Als ich vom Himmel fiel

Juliane Koepcke: Als ich vom Himmel fiel

Juliane Koepcke: Als ich vom Himmel fiel

Juliane Koepcke:

Als ich vom Himmel fiel

Es gibt Geschichten, die vergisst man nicht. Juliane Koepcke überlebt 1971 als 17-Jährige einen Flugzeugabsturz im peruanischen Dschungel. Sie fällt angeschnallt auf ihrer Sitzbank aus 300 Meter Höhe in den Urwald, wird durch die Bäume aufgefangen und schlägt sich verletzt elf Tage alleine durch das Dickicht, nur mit einer Handvoll Bonbons in der Tasche. Sie konnte das Unglück als Einzige überleben, weil sie zuvor mit ihren Eltern, beide waren Zoologen, schon einige Jahre im Dschungel in der Forschungsstation Panguana gelebt hatte und die Gesetze des Regenwaldes gut kannte. Ihr Schicksal ging um die Welt.

Erst 40 Jahre später schreibt sie darüber dieses Buch. Ehrlich und mutig nimmt sie uns mit durch die Höhen und Tiefen dieser unglaublichen Geschichte. Die Zukunft des Regenwaldes, über dem sie abstürzte, der sie aufnahm und rettete, ist auch die Zukunft der Menschheit, unseres Klimas und unseres Planeten Erde. Als promovierte Biologin in München kehrt Juliane Koepcke jedes Jahr nach Peru zurück, wo sie die Forschungsstation Panguana leitet und dafür kämpft, es zum Naturschutzgebiet werden zu lassen.

Mit diesem Buch zeigt sie uns, wie zerbrechlich das Leben sein kann und wie notwendig es ist, dass wir lernen, das Wunder des Regenwaldes zu achten und zu schützen. Dieses Buch konnte ich nicht mehr aus der Hand legen.

Juliane Koepcke: „Als ich vom Himmel fiel“, Piper-Verlag, 295 Seiten, ISBN 978-492-27493-7, Preis: 12,00 Euro.


Der Gräber

Frederik P. Winter: Der Gräber

Frederik P. Winter: Der Gräber

Frederik P. Winter:

Der Gräber

Hinein in die spannende Welt im Keller. Das Cover lädt bereits ein in die Welt eines im Dreck wühlenden Ungeheuers , die des Gräbers. Winter schreibt detailliert, ohne sich darin zu verlieren. Die Leser:innen können sich so problemlos ihre eigene Welt schaffen und den Figuren ein Gesicht geben, ohne von zu vielen Informationen überfrachtet zu werden. Etwas, das längst nicht allen Autor:innen dieses Genres gelingt.

Auch die Figuren gefallen mir prinzipiell. Sie sind gut vorstellbar und nicht unsympathisch. Aber trotzdem, so richtig konnte ich mich nicht in die Heldin einfinden. Dennoch: Ich fiebere mit ihnen mit, leide und will die Geheimnisse lüften, die Frederik mir und der Protagonistin hinterlassen hat. Sauge jeden Brotkrumen auf, gierig auf mehr. Muss ich da also noch etwas zum Spannungsbogen sagen? Ich denke nicht.

Fazit: Dieser Thriller ist genauso fesselnd, wie ich es mir erhofft hatte und ich konnte das Buch bis zu letzten Sekunde nicht aus der Hand legen. Wenn Sie also durchlesen Nächste, Augenringe und Monster unter dem Bett mögen, dann sind Sie hier genau richtig.

Frederik P. Winter: „Der Gräber“, Harper Collins, 448 Seiten, ISBN 978-3749902286, Preis: 12,00 Euro.


Das verlorene Paradies

Abdulzarak Gurnah: „Das verlorene Paradies“

Abdulzarak Gurnah: „Das verlorene Paradies“

Abdulzarak Gurnah:

Das verlorene Paradies

Abdulrazak Gurnah erzählt in seinem Roman, der bereits 1994 auf Deutsch erschienen war und jetzt anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises neu aufgelegt wurde, die Geschichte des Erwachsenenwerdens von Yusuf. Historischer Hintergrund der Geschichte, die an der Küste Ostafrikas spielt, ist die beginnende deutsche Kolonialherrschaft, die erst nach und nach wahrnehmbar wird. Während die Menschen in der alten Welt konkret wahrnehmbar sind, anschaulich gezeichnet werden und alle einen Namen tragen, bleibt die Kolonialherrschaft zunächst abstrakt, die Europäer und Deutschen haben keine Namen. Nur die Gewaltförmigkeit lässt sich erahnen.

Ohne Chance auf eine Rückkehr

Yusuf ist zwölf Jahre alt, als er von seinen Eltern seinem vermeintlichen Onkel Aziz, der ein reicher Karawanenhändler ist, mitgegeben wird in eine fremde Stadt, wo er für den „Onkel“ in seinem Geschäft arbeiten muss. Nach und nach wird Yusuf deutlich, dass Aziz kein Onkel ist, sondern dass er von seinen Eltern verpfändet wurde, um ihre Schulden zu begleichen – letztlich ohne Chance auf eine Rückkehr. Die Welt Ostafrikas ist eine der Vielfalt von Ethnien und Religionen, in der aber die Anderen zumeist als unzivilisiert gesehen und als „Wilde“ bezeichnet werden – übrigens auch die deutschen Kolonialherren.

Der Untergang der bisherigen Welt wird deutlich bei einer langen Handelsreise, die Yusuf ins Landesinnere führt, die auch die Unerbittlichkeit von Natur und Machtverhältnissen vor Augen führt.

Kein Paradies

Gurnah erzählt mit leichter Hand und schildert das Zusammenleben der Menschen, aber lässt auch die Landschaften und die Natur anschaulich und erlebbar werden. Eine Welt mit der ihr eigenen Kultur – besser Kulturen – ging verloren, wurde zerstört – ein Paradies aber war auch diese Welt nicht.

Abdulrazak Gurnah: „Das verlorene Paradies“, Penguin Verlag 2021, 336 Seiten, ISBN 978-3328602583, Preis: 25,00 Euro

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Sieben kurze Lektionen über Physik

Carlo Rovelli: Sieben kurze Lektionen über Physik

Carlo Rovelli: Sieben kurze Lektionen über Physik

Carlo Rovelli:

Sieben kurze Lektionen über Physik

Hatten Sie je das Gefühl, Physik könne unterhaltsam und gar spannend sein? Nun ja, wenn Sie Physiker sind, keine Kunst, aber wer ist das schon.

In der Schule erläuterten Physiker den Unterschied von träger und schwerer Masse, obwohl seit Einstein und Nachfolgern klar war, dass die beiden äquivalent sind – es also den Unterschied nicht gibt.

Und im Deutsch-Unterricht grübelten wir mit Faust darüber, „was die Welt im Innersten zusammen hält“, aber Physiker hatten herausgefunden und Militärs angewendet, was das Innerste der Welt zersprengt.

Das Schwierigste an der Physik sind nicht ihre verblüffend bis aller Alltagserfahrung widersprechenden Aussagen über die Welt, die anders ist als wir sie an-sehen. Das Schwierigste ist die Sprache der Physik, ihre ins Mathematische übertragenen Aussagen.   V = b mal t ist nachvollziehbar, aber die Beschreibung des Weges, den ein Körper im freien Fall zurücklegt ist dann schon ein Fall für Raum-Zeit Künstler und ihre Kenntnisse in Tensoren, Matritzen und ähnlichem aus der Höheren Mathematik.

Seit mich vor Jahrzehnten die Neugier gepackt hat, zumindest verstehen zu wollen, worum es geht in der Physik des ganz Großen (Weltall) und des ganz Kleinen (Quantentheorie) habe ich gelernt bescheiden zu sein und auf Menschen zu warten, die mir, dem mathematischen Laien, ihre Fachsprache in Deutsch übersetzen. Einer, der die hervorragend kann, ist Carlo Rovelli. Ich empfehle zwei Bücher von ihm: Das Bändchen „Sieben kurze Lektionen über Physik“ und „Helgoland“.

Carlo Rovelli: „Sieben kurze Lektionen über Physik“, Rowohlt-Verlag, 96 Seiten, ISBN 978-3-498-05804-3, Preis: 10,00 Euro.
Carlo Rovelli: „Helgoland – Wie die Quantentheorie unsere Welt veränderte“, Rowohlt-Verlag, 208 Seiten, ISBN 978-3-498-00220-6, Preis: 22,00 Euro.

Carlo Rovelli: Helgoland – Wie die Quantentheorie unsere Welt veränderte

Carlo Rovelli:

Helgoland – Wie die Quantentheorie unsere Welt veränderte


Kurze Geschichte des Antisemitismus

Peter Schäfer: Kurze Geschichte des Antisemitismus

Peter Schäfer: Kurze Geschichte des Antisemitismus

Peter Schäfer:

Kurze Geschichte des Antisemitismus

Zum Thema Antisemitismus gibt es eine schier unüberschaubare Anzahl an Publikationen. Der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums Berlin hat hier einen hervorragenden Überblick über die Geschichte des Antisemitismus von der Antike bis heute vorgelegt, der schon nach kurzer Zeit zum Standardwerk geworden ist. Die gesamte Darstellung ist kenntnisreich und immer an den Quellen orientiert.

Prägende Themen und Muster

Zu Beginn begründet Schäfer, warum er für die ganze Geschichte den Begriff Antisemitismus benutzt, obwohl dieser erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der rassistischen Variante entstanden ist. Für ihn sind die zu Beginn entstandenen Themen und Muster so prägend, dass er die Zusammenhänge betonen will und nur bei besonderen Ereignissen andere Begriffe – wie etwa Antijudaismus – verwendet. Auch wenn man diese Begriffsverwendung skeptisch sieht, ist sein Ansatz eine sinnvolle und fruchtbare Arbeitsgrundlage.

Schäfer beginnt seine Darstellung mit der vorchristlichen griechisch-römischen Antike, für er nachweist, dass die für Juden identitätsstiftenden Merkmale und Bräuche als menschenfeindlich diffamiert wurden und der Hass auf die Juden schließlich in Alexandria schon zu ersten Pogromen führte. Er zeigt, dass im Laufe der Geschichte bestimmte antisemitische Chiffren und Muster immer wieder aktualisiert und ergänzt werden konnten, um so jeweils neu ihre Wirksamkeit entfalten zu können. Am wirksamsten waren für ihn dabei die mit dem Christentum entstandenen Feindbilder.

Verdrängtes neigt zur Wiederkehr

In übersichtlichen Kapiteln führt Schäfer seine „Kleine Geschichte“ bis in die Gegenwart fort und thematisiert auch gegenwärtig diskutierte Problemfelder wie islamischen Antisemitismus oder die Debatte um Israelkritik und Antisemitismus kenntnisreich und überzeugend differenziert. Dabei bleibt der Text immer gut lesbar. So konnte ich viel Neues erfahren oder bekannte Sachverhalte besser einordnen – eine sehr lohnende Lektüre!

Nicht zuletzt um aktuelle Entwicklungen und Diskussionen einordnen zu können, ist Schäfers Werk von hohem Wert. Auch wenn eine Erkenntnis aus der Geschichte zu sein scheint, dass Antisemitismus „nie ein für alle Mal überwunden sein wird“, helfen vor allem die bewusste Auseinandersetzung gegen Antisemitismus und dessen Aufarbeitung, denn Verdrängtes neigt zur Wiederkehr.

Peter Schäfer: Kurze Geschichte des Antisemitismus, C.H. Beck 2020, 335 Seiten, ISBN 978-3406755781, Preis: 26,95 Euro. | Ende April 2022 wird eine günstigere Taschenbuchausgabe im Piper-Verlag erscheinen.

Nichts muss so bleiben, wie es ist

Heinrich Missalla: „Nichts muss so bleiben, wie es ist“.

Heinrich Missalla: „Nichts muss so bleiben, wie es ist“.

Heinrich Missalla:

Nichts muss so bleiben, wie es ist

Erst jetzt habe ich die autobiografischen Aufzeichnungen des 2018 verstorbenen Priesters, Theologieprofessors und langjährigen geistlichen Beirats der katholischen Friedensbewegung pax christi kennengelernt. Mich hat das Buch gerade in seiner recht nüchternen Sprache und teils harten Analyse sehr angesprochen und zum eigenen Nachdenken angeregt – ob sich allerdings viele Menschen überhaupt noch für ein „katholisches Leben im 20. Jahrhundert“ interessieren, vermag ich nicht zu sagen.

Bewusste ideologische Distanz

Geboren im Jahr 1926 und aufgewachsen in einem geschlossen katholischen Milieu im Ruhrgebiet, beschreibt er die Atmosphäre in der Familie, seine Erfahrungen in Schule und Hitlerjugend und wie er geprägt wurde durch kirchliche Einflüsse. Allerdings bewahrt ihn seine bewusste ideologische Distanz zu den Nationalsozialisten, gar die Einsicht in die Unvereinbarkeit von Katholisch- und Nazi-Sein, nicht davor, den Dienst als Luftwaffenhelfer und weiteren Einsatz während des Krieges als selbstverständliche religiöse und vaterländische Pflicht zu verstehen. Diese Erkenntnis und das – über lange Zeit verdrängte – Erschrecken darüber, wie der staatliche Drill ihn bereit machte, die Waffe gegen andere Menschen zu richten, bleibt prägend für sein späteres Leben und seine gesellschaftliche und theologische Reflexion. Doch nach dem Krieg muss er erfahren, dass weder in der Gesellschaft noch in der Kirche die entstandenen Fragen so bearbeitet wurden, wie es nötig gewesen wäre, so etwa die Verstrickung der katholischen Seelsorge im Krieg, die er zu einem seiner wissenschaftlichen Themen macht.

Fragen und Suchen

In seinem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement wird ihm der Wirklichkeitsverlust und die Reformunwilligkeit und -unfähigkeit der römischen Kirche immer deutlicher. Statt den angeblichen Besitz ewiger Wahrheiten zu hüten und zu verwalten, wird ihm das Fragen und Suchen immer wichtiger – nach Lebensformen, die dem Evangelium und einer geschwisterlichen Gemeinde entsprechen und nach Konfrontation des Glaubens mit der erfahrenen Wirklichkeit. Deshalb engagiert er sich für die Ökumene und christlich-jüdische Verbundenheit, vor 1989 sind ihm Beziehungen in die Kirchen der DDR wichtig und lebenslang das Eintreten für friedenspolitische Themen. Auch wenn der Glaube persönlich ist, privat ist er niemals.

In den letzten Kapiteln des Buches hält Missalla für ihn wesentliche Einsichten und Möglichkeiten fest. Bei aller scharfer Kritik schiebt er Verantwortung für Fehlentwicklungen nicht einfach ab auf andere Personen und hierarchische Instanzen, sondern bedenkt immer auch eigene Verantwortung. Eine – erfreuliche – persönliche Entwicklung: Mit 70 Jahren heiratet Missalla und findet hier Erfüllung, auch wenn es den Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis zur Folge hat. Was ihm am Ende bleibt: Das Vertrauen auf den Gott der Bibel.

Heinrich Missalla: „Nichts muss so bleiben, wie es ist“. Mein katholisches Leben im 20.Jahrhundert, Publik-Forum Edition 2009, 224 Seiten, ISBN 978-3880951877, Preis: 14,80 Euro.

Treideln

JULI ZEH: TREIDELN

JULI ZEH: TREIDELN

JULI ZEH:

TREIDELN

„Vielleicht kennen Sie das Gefühl: Wie sich Beklommenheit beim Lesen eines guten Essays schlagartig in Euphorie verwandelt. Welche Erleichterung es darstellt, wenn sich ein Text nicht vor der angeblichen Dummheit der Leser verbeugt. Wenn um des Nachdenkens willen nachgedacht wird. … Die Delegation von kritischem Bewusstsein an die Befugten der Expertokratie ist heutzutage wahrscheinlich die häufigste Form von selbstverschuldeter Unmündigkeit.“

D a s ist auch Juli Zeh: Sperrig, zumutend, frech, humorvoll. Eine durch und durch am politischen Diskurs interessierte Schriftstellerin, die unserer Gesellschaft schmerzhaft den Finger in die Wunde unbeantworteter Fragen legt. Oder scheinbar beantwortete Fragen als sekundenkleberfeste wenig differenzierte Vorurteile  entlarvt. Ein Treidler zieht ein schweres Schiff an Seilen stromaufwärts – ein schwerer, ein heute ausgestorbener Beruf. Juli Zeh erlebt genau dies als die  Aufgabe  einer Schriftsteller*in: Gegen den gesellschaftlichen Mainstream zieht sie unbequeme Schiffe mithilfe sprachlicher Zugseile quer durch unseren Alltag.

TREIDELN ist eine wunderbare Zumutung! Ein Mail-Roman, der uns in die Werkstatt einer SCHRIFTSTELLER*IN blicken lässt … wo um jede Aussage gerungen wird, an jedem Wort gefeilt, jede „Wahrheit“ gnadenlos hinterfragt wird. Manch eine/r nennt es Arroganz …

Julia Zeh: „Treideln“, Verlag btb, 208 Seiten, ISBN 978-3-442-74814-3, Preis: 10,00 Euro.


Für immer zuckerfrei

Anastasia Zampounidis: Für immer zuckerfrei: Schlank, gesund und glücklich ohne das süße Gift

Anastasia Zampounidis: Für immer zuckerfrei: Schlank, gesund und glücklich ohne das süße Gift

Anastasia Zampounidis:

Für immer zuckerfrei

Schlank, gesund und glücklich ohne das süße Gift

„Bist du sicher, dass du das lesen willst? Dann gibt es vielleicht kein zurück mehr. Denk nur an Schokolade, an Eiscreme, an Prali- Ja, ich denke ich sollte das lesen.“

Das waren meine ersten Gedanken, als ich das Ratgeber-kein-Ratgeber-Erfahrungsbuch von Anastasia Zampounidis im Bücherregal sah. Zuckerfrei leben. Ein Thema, auf das meine Gedanken schon öfter stießen, wenn ich ihnen freien Lauf ließ. Natürlich finde ich immer eine Ausrede, dann doch in den Schokoriegel zu beißen.

Nun, jetzt hatte ich mir das Buch aber doch gekauft und siehe da: Ich liebe es. Anastasia (ich bin so frei) beschreibt offen, ehrlich und unglaublich sympathisch, wie sie ihren Weg in die Zuckerfreiheit gefunden hat. Ich gebe zu, dass ich an der ein oder anderen Stelle dachte: „Ist diese Info jetzt wirklich wichtig für mich?“ Aber letztendlich spricht der Erfolg für sich, denn je mehr ich laß, desto mehr wollte auch ich diesen Weg gehen.

Obwohl mein Zucker-Konsum sicher nicht so beträchtlich ist wie der, den die Autorin sich selbst zuschreibt, wollte auch ich mich von dieser Sucht, der Abhängigkeit, dem Heißhunger, lossagen können. Anastasia hat mich auf diesen Weg geführt und meine Hand gehalten, während die Idee in meinen Gedanken weiter und weiter reifte. Durch reichlich Hinweise, wo versteckter Zucker zu finden ist, wie ich Heißhunger umgehen kann und welche kleinen Köstlichkeiten ich mir alternativ zubereiten kann, fühlte ich mich immer von einer erfahrenen Freundin umgeben. Danke! Der Anhang (der selbst einen recht großen Anteil an der Gesamtseitenzahl ausmacht) beinhaltet weiteres Material: Rezepte! Leckeres, zuckerfreies Futter.

Mein persönlicher Hit sind die Dattel-Walnuss-Snacks… wirklich himmlisch und Schokolade jederzeit vorzuziehen. Ich kann kaum glauben, dass ich das sage, aber so ist es.

Fazit: Was kann ich also abschließend sagen? Ein tolles Buch. Stück für Stück hinterfrage ich mein eigenes Handeln und meine eigenen Einstellungen und habe etwas für mein Leben und über mich selbst gelernt. Absolut zu empfehlen für all diejenigen, die mal etwas Neues probieren wollen.

Anastasia Zampounidis , “ Für immer zuckerfrei. Schlank, gesund und glücklich ohne das süße Gift „, Bastei Lübbe, 224 Seiten, ISBN 978-3431039979, Preis: 16,00 Euro.


Das Duell

Volker Weidermann: Das Duell

Volker Weidermann:  Das Duell

Volker Weidermann:

Das Duell

Ich habe Volker Weidermanns „Das Duell“ gelesen und möchte es weiterempfehlen, weil ich es sehr spannend fand, diese Lebensgeschichten in dieser Form beieinander zu finden.  Volker Weidermann zeichnet die Lebenslinien von Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki von der der Geburt bis zum Tod auf, die persönlichen Entwicklungen und Entscheidungen dieser beiden Protagonisten der deutschen Nachkriegsliteratur. Diese Linien treffen dann 1958 zusammen in der Gruppe 47. Es war zwar das zweite Zusammentreffen, aber erst von diesem Zeitpunkt an nahm man sich gegenseitig wirklich wahr. Und für beide wurde es eine Zeit der Auseinandersetzungen, Romane und Verrisse, Liebeserklärungen und Wut. Gleichzeitig ist die Beschreibung dieser beider Leben eine Spiegelung der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts.“

Volker Weidermann: „Das Duell“, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, ISBN 978-3-462-05109-4, Preis: 22,00 Euro.


Bella Germania & Piccola Sicilia

Bella Germania & Piccola Sicilia

Daniel Speck: Bella Germania & Piccola Sicilia

Daniel Speck:

Bella Germania & Piccola Sicilia

Die beiden Bücher von Daniel Speck haben mich sehr begeistert, weil es der Autor meiner Meinung nach gut versteht, historische Zusammenhänge in die jeweilige Geschichte zu integrieren. Mir als Leserin wurde vieles verständlicher und nachvollziehbarer. Trotz einer sehr unterschiedlichen Thematik beider Bücher geht es jeweils um Identitätssuche, die letztlich erst in den nächsten Generationen aufgelöst werden kann.

Bella Germania

In Bella Germania geht es im weitesten Sinne um die Situation italienischer „Gastarbeiter“ in Deutschland in den 1960er Jahren. Was bedeutete es für die Menschen, ihre Familien zu verlassen und ins Ungewisse zu gehen? Sie wurden nicht immer gut aufgenommen, sondern kritisch beäugt. Wir erleben das im Roman an Giovanni, den es auf der Suche nach Arbeit nach München verschlägt. Aber auch der deutsche Ingenieur Vincent, der nach Italien reiste, um die Zusammenarbeit mit dem Isettawerk aufzubauen, hatte so seine Schwierigkeiten. Beide Schicksale und die ihrer Familien sind über die Generationen hinweg miteinander verwoben. So geht es insgesamt um Identitätsfindung unter der neuen Situation sowie die Auswirkungen auf die nächste und übernächste Generation.

Piccola Sicilia

Auch im zweiten Buch, Piccola Sicilia, ist die Identitätssuche im weitesten Sinne zentral.  Das Buch spielt im Zweiten Weltkrieg: Ein junger deutscher Soldat, Moritz, kommt in seiner Funktion als Fotograf für die NS-Propagandamaschinierie im Zusammenhang des Rommelfeldzuges nach Tunesien, dort schließlich an einen Ort, der Piccola Sicilia heißt. Wegen der schwierigen Umstände setzt er sich von der Truppe ab und verhilft einem gefangenen Juden zur Flucht. Nach Ende der deutschen Besatzung Tunesiens wird der Fotograf von dessen Familie versteckt. Seine Familie in Deutschland, auch seine schwangere Freundin, erfahren nur, dass er angeblich mit einem mit einem der letzten Flugzeuge der Luftwaffe abgestürzt ist. Aber der Lebensweg von Moritz, in einem neuen Leben Maurice genannt, erfährt ungeahnte Wendungen. Es bleibt ein dunkles Geheimnis in der Familie. Erst die Enkelin erfährt die andere Seite der Geschichte bei einer ungewöhnlichen Begegnung.

Daniel Speck: „Bella Germania“, Fischer Taschenbuch 2017, 624 Seiten, ISBN 978-3596295975, Preis: 12,00 Euro.
Daniel Speck: „Piccola Sicilia“, Fischer Taschenbuch 2018, 624 Seiten, ISBN 978-3596701629, Preis: 16,99 Euro.