Dienstag 28. Juni Die Zielgerade

Von Hunden und großen Denkern

Heute ist Dienstag, 28. Juni 2022. Wir sind auf der Juni-Zielgeraden und stehen dicht vor der Jahreshalbzeit.

Als erklärter Katzenfreund war ich kurz versucht, über einen Eintrag in unserem „bebücherten Kalenderblatt“ hinweg zu huschen: Heute vor 163 Jahren (1859) präsentierten britische Herrchen und Frauchen ihre bellenden Lieblinge in Newcastle upon Tyne auf der weltweit ersten Hundeausstellung.

In Deutschland musste der „beste Freund des Menschen“ noch vier lange Jahre warten, ehe vom 14. bis 20. Juli 1863 in Hamburg 453 Hunde zum ersten Mal Rasse und Klasse zeigen durften. Wer mit dem eigenen Bello Ambitionen hegt, sollte vielleicht „Rassehunde perfekt präsentieren“ lesen.

Ich mag „Google+“, wenn auch aus einem perfiden Grund. Falls sich niemand sonst mehr erinnert: „Google+“ war das soziale Netzwerk des Google-Konzerns, das am 28. Juni 2011 startete.  Es ging auch ganz gut los, bis 2013 war es hinter Facebook weltweit das zweitgrößte soziale Netzwerk. So richtig Attacke auf Mr. Zuckerberg funktionierte aber nicht, eine Datenpanne kam dazu und 2019 war „Google+“ Geschichte. Und darum mag ich es, sozusagen als Beleg dafür, dass die datengierigen Internet-Giganten doch nicht unfehlbar sind. Und während einige erklären „Was Google wirklich will“ spekulieren andere schon über „Das Leben nach Google“.

Wenn es um den „Tatort“ geht, verstehen deutsche TV-Gucker ja eher selten Spaß. Folgerichtig komme ich an dem 28. Juni 1981 nicht vorbei. An diesem Tag strahlte die ARD den ersten Schimanski-Tatort aus. Und man glaubt es nicht, „Der wahre Schimanski“, Duisburgs Chefermittler Sprenger, sieht Götz George sogar sehr entfernt ähnlich.

Und zu gratulieren gilt es wieder. 310 Jahre (1712) alt wäre heute Jean-Jacques Rousseau geworden. Das Universalgenie hatte als Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung großen Einfluss in Europa. Nur sein berühmtestes Zitat hat er so gar nicht gesagt: „Zurück zur Natur!“ – was trotzdem nie so ganz verkehrt ist.

Gesucht und gefunden: „Sechs Personen suchen einen Autor“ überschrieb Luigi Pirandello das Drama, mit dem er Weltruhm erlangte. Der Italiener, der zu den bedeutendsten Dramatikern des 20. Jahrhunderts zählt und 1934 den Nobelpreis für Literatur erhielt, würde heute 155 Jahre alt.

Rousseau und Pirandello zähle ich schon zur eher härteren Kost und wende mich lieber meinem dritten Geburtstagskind zu. Als einer der großen Geburtshelfer des Thriller-Genres ist mit Eric Ambler sehr viel näher. Der Mann, der am 28. Juni 1909 geboren wurde, schaffte mit seinem fünften Roman „Die Maske des Dimitrios“ einen Klassiker. Wobei ich „Topkapi“ mehr mag, allerdings unsicher bin, ob dies nicht eher an der genialen Verfilmung mit Peter Ustinov liegt.

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Montag 27. Juni Siebenschläfertag

Das Sieben-Wochen-Wetter

Stimmen die Wettervorhersagen für den heutigen Montag, 27. Juni 2022, dann stehen uns sieben wechselhafte Wochen ins Haus. Heute ist Siebenschläfertag.

Den Bauernregeln zufolge wird das Wetter der nächsten sieben Wochen an Siebenschläfer bestimmt. Wie so oft bei den tradierten Wetterweisheiten gilt die Devise: Reim dich oder ich hau dich. „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Keine hohe Dichtkunst, aber vielleicht noch einen Hauch besser als „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag“.

Das mag sein, aber man mag es nicht hören. Dann schon lieber die Methode Null-acht-einfach: „Siebenschläfer Regen – sieben Wochen Regen“. Aber ich stehe ja trotz Klimaerwärmung und zu trockener Böden weiter auf sonniges Sommerwetter. Folgerichtig mein Favorit für heute: „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“.

Allerdings muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Name „Siebenschläfer“ gar nichts mit dem Wetter zu tun hat. Tatsächlich verdankt der Siebenschläfertag einer alten Legende, nach der sieben junge Christen von Kaiser Decius um 250 n.Chr. verfolgt wurden und in einer Berghöhle nahe Ephesos Zuflucht gesucht. Sie wurden jedoch entdeckt und lebendig eingemauert.

Der Legende nach starben sie aber nicht, sondern schliefen satte 195 Jahre lang. Heute vor 1576 Jahren, also am 27. Juni 446, sollen sie dann mehr zufällig entdeckt worden sein, wachten auf, bezeugten noch flink ihren Glauben an die Auferstehung der Toten, um dann wenig später tatsächlich zu sterben.

Demnach hat der Siebenschläfertag also ebenso wenig mit dem Wetter wie auch mit den possierlichen Nagetieren gleichen Namens zu tun. Beim Blick in den Online-Shop der BÜCHER-HEIMAT aber wird immerhin deutlich, dass die Nager wenigstens als Kinderbuchstars große Nummern sind. In ganzen  Serien wie „Bobo Siebenschläfer“ oder auch „Der kleine Siebenschläfer“ haben sie die Hauptrolle inne. Sogar die Schlümpfe kommen daran nicht vorbei: „Der Siebenschläferschlumpf“.

Aber kommen wir doch noch mal kurz aufs Wetter und die Bauernregel zurück. Denn wenn es etwas gibt, das noch früher als Spekulatius und anderes Weihnachtsgebäck in den Regalen auftaucht, dann sind es schöne Kalender fürs kommende Jahr. Und bis zum Wechsel ins Jahr 2023 sind es heute nur noch 187 Tage. Es ist also sozusagen höchste Zeit. Und Bauernregeln in Bauernkalendern gibt es in jeder Größe, Form und Farbe.

Bestellen kann man den Kalender ähnlich einfach wie die Bücher bei uns im Online-Shop. Einfach den Links folgen. Geholfen werden kann neuerdings aber auch all jenen, die bestellen lassen wollen:  Ab sofort können in der Mitmach-Buchhandlung Bücher schnell und einfach per WhatsApp bestellt werden! Und das geht denkbar einfach: Unter der Rufnummer 01746631960 Buchwünsche und Namen schicken, dann wird das BÜCHER-HEIMAT-Team sofort aktiv und bestellt den Lesestoff.

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Sonntag 26. Juni Ein zauberhafter Tag

Ein zauberhafter Sonntag

Ein zauberhaftes Jubiläum steht an diesem Sonntag, 26. Juni, an: Heute vor 25 Jahren (1997) erschien in Großbritannien das erste Harry-Potter-Buch „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Auftakt einer sagenhaften Erfolgsgeschichte – die eher zurückhaltend begann.

So richtig gewaltig setzte der Bloomsbury-Verlag seinerzeit zunächst nicht auf die unbekannte Autorin Joanne K. Rowling. Der erste Harry-Potter-Band startete mit 500 Exemplaren und wurde innerhalb von zehn Jahren mit mehr als 100 Millionen verkaufter Bücher zu einem der größten weltweiten Bestseller überhaupt.

Die komplette Potter-Serie bringt es locker auf weit mehr als 500 Millionen verkaufter Exemplare in 80 Sprachen, allein die deutsche Ausgabe auf fast 40 Millionen Exemplare. Was nichts anderes heißt, als dass jeder zweite Deutsche den „Stein der Weisen“ im Bücherregal hat. Und im Nachhinein werden zumindest einige Sammler für die magere Startauflage dankbar sein: Einzelne Exemplare werden für mehr als 10.000 Euro gehandelt.

Literarisch gesehen gibt es heute noch mehr zu feiern. Der Geburtstag der großen Schriftstellerin Pearl S. Buck jährt sich heute zum 130. Mal (1892). Sie erhielt 1938 „für ihre reichen und wahrhaft epischen Schilderungen des chinesischen Bauernlebens und für ihre biographischen Meisterwerke“ den Nobelpreis für Literatur, nachdem sie sechs Jahre zuvor für „Die gute Erde“ bereits den Pulitzer-Preis erhalten hatte.

Um den Nobelpreis allerdings gab es heftige Diskussionen. Viele Kritiker sahen in Pearl S. Bucks Werk eher Trivialliteratur wie im Roman „Die Frauen des Hauses Wu“. Der Liebesroman gilt als ein „Klassiker der Unterhaltungsliteratur“ – wobei ich nie verstanden habe, was an gut gemachter, fesselnder und bewegender Unterhaltung schlecht oder minderwertig sein soll.

Damit der tödliche Schuss 2006 auf den „Problembär“ Bruno nicht in Vergessenheit gerät, hat die Stiftung für Bären den 26. Juni zum „Bärengedenktag“ ausgerufen. Wer mehr über die schwierigen Lebensbedingungen von Bären erfahren will, dem sei ein Besuch im Alternativen Bärenpark Worbis (ext.) bei Duderstadt empfohlen.

Was die Literatur angeht, muss ich allerdings gestehen, dass mir beim Stichwort „Bär“ als erstes ein Roman einfällt, der nur sehr bedingt mit Bären zu tun hat. Aber das Urmenschen-Epos „Ayla und der Clan des Bären“ hat mich nachhaltig gefesselt.

Auf das Niveau „immaterielles Kulturerbe“ klettern wir wieder mit einem Abstecher nach Hameln. Heute ist der „Hamelner Pfeifer Tag“ (Pied Piper Day). Ich fand das Grimmsche Märchen ja immer gruselig und habe mich stets geärgert, dass ihm nach dem Motto „weg ist weg“ ein Schluss fehlt.  

Den aber, so habe ich nun erfahren, soll es von Michael Ende geben. In seinem Libretto für das Musiktheater „Der Rattenfänger – Ein Hamelner Totentanz“ greift Michael Ende das Thema auf und gibt ihm laut Verlagswerbung ein originelles und zeitgemäßes Ende. Ich bin gespannt.

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Samstag 25. Juni Der Harz hält mit

Da hält der Harz locker mit

In Zorge sollte an diesem Samstag, 25. Juni 2022, kräftig und mit Fug und Recht gefeiert werden. Heute ist der „Tag des Deutschen Whiskys“ und in Zorge sitzt die Hercynian Distilling Co./Hammerschmiede (ext.), eine Manufaktur, die seit 1985 Spirituosen auf höchstem Niveau herstellt und seit 2002 für ihren Single Malt Whisky berühmt ist.

Die Südharzer gehören damit zu den ältesten festlandseuropäischen Whiskybrennern. Wer sich vor dem oder während des ersten Schluckes theoretisches Wissen aneignen will, der ist mit Michael Jacksons „Whisky“ bestens bedient. Dieser Jackson ist war mit dem King of Pop weder verwandt noch verschwägert, gilt aber selbst sozusagen als King of Whisky.

Wer meint, genug zu wissen und wer nur noch genießen will, der kann sich entweder voll und ganz auf das „Wasser des Lebens“ konzentrieren, oder dabei zu einem Buch greifen. Anbieten könnte sich „Der letzte Whisky“. Man muss den Titel ja nicht wörtlich nehmen.  Und die Westdeutsche Allgemeine Zeitung meint, es sei „ein amüsanter Krimi, nicht nur für Whiskyliebhaber.“

In Großbritannien könnte man eine kulinarisch runde Sache aus diesem Tag machen, denn auf der Insel steht heute auch der „Tag des Ziegenkäses“ (Goats Cheese Day) im Kalender. Wobei der Harz natürlich auch auf diesem Feld mithalten kann. Beispielsweise mit dem Westerhäuser Käsehof (ext.) oder mit der Ziegenalm Sophienhof (ext., inklsuive Harzer Wanderstempel!). Für alle, die mit dem Ziegenkäse nicht so recht etwas anfangen können, wäre das Buch „Köstlich kochen mit Ziegenkäse“ eine Empfehlung.

Wenn ich einen richtig schlechten Übergang zum nächsten Thema suchen würde, könnte ich beispielsweise sagen, ich würde „aufs Blaue hinaus“ schreiben. Oder angesichts meines Whiskyabstechers jammern, dass ich schon „blau“ wäre. Passen würde es in jedem Fall, denn heute ist der „Internationale Tag der Schlümpfe“ (Global Smurfs Day).

An dieser Stelle muss ich allerdings einräumen, dass ich mit den kleinen blauen Kerlchen nie so richtig etwas habe anfangen können. Bei Comics lagen in meinem Ranking „Asterix und Obelix“ uneinholbar vor, lediglich die Lustigen Taschenbücher (LTB) von Disney konnten ziemlich lange mithalten. Ich könnte ja mal einen neuen Anlauf nehmen, schneller, höher, weiter: „Die Schlumpf-Olympiade“.

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Freitag 24. Juni Das Johanni-Dilemma

Das Johanni-Dilemma

Heute haben wir Freitag, 24. Juni 2022 – und sind damit „an Johanni“ angekommen. Der Johannistag ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers. Und da der Tag in enger Verbindung zur Sommersonnenwende steht, beziehen sich etliche Traditionen auf diesen längsten Tag des Jahres.

Folgerichtig sprechen einige Lexika auch von der „christlichen Variante des Mittsommerfestes“. Wofür auch das Johannisfeuer steht. Während manch Roman zwar mit dem Titel „Johannistag“ daherkommt, tatsächlich aber „nur“ ein spannendes Intrigenspiel enthält.

Derweil gilt Johanni eigentlich seit altersher als besonders günstige Zeit für das Sammeln von Kräutern. Und es ist ein wichtiger Lostag in den Bauernkalendern.

Unter den Bauernregeln zu Johanni stimmen mich manche hoffnungsfroh, während andere mich Jahr für Jahr in kulinarische Depressionen stürzen: „Stich den Spargel nie mehr nach Johanni“ mag ja richtig sein. Aber nur dann, wenn man eine Regel befolgt, die unsinnigerweise erst jetzt im Bauernkalender auftaucht: „Bis Johanni nicht vergessen: sieben Wochen Spargel essen“. Na gut, daran habe ich mich auch so gehalten. Und bis in den Mai 2023 mache ich mir selbstquälerisch den Mund wässrig mit Spargelrezepten.

Die Johanni-Regeln bieten aber weiteren Stoff für Gewissenskonflikte. Ich mag sonnige Tage, weiß aber, dass Feld und Wald (und Garten) Regen brauchen. So gesehen sollte es heute regnen, denn „Regnet’s am Johannistag, so regnet es noch vierzehn Tag“.

Allerdings liebe ich Nüsse. Und da weiß der Bauernkalender: „Sankt Johannis Regengüsse verderben die besten Nüsse“.  Dabei könnten Nüsse über „80 vegane Rezepte zum Kochen und Backen mit Nüssen“ den Speiseplan meiner gemischtkonfessionellen Ehe (Veganerin/Carnivore) kitten. Und wiederum andererseits wird vorhergesagt: „Wenn es am Johannistag regnet, dann regnet es Pilze“. Und Pilze liebe meine Frau und ich auch gleichermaßen. Ein echtes Johanni-Dilemma.

Heute vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe der BILD-Zeitung mit einer Gesamtauflage von 250.000 Exemplaren. Muss das gefeiert werden? Wenn ja, dann „Ohne Rücksicht auf Verluste“ und mit dem gleichnamigen Buch das analysiert, „wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet“.

In jedem Fall gilt es (mal wieder posthum) einen Geburtstag wirklich zu feiern – obwohl mir der Jubilar, der heute 180 Jahre alt geworden wäre, mehr als einmal Angst gemacht hat. Ambrose Bierce, US-Schriftsteller, Journalist und Lebenskünstler, ist mit seinen häufig zynischen und vor schwarzem Humor triefenden Erzählungen neben Edgar Allan Poe der Meister der unheimlichen Kurzgeschichte. Wer sich davon überzeugen will, der greife zu den „Horrorgeschichten“ – und beschwere sich nicht bei mir, wenn er oder sie danach keinen Schlaf findet…

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Donnerstag 23. Juni Der öffentliche Dienst

…als wir es verdienen

Entweder gibt es einen Aufschrei der Empörung, oder es werden Beamtenwitze kolportiert. Heute, am Donnerstag, 23. Juni 2022, ist der „UN-Tag des öffentlichen Dienstes“ (United Nations Public Service Day).

Ich will gleich vorwegschicken, dass ich überwiegend gute Erfahrungen mit bundesdeutschen Verwaltungsdienststellen gemacht habe. Was mich zugegebenermaßen nicht davon abhält, am Stammtisch mit über das „Beamtentum“ zu schwadronieren und dann und wann einen Beamtenwitz zum Besten zu geben („Das Einzige, was aus Dienst-Besprechung herauskommt, sind die Beamten, die hinein gegangen sind.“)

Lehrer*innen sind dabei noch ein Spezialfall. Spätestens seit Gerhard Schröder, 1995 noch als niedersächsischer Ministerpräsident über den Berufsstand feststellte: „Ihr wisst doch ganz genau, was das für faule Säcke sind.“ Ein Vierteljahrhundert später (2020) gelangte er dann zu der Erkenntnis, dass er damit „ein bisschen überzogen“ habe.

Nun könnten Lehrerinnen und Lehrer auf die 1995er Einschätzung fast schon stolz sein, denn mittlerweile scheint es doch so, als würde Gerhard Schröder immer das Gegenteil von dem feststellen, was die Wirklichkeit vorhält. Immerhin wusste er schon 2004: „Putin ist ein lupenreiner Demokrat.“ Auch davon rückt er nicht so wirklich ab. Immerhin, er scheint eher Starrkopf statt Wendehals.

Wer sich dem Thema Öffentlicher Dienst über die große Literatur nähern will, der kann zu „Der Beamte sagte“ greifen, einer literarischen Collage der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Und wenn einer bei diesem Thema nicht fehlen darf, dann ist das Wilhelm Busch, vor dessen spitzer Feder auch in Amtsstuben niemand sicher verschanzt war: „Dem Herrn Inspektor tut’s so gut, / wenn er nach Tisch ein wenig ruht“ – „Beamte und Advokaten beobachtet von Wilhelm Busch“.

Die wesentlichen Eckwerte behördlichen Handelns versuchte schon Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) zu fassen: „Der Staatshaushalt muss ausgeglichen sein. Die öffentlichen Schulden müssen verringert werden. Die Arroganz der Behörden muss gemäßigt und kontrolliert werden!

Die Meinungen, wie weit wir damit gekommen sind, dürften weit auseinandergehen. Mit gewohnt bissigem Humor stellte fast 2000 Jahre später Georg Bernhard Shaw fest: „Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.“ Und so sehen einige Menschen (und manche Beamte sich vielleicht auch mal selbst) in einem Buchtitel gut und richtig platziert: „Gottheiten, Pharaonen und Beamte im alten Ägypten“.

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Mittwoch 22. Juni Leeres Blatt

Die Angst vorm leeren Blatt

Auch an diesem Mittwoch, 22. Juni 2022, galt mein erster Blick bei den Recherchen für unser „bebüchertes Kalenderblatt“ jenen Webseiten, die historische Ereignisse und Jubiläen listen. Und da wusste ich, dass das heute kein leichtes Schreiben wird. Die Angst vorm leeren Blatt.

Besonders ergiebig ist für meine Passion in der Regel die Rubrik „Kultur“. Und da bringt es Wikipedia unter dem 22. Juni gerade einmal auf zwei Einträge. Die Uraufführung der Operette „Pique Dame“ von Franz von Suppè (die nichts mit Pushkins Erzählung zu tun hat) und den Start des Ego-Shooters „Quake“. Nun finde ich Streitkultur prima, Streit über Kultur und vor allem über die Frage, was Kultur ist, verbietet sich aber.

Fündig wurde ich bei den Schriftsteller-Geburtstagen. Heute vor 124 Jahren (1898) wurde Erich Paul Remark geboren. Wenn es noch nicht klingelt, versuchen wir einen zweiten Anlauf mit dem Pseudonym: Erich Maria Remarque.

Sein Roman „Im Westen nichts Neues“ gehört zu den beeindruckendsten und aufwühlendsten Antikriegsromanen überhaupt und brachte es bis heute auf eine Gesamtauflage von weit über 20 Millionen Exemplaren. Das Werk wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt. Und die nicht minder aufrüttelnde Filmadaption „All Quiet on the Western Front“ (DVD) von Regisseur Lewis Milestone wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet.

Vom pazifistischen Meisterwerk zum Kampfsport ist ein schwieriger Übergang. Muss aber sein, denn wenn die Kultur an einem Datum schon schwächelt, liefert wenigstens der Sport drei bemerkenswerte Spektakel. Wobei das erste Ereignis für deutsche Sportfans am 22. Juni 1938 eher ein Tiefschlag war: Box-Legende Max Schmeling verlor im Kampf um die Boxweltmeisterschaft gegen Joe Louis.

Als Engel und Teufel zugleich brillierte Fußball-Weltstar Diego Maradonna am 22. Juni 1986 im WM-Viertelfinale zwischen Argentinien und England. In der Partie wurde der Teufel-Part ausgerechnet mit der „Hand Gottes“ (La mano de Dios) Wirklichkeit – wobei erkennbar eher Maradonnas Finger im Spiel waren, mit denen er den Ball ins Tor beförderte. Quasi als Ausgleich schoss er dann aber auch noch das „WM-Tor des Jahrhunderts“, mit dem Argentinien 2:1 gewann.

Einen einmaligen, aber eindeutig weniger bekannten Rekord hält auch der kroatische Nationalspieler Josip Šimunić. Im WM-Spiel 2006 zwischen Australien und Kroatien (2:2) erhielt er 3 (!) Gelbe Karten. Des Rätsels Lösung: Der englische Schiedsrichter Graham Poll hatte vergessen, Šimunić nach der zweiten Gelben Karte vom Platz zu stellen. Großen Einfluss hatte die Aktion nicht mehr, die Karten Nr. 2 und 3 erntete der Kroate in der 90. und 93. Minute – da gingen dann auch alle vom Platz.

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Dienstag 21. Juni Eingeschlafen

Der Tag des Schlafs ist eingeschlafen

Um 11.13 Uhr steht an diesem Dienstag, 21. Juni 2022, die Sommersonnenwende an. Heute ist aber nicht allein der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Es sollte ein klingender Tag werden, passend zum bundesweiten „Tag der Musik“ und zur internationale „Fête de la Musique“.

So weit, so gewohnt. Doch seit dem 24. Februar 2022 ist vieles anders: „Die Musikwelt ist entsetzt über den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Und sie ist vereint in ihrer Anteilnahme und Solidarität mit der Zivilbevölkerung der Ukraine, in ihrer Forderung nach Frieden!“, formuliert der Deutsche Musikrat und erklärt diesen 21. Juni zum „Friedenstag der Musik“.

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, konstatierte Friedrich Nietzsche. Und damit dürfte er recht haben. Ganz sicher gilt das für Sir Paul McCartney, dem wir hiermit nachträglich zum 80. Geburtstag gratulieren – verbunden mit einem Werk aus der Beatles-Bücherflut: „One – Two – Three – Four“. Gratulieren könnten wir auch Richard Wagner zur Uraufführung der „Meistersinger von Nürnberg“ am 21. Juni 1868. Nur Nietzsche würde nicht mit gratulieren, der war erst dicker Kumpel von Wagner und später erbitterter Gegner: „Nietzsche contra Wagner“.

Auch ein großes Literatur-Jubiläum steht heute an: Wilhelm Goldmann gründet vor 100 Jahren in Leipzig den Goldmann Verlag. Der Durchbruch gelang, als sich Goldmann 1928 die Rechte der Edgar Wallace-Krimis sicherte. Der britische Bestsellerautor schrieb bei der Verlagsgründung gerade an „Der grüne Bogenschütze“ – und damit schoss Goldmanns Bilanzkurve steil nach oben.

Ansonsten ist der 21. Juni mal wieder ein „Multi-Aktionstag“. Selbst ohne die meist eher albernen US-Aktionstag-Erfindungen sollte heute kaum jemand aus dem Feiern herauskommen. Neben den Musikern am „Friedenstag der Musik“ gilt das beispielsweise auch für Dackelbesitzer, denn heute ist der „Welttag der Dackel“ (World Dachshund Day). Und wer statt kurzer, krummer Beine eher lange, schlanke Hälse mag, kommt heute auch zu seinem Recht: „Welttag der Giraffe“ (World Giraffe Day).

Viel mehr als eine Aufzählung kann man heute in unserem „bebücherten Kalenderblatt“ kaum liefern, denn der „Internationale Tag des Yoga“ (UNO International Yoga Day). Wobei Yoga weit mehr ist, als sich beim „Bogen“ zu verbiegen. Die aus Indien stammende philosophische Lehre vereint geistige und körperliche Übungen. Und 1191 Bücher in unserem Online-Shop.

Ich räume ein, dass ich mit den bisher genannten Aktionstagen eher wenig anfangen kann. Selbst in Sachen Musik bin ich bestenfalls als Konsument zu gebrauchen. Weit näher liegt mir da schon der „Internationale T-Shirt-Tag“ (International T-Shirt Day). Die Erfinder des bequemen Schlabberlooks hatten ein Einsehen mit meiner „Linie“…

Und wenn bei der Feierei gar nichts mehr geht, kommen wir zu meinem Favoriten: Deutschland sollte heute den „Tag des Schlafes“ begehen. Der aber ist 2005 nach nur vier Jahren wieder eingeschlafen. Das Datum war ohnehin widersinnig, schließlich haben wir die kürzeste Nacht. Da lese ich dann lieber einen meiner Raymond-Chandler-Lieblingskrimis: „Der große Schlaf“.

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Montag 20. Juni Mitsommer-Momente

Vorbereiten auf Mittsommer-Momente

Die Sommersonnenwende steht in diesem Jahr am morgigen Dienstag an. Und zwar um genau 11:13 Uhr. Wir haben an diesem Montag, 20. Juni, also noch ausreichend Zeit, um uns zu präparieren.

Vorbereitungen bedarf es, will man „skandinavische Glücksmomente“, beschrieben in „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen“, erleben. Wobei die Schweden damit meine Verwirrung rund um Sonnenwenden etc. noch verschlimmern, denn obwohl am 21. Juni rechnerisch die Sommersonnenwende ansteht, wird in Schweden Mittsommer am Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni gefeiert.

Buchtitel mit „Mittsommer“ sind aber deutlich häufiger als solche mit der sperrigen „Sommersonnenwende“. Woher allerdings die „Glücksmomente“ kommen sollen, ist mir angesichts einer deutlichen Übermacht von Mord-und-Totschlag-Romanen schleierhaft. Die Palette reicht von „Tödlicher Mittsommer“ über eine „Gefährliche Mittsommernacht“, den Sylt-Krimi „Mittsommernachtsangst“ und den „Harz-Krimi-Almanach Band 2 – Mittsommer“ bis hin zu Altmeister Mankell und seinen „Mittsommermord“.

Da ist man dann richtig dankbar, dass die Liebe dagegenhält. „Mitsommerliebe“ und „Mitsommerleuchten“ oder „Eine Liebe zu Mittsommer“ sollen (neben der Hitze) Gründe zum Wegschmelzen liefern. Und den Nachwuchs kann man mit „Rotmütz der Zwerg: Mittsommer im Eulenwald“ so lange ruhigstellen.

Wer die Nacht durchmachen will, wird bestimmt einen starken Kaffee brauchen. Womit wir den Übergang zu einer großen Erfindung und ein wenig auch nach Clausthal-Zellerfeld hingequält hätten: Am 20. Juni 1908 erteilte das Kaiserliche Patentamt Melitta Bentz Gebrauchsmusterschutz auf ihre Erfindung eines Kaffeefiltriersystems.

Was das mit Clausthal-Zellerfeld zu tun hat? Nun, greifen wir zu einer emanzipierten Spruchweisheit: Hinter einer erfolgreichen Frau steht ein starker Mann. In diesem Fall Melittas Ehemann Johannes Emil Hugo Bentz, und der wurde am 20. April 1873 im Oberharz geboren. Berühmt wurde allerdings nur die erfinderische Gemahlin, deren Vorname zum berühmten Markennamen wurde.

Mit der Verwendung seines Namens sollte auch der Arzt und Bakteriologe Alexandre Yersin geehrt werden. Der Mediziner hat am 20. Juni 1894 in Hongkong den Erreger der Pest entdeckt. Das Bakterium erhielt später zu Ehren Yersins den Namen Yersinia pestis. Aus meiner Sicht eher eine zweifelhafte Ehre, dem Schwarzen Tod den Namen zu geben…

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Sonntag 19. Juni Advent im Blick

Sommerstart und Advent im Blick

Halbzeit im Jahr 2022 ist in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli. Der heutige Sonntag, 19. Juni 2022, ist „erst“ der 170. Tag des gregorianischen Kalenders. Er soll nochmal richtig warm werden. Zumindest laut meiner WetterApp, heutzutage hat ja jeder quasi sein eigenes Wetter im Handy.

Wenn das Wetter schlechter wird, werde ich einen Heimkino-Abend einlegen. Es wird „Zurück in die Zukunft“ geben. Animiert hat mich der „Spiegel“ mit folgender Meldung: „Bei einer Auktion in den USA wurde die originalverpackte Erstausgabe einer VHS-Version des ersten Teils von ›Zurück in die Zukunft‹ für 75.000 Dollar verkauft“.  

Nun habe ich alle drei Teile auch auf VHS, nur sind die entweder verschwunden oder erweisen sich als ausgeleiert unabspielbar. Aber es gibt ja Streaming-Dienste, da kann man es sich sogar erlauben, Michael J. Fox als Marty McFly im Fernsehen (ohnehin meist mit Werbeunterbrechungen) zu verpassen. Wer was zum Anfassen braucht, kann sich ja immer noch die DVD der Trilogie in unserem Online-Shop bestellen.

Der „Spiegel“ brachte die Meldung im Zusammenhang mit einem Artikel „über Gegenstände unserer Kindheit (…), die uns Wohlgefühle bereiten“. Für „Wohlgefühle“ meiner Kindheit und Jugend waren – allerdings im Winter – die ZDF-„Adventsvierteiler“ eindeutig mit zuständig.

Das war für mich damals „großes Kino“ und hat mich an viele Bücher herangeführt, denn die Mini-Serien basierten meist auf großer Literatur. Und zwar solche, die vielfach heute noch absolut lesbar (und absolut lesenswert) ist – anders als ich es mit „Winnetou“ erlebte. Wieso habe ich das Karl-May-Geschwurbel einst so heiß geliebt? Alles hat seine Zeit.

An die ersten großen Fernseherlebnisse, die sich über die vier Adventssonntage erstreckten, kann ich mich nicht so wirklich erinnern. Fernsehfreuden waren in meiner Kindheit zumindest bei uns zu Haus noch rationiert. „Robinson Crusoe“ (1964) und „Don Quijote von der Mancha“ (1965) haben im TV zumindest keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Ganz anders sieht das ab 1966 aus, „Die Schatzinsel“ und „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ kann ich mir heute noch voller Freude anschauen und die Bücher wie beim ersten Mal verschlingen. Ich war beeindruckt, wenn Raimund Harmstorf als Wolf Larsen eine (angeblich) rohe Kartoffel mit der bloßen Hand zerquetschte und habe prompt zu Jack Londons „Seewolf“ gegriffen.

Ich habe mit „Michael Strogoff“, dem „Kurier des Zaren“, gekämpft, geliebt und gelitten. Und mit dem ungarischen Grafen „Mathias Sandorf“ habe ich auf Rache gesonnen. Beides im Fernsehen wie auch in den Romanen von Jules Verne.

Lediglich mit den „Lederstrumpferzählungen“ habe ich als damals noch glühender Karl-May-Fan immer etwas gefremdelt. Auch die Romane von James Fenimore Cooper schienen mir ein Angriff auf meinen Helden Old Shatterhand zu sein. Vielleicht gebe ich Lederstrumpf jetzt nochmal eine Chance…

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