Sonja Weber über „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“

Sonja Weber über „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“

Lisa Ridzén: Wenn die Kraniche nach Süden ziehen

Irgendwann im Leben treffen wir die erste eigene wichtige Entscheidung und irgendwann die letzte, machen irgendwann den ersten eigenen Schritt und dann irgendwann den letzten. Dazwischen liegt mit Glück ein gutes Leben, dass vielleicht sogar lang ist. Dazu muss man allerdings alt werden und es dann auch noch schaffen alt zu sein.

Lisa Ridzén erzählt in ihrem wunderbaren soeben erschienenen Debutroman „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ genau davon. Anhand von Notizen des Pflegeteams ihres Großvaters hat die Autorin eine feine, alle Beteiligten beleuchtende Geschichte erschaffen, in der es auf die erdenklich beste Art menschelt.

Aus der Sicht des alten Bo blicken wir als Leserinnen und Leser auf einen Alltag, in dem alles was Jahrzehnte leicht war, immer schwieriger wird. Egal ob Kochen, in die Stadt fahren, Putzen, den Kamin anfeuern oder mit dem Hund rausgehen, Bo benötigt Hilfe. Deshalb kommt ein Pflegedienst und deshalb möchte Bos Sohn Hans den Hund weggeben.

Aber darf er das? Ist es nicht immer noch Bos Leben? Ist es nicht seine Entscheidung, ob er beim Spaziergang mit dem Hund oder auf der Küchenbank stirbt? In den einzelnen Kapiteln verweben sich Vergangenheit und Gegenwart, erleben wir Bos gefühlte Realität und das „so ist es“ aus der Sicht von Hans, der Pflegekräfte und Bos Enkelin und wir begleiten Bo das letzte halbe Jahr seines langen und aus seiner Sicht sicher auch guten Lebens.

Lisa Ridzén: „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“, btb Verlag, 384 Seiten, ISBN 978-3-442-76296-5, Preis: 24,00 Euro.