Werner Beckmann über „Die Känguru-Rebellion“

Werner Beckmann über „Die Känguru-Rebellion“

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion

Ich bin kein Freund von Hörbüchern, auch Literatur-Verfilmungen haben es bei mir schwer. Ich schaffe mir die Figuren lieber selbst. Daniel Radcliffe war nie mein Harry Potter. Aber es gibt Ausnahmen, weswegen hier Marc-Uwe Klings „Die Känguru-Rebellion“ als Hörbuch besprochen sein soll.

Wenn der „Kleinkünstler“ das Beuteltier mit dem Hang zur Anarchie oder Kneipenwirtin Hertha spricht, ist das ähnlich großartig (und doch ganz anders) wie Timur Vernes‘ „Er ist wieder da“, vorgelesen von Christoph Maria Herbst.

Eigentlich geht es um Bewährtes und Beliebtes – und doch ist etwas anders. Ein neues Känguru-Erlebnis. Deutlich politischer, häufig schärfer als in den Vorgängerwerken. Warum das so ist, erklärt das Känguru selbst: „Im Wort ‚Unterhaltung‘ steckt auch das Wort ‚Haltung‘.“

Worum es geht? „Hauptsächlich geht’s darum, dass wir rebellieren. Gegen die Zustände. Muss ich noch mehr dazu sagen?“ Nein, muss er nicht, denn, so souffliert das Beuteltier: „Von den Zuständen kriegt man ja Zustände.“ Und die werden am Rebellion-Stammtisch in Herthas Eckkneipe ausgelebt.

Der (aber-)witzige Kampf gegen Rechtsextreme, fürs Klima und gegen den Kapitalismus geht weiter. Ohrfeigen gibt es für den Politbetrieb in Berlin, vorneweg für die AfD, aber auch für Merz und Söder und etliche andere. Wobei an der begrenzten Zahl der „Gebashten“ auch deutlich wird, dass in der Politik die satisfaktionsfähigen Charakterköpfe offenkundig seltener werden.

Absolut im Visier haben Kling und Känguru auch die megareichen Tech-Unternehmer. Damit, dass sich „unser digitales Leben in der Hand weniger Superreicher befindet“, wollen sie sich nicht abfinden. Und irgendwie kann man viele Gedanken nachvollziehen: „Ich finde das so absurd, dass die beiden reichsten Typen auf diesem Planeten Raketenfirmen gründen und zum Mars wollen.“

Es gibt Passagen, die sind politisches Kabarett, in denen kommt einem das Känguru wie die Neuauflage von Volker Pispers oder Dieter Hildebrandt vor. Aber auch die beiden Kabarett-Großmeister brachten uns ja zum Lachen – bis es im Hals steckenbleibt…

Kling jedoch findet eine gute Mischung, verzichtet weder auf Schnapspralinen noch auf falsch zugeordnete Zitate. Beispiele gefällig: Die Fußballer-Weisheit „Elf Freunde sollt ihr sein“ legt Kling den Zwölf Aposteln in den Mund. Und vom Ex-FDP-Chef Christian Lindner stammt demnach die Weisheit „Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“

Wer sich das Hörbuch herunterlädt (oder das Buch kauft), wird hernach auch seine Meinung zur vermeintlich so schönen virtuellen Welt überdenken: „Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass es auch jeder tut.“

Und jetzt habe ich mich mit dieser Rezension da eingereiht…

Marc-Uwe Kling: „Die Känguru-Rebellion“, Hörbuch Hamburg, Laufzeit ca. 7 Stunden und 30 Minuten, ISBN 9783844944549, Preis: 12,95 Euro.

Für alle, die lieber etwas in der Hand haben: Hier geht es zum Taschenbuch der Känguru-Rebellion…


Sonntag, 25. Dezember: Zeit des Zuviel

Mehr Weihnachtszauber und Zitate

Es ist Sonntag, 25. Dezember 2022, erster Weihnachtsfeiertag. Meine Fest-Faulheit hatte ich gestern schon gestanden, wollte mich bis ins neue Jahr sogar in Blog-Abstinenz zu üben. Die gestern eingestreuten Weihnachtszitate jedoch stießen auf viel Resonanz – und da geht noch mehr.

Fangen wir mit Astrid Lindgren an, die in diesem Fall wohl die Mainstream-Meinung vertritt:

Oh, wie ist es schön, wenn Weihnachten ist! Ich wünschte nur, dass ein wenig öfter Weihnachten wäre.

Astrid Lindgren

Sehr viel nüchterner blickt Kurt Tucholsky auf den Festtagsbetriebe:

Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.

Kurt Tucholsky

Und der englischen Schiftsteller Leigh Hunt entdeckte schon im frühen 19. Jahrhundert einen Trend, der bis heute wenigstens anhält, sich bisweilen sogar noch steigert:

Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel.

Leigh Hunt

Wer mit Zitaten ebenso gern wie ich spielt, der sollte sich Marc-Uwe Klings „Game of Quotes – Verrückte Zitate“ zulegen. Klings berühmtes Känguru ist selbst ein unerschöpflicher Quell für den Zitate-Schatz:

Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass es auch jeder tut.

Das Känguru

Sinn des vom berühmten Beuteltier entwickelten Spiels ist es, bekannte Zitate anderen, Schöpfern möglichst abstrus zuzuordnen. Beispiele:

Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.

Papst Benedikt XVI. (Andreas Möller)

Was man mit fast schon einem flotten Dreier steigern kann, der mit Goethes „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“  spielt:

Hier bin ich Mensch, hier kauf‘ ich ein.

Friedrich Schiller (dm-Werbung)

Wenn man ein Zitat nicht versteht, kann das bisweilen auf Verhören beruhen. Ein „Kleines Handbuch des Verhörens“ in Liedtexten legen Axel Hacke und Michael Sowa vor: „Der weiße Neger Wumbaba“ hat seinen Ursprung in Matthias Claudius‘ Zeile „der weiße Nebel wunderbar“.

Für den Hausgebrauch liefert der „Zitate Tagesabreißkalender 2023“ den (nicht immer passenden) Spruch des Tages. Was immer geht und komplette Zitatenlexika ersetzt, ist „Klassisch gut: Faust-Zitate“ in der „Minibibliothek“ für die Hosentasche. Und da auch der Volksmund oft Weises kundtut, sollte über „Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ nachgedacht werden. Es erscheint Ende Februar 2023. Bis dahin kann man ansparen, die drei Bände im Schuber kosten 100,00 Euro.

Weihnachtsskeptiker, die jetzt glauben, am ersten Feiertag sei das Schlimmste überstanden, werden bald feststellen, was Joachim Ringelnatz schon vor mehr als 100 Jahren wusste:

Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.

Joachim Ringelnatz

 

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