Erinnerungen: Grenzschicksale

„Grenzschicksale – Als das Grüne Band noch grau war“

Der Verlag Janos Stekovics hat im April 2023 eine Publikation zur deutschen Teilung vorgelegt: Unter dem Titel „Grenzschicksale – Als das Grüne Band noch grau war“ entstand ein Buch, in dem 30 Zeitzeugen ihr Leben auf beiden Seiten dieser lange als unabänderlich geltenden Grenze schildern. Ergänzt werden die Lebensberichte durch einfühlsame Porträts der Fotografin Maike Glöckner sowie durch einen umfangreichen Bildteil mit Arbeiten des Landschaftsfotografen Janos Stekovics.

Nirgendwo sonst sind die Spuren der deutschen Teilung noch heute so sichtbar wie am Grünen Band, jenem Areal, das früher die innerdeutsche Grenze bildete. Obwohl diese Grenze noch immer im öffentlichen Diskurs präsent ist, mag es vor allem für junge Menschen schwierig sein, das Leben und den Alltag an und mit ihr zu verstehen.

Deshalb kommt der Bewahrung der Erinnerungen jener, die diese Zeit erlebt haben, ein immer größerer Stellenwert zu. Zentrales Element in diesem Prozess sind die Berichte von Zeitzeugen. Sie bereichern den Diskurs um eine ganz besondere Facette, denn vor allem ihre persönlichen Schilderungen sind es, die Geschichte für die Nachgeborenen anschaulich werden lassen.

Das Potenzial, das in diesem Genre steckt, zeigt sich im vorliegenden Buch. Es enthält 30 sehr persönliche Porträts von Menschen, die ganz unterschiedliche Erfahrungen aus ihrem Leben auf beiden Seiten der einstigen innerdeutschen Grenze schildern. Darin wird deutlich, wie stark die deutsche Teilung in das persönliche Leben und Arbeiten der Menschen hineinwirkte. Aber auch, wie unterschiedlich man mit dieser Grenze umging. Die geschilderten Lebensgeschichten bestechen durch ihre Nahbarkeit. Sie sind naturgemäß häufig erschreckend, brutal oder tragisch, mindestens so oft aber auch interessant und bewegend, detailreich und spannend, ja oft sogar klug und weise.

Zu Wort kommen unter anderem Bewohner des einstigen Sperrgebiets der DDR. Sie schildern, wie im Lauf der Jahre der politische Druck auf sie immer weiter zunahm. Ein Beispiel dafür ist die Ortschaft Abbenrode im Harz, in der der Zeitzeuge Andreas Weihe aufwuchs. Der 61-Jährige berichtet, zu welchen Absurditäten die stetige Verschärfung des Grenzregimes im Alltag des Ortes führte: „Auch unser Sportplatz und die Badeanstalt lagen in unmittelbarer Nähe zur Grenze. Anfang der 1970er wurde der Sportplatz verlegt. Im Anschluss baute man diagonal über den alten Sportplatz einen neuen Signalzaun. Damit lag unsere Badeanstalt nun im sogenannten 500-Meter-Grenzstreifen und war für die Abbenröder fortan nicht mehr erreichbar.“

Außerdem schildern Betroffene der Aktion „Ungeziefer“ ihr Schicksal, bei der in den 1950er und 60er Jahren als politisch unzuverlässig geltende Familien aus dem DDR-Sperrgebiet zwangsausgesiedelt wurden. Eine von ihnen ist Inge Jakobs, deren Lebensweg stellvertretend für das Schicksal ihrer Heimat steht: Die heute 71-Jährige wurde 1951 im in Sachsen-Anhalt gelegenen Teil des Doppel-Dorfes Böckwitz Zicherie geboren. Nachdem sie mit ihren Eltern  1952 zwangsausgesiedelt wurde, floh die Familie in den Westen. Dort wuchs Inge Jakobs im niedersächsischen Grenzort Zicherie auf, nur wenige Hundert Meter entfernt vom zwangsenteigneten elterlichen Hof, und doch in einer anderen Welt. „Wir konnten unseren Hof in Böckwitz fast sehen. Trotzdem konnten wir nicht nach Hause, das war schmerzlich, vor allem für meine Eltern.“

Vor der deutschen Teilung waren Zicherie (Niedersachsen) und Böckwitz (Sachsen-Anhalt) eine kulturelle und wirtschaftliche Einheit, man verstand sich als Doppeldorf, heiratete untereinander, ging in die gleiche Schule, die in Böckwitz stand, in die gleiche Gastwirtschaft, die sich genau auf dem Grenzstreifen befand und später aus diesem Grund abgerissen wurde, spielte im gleichen Verein Fußball. Die Teilung hat das Zusammenleben der Menschen für lange Zeit verändert, noch heute wird das spürbar. Trotzdem ist seit der Wiedervereinigung auch hier einiges wieder zusammengewachsen. Die Familie von Inge Jakobs bekam 1990 die Reste ihres Hofs in Böckwitz zurück, inzwischen leben ihre Kinder auf dem Areal.

In weiteren Porträts geben unter anderem ein ehemaliger Mitarbeiter des Bundesgrenzschutzes in Goslar, ein Förster aus der Altmark, ein Fluchthelfer aus Braunschweig sowie eine Pfarrerin aus dem Harz Auskunft über ihr Leben an und mit der Grenze. Hier wird auch deutlich, wie sich der ehemalige Todesstreifen inzwischen gleichsam zur Lebenslinie gewandelt hat. Denn mit der Wiedervereinigung haben die Menschen dieser Landschaft zu einer neuen Bestimmung verholfen, wie die im Buch enthaltenden großformatigen Fotografien des Landschaftsfotografen und Verlegers Janos Stekovics zeigen.

Aber auch Menschen, die nicht in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Grenze gelebt haben, kommen im Buch zu Wort. Denn auch sie waren den massiven Auswirkungen der deutschen Teilung ausgesetzt. Das zeigt sich vor allem anhand der Schilderungen von ausgefeilten Fluchtplänen aus der DDR, wie sie die Zeitzeugin Katrin Schmidt wiedergibt: Geboren 1965 in Halle (Saale) wandte sie sich schon als Kind gegen den politischen Druck und die Vorbestimmtheit des sozialistischen Lebenswegs. Die empfundene Enge mündete schließlich in einen kreativen Fluchtplan, der sie 1987 über Warschau bis nach China und dann weiter um den Erdball führte.

Das aufwändig gestaltete Buch enthält darüber hinaus Fotos von Gedenkorten und Gedenkstätten sowie von noch heute in der Natur sichtbaren Spuren der deutschen Teilung. Zudem wurden alle zu Wort kommenden Zeitzeugen von der halleschen Fotografin Maike Glöckner porträtiert.

Die umfangreiche Publikation wird gemeinsam von Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Dr. Kai Langer, Direktor der Stiftung Gedenkstätten des Landes Sachsen-Anhalt und Birgit Neumann-Becker, Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegeben und stammt aus der Feder der halleschen Autorin Ines Godazgar.

Ines Godazgar: „Grenzschicksale zwischen Altmark und Harz. Als das Grüne Band noch grau war“. Verlag Janos Stekovics. 592 Seiten, ISBN 978-3899234503, Preis: 32,00 Euro.

Donnerstag, 17. Oktober 2024, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Silke Schaudienst und ihr Wolfenbüttel-Roman

Der Okermühle verpflichtet

Silke Schaudienst hat im Dezember 2021 Ihr Buch „Das Siegel der Treue – Der Okermühle verpflichtet“ herausgebracht. Es handelt sich dabei um die Entstehungsgeschichte Wolfenbüttels. Sie selbst ist Wolfenbüttelerin und hat die historischen Hintergründe im Niedersächsischen Staatsarchiv und in der Bibliothek ihrer Stadt recherchiert.

Die Autorin nimmt in ihrem Roman die Leserschaft tief in die Historie Ihrer Heimatstadt mit. Es ist eine spannende Familiengeschichte zwischen dem 10. und 18. Jahrhundert, die aber ihren Ursprung durch einen spektakulären Fund in der Gegenwart hat.

Silke Schaudienst hat für viele Leser und Leserinnen unbekannte oder fast vergessene Geschehnisse und Persönlichkeiten in ihrem Buch wieder zum Leben erweckt. Da sie nicht nur die historisch interssierierte Leserschaft ansprechen wollte, hat sie ihren Protagonisten einen großen Raum gegeben und lässt die geschichtlichen Ereignisse dezent im Hintergrund mitlaufen.

„Wolfenbüttel hat so viel Geschichte zu bieten! Sie beginnt nicht erst mit der Residenz und den Herzögen.  Zudem wollte ich einen durchgängigen zeitlichen Ablauf unserer Stadtgeschichte aufzeigen. Oft fällt einem nur etwas Themenbezogenes in die Hände“ , so die Autorin.

Sie ist seitdem mit ihrem Roman auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen und Orten sehr erfolgreich unterwegs. Die vielen positiven Resonanzen, die sie erhält, sowie mehrfach ausgebuchten großen Lesungen sprechen für sich.

Zum Inhalt: Es sollte nur ein kurzes Nachforschen im Keller seines Hauses sein, um die aufgeworfene Frage seiner Frau zu beantworten. Doch durch einen schaurigen Fund wurde daraus für Georg ein Hinterfragen seiner Familiengeschichte. Gab es unter seinen Ahnen jemanden der Täter oder Opfer war? Was würde das für ihn selbst heute bedeuten? Um das zu beantworten, muss Georg tief in die Geschichte seiner Vorfahren und Stadt eintauchen. Es beginnt eine unbekannte Reise voller Gefahren für seine Ahnen und mit ungewissem Ausgang für ihn selbst.

Mittwoch, 26. Juni 2024, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon  (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Mitmach-Buchhandlung: Hilfe aus Hansestadt

Mitmach-Buchhandlung: Hilfe aus Hansestadt
Hasan Tarab, Sören Fischer, Tjalf-Bjarne Scharnweber und Johannes Martirosjan studieren Informationstechnologie und Design an der TH Lübeck und haben da Online-Portal für den Schreibwettbewerb der BÜCHER-HEIMAT entwickelt. Foto: Privat

Eine Plattform für die Buchstaben im Kopf

Schreibwettbewerb der Bücher-Heimat und der Öffentlichen Versicherung bietet dank Hilfe aus Lübeck komfortablen Online-Zugang

Jetzt können die Buchstaben aus dem Kopf direkt in den Schreibwettbewerb „Buchstaben im Kopf“ der Bücher-Heimat und der Öffentlichen Versicherung Braunschweig fließen: Seit Sonntagabend ist die Plattform online, auf der nach der aktuell laufenden Premiere weitere Wettbewerbe folgen sollen.

Auf der Plattform, die über die Website der Bücher-Heimat zu erreichen ist, wird nicht allein kompakt und übersichtlich alles Wissenswerte zum Schreibwettbewerb angeboten. Teilnehmer können ihre Texte direkt hochladen und einreichen. Und wer als Lese-Fan auf eine Entdeckungsreise zu den literarischen Talenten der Region gehen möchte, findet hier alle Texte zum Schmökern.

Über den Tag hinaus gedacht: Mit wechselnden Motiven und Farben haben die Studenten Plakate entwickelt, die bei eventuellen zukünftigen Wettberwerben einfach zu beschriften sind.

Und die Plattform hat noch mehr zu bieten. Allerdings eher im „Verborgenen“. Veranstalter und Jury-Mitglieder gelangen über einen Passwort-geschützten Zugang auf die Organisationsebene, auf der beispielsweise mit wenigen Mausklicks auch neue Wettbewerbe eingerichtet werden können.

Bei der Online-Plattform wie auch bei Plakaten, Handzetteln und Social-Media-Materialien funktionierte das Prinzip der Mitmach-Buchhandlung einmal mehr bestens. Wobei die „Mitmacher“ in diesem Fall aus eher unerwarteter Richtung kamen: Hasan Tarab, Sören Fischer, Tjalf-Bjarne Scharnweber und Johannes Martirosjan studieren Informationstechnologie und Design an der TH Lübeck und haben im engen Kontakt mit dem Team der Bücher-Heimat um Sonja Weber die Plattform und das unverwechselbare Design entwickelt.

Der Kontakt entstand über den Lochtumer und einstigen NIG-Absolventen Sören Fischer. Nach dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI), das das Ahrens-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung online brachte, hat damit auch die Bücher-Heimat ein erstes großes Projekt mit Studenten realisiert. „Wir geben den jungen Menschen gern eine Chance – und können davon sogar noch profitieren“, freut sich Sonja Weber über die „Win-Win-Situation“.

Bis zum 31. Mai können zum Schreibwettbewerb „Buchstaben im Kopf“ noch Texte eingereicht werden. In der Themenwahl sind die Autoren völlig frei. Was zählt, ist die Originalität und die Fähigkeit, die Leser zu fesseln. Dazu allerdings sollte ein bislang noch nicht veröffentlichter Text in deutscher Sprache auf drei Seiten A4, Arial 12 Punkt (rund 11.000 Zeichen) ausreichen.

Wer mit seinem Werk zufrieden ist, klickt im Menü des Portals auf „Mitmachen“ und landet auf einem Formular, dass jeden Schritt für Schritt anleitet. Der Text kann aus jedem Schreibprogramm kopiert und in das Formular eingefügt werden. Wer mag, kann allerdings auch auf dem Texteditor der Plattform tätig werden, die Freigabe erfolgt erst, wenn der Text vollendet ist.

Einreichungsschluss ist wie gesagt der 31. Mai. Dann schlägt die Stunde der Jury, die von der Öffentlichen Versicherung Braunschweig, der Bad-Harzburg-Stiftung, der Bücher-Heimat, der Harzburger Aktion und der Stadtbücherei Bad Harzburg besetzt wird.

Teatime mit „Charlotte“

Teatime mit „Charlotte“

Stilvoller Genuss für Leib und Seele

Die Treffen in 2023 und 2024 haben offenkundig Lust auf noch mehr gemacht: Das Gründerzeitmuseum Villa Charlotte und die BÜCHER-HEIMAT laden folgerichtig auch in diesem Jahr wieder zum High Tea mit Literatur in Bad Harzburg ein.

Dabei führen die Inhaber der Villa Charlotte und die Mitarbeiterinnen der BÜCHER-HEIMAT zwei Erfolgskonzepte zusammen: Die einen liefern das stilvolle Ambiente und kennen sich mit kulinarischen Leckereien aus, die anderen sind Fachfrauen in Sachen Büchern. Nun sind weitere gemeinsame Veranstaltungen geplant, zunächst drei für dieses Jahr, die in der Villa Charlotte in der Rudolf-Huch-Straße 10 in Bad Harzburg stattfinden.

Die Termine im Jahr 2025: 09. April, 27. August und 6. Dezember, Beginn jeweils 16.30 Uhr.

Foto: Villa Charlotte

Die Teekultur verdanken die Niedersachsen König Georg I., der 1714 die 123 Jahre währende Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien begründete. Der High Tea ist eine abendliche Mahlzeit, zu der süße und herzhafte Häppchen serviert werden.

Ganz im Sinne dieser Tradition wird bei den Treffen in der Villa Charlotte zur Teatime gebeten – inklusive Sandwiches, Scones, Clotted Cream, Konfitüre, selbstgebackene Kuchen, Sahne und verschiedene Teesorten. Die Mitarbeiterinnen der BÜCHER-HEIMAT steuern Buchvorstellungen und kleine Lesungen bei. Die Kosten pro Person betragen 30,00 Euro für Speisen und Getränke, eine Anmeldung ist direkt in der Villa Charlotte unter Telefon 0160/91074053 oder per E-Mail: mail@villa-charlotte.de erforderlich, die Plätze sind begrenzt.

Ehre, wem Ehre gebührt…

Ehre, wem Ehre gebührt…

Eselsohr und Ehrentafel

Der Wandel vom Bankgebäude zur Heimat für alle Bücherfreunde schreitet an der ehemaligen Commerzbank weiter fort. In dem abknickenden Gässchen zwischen Herzog-Wilhelm- und Rosenstraße, dem Dirk Junicke den Namen „Eselsohr.“ verpasste, prangt jetzt eine Ehrentafel der bisherigen Preisträger des renommierten Bad Harzburger Jugendliteraturpreises „Eselsohr“. Von Klaus Kordon, der den Preis 1989 in Empfang nahm, bis zu Dirk Reinhardt, der 2022 mit „Perfect Storm“ siegte. Vorausschauend ist auf der Tafel selbstverständlich auch Platz für kommende Preisträger gelassen.

Einen besseren Ort für die Würdigung der Preisträger hatte man schwerlich in der Kurstadt finden können. Die Bücher-Heimat steht ebenso wie der Jugendliteraturpreis für ein Zusammenspiel der gesellschaftlichen Kräfte rund um engagierte Ehrenamtliche. Verliehen wird das „Eselsohr“ von der Harzburger Aktion, die auch die Jugendbuchwochen an den Schulen organisiert. Die Bücher-Heimat war Schauplatz der öffentlichen Lesung im Rahmen der Jugendbuchwoche und die Bad Harzburg-Stiftung finanziert (unter anderem aus den Gewinnen der Bücher-Heimat) die eigentliche Trophäe „Eselsohr“. Vor allem aber zeigt auch die Jury in der Bürgerinnen und Bürger der Stadt mitwirken, dass Bad Harzburg auch eine großartige „Buchstadt“ ist.

Das „Harzburger Eselsohr“*

Der Bad Harzburger Jugendliteraturpreis wird seit 1989 jedes zweite Jahr von der Stadt Bad Harzburg verliehen.

Preistrophäe ist das „Harzburger Eselsohr“ in Silber; zusätzlich ist der Preis mit 1500 Euro dotiert. Mit diesem Preis sollen herausragende Werke der Jugendliteratur ausgezeichnet und auf Neuerscheinungen der Literatur für Kinder und Jugendliche aufmerksam gemacht werden. Als Kandidaten kommen Bücher in Frage, die sich an Jugendliche ab 12 Jahren richten, ursprünglich in deutscher Sprache erschienen und noch nicht älter als drei Jahre sind. Über die Vergabe entscheidet eine ehrenamtliche Jury, der unter anderem Vertreter der Stadt und der Stadtbücherei sowie Bad Harzburger Jugendliche und Bürger angehören.

Die Trophäe wurde von Goldschmiedemeisterin Katrin Erben entworfen und von ihr für jeden Preisträger individuell in Handarbeit gefertigt.

Die bisherigen Preisträger:

1989: Klaus Kordon, Wie Spucke im Sand
1991: Renate Welsh, Drachenflügel
1993: Paul Maar, Kartoffelkäferzeiten
1996: Jürgen Banscherus, Davids Versprechen
1998: Reinhold Ziegler, Version 5Punkt12
2000: Waldtraut Lewin, Paulas Katze
2002: Martina Dierks, Romeos Küsse
2004: Lilli Thal, Mimus
2006: Antje Babendererde, Lakota Moon
2008: Steffen Lüddemann, 50 Hertz gegen Stalin
2010: Kathrin Schrocke, Freak City
2012: Heike Eva Schmidt, Amerika liegt im Osten
2014: Anna Kuschnarowa, Djihad Paradise
2016: Herbert Günther, Zeit der großen Worte
2018: Astrid Frank, Unsichtbare Wunden
2020: Manfred Theisen, Rot oder Blau
2022: Dirk Reinhardt, Perfect Storm

*Quelle: Wikipedia

„Wander-Lesung“ mit Axel Gottschick

Literarische Lust mit des
Müllers Wander-Frust

Er wird sicher nicht „per pedes“ nach Bad Harzburg kommen, aber um „Schusters Rappen“ wird es dem Schauspieler und Hörspielsprecher Axel Gottschick bei seiner Lesung am 2. Mai 2024 gehen. „Das Wandern ist des Müllers Frust“ ist der Abend mit Gottschick überschrieben. Fast schon ein Stammgast im Veranstaltungsreigen der BÜCHER-HEIMAT verspricht er dabei einen „literarischen Absturz im Hochgebirge“. Mit ihm als Bergführer.

Axel Gottschick ist im Mai als literarischer Bergführere in der BÜCHER-HEIMAT unterwegs.

„Ein Kaleidoskop von Texten über höchstes Glück und erschütternde Abstürze, über Bergführer, die sich nicht auskennen und Grenzpolizisten, die sich nicht umdrehen. Eine Wanderung zwischen Höhenlust und Todesangst“, heißt es in der Ankündigung. Die funkelnden Kristalle für das Kaleidoskop steuern großartige Schriftsteller und Dichter bei, deren Gedanken über das Wandern Axel Gottschick in unnachahmlicher Weise darbietet.

Deutschlands oberster Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war seiner Zeit gemäß viel zu Fuß unterwegs. Aber der berühmte „Osterspaziergang“ ist natürlich nicht herausfordernd genug für einen literarischen Abend rund ums Wandern. Folgerichtig hat Axel Gottschick „Wanderers Nachtlied“ aus dem großen Goethe-Fundus ausgewählt.

Weiter geht es auf eine „Fußwanderung“ mit Robert Walser und wird mit Georg Büchner der „Lenz“ erlebt, in dem sicher auch Christian Morgensterns „Wildbach“ munter sprudelt. „In Halbschuhen auf die Jungfrau“ ist Erich Kästner unterwegs, vielleicht, um wie Jack Kerouac „Allein auf dem Berggipfel“ zu sein. Und wenn es ums Wandern geht, darf natürlich auch der Harz nicht zu kurz kommen: „Der Abstieg vom Brocken“ wird mit Heinrich Heine in Angriff genommen.

Das Programm „Das Wandern ist des Müllers Frust“ wird von Axel Gottschick immer mal wieder überarbeitet und angepasst. Was er im Detail darbietet, entscheidet sich so bisweilen erst am Veranstaltungstag. Unsere Aufstellung liefert mithin lediglich Beispiele.

Donnerstag, 2. Mai 2024, 19.00 Uhr, BÜCHER-HEIMAT
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten,
Anmeldung in der BÜCHER-HEIMAT,
Telefon (05322) 9059599 | Mail: info@die-buecherheimat.de

Freitag, 2. Februar: Ratsch und Tratsch

James-Joyce-Denkmal in Dublin. Foto: Pixabay

Doppelter Schnapstag mit vielen Dreien

Wir sind am 33. Tag des Jahres angekommen, von dem aus noch 333 Tage bis zum Jahreswechsel vor uns liegen. Leider muss ich den doppelten „Schnapstag“ mit Hustensaft begehen.

Dafür befriedigten die Recherchen für das bebücherte Kalenderblatt meine bekannte Vorliebe für – vor allem royalen – Ratsch und Tratsch. Heute vor 22 Jahren (2002) ehelichte der niederländische Kronprinz Willem-Alexander seine Máxima Zorreguieta.

Deren Herr Papa war allerdings als Minister der Militärregierung von General Jorge Videla in Argentinien aktiv gewesen. Was die Wolke 7 aber nur vorrübergehend etwas grau einfärbte. „Ein Tribut an Willem-Alexander“ ist eine Biografie über den holländischen König in Bildern. Und auf dem Titelfoto steht Máxima selbstverständlich an seiner Seite.

Eine immerhin mit königlichem Prunk aufwartende Hochzeit beschäftigte heute vor 16 Jahren (2008) die Franzosen. Ihr damaliger Staatspräsident Nicolas Sarkozy heiratete mit Carla Bruni eine bekannte Musikerin und ehemaliges Model. Der Blätterwald rauschte. Und das Buch “Female Force” (engl.) rückt Bruni in einer Reihe mit Queen Elizabeth II, Margaret Thatcher und Princess Diana.

Immerhin hatte das Paar kein Problem, eine passende Hochzeit-Location zu finden. Geheiratet wurde quasi im Büro des Bräutigams, also im Elysee-Palast. Ein vorzeigbarer Rahmen. Nicolas Sarkozy ist der einzige Präsident, der im Amt Vater wurde. Und Carla Bruni-Sarkozy machte sich darum verdient, die Sprache der Grande Nation in die Welt zu tragen: „Französisch lernen mit Carla Bruni“ (Audio-CD).

Heute vor 152 Jahren (1882) wurde der irische Schriftsteller James Joyce geboren. Und auf den Tag genau 40 Jahre später, am 2. Februar 1922, wurde in Paris sein großer Roman „Ulysses“ herausgegeben. Joyce beschreibt in 18 Episoden einen Tag im Leben des Leopold Bloom, Anzeigenakquisiteur bei einer Dubliner Tageszeitung. In Anlehnung an Homers Irrfahrten des Odysseus lässt er die Leser an dessen (Irr-)Gängen durch Dublin teilhaben.

Ein persönliches Geständnis: Ich bin bei meinen Lese-Versuchen stets nachhaltig in die Irre gegangen…

Ein Name, der als Synonym für Wissen rund um die Tierwelt steht: Heute vor 195 Jahren (1829) wurde der Zoologe und Schriftsteller Alfred Brehm geboren. „Brehms Tierleben“ (Nachdruck Band 1) dürfte zumindest dem Titel nach viele Deutsche kennen.

Elías Valiña Sampedro wurde heute vor 95 Jahren (1929) geboren. Der spanische Pfarrer hat Großes geschaffen, er ist Initiator des Jakobsweges. Und über den Pilgerpfad weist der Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT hunderte Titel auf. Beileibe nicht nur „Reiseführer“. Bestseller wurden beispielsweise Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ und Paulo Coelhos Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela: „Auf dem Jakobsweg“.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Donnerstag, 1. Februar: Tee trinken

Große (Tee-) Kunst dank „Verrückter Wolke“

In den zweiten Monat des Jahres starte ich an diesem Donnerstag, 1. Februar 2024, ausnahmsweise mal mit einer Tasse Tee statt des ansonsten obligatorischen Kaffees zum Bloggen. Eine Verbeugung vor Ikkyū Sōjun – von dem ich zugegebenermaßen bis vor wenigen Minuten noch nie gehört hatte.

Heute vor 630 Jahren (1394) bei Kyoto geboren, ist Ikkyū Sōjun in Japan bis heute eine Berühmtheit, der TV-Serien und Manga gewidmet sind. Sōjun war eine der exzentrischsten Zen-Persönlichkeiten, lag im Dauerclinch mit dem Establishment des Zen-Buddhismus und war berühmt auch für seine erotischen Verse, von denen einige auch in „Gedichte von der verrückten Wolke“ enthalten sind.

Angesichts eines Lebens gegen alle Regeln ist sicher auch die Biografie „Ikkyu Sojun“ lesenswert. Darin wird aufgezeigt, wie der Zen-Mönch, der sich selbst „Verrückte Wolke“ nannte, viele Bereiche des kulturellen Lebens in Japan von der Renga-Dichtkunst über Tuschmalerei, Kalligraphie, und No-Theater bis zur Gartenkunst beeinflusste.

Zudem gilt Sōjun (und das ist der Grund für meinen Teegenuss) als Schöpfer der japanischen Teezeremonie. Ein Standardwerk zum Teegenuss stammt aus der Feder eines anderen Großmeisters. Kakuzo Okakuras legendäres „Buch vom Tee“ erschien erstmals 1906 und ist der Klassiker, wenn von japanischer Teekultur die Rede ist.

Nun bin ich der „Ikkyu-ologie“ verfallen und habe kaum noch Raum und Zeit für meine anderen Geburtstagskinder des Tages. Also im Eilverfahren:

Heute vor 150 Jahren (1874) wurde der österreichische Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker (Wiener Moderne) Hugo von Hofmannsthal geboren. Er ist Mitbegründer der Salzburger Festspiele, bei denen sein „Jedermann“ als „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ seit 1920 stets aufgeführt wird. Ein Tummelplatz für die erste Garde der deutschsprachigen Bühnenkünstler.

Ein Zauberer am Ball wurde am 1. Februar 1915 geboren: Stanley Matthews‘ trickreiches Spiel war der Alptraum seiner Gegenspieler. “The Wizard” (engl.) war der erste „Fußballer des Jahres“ in Europa. 1956 erhielt der den „Ballon d’Or“.  Matthews prägte das Bild des Rechtsaußen und erfand den Matthews-Trick (links antäuschen, rechts vorbeigehen).  Als „lebende Legende“ gefeiert, war er 35 Jahre lang als Fußballer aktiv, ehe er im Alter von 50 Jahren sein letztes Pflichtspiel bestritt.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Mittwoch, 31. Januar: Zu warm…

Kreuzworträtsel-Berühmtheit mit 5 Buchstaben

Nun haben wir den ersten Monat des Jahres schon wieder geschafft. Und wenn ich an diesem Mittwoch, 31. Januar 2024, zurückblicke, muss ich zugeben, dass selbst mir als Sommer-Fan so ein Hauch Winter fast fehlt…

„Zu warm“, dieser Dauereinschätzung des Deutschen Wetterdienstes schließt sich heute auch der Bauernkalender an. Am Tag des Vigilius von Trient heißt es da: „Anfang und Ende vom Januar zeigen das Wetter für ein ganzes Jahr.“ Nun denn, sowohl der Jahreswechsel wie nun auch das Januar-Finale fallen deutlich zu mild aus, das sollte ein warmes Jahr werden.

Als Kreuzworträtsel-Fan bin ich bei den Blog-Recherchen über einen lieben alten Bekannten gestolpert. Heute vor 338 Jahren (1686) wurde Hans Egede geboren. Vermutlich aufgrund der vielen E’s, die prima ins Rätselgitter einzubauen sind, ist er als „Apostel der Grönländer“ ein viel gefragter Mann.

Der Norweger, lutherischer Pastor und Missionar, kam mit seiner Familie am 3. Juli 1721 an der Westküste Grönlands an, um die Inuit in Grönland für den evangelischen Glauben zu gewinnen. Landmarken und Gebäude in Grönland und Dänemark sind nach ihm benannt. „Hans Egede og Grønland“ (dän.) zeichnet das Wirken dreier Generationen der Familie in Grönland nach. Auf Deutsch gibt es aktuell lediglich die Kurzbiografie „Hans Eegede“ als eBook.

Bei unserem zweiten Jubilar dürfte der Mann selbst vermutlich weniger bekannt als sein „Kind“ sein. Heute vor 159 Jahren (1865) kam Henri Desgrange zur Welt. Der Franzose rief 1903 mit der Tour de France das größte Radsportspektakel der Welt ins Leben – das allerdings vom Herausgeber der Sportzeitung L’Auto als Werbung für das Automobil gedacht war,

Als im vergangenen Jahr „120 Jahre Tour de France“ gefeiert werden konnte, stieg auch noch einmal die Zahl der Bücher, die rund um das Rundrennen erschienen sind. Bei aller Begeisterung für die Tour, die ich Jahr für Jahr im Fernsehen verfolge, interessieren mich bei den Veröffentlichungen eher spezielle Werke wie „Meine Gourmet-Tour de France“ und natürlich „Asterix – Tour de France“.

Heute vor drei Jahren (2020) verließ Großbritannien die Europäische Union. „Englands Brexit und Abschied von der Welt“ mag ein etwas weitgefasster Titel sein, aber das der Ausstieg aus der EU Großbritannien (und letztlich ganze Europa) geschadet hat, ist an den Wirtschaftsdaten unübersehbar. „Großbritannien pfeift aus dem letzten Loch“, bringt es die Opposition im Unterhaus auf den Punkt – und in Deutschland plädiert die AfD für den „Dexit“. Als gebe es nicht genug Probleme…

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —



Dienstag, 30. Januar: Viel Frucht und guter Wein

Das Finale einer großen Dokumentation

Mein Blick geht an diesem Dienstag, 30. Januar 2024, hoffnungsvoll gen Himmel. Wir haben den Tag der Heiligen Martina von Rom. Und dazu vermerkt der Bauernkalender: „An Martina Sonnenschein verheißt viel Frucht und guten Wein“ – Daumen drücken!

Ein popmusikalisches Erdbeben erschütterte heute vor 55 Jahren (1969) den Globus: The Beatles spielten auf dem Dach der Apple-Studios in der Savile Row in London ihr letztes Live-Konzert. Als ein Verkehrschaos drohte, musste der Auftritt nach 42 Minuten abgebrochen werden.

Ein Jahr später folge dann das endgültige Aus für die bekannteste Band der Welt. Sozusagen den Weg durch mehrere Aufnahme-Sessions auf das Studio-Dach zeichnen das offizielle Buch der Beatles und der Film „GET BACK (DVD) von Peter Jackson faszinierend nach. Oder, um es mit Paul McCartney zu sagen: „Das sind vier Freunde, die an einem total verrückten Ort in London spielen und über die Absurdität der Situation kichern. Das waren die Beatles, das waren wir.“

Einer der berühmtesten und (zumindest für mich) großartigsten Romane aller Zeiten erschien heute vor 151 Jahren (1873): „Le Tour du monde en quatre-vingts jours“ von Jules Verne. „In 80 Tagen um die Welt“ gibt es für die wahren Fans in der großen Schmuckausgabe, vierfarbig mit Strukturpapier, Hochprägung und Goldfolie, Farbschnitt und Leseband (30,00 €).

Werden die großen Bestsellerautoren aufgelistet, fehlt ihr Name nie: Heute vor 77 Jahren (1947) erblickte Barbara Wood in der Nähe von Liverpool das Licht der Welt. Die Titel der Schriftstellerin, die auch unter dem Pseudonym Kathryn Harvey schrieb, wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Allein im deutschsprachigen Raum liegt die Gesamtauflage ihrer Romane weit über 14 Millionen, mit Erfolgen wie „Rote Sonne, schwarzes Land“, „Traumzeit“, „Kristall der Träume“ und „Dieses goldene Land“.

In Deutschland weniger bekannt ist der US-Amerikaner Lloyd Chudley Alexander, der heute vor 100 Jahren (1924) geboren wurde. In den USA dagegen fehlen seine Werke in kaum einem Bücherregal, vor allem in Jugendzimmern.  Alexander schrieb viele Fantasy-Bücher, sein bekanntestes Werk sind die fünfteiligen „Chroniken von Prydain“. Deren ersten beiden Teile waren die Vorlage für den Disney-Zeichentrickfilm „Taran und der Zauberkessel“. „The Chronicles of Prydain“ sind nur auf Englisch zu haben.

— Das will ich lesen! Alle Links im Text führen direkt zum Shop —