Dienstag, 30. August: Kein Tee für Atheisten

Gruseliger Tag mit Marshmallows

Eine klebrig-süße Frühstücksidee bringt dieser Dienstag, 30. August 2022, mit sich, denn wir begehen (zumindest in USA) den „Tag der gerösteten Marshmallows“ (National Toasted Marshmallow Day).

Als Purist mag ich die Gummiteile viel lieber „pur und natur“. International wird dies anders gesehen. Wenigstens lässt die Verlagswerbung für das Buch „Erdbeeren & Marshmallows“ darauf schließen: „Welches Dessert darf bei einem Manga-Büfett nicht fehlen? Natürlich Erdbeeren & Marshmallows! Hier kommt eine doppelte Portion frischer, fluffiger und megafrecher Lesespaß rund um die süßeste Mädchenclique Japans!

Da halten wir doch besser gleich mal mit einem Klassiker der Weltliteratur dagegen. Und hier bietet sich heute das berühmteste Werk von Mary Wollenstonecraft Shelley an, die am 30. August 1797 geboren wurde: „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“. Veröffentlicht 1818, da war die Autorin gerade einmal 21 Jahre alt.

Das Leben der Mary Wollstonecraft Shelley, Tochter des Philosophen William Godwin und der Feministin Mary Wollstonecraft, bietet allein faszinierenden Lesestoff. Sie heiratete 1816 mit 19 Jahren den Schriftsteller Percy Bysshe Shelley, nach dessen frühen Unfall-Tod sie sich um den Nachlass kümmerte. Mary Shelley starb im Alter von 53 Jahren. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann die Literaturwissenschaft, die Autorin und all ihre Werke zu würdigen.

Eher spröde Charaktere mögen auch die Werke und Auftritte eines weiteren Geburtstagskindes als blanken Horror empfinden, für das Gros des Publikums allerdings ist der am 30. August 1955 geborene Helge Schneider ein komödiantisches Genie. Was im Grunde nicht weit genug gefasst ist, denn nicht allein als Komiker, auch als Kabarettist, Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur, Schauspieler und Multiinstrumentalist begeistert er.

Bekannt, so schreibt die Wikipedia, wurde Helge Schneider „durch Bühnenauftritte, in denen er Klamauk und Parodien mit Jazzmusik verbindet. Ein entscheidendes Element seiner Arbeit ist die Improvisation.“ Was aber den Schriftsteller Schneider und Bücher wie „Orang Utan Klaus“ außer Acht lässt. Und wer die verpasst, verpasst ein paar herrlich blödsinnige Zitate wie „Eine berühmte Frau hat einmal gesagt: ,Eine Rose ist eine Rose, ist eine Rose.‘ Ich glaube, sie hatte Recht.“ Oder mein Favorit als überzeugter Kaffeetrinker: „Nee, ich trinke keinen Tee. Ich bin Atheist.

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Montag, 29. August: Wir machen ein Fass auf

Das größte Weinfass der Welt im Heidelberger Schloss. Foto: Wikipedia gemeinfrei

Große Kultur so langsam wie möglich

Wir sind an diesem Montag, 29. August 2022, in der letzten Sommerwoche angekommen. Jedenfalls mit Blick auf den meteorologischen Herbstanfang am 1. September. Nach dem kalendarischen Herbstanfang haben wir noch bis zum 23. September um 3.03 Uhr Sommer.

Man sollte in Heidelberg vielleicht weniger auf sein Herz, als vielmehr auf seine Leber achten. Am 29. August 1751 wurde im Keller des Heidelberger Schlosses das größte Weinfass der Welt fertiggestellt. Fassungsvermögen: 221.726 Liter Wein.

Es ist bereits das vierte Riesenfass und alle hatten sogar Namen: Auf das „Johann-Casimir-Fass“ (1591) folgten das „Karl-Ludwig-Fass“ (1664) und das „Karl-Philipp-Fass“ (1728) bevor das aktuelle „Karl-Theodor-Fass“ eingeweiht wurde. Sollte auch dieses mal wie ein Vorgänger in einem kalten Winter im Ofen landen, hätte ich für den Nachfolger einen Namensvorschlag: „Werner-Karl-Herbert-Fass“.

Das derzeitige Fass wurde allerdings nur dreimal gefüllt, weil es nie dicht war. Oder sollte der Fasswächter Perkeo…?  Die Statue soll ihren Namen nach einem Hofnarren haben, der auf die Frage, ob er das Große Fass allein austrinken könne, mit „Perché no?“ (warum nicht?) geantwortet haben soll. Der Name Perkeo war geboren. Und wenn man das Fass wieder füllen will, empfiehlt sich zur Wein-Wahl die Lektüre von „111 Deutsche Weine, die man getrunken haben muss“.

Eine Erfindung, die mich schon mehr als einmal zur Weißglut getrieben hat, ließ sich der US-amerikanische Tüftler Whitcomb Judson am 29. August 1893 patentieren: den Reißverschluss. Ganz abgesehen von den peinlichen Momenten, die der Vergesslichkeit geschuldet sind, klemmen bei mir Reißverschlüsse immer dann, wenn man Jacke oder Hose gerade wirklich braucht. Vielleicht klärt das Buch „Von Rad bis Reißverschluss“Erfindungen, die die Welt veränderten“, dieses Mysterium auf.

Den Avantgarde-Künstler John Cage verstehe ich zwar vielfach nicht, aber seine Werke faszinieren vielleicht auch gerade deshalb. Heute vor 70 Jahren (1952) wurde sein Musikstück „4′33″ (four thirty-three) uraufgeführt. Dabei wird kein einziger Ton gespielt, um „die gängige Auffassung von Musik in Frage“ zu stellen. Wenn es nötig ist…

Im Harz können wir Cages Orgelwerke »ORGAN²/ASLSP« (As Slow as Possible), das „langsamste Konzert der Welt“, genießen. Es wird seit dem 5. September 2001 in Halberstadt in der St.-Burchardi-Kirche aufgeführt und soll bis zum 4. September 2640 dauern (639 Jahre). Auch die Literatur dazu klingt nicht gerade nach leichter Kost: „Geräuschvolle Stille – Geordneter Klang“  – „Ästhetische und historische Überlegungen im Geiste der Kunstphilosophie von John Cage“.

In der Region zwischen Harz und Heide (für mich gern auch weiter „Braunschweiger Land“) muss heute ein Geburtstagskind gewürdigt werden. Am 29. August 1866 kam Hermann Löns zur Welt. Als Grundschüler habe ich ein Gedicht von ihm lernen müssen. In Erinnerung geblieben sind mir aber eher „Mümmelmann und andere Tiergeschichten“, die mir meine Oma vorlas.

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Sonntag, 28. August: Kennen Sie noch Bandsalat?

Ein Krümelmonster bei der Arbeit

Appetit und eine sich selbsterfüllende Prophezeiung prägten heute meinen Start in diesen Sonntag, 28. August 2022: Ich hatte Lust auf einen Zwieback. Und der leistet am „Krümel-über-der-Tastatur-Tag“ (Crackers Over Your Keyboard Day) die gleichen Dienste wie Knäckebrot, Brötchen oder Kekse.

Nicht dass ich übermäßig reinlich wäre, aber ein prüfender Blick auf meine Tastatur zeigte mir, dass ich den US-amerikanischen Quatsch-Aktionstag wohl gern und häufiger begehe. Kombiniert mit viel Kaffee-Kleckern. Da fällt der Blick natürlich auf ein Buch mit dem Titel „Tastaturreinigung“.

Dahinter allerdings verbergen sich „kurze lyrische Prosatexte“. Die helfen vermutlich eher wenig gegen Kekskrümel. Dagegen könnte der zweite Titel als Anleitung verstanden werden, die Tastatur umzudrehen und allen Unrat herauszuschütteln: „Aus der Tastatur gefallen“ von Scheibenwelt-Erfinder Terry Pratchett beinhaltet allerdings mehr „Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte“.

Heute ist es übrigens 59 Jahre her (1963), dass der niederländische Konzern Philips stellt auf der Funk-Ausstellung in Berlin die erste Musikkassette samt Kassettenrekorder Philips EL 3300 vorstellte. „Bandsalat“ wurde zum geflügelten Wort. Im Buch „Die Glorifizierung des Bandsalats“ geht es aber auch um „andere Alltäglichkeiten“.

Hängengeblieben bin ich bei dem Titel „Das waren unsere 80er“.  Die Verlagswerbung kündigt eine nostalgische Sammlung von „Weißt-Du-noch-Anekdoten“ an. Und sie liefert jene Stichworte, die mein Kopfkino auf Hochtouren anlaufen ließen: Walkmann, Dallas, Vokuhila und Bandsalat.

Damit ich schnell meinen filmischen Fantasie-Bandsalat entwirren und vor allem die Tastatur reinigen kann, hier schnell noch die Literatur-Geburtstagskinder des Tages. Am 28. August 1828 startete Lew Nikolajewitsch Tolstoi auf seinen Lebensweg.

Tolstois Hauptwerke „Krieg und Frieden“ und Anna Karenina sind Klassiker des realistischen Romans. Gerhart Hauptmann sagte über den russischen Schriftsteller: „Lebte er heute, er […] würde zum Frieden rufen, zum wahren Frieden, mit gewaltiger Stimme.“ – Was ja gerade mal wieder auch richtig wichtig wäre…

Ein Multitalent war Julius Stinde, der am 28. August 1841 geboren wurde. Als Chemiker, Journalist und Schriftsteller hatte er offenkundig einen besonders scharfen und analytischen Blick auf seine Berliner Umwelt. Größter Beliebtheit erfreuten sich daher Stindes realistisch-satirische Geschichten um die Berliner Kleinbürger „Die Familie Buchholz“.

Und dann erblickte heute vor 105 Jahren noch ein Mann das Licht der Welt, der wie kaum ein zweiter die Geschichte des Comics prägte. Der Zeichner Jack Kirby war – häufig an der Seite von Stan Lee – geistiger Vater unzähliger Figuren. Mit Popeye fing es an, die Fantastic Four, Thor, der unglaubliche Hulk, Iron Man, die X-Men, der Silver Surfer, Die Rächer, Doctor Doom, Galactus und Magneto sind nur ein Ausschnitt aus dem Gesamtwerk…

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Samstag, 27. August: Schnick, Schnack, Schnuck

Ein spielerischer Tag steht an

Schnick, Schnack, Schnuck. Spielerisch sollten wir diesen Samstag, 27. August 2022, angehen, denn es ist der Internationale Schere-Stein-Papier-Tag“ (World Rock Paper Scissors Day). Sie wissen schon: Stein schleift Schere, Papier wickelt Stein ein, Schere zerschneidet Papier…

Tatsächlich gibt es ernsthaft eine World Rock Paper Scissors Association (WRPSA), die das Ziel hat, das Spiel weltweit zu fördern. Und das tut sie seit 2014 auch mit dem „Schere-Stein-Papier-Tag“. Die Suche nach passender Lektüre gestaltet sich schwieriger. Der Buchtitel „Schere, Stein, Papier“ ist ein Etikettenschwindel, dabei geht es um „Basteln mit Naturschätzen“.  Was natürlich auch Spaß machen kann.

Etwas näher dran ist schon, wer zu „The Big Bang Theory und die Philosophie“ (eBook) greift. Der Untertitel „Stein, Papier, Schere, Aristoteles, Locke“ hält, was er verspricht. Fans der Fernsehserie um Sheldon Cooper wissen allerdings, dass die Nerds die noch etwas kompliziertere Variante „Stein, Papier, Schere, Echse, Spock“ bevorzugen: „Schere schneidet Papier, Papier bedeckt Stein, Stein zerquetscht Echse, Echse vergiftet Spock, Spock zertrümmert Schere, Schere köpft Echse, Echse frisst Papier, Papier widerlegt Spock, Spock verdampft Stein.

Heute vor 60 Jahren erschien die erste Ausgabe der satirischen Monatszeitschrift „Pardon“ – und wurde gleich von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Was in der zwanzigjährigen Geschichte von 1962 bis 1982 kein Einzelfall blieb. Warum, das zeigen oft allein die genialen Covers, die in dem Buch „Teuflische Jahre. Pardon“  gesammelt sind.

„Pardon“ verfügte halt über geniale Leute, sowohl an der Schreibfeder (Robert Gernhardt und F. W. Bernstein) wie auch am Zeichenstift (Hans Traxler und F. K. Waechter, der das Teufelchen, das seine Melone lupft, als Pardon-Markenzeichen schuf). In der Blütezeit war „Pardon“ mit 1,5 Millionen Lesern die größte Satirezeitschrift Europas.

Heute vor 30 Jahren (1992) stellte die Illustrierte „Quick“ ihr erscheinen ein. Was ich persönlich nicht als Drama empfunden hätte, wäre damit nicht auch ein Stück deutscher Comic-Geschichte beendet worden: Die „Quick“ war die Heimat von Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter, besser bekannt als  „Nick Knatterton“ .

Geistiger und künstlerischer Vater des Comic-Detektiven ist der gebürtige Bad Harzburger Manfred Schmidt. Und der wurde nicht müde zu betonen, dass der gewaltige Erfolg seiner Zeichengeschichten im Grunde ein großes Missverständnis gewesen sei. Ursprünglich sollten allein die US-amerikanischen Superman-Comics parodiert werden.

Runden Geburtstag kann heute ein fiktiver Held feiern, der ebenfalls in unzähligen Comics auftauchte und sich von Liane zu Liane schwang: Tarzan wird 110 Jahre alt. Die erste Erzählung mit der von Edgar Rice Burroughs erdachten Figur „Tarzan“ erschien am 27. August 1912.

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Freitag, 26. August: Von Hunden und Hamstern

Ein Sommerloch mit großen Momenten

Wir sind an diesem Freitag, 26. August 2022, ja eigentlich schon fast aus dem „Sommerloch“ heraus, aber meine Themensuche dominiert es weiter. Auch wenn es immer große Momente gab.

Die Wikipedia-Rubrik Gedenk- und Aktionstage bleibt über Tage leer. Und die „kuriosen Kalender“ liefern nur noch mehr oder minder tiefschürfenden US-Unsinn wie den „Kirsch-Wassereis-am-Stiel-Tag“ (National Cherry Popsicle Day). Eher mitgehen könnte man da schon beim   US-„Tag des Hundes“.  Dagegen ist der „Tag des Toilettenpapiers“ (National Toilet Paper Day) wohl eher etwas für Menschen die in der Denke dem „Cricetus cricetus“ (dem gemeinen Hamster) nahestehen…

Etwas mehr Zutrauen in die eigene Genialität hätte dem französischen Tüftler Charles Bourseul nicht geschadet: Am 26. August 1854 beschreibt er in der Zeitschrift „L’illustration“ detailliert seine Idee des Telefons – und erntete überwiegend Spott. Er verfolgte das Projekt nicht weiter und überließ das Feld anderen wie  Philipp Reis, der zum zentralen Wegbereiter des Telefons wurde, ehe schließlich Alexander Graham Bell das Telefon 1876 zur Marktreife brachte.

Ein wahrhaft bleibendes Werk (zumindest in Teilen) schrieb heute vor 181 Jahren (1841) August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Der Dichter vollendet in diesem Jahr sein „Lied der Deutschen“, dessen dritte Strophe bis heute der Text der deutschen Nationalhymne ist.

„Der Choral der Hölle“  betitelte André Milewski seinen historischen Roman – und hatte damit keineswegs übertrieben, denn es geht um den Ausbruch des Vulkans Krakatau am 26. August 1883. Einen Tag später stürzte der Vulkankegel in sich zusammen und verursachte gigantische Tsunamis, die abertausende Menschen in den Tod rissen.

Zwiespältig sind die Erinnerungen der Deutschen, wenn sie an die XX. Olympische Sommerspiele in München zurückdenken. Das „fröhliche Fest des Friedens“ wurde heute vor 50 Jahren (1972) durch Bundespräsident Gustav Heinemann eröffnet. Bis ein brutaler Terroranschlag am 5. September für Fassungslosigkeit und Trauer sorgte.

Erinnert werden soll an ihrem Geburtstag noch an zwei große Autoren. Am 26. August 1880 wurde der Schriftsteller und Kunstkritiker Guillaume Apollinaire geboren. Regelmäßige Leser*innen unseres bebilderten Bücherblogs erinnern sich: Gemeinsam mit Picasso stand Apollinaire einst unter Verdacht, die Mona Lisa aus dem Louvre geklaut zu haben.

An Christopher Isherwood, der am 26. August 1904 zur Welt kam, muss ich allein deshalb erinnern, weil er die literarische Vorlage für einen meiner Lieblingsfilme schuf „Cabaret“. In seinen sogenannten Berliner Erzählungen schuf Isherwoods die Cabaret-Charaktere, die kurz vor der Machtergreifung der Nazis  „die Augen vor der drohenden Katastrophe verschließen und sich um den Verstand feiern“. Wir sollten in diesen schwierigen Zeiten beim Feiern wieder vorsichtiger sein…

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Donnerstag, 25. August: Der erste große Schwindel

Die Hoffnung auf den Spaß des Lebens

Mitgefühl, Teil 2: An diesem Donnerstag, 25. August 2022, beginnt der „Ernst des Lebens“ wieder. Ich glaube ja bis heute, dass aus mir was hätte werden können, wenn in Schulzeiten etwas mehr Wert auf den „Spaß des Lebens“ gelegt worden wäre…

Allerdings habe ich mich auch stets gern ablenken lassen. Heute früh beispielsweise fällt mir das Schreiben schwer, ich habe angefangen, in einem Forsythe zu blättern. Ja, genau, Frederick Forsythe. Einer der erfolgreichsten Thrillerautoren der Welt. Sein Erstling „Der Schakal“  behauptete in den 1970er Jahren wochenlang den Spitzenplatz der Spiegel-Bestsellerlisten.

Mit den politischen Ansichten des seit heute 82-Jährigen konnte ich meist eher wenig anfangen. Aber der Mann hat eine geniale Schreibe, kann Spannung aufbauen wie wenige andere. Folgerichtig landete der Autor, der auch für den britischen Nachrichtendienst MI6 aktiv war, mit seinen Romanen, die tatsächliche mit fiktiven Ereignissen verbinden, immer wieder Weltbestseller. „Die Akte Odessa“ und „Des Teufels Alternative“ sind – wenn auch etwas angejahrt – absolut lesenswerte Beispiele.

Die besten Ideen aus Dosen. Upcycling Dosen – Aus alt mach neu“ verspricht die Verlagswerbung für das Buch „Resteliebe Dosen – Alles verwenden. Nichts verschwenden“. Wieso ich gerade jetzt darauf komme? Nun, heute vor 212 Jahren, am 25. August 1810, erhielt der Brite Peter Durand in Großbritannien ein Patent auf die Konservendose.

Für ganz frühe „Fake News“ sorgte die New York Sun am 25. August 1835, als sie den ersten Artikel des „Great Moon Hoax“ veröffentliche. „Der große Mond-Schwindel“ war eine Serie von sechs Zeitungsartikeln, in denen die angebliche Entdeckung von Leben auf dem Mond verkündet wurde. Was vor fast 200 Jahren noch für Amüsement sorgte, lässt einem heute in der oft wissenschaftlich verbrämten Fake-News-Welle das Lachen im Halse ersticken. Über „Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“ klärt ein Buch unterhaltsam auf: „Grüne fahren SUV und Joggen macht unsterblich“.

Und sonst noch? Heute vor 55 Jahren startete auf der Internationalen Funkausstellung in Deutschland das Farbfernsehen. Ein Ereignis, das zum Thema Fake und Hoax passt, denn der rote Knopf, auf den Vizekanzler Willy Brandt seinerzeit drückte, war eine Attrappe. Und peinlicherweise wurde der Knopfdruck zum Start des Farbfernsehens schon in Farbe übertragen… Dann lesen wir doch lieber über „Klassiker des Fernsehfilms“ und erinnern uns an „das Beste aus 60 Jahren Fernsehgeschichte“.

Zwei Geburtstagskinder des deutschen Kultur- und Medienbetriebs sind noch zu bedenken. Journalistin, Fernsehmoderatorin, Produzentin und Autorin Sandra Maischberger wird 56 Jahre alt. Über die Frage, „was unser Land in Zukunft zusammenhält“ sprach sie mit dem Politiker Hans-Jochen Vogel in „Wie wollen wir leben“ (eBook).

Ein Jahr jünger ist Eckart von Hirschhausen, der sich als Arzt, Kabarettist und Wissenschaftsjournalist für nachhaltigen Gesundheits-, Klima- und Artenschutz einsetzt: „Wir müssen nicht das Klima retten – sondern uns“ ist einer seiner prägnanten Sätze: „Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben“

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Mittwoch, 24. August: Schön war die Ferienzeit…

So ist der ganze Herbst bestellt

Mein Mitgefühl gilt an diesem Mittwoch, 24. August 2022, ganz den Schülerinnen und Schülern in Niedersachsen. Heute ist letzter Sommerferientag.

Wobei ich mich an widerstreitende Gefühle an eben diesen letzten Ferientagen erinnere. Schließlich sah man mit dem ersten Schultag auch jede Menge Kumpels wieder, die man bisweilen sogar Wochen nicht getroffen hatte. Nur der Schauplatz des Wiedersehens war halt nicht so schön locker und entspannt…

Stöbert man nach dem Suchbegriff „Ferien“ durch den Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT, kann man Erstaunliches entdecken. Unter anderem die „Ferien-Stars“-Reihe wie „Ferien-Stars 3. Schuljahr“. Ein buntes Übungsheft mit „Stickerbogen: Sternchenaufkleber, Lösungsheft“. Hätte ich da einen Blick hineingeworfen, meine Eltern (und meine Lehrer) wären begeistert gewesen. Aber in diesem Zusammenhang war ich frei von jeglichen Starallüren

Meine Wahl viel da eher auf Bücher, die heute als Kinder- und Jugendbuch-Klassiker gelten: „Ferien auf Saltkorkan“ aus der Feder von Astrid Lindgren beispielsweise. Und die Bücher der großen Schwedin kann man prima auch heute noch lesen, ein großartiger Schreibstil bleibt großartig.

Da mein Denken am letzten Sommerferien-Tag meist der Wartezeit bis zu den Herbstferien galt, hier eine kleine Hilfestellung. Herbstferien sind in diesem Jahr vom 17. bis 28. Oktober. Bis dahin sind es (inklusive der freien Wochenenden) vom morgigen ersten Schultag aus gerechnet 53 Tage, oder 1272 Stunden, oder 76.320 Minuten, oder 4.579.200 Sekunden. Und wenn es dann endlich soweit ist, empfehle ich Jean-Jacques Sempés „Endlich Ferien“.

Heute ist übrigens auch St. Bartholomäus. Also der Tag, an dem seit 1575 auf Geheiß von Herzog Julius eigentlich das Salzfest gefeiert werden soll. Dies haben wir nun schon am Wochenende erledigt. Aber was spricht eigentlich gegen eine kleine private (Grill-)Nachfeier? („Weber’s Grill-Bibel“ haben wir ja erst kürzlich empfohlen).

Der Bartholomäus-Tag (Bartheltag) ist in den Bauernkalendern zudem ein wichtiger Lostag. Und wenn der Tag heute tatsächlich so schön wird, wie vorhergesagt, müssen wir uns um einen warmen Herbst keine Gedanken machen: „Wie sich das Wetter am Bartheltag stellt ein, so soll’s den ganzen September sein“. Und die Herbstferien mit umfassend: „Wie Bartholomäus sich hält, so ist der ganze Herbst bestellt.“ Wichtig auch für Freunde eines edlen Tropfens: „Bartholomä voll Sonnenglut macht Wein und Reben stark und gut.

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Dienstag, 23. August: Vom Schandmal zum Gütesiegel

Zwei Frauen und ein weltberühmtes Wahrzeichen

Heute ist Dienstag, 23. August 2022. Und im Grunde ist es das Datum, an dem die Deutschen den Briten seit 135 Jahren Dank sagen sollten.

„Ins eigene Knie geschossen“ würde man heute im Rückblick wohl konstatieren. Um Großbritannien vor vermeintlich billiger und minderwertiger Importware zu schützen, wurde am 23. August 1887 der Merchandising Marks Act verabschiedet. Die Folge: Auf jedem importierten Produkt musste das Herkunftsland vermerkt sein. „Made in Germany“ war geboren.

In „Anmerkungen zu Made in Germany“ wird „Deutschlands Wirtschaftsgeschichte von der Industrialisierung bis heute“ betrachtet. Und dabei wird der Wandel des „Made in Germany“ vom Schandmal zum Gütesiegel ohne Frage eine gewichtige Rolle spielen. Nach einer internationalen Studie aus dem Jahr 2017 genießt „Made in Germany“ weiter sehr hohes Ansehen und liegt auf Platz 1 von 52 Ländern des Made-in-Country-Index

Sie ist vergleichsweise klein, hübsch und in jeder Hinsicht märchenhaft: Am 23. August 1913 wurde im Kopenhagener Hafen die Kopie der Skulptur „Die Kleine Meerjungfrau“ des Bildhauers Edvard Eriksen aufgestellt. Ihr geistiger Vater aber ist der dänische Dichters Hans Christian Andersen, der ihr ein weltbekanntes Märchen widmete.

Ganz und gar nicht märchenhaft ist, dass die Skulptur mit unschöner Regelmäßigkeit von zerstörerischen Idioten heimgesucht wird. Der Meerjungfrau wurden der Kopf (24. April 1964), der rechte Arm (22. Juli 1984) und wieder der Kopf (6. Januar 1998) abgesägt. Und dann wurde die junge Dame vermutlich mit Hilfe von Sprengstoff am 11. September 2003 auch noch von ihrem Felsen gestürzt. Sie hat alles überstanden, wie auch der „Vis-à-Vis Reiseführer Kopenhagen“  zu berichten weiß.

Die Meerjungfrau besteht allerdings sozusagen aus zwei Frauen. Der Edvard Eriksen gestaltete den Kopf nach dem Vorbild der populären Primaballerina Ellen Price.  Die aber lehnte es ab, dem Künstler als Aktmodell zu dienen. Seither hat die Meerjungfrau den Körper von Eriksens Ehefrau Eline.  Das Ganze aber en miniature, denn mit einer Höhe von 125 cm gilt das Kunstwerk als eines der kleinsten Wahrzeichen der Welt.

Da musste etwas ganz Besonderes herauskommen: Ein großer Autor, Raymond Chandler mit „Der große Schlaf“ („The Big Sleep“) lieferte die Vorlage, das Drehbuch schrieb mit William Faulkner („Schall und Wahn“) ein späterer Literatur-Nobelpreisträger, Regie führte mit Howard Hawks ein Mann, der unzählige Filmklassiker schuf und mit einem Ehrenoscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Und vor der Kamera agierten – ganz frisch verheiratet – mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall zwei der größten Hollywood-Stars ihrer Zeit. Ergebnis am 23. August 1946: „Tote schlafen fest“, nach Meinung vieler Kritiker der „größte Kriminalfilm aller Zeiten“.

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Montag, 22. August: Petra und Indiana-Jones

Berühmte Namen, berühmte Werke

Das Salzfest-Feierwochenende liegt an diesem Montag, 22. August 2022, hinter uns. Aber es liegen ja auch noch viele Veranstaltungen vor uns. Und auch wenn es nur ein erster Punkt war: Nach dem 2:2 von Eintracht Braunschweig freue ich mich ein wenig mehr auf die „Aantracht“-Lesung in der BÜCHER-HEIMAT am 1. September.

Über ihre Existenz wurde gemunkelt, aber erst der Schweizer Johann Ludwig Burckhardt fand heute vor 110 Jahren (getarnt als Araber) die Felsenstadt Petra im heutigen Jordanien und lüftete damit den Schleier des Geheimnisses, der die beeindruckende Stätte umgab. Seither schmücken Petra-Fotos etliche Jordanien-Reiseführer.

Für ganz hartnäckige Fans, die die Blicke gar nicht mehr abwenden mögen, gibt es mehrere Petra-Wanderkalender. Was allerdings auch wieder Tücken birgt, denn nicht allein meine Söhne würden auf den Kalenderbildern vermutlich nach Indiana Jones auf dem letzten Kreuzzug suchen…

„Jedermann!“ – Zum ersten Mal hallte 1920 der schaurige Ruf des Todes über den Salzburger Domplatz und eröffnete den Reigen der Salzburger Festspiele, die Hugo von Hofmannsthals berühmtes „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ bis heute mit gewaltigem Erfolg bieten. Bis Salzburg habe ich es als Theaterbesucher nicht gebracht, aber ich erinnere mich gut an die Gänsehaut, die ich hatte, als das „Jedermann!“ einst bei den Bad Gandersheimer Domfestspielen aus dem Portal des Gotteshauses erscholl.

Der Schoner „America“ (Foto oben: Wikipedia) gewann am 22. August 1851 vor der Isle of Wight den „100 Guinea Cup“. Prompt wurde der Segel-Wettbewerb seither „America’s Cup“ genannt und als solcher weltberühmt. Eine nette Geschichte, die mich aber ins Grübeln brachte. Übertragen auf die Fußball-Bundesliga wäre die Deutsche Meisterschaft nach dem Prinzip heute der „1.FC-Köln-Cup“. Oder, weil’s besser klingt, die „Geißbock-Schale“.

Noch schnell zwei Geburtstage: Heute vor 142 Jahren (1880) wurde Gorch Fock geboren. Ja, das war ein Schriftsteller, nicht „nur“ ein Segelschulschiff der Bundesmarine. Der gute Mann hieß allerdings eigentlich Johann Wilhelm Kinau. Und sein berühmtester Roman „Seefahrt ist not!“ beschreibt das Leben der Hochseefischer auf Finkenwerder laut Lexikon „in heroisierender Weise“.

Der heute vor 102 Jahren (1920) zur Welt gekommene Ray Bradbury wird zwar nicht mit einem Schiff verwechselt, hat aber ein anderes Problem: Wenn seine Name fällt, denken die meisten Menschen vermutlich an den Roman „Fahrenheit 451“, eine der bekanntesten und düstersten Dystopien des 20. Jahrhunderts. Bradbury tummelte sich als Schriftsteller und Drehbuchautor jedoch auf den Feldern Science-Fiction, Horror und Phantastik. Und seine „Mars-Chroniken“ sind unbedingt lesenswert.

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Schaufenster-Präsentation

Aus Berlin kommt ein Energie-Sparaufruf nach dem nächsten. Wir tun etwas. Wie schon etliche BÜCHER-HEIMAT-Fans bemerkt haben, wurde die Schaufenster-Präsentation ausgeschaltet. Wir arbeiten daran, einen Automatismus zu programmieren, der die Präsentation nur noch zu bestimmten Zeiten zeigt. Damit niemand die Hinweise auf die beliebten Lesetipps aus dem Team der BÜCHER-HEIMAT und die Bilder aus dem Ahrens-Fotoarchiv vermisst, stellen wir unsere Schaufenster-Präsentation jetzt online.