie hat es scheinbar nach allen Kriegswirren geschafft, ist beruflich und sozial aufgestiegen, hat eine vorteilhafte Ehe geschlossen und eben diesen wunderbaren TOM, ihren Sohn. TOM weiß und spürte wohl immer, dass seine Mutter emotional unerreichbar schien, sich depressiv verschlossen hielt. Lange und häufige Klinikaufenthalte der Mutter sind die Folge. Dass Kriegstraumata hierfür verantwortlich sein könnten, erscheinen ihm der nachvollziehbare Grund. Nie aber wurde gesprochen, nie wurden Details bekannt.

Dann erkrankt GRETA an Alzheimer Demenz und die Vergangenheit bricht auf. „Sie hat vergessen, dass sie vergessen wollte“, sagt TOM. Zunächst ist er extrem genervt und sieht sich außer Stande GRETA und Job zu vereinbaren. Dann wächst sein Interesse an der eigenen Familiengeschichte zunehmend und als er erfährt, dass er eine farbige Halbschwester hat, erwacht seine Neugier und er beginnt professionell zu recherchieren. Gretas Lebensgeschichte und Toms Gegenwart bewegen sich im Roman heilsam aufeinander zu.

 Am Ende berührt eines in diesem Roman zutiefst: Es gibt sie, die wirkliche, tiefe und „grenzenlose“ Liebe!! Die emotional ehrliche Liebe und Treue, zwischen Liebespaaren, zwischen Generationen, die mutige Liebe von Eltern zu ihren Kindern. Liebe ist langmütig, sie besteht und übersteht viele Krisen, Liebe ist aber auch verletzlich. Wird sie aggressiv zerstört, verstummen Menschen und verdrängen –  vergessen um zu überleben.

Darum bin ich beschämt: Ich gehöre einer durchaus interessierten Nachkriegsgeneration an und der Begriff der TRANSGENERATIONALEN WEITERGABE VON TRAUMATA im Zusammenhang mit den zumeist sprachlosen Kriegs- und Fluchterlebnissen auch meiner Eltern ist mir nicht fremd. Aber welches Leid in der Nachkriegszeit auch noch den farbigen afroamerikanischen GIs im eigenen Land und in dem fremden Besatzungsland (hier Deutschland) zugemutet wurde… welche Dramen sich innerhalb von Beziehungswirklichkeiten abspielten, wenn ihre verbotene Liebe zu weißen deutschen „Gretchens“  lebendige Folgen hatte und welches Leben diese BROWN BABIES erwartete … Ich hatte dies in d e r dramatischen Dimension bisher nicht wirklich als Thema im Blick.

Eben diese Unwissenheit beschämt mich heute, denn die Dramen spielten sich natürlich auch im Umfeld meiner Kindheit ab … Rassismus und Diskriminierung von „Fremden“, Verleumdung, Unterstellung Verachtung von Menschenrechten in  furchtbarsten Sanktionen, sowie staatlich legitimierter Adoptionshandel („Deportation“!) von dunkelhäutigen Kindern in das „Land ihrer Vorfahren“, das ihnen scheinbar die Integration „unter Gleichen“ erleichtern sollte…?! Ungerechtfertigte Entziehung von Sorgerecht, Zwangstrennungen, Sprengung intakter Familiensysteme, weil diese Menschen nicht ins Bild von der heilen Familie der 50/60er Jahre passten. Grausamkeiten, die den ohnehin schon von Krieg, Flucht und Ausgrenzung gezeichneten Opfern ein weiteres Trauma zumuteten.

Unerträgliche Zumutung auch für mich als Leserin? Ja und Nein, denn Susanne Abels Roman liest sich wie die literarische Verfilmung einer Familiensaga, die fasziniert und dank der exzellenten Recherche – bei aller Fiktion – wahre Fakten über die jeweiligen politisch und sozial relevanten historischen Ereignisse liefert. Und so bekomme ich als Leserin der ersten Nachkriegsgeneration immer wieder neue Einsichten in vergleichbare Familiengeschichten. Warum waren die Eltern so, wie sie waren, warum bin ich die, die ich bin… Und es bleibt viel Bewunderung ob der Stärke und Kraft, mit der unsere (Groß)Elterngeneration so viele Beschädigungen aber auch meisterten. Danke, Susanne Abel!

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —

Susanne Abel: „STAY AWAY FROM GRETCHEN, eine unmögliche Liebe“, dtv 2023, 544 Seiten, ISBN 9783423220149, Preis: 13,00 Euro.


Mittwoch, 21. Juni: Sommersonnenwende

Der längste Tag und lange Tiere

Um 16.57 Uhr ist es an diesem Mittwoch, 21. Juni 2023, soweit. Dann erreicht die Sonne ihren höchsten Stand im Jahreslauf. Kurz gesagt: Sommersonnenwende.

Heute ist also der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres 2023 – zumindest auf der Nordhalbkugel, auf der Südhalbkugel ist heute Wintersonnenwende.  Für uns ist astronomischer Sommerbeginn, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die Sonne unabhängig von Zeitzonen und Koordinaten ihren höchsten Stand im Meridiandurchgang. Zum Tag passt zumindest vom Titel „Sonnenwende“ her ein Beziehungsroman aus der Feder von Edgar Rai.

Ansonsten ist dieser 21. Juni ein tierischer Tag. Was im gewissen Sinn auch an der Sonnenwende liegt. Die australische Dachshund Rescue Australia Inc. rief den „Welttag der Dackel“ (World Dachshund Day) an diesem Datum nach dem Motto ins Leben: „longest night – longest dog“.

In Europa müssen wir halt nur das „night“ durch „day“ ersetzen, um den als selbstbewusst und eigensinnig geltenden Hunden zu huldigen. Die Charakterbeschreibung untermauern Bücher wie „Der (wahre) Chef bin ich!“, das „Hundegeschichten vom anderen Ende der Leine“ liefert, oder auch „Schon wieder das letzte Wort“, was angeblich „typisch Dackel“ sein soll.

Längster Tag/Nacht – längster Hals: Schon sind wir beim nächsten Aktionstag. Die internationale NGO Giraffe Conservation Foundation (GCF) legte den „Welttag der Giraffe“ (World Giraffe Day) unter Hinweis auf die Sonnenwende auf den 21. Juni. Die Begründung ist nachvollziehbar, klingt aber ein wenig nach dem Romantitel „Die Prohezeiung der Giraffe“.

Und der Tag hat auch einen ernsten Hintergrund. Denn der GCF liegt der Schutz der der Tiere insbesondere vor Habitatverlusten und Wilderern am Herzen. Derweilen faszinieren die gigantischen Tiere offenkundig vor allem auch kleine Kinder. Die Auswahl an Kinderbüchern wie „Lulatsch, die kleine Giraffe“ ist enorm.

Nach so vielen Aktionstagen bin ich doch etwas müde – was heute prima gepasst hätte, denn von 2000 bis 2003 fiel der „Bundesweite Tag des Schlafes“ in Deutschland auf den 21. Juni. Der Verein Tag des Schlafes wollte damit auf die Bedeutung des Schlafes aufmerksam machen. Dummerweise schlief nach drei Jahren die Sponsoring-Bereitschaft ein. So muss man sich heute damit begnügen, „Das große Buch vom Schlaf“ zu studieren – und dabei vielleicht selig einzuschlummern…

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —