Joachim A. Lang/Thomas Weber (Hrsg.): Nach der Nacht

Im Mittelpunkt des Buches stehen Interviews mit sieben Überlebenden des Holocaust. Zwar erfährt man über ihr Schicksal auch, wie sie den Holocaust erlitten haben und überleben konnten. Vor allem aber werden sie befragt, wie sie unsere heutige Welt sehen und die weltweiten Gefährdungen von Demokratie und Menschenwürde einschätzen. Und was zu tun ist, damit die Welt lebenswert für alle Menschen bleibt.
Allen Zeitzeug*innen ist gemeinsam, dass sie erst sehr spät begonnen haben, über ihr Schicksal zu erzählen, dass sie dann aber – wie die inzwischen verstorbene Margot Friedländer – unermüdlich Zeugnis abgelegt haben, gerade im Gespräch mit jungen Menschen. Und sie warnen vor Gefahren zunehmenden Rassismus und Antisemitismus angesichts aktueller Entwicklungen: Was geschehen ist, kann wieder geschehen.
Die Herausgeber, der Regisseur Joachim A. Lang und der Historiker Thomas Weber, haben die Zeitzeug*innen für ein Filmprojekt über die Wirksamkeit der NS-Propaganda kennengelernt. Und sie waren zurecht der Meinung, dass deren Stimmen nicht verloren gehen dürfen.
Die Interviews werden durch einen längeren Text eingeleitet, in dem sie ihre Grundfrage erläutern, nämlich wie die Schrecken des NS möglich wurden, oder anders und grundsätzlicher ausgedrückt: „Wie kommt die Finsternis in die Welt? Aber auch: Wie kommt das Licht in die Welt zurück?“ Dabei unterstreichen sie die Bedeutung und Wirksamkeit von Erinnerung, nicht zuletzt aus der jüdisch-christlichen Tradition heraus. Abschließend fassen die beiden Autoren zusammen, welche Bedeutung die „Vision der Holocaustüberlebenden für die Zukunft der Demokratie“ hat.
Letztlich ist deren Zeugnis eine Botschaft an jede*n Einzelne*n – und: Erinnerung dient unserer Gegenwart und einer menschenwürdigen Zukunft.


