Sonja Weber über „Reclams Literatur-Quiz“

Sonja Weber über „Reclams Literatur-Quiz“

Andrea Hahn: Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat

Zum Geburtstag habe ich von einer lieben Kollegin das „Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat“ bestehend aus fünfzig Rätselkärtchen bekommen und nehme mir jetzt immer zum Frühstück eines vor. Dann hat mein Gehirn sich schon mal einem klassischen Werk gewidmet und ist wach.

Gestern war es „… Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“. Das Kärtchen lässt einem die Wahl zwischen a: große b: künftige und c: dunkle. Und, wissen Sie es sofort? Ich lag zunächst falsch.

Falsch lag ich heute damit, wie lange einen so ein Zitaterätsel umtreiben kann. Da gibt es diesen bekannten Ausspruch „Nichts ist dauernd als …. (a: der Wechsel b: das Leben c: die Welt?), nichts beständig als der Tod.“ Alle, die sich in letzter Zeit mit Heinrich Heine beschäftigt haben denken vielleicht gleich an diesen und seine Harzreise. Aber nö, Heinrich war`s nicht. Der hat`s nur verwendet.

Ursprünglich gesagt hat es wer anders. Wer? Schauen Sie mal nach. Dazu sei allerdings so viel verraten, dieses einleitende Zitat der Harzreise, das Heine sich ausgeborgt und dabei ganz brav den Urheber erwähnt hat, wurde mal abgedruckt und mal nicht. Warum? Sie werden darauf kommen (recherchieren Sie in der Stadtbücherei).

Ach, und wissen Sie, wer wann das Gedicht „Lore Lay“ erschaffen hat und in welchem Gesamtwerk es zu finden ist? Und woher kam denn eigentlich diese sagenhafte Frauengestalt? Aus Rüdesheim, aus Bacharach oder aus Ingelheim?

Das ganze Spiel ist handlich, nur ein wenig größer als ein normales Skatblatt, also auch prima zum Mittnehmen auf Reisen. Damit man nicht versehentlich zuerst die Lösungsseite anschaut, sind die beiden Kartenseiten farblich unterschiedlich gestaltet. In jeder Lösung stecken an sich schon viele Informationen, aber so wie es mir mit dem Nicht-Heinrich-Heine-Zitat ging, finden Sie bestimmt auch Rätsel, Autorinnen, Autoren oder Werke, die es tiefer zu erkunden gilt.

Andrea Hahn: „Reclams Literatur-Quiz – Ergänze das Zitat“, Reclam Verlag, 108 Seiten (Karten), ISBN 4262461870041, Preis: 14,00 Euro.


Sonntag, 25. Dezember: Zeit des Zuviel

Mehr Weihnachtszauber und Zitate

Es ist Sonntag, 25. Dezember 2022, erster Weihnachtsfeiertag. Meine Fest-Faulheit hatte ich gestern schon gestanden, wollte mich bis ins neue Jahr sogar in Blog-Abstinenz zu üben. Die gestern eingestreuten Weihnachtszitate jedoch stießen auf viel Resonanz – und da geht noch mehr.

Fangen wir mit Astrid Lindgren an, die in diesem Fall wohl die Mainstream-Meinung vertritt:

Oh, wie ist es schön, wenn Weihnachten ist! Ich wünschte nur, dass ein wenig öfter Weihnachten wäre.

Astrid Lindgren

Sehr viel nüchterner blickt Kurt Tucholsky auf den Festtagsbetriebe:

Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.

Kurt Tucholsky

Und der englischen Schiftsteller Leigh Hunt entdeckte schon im frühen 19. Jahrhundert einen Trend, der bis heute wenigstens anhält, sich bisweilen sogar noch steigert:

Weihnachten ist die große Zeit des Zuviel.

Leigh Hunt

Wer mit Zitaten ebenso gern wie ich spielt, der sollte sich Marc-Uwe Klings „Game of Quotes – Verrückte Zitate“ zulegen. Klings berühmtes Känguru ist selbst ein unerschöpflicher Quell für den Zitate-Schatz:

Das Tolle am Internet ist, dass endlich jeder der ganzen Welt seine Meinung mitteilen kann. Das Furchtbare ist, dass es auch jeder tut.

Das Känguru

Sinn des vom berühmten Beuteltier entwickelten Spiels ist es, bekannte Zitate anderen, Schöpfern möglichst abstrus zuzuordnen. Beispiele:

Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.

Papst Benedikt XVI. (Andreas Möller)

Was man mit fast schon einem flotten Dreier steigern kann, der mit Goethes „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!“  spielt:

Hier bin ich Mensch, hier kauf‘ ich ein.

Friedrich Schiller (dm-Werbung)

Wenn man ein Zitat nicht versteht, kann das bisweilen auf Verhören beruhen. Ein „Kleines Handbuch des Verhörens“ in Liedtexten legen Axel Hacke und Michael Sowa vor: „Der weiße Neger Wumbaba“ hat seinen Ursprung in Matthias Claudius‘ Zeile „der weiße Nebel wunderbar“.

Für den Hausgebrauch liefert der „Zitate Tagesabreißkalender 2023“ den (nicht immer passenden) Spruch des Tages. Was immer geht und komplette Zitatenlexika ersetzt, ist „Klassisch gut: Faust-Zitate“ in der „Minibibliothek“ für die Hosentasche. Und da auch der Volksmund oft Weises kundtut, sollte über „Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ nachgedacht werden. Es erscheint Ende Februar 2023. Bis dahin kann man ansparen, die drei Bände im Schuber kosten 100,00 Euro.

Weihnachtsskeptiker, die jetzt glauben, am ersten Feiertag sei das Schlimmste überstanden, werden bald feststellen, was Joachim Ringelnatz schon vor mehr als 100 Jahren wusste:

Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.

Joachim Ringelnatz

 

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Samstag, 24. Dezember: Frohes Fest!

Ich werde Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben.

Charles Dickens

Das Team der BÜCHER-HEIMAT wünscht allen Kundinnen und Kunden ebenso wie all jenen, die das erste Jahr unserer „Mitmach-Buchhandlung“ so engagiert unterstützend begleitet haben, ein frohes Weihnachtsfest, einen guten Jahreswechsel und ein gesundes und glückliches neues Jahr 2023!

Da uns die Fest-Faulheit früh überkam, bitten wir an dieser Stelle alle Newsletter-Abonnenten um Verzeihung: Sie alle kennen diesen Text schon. Was den Vorteil hat, dass sie sich gleich wieder dem Weihnachtsbaum-Schmücken zuwenden können!

Wir wünschen allen Menschen natürlich, das ihnen gelingen möge, was Charles Dickens in unserem Eingangs-Zitat formuliert. Weihnachten „das ganze Jahr“ über, da wollen wir ehrlich sein, wäre auch für die BÜCHER-HEIMAT ein Traum – wann sonst werden so viele Bücher verschenkt wie in der Adventszeit…

Weihnachtszeit! Wer spricht von Siegen? Überstehen ist alles!

Rainer Maria Rilke

Auch wer Rilkes Ansicht teilt, ist an Heiligabend noch einmal von 10 bis 13 Uhr in der BÜCHER-HEIMAT willkommen. Und auf alle Besucher wartet eine Überraschung: Luca Weber wird am Samstag, 24. Dezember, auf der zwölfsaitigen Akustik-Gitarre spielen. Mit Liedern aus seinem Repertoire und selbstverständlich mit Weihnachtsliedern wird er von 10.00 bis 11.30 Uhr etwas Fest-Stress von seinen Zuhörern nehmen und für die jüngsten Freunde der BÜCHER-HEIMAT das Warten auf den Weihnachtsmann „überspielen“.

Für all jene, die den Adrenalinschub des Last-Minute-Geschenkekaufs brauchen, hätten wir noch drei Top-Tipps. Wobei der erste aus unbekannter Quelle stammt und so kurz vorm Fest auch viel Glück (und ein gewisses Maß krimineller Energie) voraussetzt:

Noch dreimal Pakete für die Nachbarn annehmen und ich habe alle Weihnachtsgeschenke zusammen.

Unbekannt

Vor solchen Machenschaften warnen wir natürlich mit der gebührenden Entrüstung und empfehlen doch lieber Bad Harzburger Geschenke für Bad Harzburger*innen:

Weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmel geht Egon Knofs Buch „Gestüt Harzburg – Das Erbe der Braunschweiger Herzöge“. Auf 224 Seiten und mit 341 historischen (Schwarz-weiß- und Farb-) Fotos lädt es zu detailreichen Ausflügen in die Gestüts- und Stadtgeschichte wie auch zum Schwelgen in Bilderwelten ein. Für nur 25,00 Euro ein echter Geschenktipp für alle Bad Harzburger und alle Pferdefreunde.  

Und dann wäre da natürlich noch unser Erstling im Verlag „Die Bücher-Heimat Bad Harzburg“: Dirk Junicke und Sonja Weber laden zu einem „freudvollen Brunnenrundgang“ ein und sorgen mit viel Detailwissen und tollen Fotos dafür, dass man den Jungbrunnen auf dem Platz Stadtmitte noch einmal völlig neu entdeckt. Das Buch zum Brunnen ist exklusiv in der BÜCHER-HEIMAT zum Preis von 6,00 Euro zu haben.

Wer weitere Tipps für Buchgeschenke sucht (auch gern an sich selbst), der wird auf der Website der BÜCHER-HEMAT in der Rubrik „Ganz persönliche Lesetipps“ fündig. Hier sind viele Bücher, die Bad Harzburgerinnen und Bad Harzburger besprochen haben.

Mit einem Zitat haben wir den Weihnachts-Newsletter begonnen, beschließen wir ihn mit einem herrlichen Kalauer, auch wenn der eher im englischsprachigen Raum mit Santa Claus funktioniert:

Was bekommt der Weihnachtsmann, wenn er im Kamin steckenbleibt?

Claustrophobie.

Unbekannt

Sonntag, 13. November: Die gebrochene Zunge

Nachsprechen, Verhaspeln und Kaputtlachen

Es ist der „Tag des Bloggens“, dieser Sonntag, 13. November 2020. Wobei das Bloggen eine hohe Konzentration erfordert, wenn man über den „Internationalen Tag der Zungenbrecher“ (International Tongue Twister Day) schreibt, der ebenfalls heute ansteht.

„Einer muss sich plagen, der Schreiber oder der Leser.“ Sagte der vorgestern im Alter von 97 Jahren verstorbene Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider. „Lies Schneider“, lautete eine Standardforderung, als ich vor etlichen Jahrzehnten beim Göttinger Tageblatt meine „Laufbahn“ startete.

„Lies Schneider“ kann aber auch ein Rat an jeden sein, dem Sprache nicht egal ist. So schrieb Schneider „Die Wahrheit über die Lüge“ und erläutert, warum wir den Irrtum brauchen und die Lüge lieben. Und „Speak German!“ ist zugleich Liebeserklärung an unsere Muttersprache wie auch Kampfansage gegen die Anglomanie.

Nach den oft eher flachen Wortwitzen am gestrigen „Tag der schlechten Wortspiele“ steht heute nicht allein „in Ulm, um Ulm und um Ulm herum“ die hohe Kunst der „Zungenbrecher“ im Fokus. Oft als witziges Partyspielchen genutzt, nutzen professionelle Sprecher und Redner die schnell zu sprechenden fiesen Sprachhürden als Konzentrations- und Artikulationsübung: „Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.“

Sehr beliebt sind die „superfrechen Zungenbrecher“ auch beim Nachwuchs. „Paul klaut blaue Prickelbrause“ empfiehlt der Duden für junge Leser*innen ab 5 Jahren zum „Nachsprechen, Verhaspeln und Kaputtlachen“. Ein Plädoyer für den kreativen Umgang mit Spaßgedichten auch im Schulunterricht ist das Buch „Zuckersüße Zungenbrecher“. Eine weitere Verhaspelsammlung hat es allein wegen des Titels in meine Auswahl geschafft: „Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz“.

Wer diesen Sonntag nun als Härtetest für die eigene Zunge nutzen will, kann zwischen noch weit mehr (Hör-)Büchern wählen. Eine kleines Zungenbrecher-Sortiment liefert auch Wikipedia. Sogar mit Audio-Dateien, die Hörbeispiele liefern. Wahlweise richtig und (witziger) mit Fehlern gesprochen. Die Palette reicht dabei von den großen Klassikern „Der Cottbuser Postkutschkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten“ und „Die Katze tritt die Treppe krumm, krumm tritt die Katze die Treppe“ bis zu Sätzen, die mir neu sind und die ich jetzt im Selbstversuch teste: „Der fiese friesische Fliesenleger fliest mit fiesem friesischem Fliesenkleber“ und „Der kleine plappernde Kaplan klebt klappbare poppige Pappplakate an die klappernde Kapellwand“.

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