Petra Nietsch über „Liebe und Verderben“

Petra Nietsch über „Liebe und Verderben“

Kristin Hannah: Liebe und Verderben

Kristin Hannah war mir als Schriftstellerin bekannt, aber dies ist der erste Roman, den ich von ihr gelesen habe und er ist ein ganz besonderer.

Die Autorin entführt uns in die Wildnis Alaskas. Es gibt sicherlich nicht viele Menschen, die eine wirkliche Vorstellung davon haben, wie einsam es dort ist. Hier bestimmt die Natur das Leben der Menschen. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben.

Im Sommer wird es so gut wie nicht dunkel und im Winter wird es kaum hell. Frühling und Herbst sind kaum existent. Im Sommer muss alles getan werden, um im Winter ausreichend Vorräte zu haben. Die Menschen jagen, fangen Fische, pflücken Beeren, arbeiten an ihren Häusern und Hütten und, und, und.

Dieses Leben fordert viel, aber bietet auch Freiheit. Jeder hilft jedem, egal, was es ist. Man kann sich aufeinander verlassen.

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich die Handlung. Die Familie Albright siedelt im Jahr 1974 von Seattle um nach Kaneq auf der Kenai-Insel. Ernt, der im Vietnam-Krieg gekämpft hat, leidet seitdem unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, die dazu führt, dass er immer wieder seinen Job verliert, auch weil er unter starken Gemütsschwankungen leidet.

Cora, seine Frau liebt ihn so sehr, dass sie ihm nahezu alles verzeiht. Lenora (Leni), die 13-jährige Tochter, fühlt sich einsam, denn wegen der vielen Umzüge ist sie nie lange genug an einer Schule, um Freunde zu finden.

Für das harte Leben in Alaska sind sie schlecht vorbereitet, aber sie fühlen sich willkommen geheißen und schnell wohl. Alle drei arbeiten unentwegt, um endlich zur Ruhe zu kommen. Und in der Schule findet Leni mit Matthew sogar einen Freund. Doch der Winter naht und mit ihm kommen nicht nur die Dunkelheit, sondern auch Ernts Alpträume.

Seine Angstzustände und Unzufriedenheit nehmen zu. Er sucht Streit zu Hause, wird zunehmend gewalttätig gegenüber Cora und wird auch in der Dorfgemeinschaft immer mehr zum Außenseiter. Derweil wird aus der Freundschaft zwischen Leni und Matthew die erste große Liebe.

Der Roman hat fast 600 Seiten, aber es ist nicht eine zuviel. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen, die die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten. Die Handlung ist bis zum Ende hin schlüssig und hat mich als Leserin zufrieden gemacht.

Wie so oft unterscheiden sich der englische und der deutsche Titel, wobei aus meiner Sicht in diesem Fall der Schwerpunkt unterschiedlich gesetzt ist. Der englische Titel „The Great Alone“ bezieht sich auf die Wildheit Alaskas, es ist „The Last Frontier“ während der deutsche Titel mehr auf das Thema Liebe zielt. Von der gibt es ganz unterschiedliche Formen im Roman. Von freundschaftlicher über partnerschaftliche Liebe über Liebe zur Natur und zum Land ist alles dabei.

Ein packender Roman, der mich sehr bewegt hat und den ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Kristin Hannah: „Liebe und Verderben“, Aufbau Taschenbuch Verlag, 591 Seiten, ISBN 9783746635767, Preis: 14,00 Euro.