Nicht nur der Großschriftsteller Thomas Mann, Bruder Heinrich Mann, die Söhne Klaus und Golo Mann, Frau Katia Mann, Monika, Michael – alle aus der Familie Mann haben sie Bücher geschrieben und wurden berühmt. Die wissenschaftliche und literarische Ausschlachtung dieser Familie mit Genius-Gen hält an.
Jetzt also auch Florian Illies, der selber bekannt wurde durch seine „atmosphärischen Epochenerzählungen“. Eigentlich wollte ich das geschenkte Buch sofort weglegen und habe es dann doch zügig gelesen.
Illies hat ein Buch geschrieben, dass Zeitgeschichte geschickt mit Familiengeschichte verknüpft. Er beschränkt sich auf drei Monate in dem Riviera-Ort Sanary, der ersten Station des gemeinsamen Familien-Exils. Illies zeigt, wie schnell die Nationalsozialisten auch in den intellektuellen Kreisen zugeschlagen haben und die Manns im März 1933 nur mit Geschick Deutschland verlassen konnten. Thomas Mann war tief gekränkt, hielt er sich offenbar doch für die Inkarnation der deutschen Hochkultur.
Er, der Gottvater der Familie, wird gezeigt als verklemmter Egomane, Zauderer, als großbürgerlicher Patriarch und Hypochonder. Katia Mann steht bedingungslos zu ihrem „Thommy“. Gemeinsam sind sie stilvoll Elternpaar: schräg, verquer, selbstbewusst und befremdend ungerecht. Und die (erwachsenen) Kinder leiden, sie bewundern ihren „Zauberer“.
Das Leben spielt sich an einem Traumort ab: Wenn in Sanary die Sonne untergeht, geht mit ihr auch die großbürgerliche Epoche zugrunde – nur wissen es noch nicht alle.
Florian Illies schreibt mit sanftem Spott. Er schreibt informativ, unterhaltsam und erzählt vom aufkommenden Grauen im Plauderton.
Als Leser beginnt man in der Abendsonne zu frösteln.




