Spaß mit Flaggen

Spaß mit Flaggen

Spass mit Flaggen

Benjamin Friedrich, Jasemin Uysal, Jeremy Connor:

Spaß mit Flaggen

Vexillologie. Der Terminus technicus für Flaggenkunde hat zwar das Zeug zum Zungenbrecher, dass sich dahinter spannende und lustige Geschichten verbergen könnten, vermutet man eher weniger. Fans der TV-Serie „Big Bang Theory“ jedoch wissen es besser, denn Sheldon Cooper lädt zu „Fun with Flags“ ein. Was der Katapult-Verlag als Herausgeber ganz sicher im Hinterkopf hatte, als er für sein Buch den verkaufsfördernden Titel „Spaß mit Flaggen“ wählte.

Das Buch hält über weite Strecken durchaus, was es verspricht. Die Lektüre ist extrem kurzweilig, erfordert aber dennoch ein hohes Maß an Konzentration – weil die Gedanken ständig auf Reisen sind. Nicht allein in die Länder, deren Flaggen bisweilen eigenwillig interpretiert werden. Parallel war ich ständig am Überlegen, bei welcher Gelegenheit ich mit dem frisch erworbenen Wissen prahlen oder mit einigen guten Gags brillieren könnte…

In „Spaß mit Flaggen“ feiert die Grundidee des Katapult-Verlages, der überwiegend mit Infografiken und Karten arbeitet, fröhliche Urstände. Man kann das Buch in zwei, drei Stunden durchgeblättert haben, man wird es aber gern auch immer wieder in die Hand nehmen. In einigen freien Flaggen-Erläuterungen gilt zwar die Devise „Witz komm raus, du bist umzingelt“, aber selbst dann war ein Schmunzeln immer drin. Und herzhaftes Lachen oder auch interessiertes Staunen über Flaggen-Fakten überwiegen.

Katapult-Verlag (Hrsg.): „Spaß mit Flaggen“, Katapult 2021, 180 Seiten, ISBN 978-3-948923-16-7, Preis 22 Euro.


Bücher und ein zwanghafter Wahn

Harzsagenhalle Oma liest vor
Harzsagenhalle Oma liest vor

Bücher und ein zwanghafter Wahn

Heute ist der 20. März, kalendarischer Frühlingsanfang. Das Wetter weiß offenkundig, was die Stunde geschlagen hat. Was den Blick wieder auf eine vielversprechende Bauernregel lenkt: „Wie das Wetter am Frühlingsanfang, so ist es den ganzen Sommer lang.“ Na dann…

Diesen Tag müssen Buchhandlungen und Leseratten eigentlich lieben. In der langen Liste der mehr oder minder sinnvollen Aktionstage steht heute neben dem „Tag der Bibliomanie“ (Bibliomania Day) auch noch der „Weltgeschichtentag“ (International World Storytelling Day). Wobei die Bibliomanie in ihrer schlimmsten Form eher zwanghafte Formen annimmt. Zusammengesetzt aus den griechischen Begriffen biblion (Buch) und mania (Wahn) bezeichnet die Bibliomanie die übersteigerte und zwanghafte Leidenschaft für Bücher. Mit Leselust hat das dann wenig zu tun.

Einer der spektakulärsten Fälle von Bibliomanie wurde am 20. März 1990 in Iowa aufgedeckt. Stephen Carrie Blumberg wurde der Diebstahl von mehr als 23.600 Büchern im Wert von 5,3 Millionen US-Dollar angelastet. Über Jahre hinweg stahl er seltene und wertvolle Bücher aus 268 Universitätsbibliotheken. Gesamtgewicht der „Beute“, die in den USA als „Blumberg Collection“ bekannt wurde: gut 19 Tonnen. Ein Happy Ende hatte die Geschichte für Blumberg nicht, er musste 71 Monate in Haft und 200.000 Dollar Bußgeld zahlen.

Ziel des „Weltgeschichtentags“ ist es, die Kunst des mündlichen Erzählens zu feiern, Geschichten zu teilen und sich am Reichtum des überlieferten Wortes zu erfreuen. Bereits 1991/92 gab es in Schweden am 20. März einen nationalen Tag des Geschichtenerzählens (Alla berattares dag).  1997 veranstalteten Geschichtenerzähler im australischen Perth ebenfalls am 20. März ein Fest der Geschichten. Womit das Datum für den „Weltgeschichtentag“ letztlich gesetzt war. Wer sich in Bad Harzburg an Geschichten erfreuen will, die nicht allein erzählt, sondern auch kunstvoll präsentiert werden, der hat dazu bald wieder Gelegenheit in der Harzsagenhalle. Zur Vorbereitung ist Sonja Webers Buch „Sagenhafte Geschichte * Sagenhafte Geschichten – Die Sagen der Harzsagenhalle auf dem Bad Harzburger Burgberg“ zu empfehlen.

Franz Alt Wenn Leben gelingt

Spätestens dann sollte ein Glücksgefühl einkehren, passend zum Weltglückstag (International Day of Happiness), den die Vereinten Nationen (UN) 2013 ins Leben gerufen haben. Das Streben nach Glück wurde dabei keineswegs als rein theoretisches oder philosophisches Thema gesehen, sondern gilt gemeinhin als ein Kernaspekt der UN-Arbeit. Was sich letztlich auch in der offiziellen Erklärung der UN-Resolution 66/281 widerspiegelt, denn darin wird Glück auch als Ausgleich von Ökonomie, Sozialem und Umwelt definiert. Wer sich in sein Glück einlesen will, dem könnte ein Buch des bekannten Journalisten Franz Alt helfen: „Wenn Leben gelingt: Eine Anleitung zum Glücklichsein“.



Ein Tag für Sonne, Tabak und Starkbier

Sagrada Familia Barcelona
Sagrada Familia Barcelona

Ein Tag für Sonne, Tabak und Starkbier

Schon 78 Tage haben wir an diesem 19. März im jungen Jahr 2022 absolviert, am morgigen Sonntag steht der kalendarische Frühlingsanfang auf dem Plan. Den Bauernregeln und der Wettervorhersage nach, könnte das Wochenende einen sonnigen Sommer verheißen…

Heute ist der Tag des Heiligen Joseph, Bräutigam der Gottesmutter Maria. Und da wissen die Bauernkalender: „Ist es am Josephstage schön, kann es nur gut weitergeh’n.“  Die Chancen stehen gut, denn am Wochenende soll die Sonne aus allen Knopflöchern scheinen. Da kann man nur hoffen, dass dies auch für Italien, Spanien und Honduras gilt, denn dort ist Josefstag Vatertag. In Bayern steht an Josefi traditionell der Starkbieranstich (ich liebe den Nockherberg) an. Zudem wird in Deutschland am Josefstag ebenso traditionell der Tabak ausgesät. Trotz all dieser „Vorzüge“ wurde der Josefstag als gesetzlicher Feiertag 1969 selbst im Freistaat abgeschafft. Dagegen wiederum lehnt sich der Verein Königlich-Bayerische-Josefspartei auf, der die gesetzliche Wiedereinführung des Feiertags betreibt.

Aus meiner Sicht ist es eines der beeindruckendsten Bauwerke der Welt, für das heute vor 140 Jahren, am 19. März 1882, der Grundstein gelegt wurde: die Kathedrale Sagrada Família in Barcelona. Um das weltbekannte und von Antoni Gaudí im Stil des Modernisme entworfenen Gotteshaus ranken sich zum Teil unglaubliche Geschichten. Gaudí kam 1926 auf dem Weg zu „seiner“ Kirche bei einem Unfall ums Leben. Im Jahr 2000 ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Und schon zu Lebzeiten hatte Gaudí, angesprochen auf die zähen Baufortschritte, eine starke Erklärung parat: „Mein Kunde hat keine Eile.“

So wuchsen die Türme der Sagrada Família dem Himmel entgegen, in dem „Kunde“ weiter viel Geduld aufbringen muss. Am 7. November 2010 weihte Papst Benedikt XVI. die Kirche und erhob sie zugleich zu einer Basilica minor. Ganz nebenbei fiel dann 2016 noch auf, dass es für den Bau gar keine Baugenehmigung gab. Dennoch sollte die Kathedrale im Jahr 2026, zum 100. Todestag Gaudís, vollendet werden – ein kühner Plan nach nur 144 Jahren. Er hatte auch nicht lange Bestand, die Covid-Pandemie wird als Begründung genannt, dass das Datum nicht mehr eingehalten werden kann. Die UNESCO nahm 2005 die Geburtsfassade und die Krypta der Sagrada Família als Erweiterung des Weltkulturerbedenkmals „Werke von Antoni Gaudí“ in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Bevor wir ins Wochenende starten, noch ein schneller Schlenker zurück nach Bad Harzburg. Die Forst konnte sicher nicht ahnen, dass ausgerechnet dieses Wochenende, an dem sie die B4 sperrt, mit Top-Tourismus-Wetter aufwarten soll. Was mich mehr irritierte, war auf den Schildern der Satz „Frei bis Radauer Wasserfall“. Radau Wasserfall in zwei Worten oder eher noch mit Bindestrich gekoppelt kannte ich, die neue Form scheint eher eine Schild(bürger-)Variante zu sein. All jenen, die mehr über „Geographische Namen in Deutschland“ wissen will, wird in Band 25 der Duden Taschenbücher fündig. In mehr als 1.200 Artikeln werden 1.700 Ortsnamen, Ländernamen, Fluss- und Gebirgsnamen erklärt. Und falls Radau nicht dabei sein sollte: Laut Wikipedia kommt es vom urgermanischen hradaz („schnell, eilig, später: gerade“), die Radau ist also ein „schneller, gerader“ Fluss



Einzug, Umzug und wachsende Vorfreude

Haarnagel Regale
Haarnagel Regale

Einzug, Umzug und wachsende Vorfreude

Verflixt viel zu tun gibt es heute in und um die BÜCHER-HEIMAT. An diesem Freitag, 18. März, zieht das Ahrens-Fotoarchiv der BAD HARZBURG-STIFTUNG als „Untermieter“ in einen Raum der Mitmach-Buchhandlung ein.

Einen großen Schritt in Richtung Eröffnung am Samstag, 2. April, hat aber auch die BÜCHER-HEIMAT gemacht. Zur prächtigen Präsentation des Lesestoffes können frisch installierte Regale genutzt werden, gefertigt von Meisterhand durch Luca Haarnagel in der Haarnagel Bau- und Möbeltischlerei GmbH & Co KG, Schmiedekamp 21, in Lengde. Das Team der BÜCHER-HEIMAT geht jetzt mit Volldampf daran, die Erstausstattung der gemeinnützigen Buchhandlung zu beschaffen und die Regalwände zu bestücken. Sowohl in der BÜCHER-HEIMAT wie auch im Fotoarchiv der BAD HARZBURG-STIFTUNG (rechts) wächst die Vorfreude auf den großen Start.

Das Ahrens-Fotoarchiv der BAD HARZBURG-STIFTUNG, dessen Internet-Dependance mit hunderttausenden Seitenaufrufen enorm viel Interesse in der Stadt und der Region fand, rückt jetzt auch in der analogen Form mitten hinein in die Stadt. In rückwärtigen Räumen der ehemaligen Commerzbank werden die rund 500.000 Abzüge nun aufbewahrt und weiter digitalisiert. Den Umzug des Fotoarchivs aus dem Dachgeschoss der Gerhart-Hauptmann-Schule ins Stadtzentrum konnte die Stiftung heute dabei dank der Unterstützung der Bad Harzburger Firma Garten- & Landschaftsbau Düe (Malena Kregel) realisieren.  

Beim Blick in die Kalenderblätter könnten einem heute in mehrfacher Hinsicht die Worte fehlen – ein Stummfilm, der Anfang der 1920er Jahre bereits rund 2 Millionen US-Dollar Produktionskosten verschlang! Am 18. März Der 1924 wird „Der Dieb von Bagdad“ von Raoul Walsh uraufgeführt. Der Streifen macht Douglas Fairbanks sen. zum Weltstar. Der Stummfilm ist die erste großangelegte Verfilmung eines Märchens aus „Tausendundeine Nacht“, die das Publikum mit Spezialeffekten wie der Reise auf dem fliegenden Teppich fasziniert. Das Lexikon des internationalen Films schreibt: „Ungemein einfalls- und trickreich inszeniert. Als Hollywood-Märchen-Klassiker immer noch sehenswert.“ Der Filmgesellschaft United Artists füllte der „Dieb“ die Kassen, der Stummfilm gilt als einer der Meilensteine der Firma. Falls er gerade nirgendwo gestreamt wird, könnte man ja auch nochmal zur Buchvorlage greifen…

Nicht vorbei kommen Eishockey-Fans an diesem Datum: Am 18. März 1982, also heute vor 130 Jahren, stiftete Frederick Stanley, der spätere Earl of Derby, einen Preis für das beste Amateur-Hockey-Team Kanadas. Der „Stanley Cup“ ist heute die wichtigste Trophäe im nordamerikanischen Eishockey überhaupt – obwohl es sich sozusagen um Importware handelt: Der Cup wurde im englischen Sheffield hergestellt und vom Londoner Silberschmied GR Collis and Company an Lord Stanley verkauft.



Party mit St. Patrick

St. Patrick's Day
St. Patrick's Day

Party mit St. Patrick

Der Party-Tag schlechthin für alle Irland-Fans ist dieser Donnerstag, 17. März 2022. Heute ist St. Patrick‘s Day.

Der irische Nationalfeiertag, zu Ehren des Bischofs Patrick von Irland, steht weltweit in dem Ruf, auch ein großartiger Party-Anlass zu sein. Mein auf Bücher fokussierter Blick entdeckte neben jeder Menge grünlastiger Ausmalbücher prompt eine ebenfalls umfangreiche Fachliteratur über irischen Whiskey. Diesen (den Whiskey, nicht die Fachliteratur) schätze ich durchaus. Ich finde, er ist angenehm mild im Vergleich zu seinen schottischen Verwandten. Gleichzeitig aber beschlich mich das ungute Gefühl, dass ich als Harzer auf der irischen Party vielleicht nichts verloren haben könnte. Die Sorge nahm mir dann zum Glück das Buch mit dem schönen Titel: „no need to be Irish to celebrate st. patrick’s day“.

Ansonsten ist der 17. März ein bedeutsamer Tag für die deutsche Automobilindustrie. An diesem Tag im Jahr 1929 verkauften Wilhelm von Opel und sein Bruder Friedrich Opel die Mehrheit der Aktien ihrer Automobilfirma Opel an den amerikanischen Automobilkonzern General Motors. Und auch für den Volkswagen-Konzern brachte ein 17. März im Jahr 1960 eine grundlegende Änderung: Der Deutsche Bundestag beschloss, die staatliche Wolfsburger Volkswagen GmbH zu privatisieren. Das Unternehmen wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 60 Prozent der Anteile werden Privatpersonen als Volksaktien zum Kauf angeboten. Je 20 Prozent der Anteile behielten die Bundesrepublik Deutschland und das Land Niedersachsen. Und das sogenannte VW-Gesetz vom 21. Juli 1960 regelt zudem, dass der entscheidende Einfluss der öffentlichen Hand gesichert bleibt.

Durch diese hohle Gasse musste der Landvogt Gessler am 17. März 1804 erstmals in seinen Untergang reiten. Friedrich Schillers Schauspiel „Wilhelm Tell“ erlebte seine Uraufführung am Weimarer Hoftheater. Bemerkenswert auch der Regisseur, denn diese Aufgabe übernahm Schiller-Spezi Johann Wolfgang von Goethe, der zu diesem Zeitpunkt Intendant des Theaters war. Schiller stellt in dem Bühnenwerk den kollektiven und individuellen Freiheitskampf der innerschweizerischen Einheimischen gegen die brutale Willkürherrschaft der habsburgischen Vögte dar. In der berühmten „Rütliszene“ bringt Schiller seine Auffassung des individuellen und kollektiven Rechts auf Widerstand gegen die Tyrannei deutlich zum Ausdruck.



Bücherschmuggler und Skandale

Bücherschmuggler
Bücherschmuggler

Bücherschmuggler und Skandale

Heute ist Mittwoch, 16. März, der „Tag der Bücherschmuggler“. Wenigstens in Litauen, wo die Knygnešiai (Bücherträger/Bücherschmuggler) zwischen 1866 und 1904 litauische Schrift und Sprache vor der „Russifizierung“ retteten.

Was vor dem aktuellen Ukraine-Hintergrund neu Bedeutung gewinnt, war tatsächlich ein Himmelfahrtskommando. Während des Verbots litauischer Druckwerke wurden Bücher in litauischer Sprache vor allem in Ostpreußen gedruckt und von den Knygnešiai nach Litauen geschmuggelt, obwohl ihnen Geldstrafen, Verbannung und das Exil in Sibirien drohten. Einige wurden sogar erschossen. Bis zu 40.000 Bücher jährlich wurden geschmuggelt. In Litauen wird der „Tag der Knygnešiai“ am 16. März gefeiert. Im Jahr 2004 erkannte die UNESCO die Bewegung der Bücherträger als weltweit einmalige Kulturbewegung an. Heute blüht das literarische Leben in Litauen.

Quasi mit einem einzigen Buchstaben Literaturgeschichte geschrieben hat Nathaniel Hawthorne, dessen Roman „The Scarlet Letter“ („Der scharlachrote Buchstabe“) am 16. März 1850 erschien. Er gilt als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Literatur. Die Handlung des Romans spielt im strenggläubigen Neuengland gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Es ist die Geschichte der Ehebrecherin Hester Prynne, die den Vater ihres Kindes nicht nennt. Zur Strafe muss sie ein scharlachrotes „A“ auf ihrer Brust tragen. Und daraus wurde eines der bekanntesten Rätsel der amerikanischen Literatur: Wofür steht das scharlachrote „A“?

Zumeist wird davon ausgegangen, der Buchstabe stünde für „Adulteress“ (Ehebrecherin). Problem: Das Wort taucht im Ganzen Roman nicht auf. Daher reichen die von Wikipedia aufgelisteten spekulativen Vorschläge von „Adultery“ (Ehebruch), Adam’s Fall (Sündenfall) über Art (Kunst) und „Angel“ (Engel) bis hin zu America. Den Erfolg des Romans dürfte das nur weiter beflügelt haben, Hawthornes Werk wurde mehrfach verfilmt, darunter auch 1973 von Wim Wenders mit Senta Berger in der Hauptrolle.

Weltberühmt und überaus erfolgreich wurde (nicht zuletzt wegen des Skandals, den das Schauspiel auslöste) „Der Reigen“ von Arthur Schnitzler. In Deutschland wurde die Buchausgabe des 1897 entstandenen Werkes am 16. März 1904 verboten. Die erste vollständige Aufführung am 23. Dezember 1920 in Berlin wurde zu einem der größten Theaterskandale des 20. Jahrhunderts. Das Stück schildert in zehn erotischen Dialogen die „unerbittliche Mechanik des Beischlafs“ (der im Stück aber gar nicht gezeigt wird). Letztlich ist es ein Sittengemälde des Fin de siècle. Resigniert vermerkte Schnitzler 1922 in seinem Tagebuch: „Unter den zahlreichen Affären meines Lebens ist es wohl diese letzte, in der Verlogenheit, Unverstand und Feigheit sich selbst übertroffen haben“. Das von ihm selbst verhängte Aufführungsverbot hatte bis 1982 (!) Bestand.



Die Rechte der Verbraucher

Oh wie schön ist Panama
Oh wie schön ist Panama

Die Rechte der Verbraucher

Dieser 15. März ist unser aller Tag – sofern wir nicht absolut allen materiellen Gütern entsagen:  Heute ist Weltverbrauchertag (World Consumer Rights Day).

Ins Leben gerufen hat den Aktionstag die internationale Verbraucherorganisation „Consumers International“, um die Interessen der Verbraucher öffentlich besonders in den Fokus zu rücken. Der Weltverbrauchertag hat dabei sozusagen einen weltbekannten Vater: Er geht zurück auf den US-Präsidenten John F. Kennedy, der am 15. März 1962 vor dem Kongress der Vereinigten Staaten drei grundlegende Verbraucherrechte postulierte. JFK postulierte das Recht, vor betrügerischer oder irreführender Werbung und Kennzeichnung geschützt zu werden, das Recht, vor gefährlichen oder unwirksamen Medikamenten geschützt zu werden und das Recht, aus einer Vielfalt von Produkten mit marktgerechten Preisen auszuwählen. Rechte, die selten so wertvoll waren wie in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Ins Leben gerufen hat den Aktionstag die internationale Verbraucherorganisation „Consumers International“, um die Interessen der Verbraucher öffentlich besonders in den Fokus zu rücken. Der Weltverbrauchertag hat dabei sozusagen einen weltbekannten Vater: Er geht zurück auf den US-Präsidenten John F. Kennedy, der am 15. März 1962 vor dem Kongress der Vereinigten Staaten drei grundlegende Verbraucherrechte postulierte. JFK postulierte das Recht, vor betrügerischer oder irreführender Werbung und Kennzeichnung geschützt zu werden, das Recht, vor gefährlichen oder unwirksamen Medikamenten geschützt zu werden und das Recht, aus einer Vielfalt von Produkten mit marktgerechten Preisen auszuwählen. Rechte, die selten so wertvoll waren wie in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Wir sind an den Iden des März (im römischen Kalender der Tag in der Monatsmitte) angekommen. Was vor 2066 Jahren dramatische Ereignisse brachte. Am 15. März 44 v.Chr. wurde der römische Diktator Gaius Julius Caesar bei einem Attentat im Theater des Pompeius in Rom ermordet. Unter der Führung von Marcus Junius Brutus und Gaius Cassius Longinus beteiligten sich rund 60 Personen an der Verschwörung. Und der Senat gewährt den Mördern noch am selben Tag Amnestie. Den Begriff „Iden des März“ im Sinne eines bösen Vorzeichens machte William Shakespeare mit seinem Drama „Julius Caesar“ so richtig populär. Thornton Wilder veröffentlichte 1948 den Briefroman „Die Iden des März“ und Friedrich Dürrenmatt legte ein Jahr später sein Werk „Romulus der Große“ vor, das an den Iden des März spielt.

Adaptionen großer literarischer Werke erlebten am 15. März ihre Uraufführung. Das Schauspiel „Pygmalion“ von George Bernard Shaw diente 1956 als Vorlage für das Musical „My Fair Lady“ von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner.  Das Publikum ist begeistert, die „Lady“ bringt es am Broadway auf 2717 Aufführungen in Folge. Einen Meilenstein der Filmkunst beschert der 15. März 1972. Die Verfilmung von Mario Puzos Roman „The Godfather“ („Der Pate“) unter der Regie von Francis Ford Coppola wird für elf Oscars nominiert und gewinnt letztlich drei Goldjungen. Und am 15. März 1978 erscheint dann eines der schönsten Kinderbücher überhaupt:  Janosch erhält für „Oh, wie schön ist Panama“ ein Jahr später den Deutschen Jugendliteraturpreis.



Eine Kreiszahl und zwei Genies

Fragezeichen
Fragezeichen

Eine Kreiszahl und zwei Genies

Start in eine neue Woche. Und an diesem Montag, 14. März, auch Start in den „Internationalen Stell-eine-Frage-Tag“ (International Ask a Question Day). Falls spontan nichts anderes einfällt: Wie lange noch bis zum Start der BÜCHER-HEIMAT? Nur noch 18 Tage!

„Wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm!“ Diese weise Erkenntnis haben wir dank der „Sesamstraße“ im vergangenen halben Jahrhundert tief verinnerlicht. Dass nur Fragen ihn voranbringen, war auch Albert Einstein bewusst. Und zu Ehren dieses Genies fällt der „Internationale Stell-eine-Frage-Tag“ auf dessen Geburtstag (14. März 1879). Ich bin parallel zu „Sesamstraße“ mit einem anderen Merksatz aufgewachsen: „Es gibt keine dummen Fragen. Nur dumme Antworten.“ Aber für diese Fälle gibt es natürlich einen gesonderten Aktionstag. Am 28. September steht der „Stell-eine-dumme-Frage-Tag“ (Ask a Stupid Question Day) im Kalender.

Der Physiker Einstein hätte sicher seine Freude auch an einem weiteren Aktionstag gehabt, den ansonsten vorrangig Mathematiker und Mathematikerinnen weltweit seit 1988 feiern: Wir haben heute den Internationalen Pi-Day (π-Day).  Gefeiert wird am 14.3., weil die amerikanische Schreibweise des Datums 3/14 den numerischen Wert von π, gerundet auf zwei Dezimalen darstellt. Und weil die UNESCO dazu den Internationalen Tag der Mathematik ausgerufen hat. Da es sich bei Pi um die „Kreiszahl“ handelt, die das Verhältnis des Umfangs eines Kreises zu seinem Durchmesser angibt, wird der Tag natürlich mit einem kreisrunden Kuchen gefeiert. Die heißen in Amerika passenderweise Pie, was genauso klingt wie die Aussprache des griechischen Buchstabens π.

Die Zahl Pi beginnt übrigens mit 3,141 5926 und seit dem 14. August 2021 sind rund 62,8 Billionen Nachkommastellen bekannt. Eine unterhaltsame Wegweisung in die Welt der Zahlen allgemein liefert folgendes Buch: „Wie die Null aus dem Nichts entstand – und weitere Sternstunden der Mathematik“.

Kurze Antworten auf große Fragen

Es ist tatsächlich ein Tag der großen Geister, wobei neben der Geburt Einsteins auch der Todestag des britischen theoretischen Physikers und Astrophysikers Stephen William Hawking auf dieses Datum fällt. Hawking, der an der Universität Cambridge lehrte, lieferte bedeutende Arbeiten zur Kosmologie, zu Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie und zu Schwarzen Löchern. Das Genie litt an Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems. Mediziner prophezeiten ihm 1962, nur noch wenige Jahre zu leben – er starb 2018. Nachdem er 1985 die Fähigkeit zu sprechen verlor, kommunizierte er über einen Sprachcomputer. Seine populärwissenschaftlichen Bücher über moderne Physik ließen ihn zu einem der bekanntesten Wissenschaftler der Welt werden. Und mit seinem letzten Buch schließt sich der Kreis des heutigen Blogs: „Kurze Antworten auf große Fragen“



Ruhe, Gold und Online-Wissen

Goldbarren
Goldbarren

Ruhe, Gold und Online-Wissen

„Am siebten Tage sollst Du ruhen.“ Ich mag das Alte Testament. Heute ist Sonntag und die Tatsache, dass es sich um den 13. März handelt, bestärkt mich eher darin, auf dem Sofa allen Fährnissen aus dem Wege zu gehen.

„Nach Golde drängt, am Golde hängt. Doch alles! Ach wir Armen!“ Ich hab es heute mit Zitaten aus großen Werken. Nach der Bibel nun Goethes Faust. Und der käme mit seinem Drang nach Gold aktuell genau richtig. am 13. März 2008 sorgte eine Schlagzeile auf den Wirtschaftsseiten für Wirbel: Der seit längerem im Aufwind befindliche Goldpreis überschritt im Handel an der New York Mercantile Exchange erstmals die Marke von 1000 US-Dollar pro Unze Feingold. Corona und Krieg lassen den Goldpreis jetzt wieder nachhaltig steigen. Am Samstag wurde die Feinunze laut Internet für 1.987,99 Dollar gehandelt. Auch die 2000-Dollar-Grenze dürfte bald fallen.

Zum Golde drängte es einst auch Gotthold Ephraim Lessing. Allerdings versuchte er es mit dem Glücksspiel, was dazu führte, dass er zeitlebens unter Geldnot litt. Not macht aber bekannterweise erfinderisch. So packte Lessing eine verkappte Bitte um eine Gehaltserhöhung in ein berühmtes Zitat seines am 13. März 1772 am Herzoglichen Opernhaus in Braunschweig uraufgeführten bürgerlichen Trauerspiels „Emilia Galotti“. In der zweiten Szene erklärt der Künstler Conti dem Prinzen, dass die „Kunst nach Brot geht“. Der Trick verfing, der Herzog von Braunschweig erhöhte das Gehalt Lessings, der zu dieser Zeit als Bibliothekar in der Herzog August Bibliothek arbeitete. Sein Trauerspiel „Emilia Galotti“ spielt zwei Jahre nach der Premiere erneut eine wesentliche Rolle in Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werther“, in dem Werther und Lotte viel mit dem Stü

Nachschlagen hätte man dies alles ziemlich sicher auch bis 2010 in der „Encyclopædia Britannica“. Heute vor zehn Jahren, am 13. März 2021, schreckte dann eine Meldung nicht allein Lexika-Fans auf: Die „Encyclopædia Britannica“ gab bekannt, keine gedruckte Ausgabe mehr aufzulegen. Nach 244 Jahren wird die Enzyklopädie seither nun nur noch in digitaler Form vertrieben. Erhalten hat sie sich den Ruf, in wissenschaftlicher Hinsicht zuverlässige Angaben zu enthalten. In der „Britannica“ schreiben namhafte Wissenschaftler und bekannte Publizisten, deren Urheberschaft ausgewiesen wird. Dies ist der wesentliche Unterschied zur (auch von mir gern und häufig genutzten) Wikipedia-Website. Wo jeder mitschreiben kann, können viele Autoren auch viele Fehler machen. Oder es werden Scherzbolde aktiv wie im Fall des Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg, dem trotz der endlosen Vornamen-Litanei noch ein Wilhelm angedichtet wurde.

Zu guter Letzt noch ein persönlicher Tipp zu einem von mir sehr geschätzten Buch: „Britannica & ich: Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden“ von A. J. Jacobs ist eine der humorigsten Annäherungen an Nachschlagewerke, die ich kenne. Köstlich!



Ein guter Tag für die Aussaat

Aussaat
Aussaat

Ein guter Tag für die Aussaat

Heute ist Samstag, 12. März, und die Wettervorhersage verspricht ein fast frühlingshaftes Traumwochenende. Da sollte man die genüssliche Literaturlektüre in die kühleren Abendstunden an den Kamin verlegen. Tagsüber lockt der Harz auf Wanderungen.

Bei einer solchen Wetterlage komme ich um den Blick in die Bauernregeln nicht herum: „Der Gregor zeigt dem Bauern an, ob er die Saat jetzt säen kann, denn so, wie sich Gregori stellt, so muss er mit der Saat aufs Feld.“ Selten dürfte sich Gregor so deutlich gestellt habe. In Ermangelung eines Ackers zieht es mich in den Wald (die Harzer Wandernadel ist immer noch nicht komplett erwandert) und später in den Garten – auch wenn die Aussaat da eindeutig die Sache meiner Frau ist.

Eine Saat, die unglaublich aufgegangen ist, hat am 12. März 1989 in der Nähe von Genf in der Forschungseinrichtung CERN ein Wissenschafteler namens Tim Berners-Lee gelegt. Der gute Mann wollte eigentlich „nur“ Forschungsergebnisse auf einfache Art und Weise mit Kollegen auszutauschen. An dieser Idee tüftelte er zusammen mit Robert Cailliau. Zusammen entwickelten sie die Methode, wissenschaftliche Artikel miteinander zu „verflechten“, bis daraus ein Netz entstand. Geboren war das World Wide Web. In Tim Berners-Lees Worten: „Das World Wide Web ist eine großräumige Hypermedia-Initiative zur Informationsbeschaffung mit dem Ziel, den allgemeinen Zugang zu einer großen Sammlung von Dokumenten zu erlauben.“

Ähnlich kompliziert wie diese Beschreibung war die Namensfindung. Zunächst hieß das Web noch Mesh (Geflecht). Was einige Wissenschaftler an Mess (Unordnung) gemahnte und verworfen wurde. „Mine of Information“ (MOI = franz.: ich) und „The Information Mine“ (TIM, Die Informationsmine) erschienen Berners-Lee selbst zu egozentrisch. Schließlich legte Berners-Lee sich auf Web und World Wide Web fest.  Ein Name, der sich ohne Frage durchgesetzt hat, obwohl die Abkürzung WWW für Engländer und Franzosen schon fast zungenbrecherisch ist.

Aber die Zeit ist schnelllebig, heute verschlägt einem eher die Sprache, was im World Wide Web so alles herumposaunt werden kann und scheinbar auch darf. Schon vor Jahren hatte der verstorbene Herausgeber der „FAZ“, Frank Schirrmacher, fast resignierend festgestellt: „Das Internet vermanscht unser Hirn“. Und er warnte vor dem „Informationsmüll“ des Internet-Zeitalters. Die Warnung verhallte offenkundig ungehört.

Mit der schnelllebigen Zeit (ich muss mich allerdings immer noch zu den 3 „l“ überwinden), hatten auch die Mannschaften der 10. Fernschach-Olympiade zu kämpfen. Fernschach wird gespielt, indem die Züge dem Gegner postalisch oder elektronisch übermittelt werden. Das kann dauern. Was bei der 1987 gestarteten Olympiade nicht ohne Folgen blieb. Erst acht Jahre später, am 12. März 1995, wurden im Magdeburger Hotel „Ratswaage“ die Medaillen übergeben. Gold ging an die Mannschaft der inzwischen untergegangenen Sowjetunion, Silber an das Team aus England, Bronze sicherte sich die Mannschaft der Deutschen Demokratischen Republik – die da auch bereits seit fünf Jahren nicht mehr existierte. Knapp an den Medaillenrängen vorbei schrammte die Mannschaft der ČSSR, die es in dieser Form ebenfalls schon nicht mehr gab. Beim Blitzschach wäre das nicht passiert…