Sonja Weber über „Der Gärtner von Wimbledon“

Sonja Weber über „Der Gärtner von Wimbledon“

Jane Crilly: „Der Gärtner von Wimbledon“

Henry Evans hat sich ein halbes Jahrhundert um den Rasen von Wimbledon gekümmert, dafür gesorgt, dass all die prominenten Tennisspielerinnen und Tennisspieler sich auf dem Grün der Courts von ihrer besten Seite zeigen konnten, der Ball perfekt absprang und der Rasen bis zum Finale auch durchhielt. Viele große Namen hatte er kommen und gehen, gewinnen und verlieren sehen, nur der eine Name war nie darunter, die eine Person, derentwegen Henry getreulich zwischen den weißen Linien und den grünen Halmen ausharrte, war nie aufgetaucht: Rose Blake, Tochter aus bestem Hause und Henrys einzige Liebe.

Ihr großer Wunsch war es gewesen einmal im Endspiel von Wimbledon selbst auf dem Rasen zu stehen. Alles begann kurz vor dem zweiten Weltkrieg auf dem Landgut der Blakes. Der dreizehnjährige, vom Leben nicht verwöhnte Henry, Sohn des zweiten Gärtners und die vierzehnjährige vorlaute Rose, Tochter des einflussreichen Sir Richard Blake und leidenschaftliche Tennisspielerin, treffen aufeinander. Zwei Menschen aus unterschiedlichen Welten, die zwei unbeschwerte Sommer lang ihre Träume von der Zukunft träumen, ehe die Gegenwart sie einholt.

Was bleiben wird sind die Plätze an der Church Road, auf denen einst alles möglich schien. Ein Rechteck aus akkuratem Achtmillimeterrasen, von dem aus Rose die Welt erobern wollte und der Ort, an dem Henry sich endlich gleichberechtigt fühlte.

Jane Crilly hat zwei Leben auf wunderbar leichte und literarisch ansprechenden Weise verbunden und wieder getrennt und in eine interessante Rahmenhandlung gebracht. Eine herrliche Sommerlektüre. Alle Leserinnen und Leser von „Offene See“ von Benjamin Myers dürften auch an „Der Gärtner von Wimbledon“ Spaß haben.

Jane Crilly; „Der Gärtner von Wimbledon“, Kampa Verlag, 256 Seiten, ISBN 9778-3-311-15138-8, Preis: 14,00 Euro.


Samstag 9. Juni Sonnenstrahlen von der Insel

Lichtblicke aus dem Vereinigten Königreich

Den Wettervorhersagen nach starten wir in ein ziemlich graues und an diesem Samstag, 9. Juli 2022, auch regnerisches Wochenende. Ein doppelter Lichtblick kam gestern aus dem Vereinigten Königreich.

Nein, nicht der Rocktritt von Boris Johnson. Gemeint ist das 4:0 der deutschen Fußballfrauen gegen Dänemark bei der Europameisterschaft unter dem sonnigen Himmel von Brentford. Danach muss der Buchtitel „111 Gründe, Frauenfußball zu lieben“, geändert werden. Nun sind es mindestens 112. Und aus Richtung England soll auch noch das nächste Sommerhoch im Anmarsch sein.

Dass der Blick häufiger nach London schwenkte, lag nicht allein am runden Leder, Sportfans interessierten sich dank des mutigen Spiels von Tatjana Maria bis ins Wimbledon-Halbfinale auch wieder für einen gelben Filzball. Im Tennis-Mekka wurde übrigens heute vor 145 Jahren (1877) das erste Tennisturnier ausgetragen.

Und heute vor 33 Jahren (1989) gewannen mit Steffi Graf und Boris Becker zwei deutsche Tennisikonen innerhalb weniger Stunde die Tenniskronen für die Damen und die Herren. „Ich will nach WimbledonDer Tenniseltern-Ratgeber“ sei all jenen empfohlen, die meinen, das eigene Kind zeige deutliche Merkmale eines Tenniswunders.  

Den Grundstein für ein faszinierendes Bauwerk legte Kaiser Karl IV. heute vor 665 Jahren (1357): „Die Brücke der Ewigkeit“ entstand. Die Karlsbrücke, verbindet die Prager Altstadt mit der Kleinseite. Ihren Namen erhielt die Brücke, über die der Krönungsweg der böhmischen Könige führt, aber erst im Jahr 1870. Was man alles sicher auch auf der „Lesereise Prag“ erfährt, die „auf der Karlsbrücke nachts um halb eins“ beginnt und den literarischen Geschichten der Goldenen Stadt nachspürt.

Auch die Glückwünsche gehen heute nach England. An zwei sehr erfolgreiche Autorinnen. Für Freunde des gepflegten Gruselns sei an Ann Radcliffe erinnert, die heute ihren 258. Geburtstag feiern könnte. Sie gehörte zu den populärsten Vertreterinnen und Wegbereiterinnen des Schauerromans (Gothic Novel) wie „Der Italiener oder Der Beichtstuhl der Schwarzen Büßenden“.

Außerdem steht heute der 121. Geburtstag von Dame Mary Barbara Hamilton Cartland an. Ihre Spezialität waren britische Liebesromane. Davon verfasste sie in ihren 101 Lebensjahren 724 Exemplare – und nach ihrem Tod wurden noch 160 unveröffentlichte Romane entdeckt. Die Schreibwut schlägt sich in Verkaufszahlen nieder: Sage und schreibe mehr als eine Milliarde Cartland-Liebesromane gingen über den Ladentisch. Darunter „Der Liebesschwur“ – dem natürlich auch die „Hochzeit mit dem Ungeliebten“ folgen kann…

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