Sonntag 17. Juli Welt-Emoji-Tag

Der große Tag der Grinsemännchen

Der heutige Sonntag, 17. Juli 2022, ist der Tag der „Grinsemännchen“, wie ich die Smileys gern eindeutsche. Wobei der Aktionstag weit darüber hinausgeht, denn rund um die gelben Kugelköpfe ist ein Universum entstanden, dem der „Welt-Emoji-Tag“ (World Emoji Day) gewidmet ist.

Der Aktionstag wird aus gutem Grund am 17. Juli begangen: Das meistverbreitete Kalender-Emoji zeigt das Datum des 17. Juli. Was ich so glauben muss, denn mein Kardinalproblem mit den Emojis ist, dass deren Darstellung für meinen Geschmack viel zu klein ist. Und dass es viel zu viele gibt.

Da schreibt man einen Satz in 10 Sekunden und sucht dann eine halbe Stunde nach mehr oder minder passenden Emojis. Die sollen verhindern, dass beispielsweise ein lustig gemeinter Satz in den falschen Hals gerät. Wie haben wir das bloß früher gemacht? Dunkel erinnere ich mich an Begriffe wie „zwischen den Zeilen lesen“ und an einfach nur gute Formulierungen.

Aufklärung über die sprachliche Entwicklung versprach ich mir von einem Buch mit dem Titel „Es steht geschrieben – Von der Keilschrift zum Emoji“. Vermutlich sind meine Erwartungen zu hoch gesteckt, denn laut Verlagswerbung folgt das Wer „im augenzwinkernden GraphicNovel-Stil der Entstehung von weit über 100 Schriften in aller Welt von den Anfängen bis in unser Computerzeitalter“.

Ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte, denn mittlerweile hat es auch das „Buch der Bücher“ erwischt: „Die Emoji-Bibel – Neues Testament und Psalmen“. Eine Bibelausgabe, die mit „10 Seiten mit Stickern“ punkten will. Darüber hinaus geht dann vermutlich nur noch ein wahrhaft globales Unterfangen: „Die Welt erklärt in Emojis“.

Immerhin ließ das Buch „Emoji Zeichnen Lernen“ die Hoffnung keimen, ich könnte mir meine eigenen Grinsemännchen machen. Aber weit gefehlt, eigene Kreationen trauen uns die Autoren offenkundig nicht zu, es geht darum „50 Ihrer Lieblings-Emojis“ abzuzeichnen.  

Getoppt wird das nur von dem „Emoji Aktivitätsbuch“. Als „wunderbares Emoji-Buch“ wird es Kindern, Jungen, Mädchen, Jugendlichen und Erwachsenen empfohlen – sofern sie „5 bis 12 Jahre“ alt sind. Erwachsener darf man auch nicht werden, um folgende Verlagswerbung zu goutieren: „Dieses Buch hat die meisten lustigen Aktivitäten, die Sie können, die Ihr Kind beschäftigt mit allen möglichen Herausforderungen und kreativen Übungen halten werden.“

Dieser Satz passt prima zum Thema Emojis, klingt er doch wie etliche Posts, die man in den „Sozialen“ Medien und in Messengerdiensten von großen Sprach- und Schreibkünstlern im Bekanntenkreis vorgesetzt bekommt…

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Samstag 16. Juli Rivalen der Rennbahn

Stets aufs Neue ein Zuschauermagnet (Foto: 1950) und das größte Sportspektakel des Harzes: Die Galopprennwoche startet heute. Das Foto stammt aus dem Ahrens-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung.

Sportspektakel und Familienfest

Boxen auf! An diesem Samstag, 16. Juli 2022, startet die 142. Bad Harzburger Galopprennwoche. An diesem und am nächsten Wochenende sowie am Donnerstag feiert Bad Harzburg und feiert die Region ihr größtes Sportspektakel, das zugleich eines der größten Familienfeste ist.

Wer an den Renntagen verhindert oder gar in den Urlaub gefahren ist, kann sich seine Portion Galoppsport natürlich auch über die BÜCHER-HEIMAT holen. Die Palette der Pferde(rennsport)-Bücher ist gigantisch, reicht von „Das Rennpferd – Seine Erziehung und Vorbereitung für die Rennbahn. Die neueste Methode der Engländer. ‚Documenta Hippologica‘. Reprint der Ausgabe von 1838“ über den „Hengst der Sonne“, den berühmtesten Araberhengst der Welt und einem „Was ist was“ für den Pferdesport-Nachwuchs oder auch den Rennsport-Fantasyroman „Titanen“ bis hin zur kompletten Fernsehserie „Rivalen der Rennbahn“ auf DVD.

Nicht ganz synchron läuft der Auftakt der Rennwoche am Weißen Stein mit dem Kalender der kuriosen Aktionstage. Der US-amerikanische „National I Love Horses Day“ (Ich-mag-Pferde-Tag) war gestern. Heute ist dagegen der „Welttag der Schlange“ (International World Snake Day).  Pferde finde ich respekteinflößend groß und vor Schlangen habe ich Angst. Da feiere ich lieber mit den Kanadiern heute den „Guinea Pig Appreciation Day“ (Ehrentag der Meerschweinchen).

Und dann muss heute noch an eine Segnung erinnert werden, die die Welt meiner Meinung nach nicht zwingend gebraucht hat: Am 16. Juli 1935 wurde in Oklahoma City die erste Parkuhr der Welt aufgestellt und erhielt den wenig schmeichelhaft klingenden Namen „Schwarze Maria“. Erfunden haben soll das münzgesteuerte Parkmessgerät (coin controlled parking meter) der Amerikaner Carlton Cole Magee.

In Deutschland blieben wir noch bis zum 4. Januar 1954 verschont, dann begann in Duisburg das Zeitalter der „Parkraumbewirtschaftung“ mit zwanzig „Parkographen“. Allerdings gab es keine rechtliche Grundlage, um Autofahrer zum Bezahlen von Parkgebühren zu zwingen. Erst 1956 wurde die Straßenverkehrsordnung geändert und Parkuhren legitimiert.

Seither trage ich treu und brav mein Scherflein bei – bisweilen sogar mehr als das, weil ich gern Parkschein und Parkscheibe vergesse und so zum schusseligen Knöllchensammler avanciere. Vielleicht sollte ich die 418 Seiten von „Halten – Parken – Abschleppen“ studieren.

Mit Blick auf die Galopprennwoche habe ich auch mit Blick aufs Parken Glück. Ich wohne quasi in Sichtweite (wenn der Weiße Stein abgetragen würde) der Rennbahn. Und vielleicht kann ich mit Wettglück (Ratgeber auf Englisch) mein Park-Defizit ausgleichen…

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Freitag 15. Juli Faszination documenta

Von Kunst, Können und Wollen

Der Countdown ist an diesem Freitag, 15. Juli 2022, bis auf 1 heruntergezählt: Morgen beginnt die 142. Bad Harzburger Galopprennwoche. Das Buch „111 Pferde, die man kennen muss“, beinhaltet aber leider keine todsicheren Tipps für die Viererwetten, sondern Geschichten rund ums Pferd.

„Boxen auf“ hieß es vermutlich nicht, als heute vor 67 Jahren (1955) die erste „documenta“ in Kassel eröffnet wurde. Die weltweit bedeutendste Ausstellung zeitgenössischer Kunst findet mittlerweile alle fünf Jahre statt und dauert jeweils 100 Tage.

In dieser Zeit sorgt sie – zumindest, solange ich mich zurückerinnern kann – zuverlässig für heftige Diskussionen bis hin zu erbitterten Streitigkeiten. Wie gerade auch jetzt bei der 15. Auflage wieder. Obwohl ich mich selbst eher als „Kunstbanause“ einstufen würde, der dem geflügelten Wort anhängt, nachdem Kunst von Können kommt („käme sie von Wollen, hieße sie Wulst“), war ich bei aller Verwirrung stets auch fasziniert.

Auf den Punkt bringen diese Faszination zwei Kunstwissenschaftler, die in der Wikipedia zitiert werden: „… die documenta hat die Kunstwelt immer wieder erschüttert, ob in armen, nach Kunst dürstenden Nachkriegszeiten, in aufrührerischen Revolte-Jahren, in der unbeschwerten Epoche des ausgehenden 20. Jahrhunderts oder dem von der Globalisierung geprägten Jahrhundertwechsel. Die documenta-Geschichte ist eine Geschichte der Niederlagen, des Zweifels, der Skandale und gleichzeitig der Erneuerung, der Erkenntnis, der künstlerischen Produktivkraft. Immer aber war sie eine Erfolgsgeschichte …“

Während man also über die „documenta“ trefflich streiten kann, gehört das zweite Fundstück unseres „bebücherten Kalenderblatts“ unstrittig zu den wichtigsten Steinen, die je ein Mensch entdeckte, denn der Stein von Rosetta öffnete im Wortsinn „Lesewelten“.

Was der napoleonische Offizier Pierre François Xavier Bouchard am 15. Juli 1799 im Niltal entdeckte, war das Fragment einer steinernen Stele mit einem Priesterdekret. Das Besondere: In drei untereinanderstehenden Schriftblöcken war der Text in Hieroglyphen, auf Demotisch und Altgriechisch sinngemäß gleichlautend eingemeißelt.  Damit war der Fund mitentscheidend für die Entschlüsselung der ägyptischen Hieroglyphen. Wobei wiederum der Franzose Jean-François Champollion maßgeblichen Anteil hatte.

Eine große Stunde schlug heute vor 25 Jahren (1997) dem deutschen Radsport: Jan Ullrich gewann bei der Tour de France die Pyrenäen-Etappe und konnte das Gelbe Trikot des Gesamtführenden überstreifen.  Der Grundstein für den ersten Toursieg eines Deutschen war gelegt und wurde gefeiert – bis das böse Doping-Erwachen kam…

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Donnerstag 14. Juli „Fronkreisch, Fronkreisch“

Räder rollen, Frankreich feiert

Donnerstag, 14. Juli 2022 – wir müssen gar nicht erst diskutieren, es ist der Tag der Franzosen. Die Tour de France rollt und ganz Frankreich fiebert mit in der Hoffnung, dass einer der ihren am Nationalfeiertag die Etappe gewinnen möge. Vive la France! Oder deutscher: „Fronkreisch, Fronkreisch!“

Ein ganz großer Tag war in dieser Hinsicht der 14. Juli 1964, als der Franzose Jacques Anquetil „mit Leib und Seele“ zum vierten Mal in Folge und zum fünften Mal insgesamt die Tour de France gewann. Und es wurde noch besser: Zweiter mit nur 55 Sekunden Rückstand wurde Anquetils Landsmann Raymond Poulidor.

Ich bin ja bekennender Tour-de-France-Fan. Was ziemlich widersinnig ist, denn ich fahre nicht gern Fahrrad und lese die Berichte über Doping im Radsport. Und dennoch bin ich fasziniert gerade von den majestätischen Bergetappen. Allerdings bevorzuge ich die faule Variante, kämpfe also im Fernsehsessel mit. Und wenn es mal langweiliger wird, greife ich stilecht gern zu Asterix-Band 6 „Tour de France“.

Es gibt allerdings auch unfassbar viele Hobby-Radsportler, die das Spektakel hautnah verfolgen und sogar allen Ehrgeiz darin setzen, die Königsetappen selbst zu fahren. Für alle, die das auch mal probieren wollen, hier das Buch zum Wahnsinn: „Tour de France – 100 legendäre Anstiege mit allen Infos zum Nachfahren“.

Eher zum Schmunzeln und Genießen (…wie Gott in Frankreich…) empfehle ich zum Nationalfeiertag der Nachbarn ein Buch des genialen Zeichners und Karikaturisten Jean-Jacques Sempé: „Vive la France“.  Ich habe es selbst zwar noch gar nicht gelesen, aber allein die Verlagsankündigung lässt einen schwelgen: „Begleiten wir Sempé auf seinen Streifzügen durch Paris und durch die französische Provinz, zu Fuß, auf dem Fahrrad, ein noch warmes Baguette unterm Arm. Seine Zeichnungen sind wie Szenen aus ungeschriebenen Romanen, sorgfältig komponiert, voll traumhafter Menschenkenntnis – ein untergegangenes, ein modernes und ein ewiges Frankreich.“

An zwei „nicht-französischen“ Ereignissen, die auf einen 14. Juli datieren, komme ich nicht vorbei. Als Western-Fan weiß ich natürlich, dass am 14. Juli 1881 William Bonney, besser bekannt als Billy the Kid, wird von Pat Garrett, Sheriff in Lincoln County, erschossen wurde. Sarkastisch formuliert: Ende Legende – oder war es doch eher der Anfang? Auskünfte kann ein Buch geben, dass ausgerechnet Pat Garrett schrieb. Und der muss „Das wahre Leben von Billy the Kid“ kennen, die beiden waren einst dicke Freunde.

Deutlich fröhlicher ist das Finale unseres „bebücherten Kalenderblatts“: Am 14. Juli 1955 wurde einer meiner absoluten Lieblingsfilme uraufgeführt: „Drei Männer im Schnee“ (DVD) nach dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner. Kongenial verfilmt von Regisseur Kurt Hoffmann mit Paul Dahlke, Günther Lüders, Claus Biederstaedt, Margarete Haagen und Nicole Heesters in den Hauptrollen.

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Mittwoch 13. Juli Königliches Kalenderblatt

Queen und Queen und ein Götze

Nach dem Wackelpudding gestern steht heute am Mittwoch, 13. Juli 2022, der „National French Fry Day“ (Pommes-Frites-Tag) in den USA im Kalender. Man kann natürlich königlicher speisen, aber dazu später mehr.

Der kommt an. Mach ihn, mach ihn, er macht iihhhhhhnnn… Mario Götze, das ist doch Wahnsinn.“ Der 13. Juli 2014 bescherte Fußball-Deutschland den vierten WM-Stern. 1:0 gegen Argentinien in der Verlängerung durch Mario Götze.

Götzseidank“ kam bei der Wahl zum deutschen Wort des Jahres 2014 auf den dritten Platz. Und zwei Jahre später kam eine Biografie „Mario Götze“ auf den Markt. Seine damals 24 Lebensjahre wurden auf 256 Seiten beschrieben. 10,7 Seiten pro Lebensjahr.

„Hollywoodlands“ schrieb eine Maklerfirma werbend am 13. Juli 1923 in die Hollywood Hills. Das „lands“ fiel später weg, es blieb das weltberühmte „Hollywood Sign“. Die Buchstaben sind etwa 14 Meter hoch und zusammen 137 Meter lang. Passende Lektüre dazu liefert Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino mit seinem Buch zum eigenen Film: „Es war einmal in Hollywood“.

Zwei Mal wurde der Schriftzug in den zurückliegenden 100 Jahren verändert. Im September 1987 wurde er zu Ehren des Besuchs von Johannes Paul II. zu „HOLYWOOD“.  Und in der Silvesternacht 2016 änderte Scherzbolde „HOLLYWOOD“ in „HOLLYWeeD“ („Weed“ = Marihuana). Eher nüchtern (oder in seinem Fall besser ernüchternd) ist der Blick von Charles Bukowski auf „Hollywood“.

Das berühmteste Wohltätigkeitskonzert aller Zeiten ging am 13. Juli 1985 über die Bühne. „Live Aid“ fand in Großbritannien und den USA parallel statt. Anlass war eine Hungersnot in Äthiopien. 200 Millionen DM kamen zusammen.  Beim größten Rockkonzert der Geschichte trat das Who-is-Who der Pop- und Rockwelt auf.  Der etwa 20-minütige Auftritt der Band Queen um Frontmann Freddy Mercury gilt auch heute noch oft als bester Live-Auftritt ever.

Bleiben wir beim Thema Queen, ich bin da ja bekennender Fan sowohl der Band die der Königin. Heute vor 185 Jahren verlegte Queen Victoria die Hauptresidenz der britischen Monarchen in den Buckingham Palace. Der muss seither auch als Krimi-Schauplatz herhalten: Um Mitternacht ab Buckingham Palace.

Der Umzug war fast zwangsläufig. Der Buckingham Palace verfügt über 775 Räume, da konnte die vorherige „Hütte“ nicht mithalten. Durch Kensington Palace kommen Touristen heute in lächerlichen drei Stunden. Wer sich dafür stärken will, findet „saisonale Rezepte aus dem Buckingham Palace“: „Zum Tee bei der Königin“. Und dabei kann man dann auch über die Frage aller royalen Fragen sinnieren: „Was kommt nach der Queen?

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Dienstag 12. Juli Von Hunden, Haien und Wutbürgern

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Wir sind am Dienstag, 12. Juli 2022, angekommen. Es ist der 193. Tag des Jahres, 172 liegen noch vor uns. Falls sich wer wundert, dass in den letzten Tagen keiner der mehr oder minder abstrusen Aktionstage auftauchte: Außer in den USA herrscht da derzeit offenkundig Sommerflaute. Und selbst dort ist heute außer dem National Eat Your Jell-O Day (Wackelpudding-Tag) kaum was Erzählenswertes zu holen. Und Wackelpudding mag ich nicht mal.

Ekelerregend und menschenunwürdig“, „widerlich“, „beschämend scheußlich“, „geschmacklos und primitiv“ und „eine starke Herabsetzung des ‚homo sapiens‘“, so wüteten Leserbriefschreiber 1953 über Wochen. Das Ziel der Angriffe sollte froh gewesen sein, dass es noch keine „Sozialen“ Medien gab, der Shitstorm wäre wohl noch gewaltiger gewesen.

Dabei handelt es sich um einen Säulenheiligen deutschen Humors: Vicco von Bülow, besser bekannt als Loriot. Der hatte sich erdreistet, in seinen Zeichnungen „Auf den Hund gekommen“ einen Rollentausch von Mensch und Hund vorzunehmen. Zwei Jahre hielt der „Stern“ den wütenden Protesten stand, dann stellte er am 12. Juli 1953 die Loriot-Serie ein.

Die Wutbürger-Zitate werden übrigens in Loriots autobiografischem Werk „Möpse und Menschen“ zitiert. Und dem Humoristen blieb zum Broterwerb immerhin noch die ab Juni 1953 wöchentlich in der Kinderbeilage „Sternchen“ erscheinende Serie „Reinhold das Nashorn“.  Alles urkomisch und großartig. Am besten greift man gleich zu „Loriots Gesammelten Werken“.

Ein grausiger Zwischenfall am 12. Juli 1916 bescherte uns einen Blockbuster als Roman und dann vor allem auch als Steven-Spielberg-Film: Im Matawan Creek in New Jersey kam es zu drei Haiangriffen an einem Tag. Zwei Menschen kamen ums Leben, einer wurde schwer verletzt.  Und der Schriftsteller Peter Benchley griff fast 60 Jahre später (1974) zur Feder: „Der weiße Hai“ (englisch).

Nur gut, dass Thor Heyerdahl schon vier Jahre zuvor auf die Idee kam, mit seinem Papyrus-Boot „Ra II“ den Atlantik überqueren zu vollen. So raubten ihm angsterfüllte Hai-Träume (wie mir nach dem Kino-Besuch) zumindest nicht den Schlaf und nach 57 Tagen erreichte er Barbados. Als Buch habe ich allerdings nur Heyerdahls „Kon-Tiki“ entdeckt, in dem er seine Pazifik-Tour beschreibt.

Die Recherchen für unser „bebüchertes Kalenderblatt“ förderten zudem vielleicht noch ein gutes Omen für das EM-Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft heute gegen Spanien zutage:  Am 12. Juli 1991 wurden die deutschen Fußball-Frauen in Dänemark durch ein 3:1 gegen Norwegen Europameister.

Das Schlosswort überlassen wir heute Loriot – in der Hoffnung, dass wir ohne Shitstorm wegkommen: „Immer häufiger sehen wir Hunde uns vor die Frage gestellt: Sollen wir uns einen Menschen halten oder nicht? Mögen unsere zweibeinigen Hausgenossen oft Quelle reiner Freude und Heiterkeit sein, so hat die Frage ihrer Haltung doch auch ihre ernsten Seiten: Der Mensch hat – allen Behauptungen zum Trotz – eine Seele. Er erhebt Anspruch darauf, ernst genommen zu werden.

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Montag 11. Juli Ein Sensationsfund

China-Träume und Schach-Neid

Ich brüte an diesem Montag, 11. Juli 2022, über Reiseplänen. Die Crux: Ich fliege nicht gern. Und ansonsten dauert eine China-Reise lange. Aber zu gern würde ich die Terrakotta-Armee von Qin Shihuangdi, den Gründer des Kaiserreichs China, einmal „in echt“ sehen. Heute vor 47 Jahren wurde der Sensationsfund „The Eternal Army: The Terracotta Soldiers of the First Emperor“ (englisch) bekanntgegeben.

Gedacht werden sollte heute auch eines mutigen Mannes, der für seine Überzeugungen einstand: Am 11. Juli 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde der britische Philosoph, Mathematiker, Religionskritiker und Logiker Bertrand Arthur William Russell, 3. Earl Russell, wegen seines Pazifismus von der University of Cambridge suspendiert.

Russell erhielt 1950 den Nobelpreis für Literatur und veröffentlichte gemeinsam mit Alfred North Whitehead die „Principia Mathematica“, eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts über die Grundlagen der Mathematik. Ich will ein anderes Buch von Bertrand Russell unbedingt noch lesen, denn allein vom Titel her steht es schon mal weit oben in meiner Favoritenliste: „Lob des Müßiggangs“.

Russel veröffentlichte fleißig viele Werke und wurde berühmt. Dies gelang der US-Amerikanerin Harper Lee mit einem einzigen Roman, der am 11. Juli 1960 erschien und die Autorin mit einem Schlag weltberühmt machte: „Wer die Nachtigall stört“ (To Kill a Mockingbird) handelt von Kindheit, Heranwachsen und vom Rassismus in den Südstaaten der USA, wurde 1961 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und gehört ohne Frage zu den modernen Klassiker der amerikanischen Literatur. Der Roman wurde weltweit mehr als 40 Millionen Mal verkauft.

Ich bin ein bekennender Schach-Dilettant – weswegen ich Schach-Genies maßlos beneide und bewundere. Und so habe ich (wie seinerzeit fast die ganze Welt) heute vor 50 Jahren aufgeregt in die isländischen Hauptstadt Reykjavík geschaut, wo am 11. Juli 1972 die erste Partie der Schachweltmeisterschaft 1972 zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer begann.

Der Zweikampf der Schach-Giganten gilt – allerdings auch wegen des Drumherums in der kältesten Phase des Kalten Kriegs – als „Match des Jahrhunderts“. Das bewegende Leben der Schachikone Bobby Fischer kann man nun umgesetzt als Graphic Novel nachvollziehen: „Bobby Fischer – Eine Schachlegende zwischen Genie und Wahnsinn“.

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Sonntag 10. Juli Ein anglophiler Tag

Verlorene Zeit fürs Lesen finden

Eine Warnung vorab an diesem Sonntag, 10. Juli 2022: Das „bebücherte Kalenderblatt“ ist heute arg anglophil geraten. Obwohl mein Schulenglisch das im Grunde nicht hergibt.

Starten wir daher mit „leichter Muse“ und einem legendären Musikalbum: Das 1961 bei Judy Garlands umjubelten Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall aufgenommene Doppelalbum „Judy at Carnegie Hall“ erhielt heute vor 60 Jahren 5 (in Worten: fünf!!!!!) Grammys. Das Album war 73 Wochen lang in den Billboardcharts, 13 Wochen davon auf der Spitzenposition.

Sogar Bücher wurden über den Konzertabend „Judy at Carnegie Hall“ (englisch) geschrieben. Etwas in Zeitnot, habe ich gestern das Originalalbum nicht gleich gefunden. Aber ein „Best of“ das im Fall der großen Judy Garland ein „Best ever“-Album ist, kann darüber hinwegtrösten. Somewhere over the rainbow…

Bei weitem nicht so bekannt, aber unbedingt so bedeutend ist für britische Autoren der Hawthornden Prize, der heute vor 103 Jahren (1919) zum ersten Mal verliehen wurde. An Edward Shanks für „The Queen of China and Other Poems“ (englisch).

Obwohl der Hawthornden Preis mit 10.000 Pfund eher mittelprächtig dotiert ist, gilt er als äußerst prestigeträchtig. Was dazu führte, dass die Preisträgerliste oft als „who is who“ der britischen Literatur der letzten hundert Jahre bezeichnet wird. Jüngstes Mitglied auf der illustren Liste ist Ian Duhig mit seinem Werk „New and Selected Poems“ (englisch).

Auf prestigeträchtige Preise müssen unsere beiden Geburtstagskinder des Tages wahrhaft nicht mehr schielen, sie gehören zu den Großen der Literatur auf unserem Globus. Heute vor 151 Jahren (1871) erblickte Marcel Proust das Licht der Welt. Muss man mehr sagen als „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Wobei die sieben Bände schon gehörig gefundene Zeit fordern…

Tatsächlich zum Geburtstag gratulieren können wir Alice Munro, die heute 91 Jahre alt wird. Das Werk der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin umfasst mehr als 150 Kurzgeschichten – und damit hat sie die Erzählform revolutioniert. Die Geschichten wie in „Liebes Leben“ beginnen oft an einer unerwarteten Stelle und entwickeln sich chronologisch mal rück- und mal vorwärts.

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Samstag 9. Juni Sonnenstrahlen von der Insel

Lichtblicke aus dem Vereinigten Königreich

Den Wettervorhersagen nach starten wir in ein ziemlich graues und an diesem Samstag, 9. Juli 2022, auch regnerisches Wochenende. Ein doppelter Lichtblick kam gestern aus dem Vereinigten Königreich.

Nein, nicht der Rocktritt von Boris Johnson. Gemeint ist das 4:0 der deutschen Fußballfrauen gegen Dänemark bei der Europameisterschaft unter dem sonnigen Himmel von Brentford. Danach muss der Buchtitel „111 Gründe, Frauenfußball zu lieben“, geändert werden. Nun sind es mindestens 112. Und aus Richtung England soll auch noch das nächste Sommerhoch im Anmarsch sein.

Dass der Blick häufiger nach London schwenkte, lag nicht allein am runden Leder, Sportfans interessierten sich dank des mutigen Spiels von Tatjana Maria bis ins Wimbledon-Halbfinale auch wieder für einen gelben Filzball. Im Tennis-Mekka wurde übrigens heute vor 145 Jahren (1877) das erste Tennisturnier ausgetragen.

Und heute vor 33 Jahren (1989) gewannen mit Steffi Graf und Boris Becker zwei deutsche Tennisikonen innerhalb weniger Stunde die Tenniskronen für die Damen und die Herren. „Ich will nach WimbledonDer Tenniseltern-Ratgeber“ sei all jenen empfohlen, die meinen, das eigene Kind zeige deutliche Merkmale eines Tenniswunders.  

Den Grundstein für ein faszinierendes Bauwerk legte Kaiser Karl IV. heute vor 665 Jahren (1357): „Die Brücke der Ewigkeit“ entstand. Die Karlsbrücke, verbindet die Prager Altstadt mit der Kleinseite. Ihren Namen erhielt die Brücke, über die der Krönungsweg der böhmischen Könige führt, aber erst im Jahr 1870. Was man alles sicher auch auf der „Lesereise Prag“ erfährt, die „auf der Karlsbrücke nachts um halb eins“ beginnt und den literarischen Geschichten der Goldenen Stadt nachspürt.

Auch die Glückwünsche gehen heute nach England. An zwei sehr erfolgreiche Autorinnen. Für Freunde des gepflegten Gruselns sei an Ann Radcliffe erinnert, die heute ihren 258. Geburtstag feiern könnte. Sie gehörte zu den populärsten Vertreterinnen und Wegbereiterinnen des Schauerromans (Gothic Novel) wie „Der Italiener oder Der Beichtstuhl der Schwarzen Büßenden“.

Außerdem steht heute der 121. Geburtstag von Dame Mary Barbara Hamilton Cartland an. Ihre Spezialität waren britische Liebesromane. Davon verfasste sie in ihren 101 Lebensjahren 724 Exemplare – und nach ihrem Tod wurden noch 160 unveröffentlichte Romane entdeckt. Die Schreibwut schlägt sich in Verkaufszahlen nieder: Sage und schreibe mehr als eine Milliarde Cartland-Liebesromane gingen über den Ladentisch. Darunter „Der Liebesschwur“ – dem natürlich auch die „Hochzeit mit dem Ungeliebten“ folgen kann…

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Freitag 8. Juli Zauberhaft sportlich

Das runde Leder und der Schnatz

Zumindest in unserem „bebücherten Kalenderblatt“ ist dieser Freitag, 8. Juli 2022, ein sehr sportlicher Tag. Und noch dazu ein sehr zauberhafter Freitag.

Am Thema Fußball kommt man als deutscher Fußballfan am heutigen Datum nicht vorbei. Erinnerungen werden wach an zwei fantastische Spiele der Nationalelf, von denen eines aber bis heute von einem brutalen Foul überschattet wird.

Auch über die „Nacht von Sevilla“ mit dem 5:4 im Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Frankreich könnte man natürlich sagen, es sei „nur ein Spiel“ gewesen. Doch diese WM-Partie am 7. Juli 1982 war weit mehr. Ein „Fußballdrama in fünf Akten“ machte Manuel Neukircher daraus. Und darin dürfte Toni Schumachers Attacke auf Patrick Battiston der Tragödien-Teil sein.

Zu Himmel hoch jauchzend für die deutschen Fans, zu Tode betrübt für alle Brasilianer bleibt der 7. Juli 2014 in Erinnerung. Im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 besiegte Deutschland Brasilien in Belo Horizonte mit 7:1. Und Miroslav Klose ist seither WM-Rekordtorschütze. Fixpunkte sicher auch in der „Fußball-WM-Enzyklopädie“.

Zwei Jahre zuvor erlebte eine andere Sportart ihre WM-Premiere. Und es ging nicht ums runde Leder, sondern um den Schnatz, Quaffel und Klatscher: In Oxford gewann die Mannschaft aus den Vereinigten Staaten die erste Quidditch-Weltmeisterschaft. Laien sollten zu einem Hogwarts-Lehrbuch greifen: Quidditch im Wandel der Zeit“.

Für Harry-Potter-Fans ist der 7. Juli ohnehin nicht irgendein Datum: Heute vor 22 Jahren startete in Großbritannien der Verkauf des vierten Harry-Potter-Romans „Harry Potter und der Feuerkelch“. Der Verlag hatte inzwischen erkennbar dazugelernt. Statt 500 Exemplare wie beim ersten Band wurden nun bereits 370.000 Bücher aufgelegt.

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