Der Lotse und das Kuckucksnest

Oscar Big Five
Oscar Big Five

Der Lotse und das Kuckucksnest

Vier Mal werden wir noch wach – dann ist zwar noch nicht Weihnachten, da wir heute ja erst Dienstag, 28. März, haben, aber am Samstag, 2. April, startet die BÜCHER-HEIMAT.

Weniger ein Start als vielmehr ein nicht ganz freiwilliger Abgang bescherte uns am 28. März 1890 eine der berühmtesten Karikaturen der Welt: „Der Lotse geht von Bord“. Oder wie es im Original der englischen Satirezeitschrift „Punch“ hieß: „Dropping the Pilot“. Die Zeichnung stammt aus der Feder von John Tenniel, sie stand neben einem gleichnamigen Gedicht von Edwin James Milliken und beide nehmen den von Kaiser Wilhelm II. forcierten Rücktritt Otto von Bismarcks als Reichskanzler gekonnt aufs Korn.

Für die Welt der Karikaturen war „Der Lotse geht von Bord“ nahezu eine Art Urknall. Bis heute gilt die Zeichnung nicht allein als bekannteste Karikatur Tenniels und des Punchs, sondern als eine der weltweit berühmtesten Karikaturen überhaupt. Sie avancierte zur Vorlage für viele weitere Karikaturen, die sich an dem Stil Tenniels orientierten. Die Redewendungen „Dropping the Pilot“ in England und „Der Lotse geht von Bord“ im deutschsprachigen Raum sind zu geflügelten Worten der englischen und der deutschen Sprache geworden. Mit einiger Sicherheit dürfte kaum eine andere Karikatur außerdem häufiger in deutschen Schulgeschichtsbüchern abgebildet sein. Wer darüber mehr erfahren mag: „Geschichte in Karikaturen – Geschichtsunterricht, Band 3“ behandelt die Historie der satirischen Zeichnungen im 19. Jahrhundert (Foto: Wikipedia, gemeinfrei).

Einer geht von Bord, der andere fliegt über das Kuckucksnest: Ebenfalls am 28. März, aber erst im Jahr 1975, gewann der Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Miloš Forman bei der Oscarverleihung am 29. März 1976 alle fünf Hauptpreise, die „Big Five“, in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes (adaptiertes) Drehbuch, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin. Bislang sind erst drei Filme in jeder dieser Kategorien ausgezeichnet worden, neben dem „Kuckucksnest“ waren dies „Es geschah in einer Nacht“ (1934) und „Das Schweigen der Lämmer“ (1991). 1993 wurde der auf Ken Keseys gleichnamigem Roman basierende Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ durch die Kongressbibliothek in den Bestand der National Film Registry aufgenommen, in den „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutende“ Filme Eingang finden. Zudem wurde die Tragikomödie einer der größten Erfolge in der US-amerikanischen Filmgeschichte überhaupt.

Noch ein kurzer Blick auf’s Wetter, das sollte man den Bauernregeln nach an diesen letzten Märztagen im Blick behalten: „Wie der 29. März, so der Frühling“, „Wie der 30. März, so der Sommer“ und „Wie der 31. März, so der Herbst“, heißt es da ein bisschen platt. Die Bauernregel-Dichter und -Denker scheinen mit dem Reimen ab und an pausiert zu haben…



Unkraut-Ehre, Torten und Thriller

schwarzwälder kirschtorte
schwarzwälder kirschtorte

Unkraut-Ehre, Torten und Thriller

Die letzte Woche ohne BÜCHER-HEIMAT ist an diesem Montag, 28. März, angebrochen. Am Samstag, 2. April, um 10.00 Uhr öffnet die Mitmach-Buchhandlung erstmals ihre Türen. Zum „Programm“ des tollen Tages für alle Bücher- und Bad-Harzburg-Fans führt dieser Link.

Was hat Unkraut mit Schwarzwälder-Kirschtorte zu tun? Ganz einfach, beide sollen heute gefeiert werden. Der 28. März ist in den USA der „National Black Forest Cake Day“ (Tag der Schwarzwälder Kirschtorte). Und weltweit haben Garten-Blogger dieses Datum auch als Internationalen (Ehren-)Tag des Unkrauts („Weed Appreciation Day“) ausgerufen. In Ermangelung eines Backbuchs, das sich allein der international berühmtesten deutschen Torte widmet, kann man sich im Krimi „Schwarzwälder Kirsch“ mit der pensionierten Kriminalkommissarin Christa Haas zumindest in die regionale Stimmung einlesen. Spannender als Backbücher und als Null-Kalorien-Lösung (wenn man die Chips weglässt) eindeutig besser für die Linie…

Der zweite Aktionstag verblüfft mich weniger, bei meiner vegan lebenden Frau ist jeder Tag irgendwie auch ein Ehrentag des Unkrauts. Vor allem der „Gewöhnliche Giersch“ (Aegopodium podagraria) hat es ihr aktuell angetan. Giersch wuchert gewaltig und ist wegen seiner unterirdischen Triebe nur schwer bekämpfen. aber er ist auch ein „wohlschmeckendes Wildgemüse“. Bei uns gibt es beispielsweise Giersch im Smoothie oder als Pesto. Rezept für Pesto gefällig? Giersch, Olivenöl, Salz, Knoblauch und eine Hand voll Sonnenblumenkernen nehmen, ab in die Küchenmaschine, Gas geben, fertig. Wer noch mehr wissen und die Unkraut-Küche pflegen will, könnte hier fündig werden: „Lob des Unkrauts Wilde Pflanzen in Garten und Stadt – nützlich und schön.“

Schön gruselig ist dagegen einer meiner Lieblingsfilme, der heute vor 59 Jahren (1963) seine Premiere erlebte: „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock. Die Szene auf dem Spielplätz, dessen Klettergerüst im Rücken der Hauptdarstellerin von Vögeln okkupiert wird, steht für „Suspense“ schlechthin. „Alfred Hitchcock setzte die Story in ebenso erregende wie beklemmende Bildfolgen um“, schrieb treffend das Lexikon des internationalen Films. Während ich diese Zeile schreibe, zermartere ich mir das Gehirn, ob ich die literarische Vorlage von Daphne du Maurier überhaupt je gelesen habe. Aber das kann man ja nachholen. Und „Die Vögel“ teilen sich zudem ein Taschenbuch mit einem anderen Klassiker von du Maurier: „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ – ebenfalls Vorlage für einen unter die Haut gehenden Thriller des britischen Regisseurs Nicolas Roeg.

Für alle, die mit ein wenig gepflegtem Suspense by Hitchcock in die Woche starten wollen, hier die „Spielplatz-Szene“ aus den „Vögeln“ (Youtube, 4:04 min)


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Willkommen in der Sommerzeit

Theater Bühne Vorhang
Theater Bühne Vorhang

Willkommen in der Sommerzeit

Willkommen am Sonntag, 27. März und ein herzliches Willkommen damit auch in der Sommerzeit. Daran gedacht, an der Uhr zu drehen? Eine Stunde vor? Ansonsten haben wir das Thema Zeitumstellung ja schon gestern abgehakt.

Der Vorhang unseres Kalenderblattes hebt sich heute für den „Welttag des Theaters“ (World Theatre Day, Journée Mondiale du Théâtre). Der Aktionstag wurde vom Internationalen Theaterinstitut (ITI) Finnland 1961 auf dem IX. ITI-Kongress in Wien initiiert. Der 27. März wurde ausgeguckt, weil dies auch der traditionelle Eröffnungstag des alljährlichen Pariser Schauspiel-Festivals “Theater der Nationen” ist. Zentrale Aufgabe des „Welttags des Theaters“ ist es unter anderem, das Bewusstsein für den Wert und die kulturelle Bedeutung des Theaters zu schärfen. Dazu habe ich in jungen Jahren zumeist „Reclams Schauspielführer“ genutzt. Wobei es mir als Schüler weniger um Theaterbesuche, als vielmehr um die prima Zusammenfassungen ging, die den drohenden Kampf mit den Originalwälzern nachhaltig abkürzen konnten.

Nur gut drei Wochen nach dem „Internationalen Irish Whiskey Day“ steht das „Wasser des Lebens“ schon wieder im Mittelpunkt. Seit 2009 findet der Internationale Whisky-Tag (International Whisk(e)y Day) immer am 27. März statt. Es ist dies der Geburtstag des britischen Whisky-Experten Michael Jackson (weder identisch noch verwandt oder verschwägert mit dem King of Pop). Begangen werden soll der Tag (Überraschung!) mit zwei, drei Gläsern Whiskey. Und da man dem Getränk offenkundig gar nicht genug huldigen kann, gibt es auch noch den vom Schotten Blair Bowman im Jahr 2012 initiierten World Whisky Day, der immer auf den jeweils dritten Samstag im Mai fällt. Cheers!

Und dann muss heute noch der spezielle Harzer Blick auf den 27. März 1899 fallen, war dies doch der Tag, an dem der zweite Abschnitt der Brockenbahn durch die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft offiziell eröffnet wurde. Im wahrsten Sinn des Wortes eines der ganz wichtigen touristischen Zugpferde der Region. Ein erster Anlauf zum Bau einer Bahnstrecke auf den Brocken scheiterte 1869, erst im zweiten Anlauf wurde am 30. Mai 1896 die Baubewilligung erteilt. Was man bis heute in Bad Harzburg auch mit einem weinenden Auge sehen mag: Eine 1897 geplante Brockenbahn von Bad Harzburg über Torfhaus, die schon behördlich genehmigt war, scheiterte am Bürgerwiderstand. Dem eigenen Brockenbahnhof kann die Kurstadt so nur nachtrauern.



Zeitenwende: Dicker, dümmer und grantiger

Zeitumstellung
Zeitumstellung

Zeitenwende: Dicker, dümmer und grantiger

Heute ist Samstag, 26. März. In einer Woche bricht für Bücher- und Bad-Harzburg-Freunde mit der Eröffnung der BÜCHER-HEIMAT eine neue Zeit an. Eine neue Zeit ganz anderer Art beginnt schon heute Nacht. Sommerzeit!

„Bei der Zeitumstellung ist es wie mit den Gartenmöbeln: Im Frühjahr kommen sie VOR die Tür, im Herbst ZURÜCK in den Schuppen.“ Ich brauche solche Hilfsmittel, um mir zu merken, wann die Uhr vor- und wann zurückgestellt wird. Zahlenmenschen prägen sich die „2-3-2-Regel“ ein: Im Frühjahr wird die Uhr von 2 auf 3 Uhr gestellt, im Winter wieder von 3 auf 2 Uhr. Also: Heute Nacht um 2.00 Uhr die Uhr eine Stunde vor auf 3.00 Uhr stellen – muss aber nicht zu nachtschlafender Zeit geschehen. Nur vergessen sollte man es morgen früh nicht, falls eine Verabredung ansteht. Sonst ist man letztlich mit Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Wir dürfen das Hin und Her mit der Zeit ja vermutlich noch länger genießen, obwohl die Europäische Union das Ende der Zeitumstellung schon für 2021 angekündigt hatte. Das Problem: Die EU-Länder können sich nicht einigen, es droht ein Flickenteppich. Und die Festlegung beispielsweise auf eine durchgängige Sommerzeit wäre auch nicht ganz problemfrei. So bliebe es damit in Spanien im Winter bis kurz vor 10 Uhr dunkel. Und würden sich alle auf dauerhafte Winterzeit verständigen, würde es in Warschau im Sommer schon um 3.00 Uhr morgens hell. Hinzu kommt noch, dass das „Problem“ in keinem anderen Land so heiß diskutiert wird wie in Deutschland. Bevor die EU das Thema weiter verdaddelt, lassen wir lieber andere ran: „Ein Physiker und eine Philosophin spielen mit der Zeit.“ Die Philosophin ist Ursula Forstner, der Physiker Harald Lesch.

Im Frühjahr vor und im Herbst zurück: Bei einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK sagen 72 Prozent der Deutschen, die Zeitumstellung solle abgeschafft werden. Nur 23 Prozent halten sie für generell sinnvoll. Und 27 Prozent (mehr Frauen als Männer) hatten nach eigenem Bekunden schon einmal gesundheitliche Probleme mit der Zeitumstellung. Müde oder schlapp (80 Prozent) führt das Symptome-Ranking an, 65 Prozent kämpfen mit Einschlafproblemen. Und bei 16 Prozent führte die Zeitumstellung laut Umfrage sogar zu depressiven Verstimmungen. Dass aus dem Dilemma eine ganzjährige Sommerzeit heraushelfen könnte, bezweifeln viele Wissenschaftler. Der Chronobiologe Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München wird in der „Zeit“ zitiert:  Stelle man die Uhren ganzjährig auf Sommerzeit um, erhöhe dies „die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme – das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger.“ Da hilft dann vielleicht ein konsequentes „Leben nach der inneren Uhr“…



Ein Ring, sie zu knechten…

Ein Ring, sie zu knechten…

Ein Ring, sie zu knechten…

Wer glaubt, heute sei „nur“ Freitag, 25. März, muss umdenken: Heute ist der Tag, an dem der dunkle Herrscher Sauron laut J.R.R. Tolkiens Zeitrechnung in der Schlacht um Mittelerde besiegt wurde. Und deshalb ist heute „International Tolkien Reading Day“ (Tag der Tolkien-Lektüre).

Mit dem „Hobbit“ und vor allem mit der „Herr der Ringe“-Trilogie schuf John Ronald Reuel Tolkien nicht allein die großen und grundlegenden Klassiker des Fantasy-Genres, er erdachte eine neue Welt, inklusive neuer Sprachen, schuf einen Kosmos, in den es seit fast 70 Jahren Heerscharen an Fans zieht. Und dazu hätte es nicht einmal der opulenten Hollywood-Verfilmungen von Peter Jackson bedurft – wenngleich auch die ein Millionenpublikum begeisterten und mit insgesamt siebzehn Oscars ausgezeichnet wurden.

Der Tag der Tolkien-Lektüre wurde ganz offiziell im Jahr 2003 von der weltweit aktiven, in Großbritannien beheimateten „Tolkien Society“ ins Leben gerufen. Die versteht sich zum einen zwar als literarische Gesellschaft, ist zum anderen aber auch deutlich erkennbar als offizieller Fanclub des britischen Autors unterwegs. Die Society ist also der offizielle Fanclub, beileibe aber nicht der einzige. Und die Zahl der Fansites im Internet ist kaum zu ermitteln. Auf unzähligen Seiten wird beispielsweise diskutiert, in welcher Reihenfolge man sich in die Welt Mittelerdes einliest. Immerhin gibt es dabei eine weitgehende Übereinstimmung zumindest zu den ersten drei Tolkien-Werken, die man gelesen haben sollte: Erst „Der Hobbit“, dann „Der Herr der Ringe“, dann eine Pause einlegen und dann „Das Silmarillion“. Wer anderer Ansicht ist, mag uns das gern über einen Kommentar (s.u.) mitteilen.

Ich muss offen einräumen, dass mich so richtig und nachhaltig allein die „Herr der Ringe“-Trilogie gepackt hat. Aber damit bin ich wahrlich nicht gerade allein, an anderen Werken aus der Tolkien-Welt wie dem „Silmarillion“ haben sich auch andere Fantasy-Fans die Zähne ausgebissen. „The Lord of the Rings“, abgekürzt gern LotR genannt, gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Im englischen Original in drei Bänden zu jeweils zwei Büchern plus Appendizes in den Jahren 1954/1955 veröffentlicht, erschien die erste deutsche Übersetzung von Margaret Carroux erst 1969/1970. Aber egal wann und wo das Werk herausgegeben wurde, es fand viele Fans und trat seinen weltumspannenden Siegeszug an. Weltweit wurde der Roman sage und schreibe etwa 150 Millionen Mal verkauft.

„Ein Ring, sie zu knechten,
sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben
und ewig zu binden.“



Ein Promille-Hirsch und ein Scharfschütze

fußballstadion
fußballstadion

Ein Promille-Hirsch und ein Scharfschütze

Der Blick ins Kalenderblatt muss an diesem Donnerstag, 24. März, fußball-lastig ausfallen. Eintracht Braunschweig und Miroslav Klose gehören meine Sympathien, da führt an deren wichtigen Daten kein Weg vorbei.

Die deutsche Meisterschaft war 1967 im Frühsommer in Braunschweig unter Dach und Fach. Danach war sportlich eher Magerkost angesagt. Sechs Jahre später allerdings gönnte ein Wolfenbütteler Sponsor der Eintracht im Wortsinn einen ordentlichen Schluck aus der Pulle – und läutete mit der Trikotwerbung ein neues Marketing-Zeitalter ein: Am 24. März 1973 im Spiel gegen Schalke 04 lief die Braunschweiger Elf erstmals in den Hirschkopf-Trikots in der Bundesliga auf. Dazu mussten die DFB-Regeln umgangen werden: Die Eintracht übernahm das Firmenlogo von Jägermeister als Vereinswappen… Ich muss allerdings gestehen, dass mir Braunschweiger Löwen bis heute deutlich lieber sind als ein vielleicht noch betrunken röhrender Hirsch.

Auch wenn Jägermeister-Chef Günter Mast oft als Vater der Trikotwerbung gehandelt wird, war die Braunschweiger Eintracht nicht die erste Elf, die im deutschen Fußball Reklame über den Platz lief. Wormatia Worms machte aus Finanznot im Regionalligaspiel gegen den SV Alsenborn am 20. August 1967 bereits mit dem Schriftzug „CAT“ für Caterpillar auf dem Trikot Werbung. Stolze 5000 DM sollen die Wormser dafür bekommen haben. Plus Trikots und Trainingsanzügen.  „Richtig Gummi gegeben“ hat in Sachen Werbung dann 1987 der FC Homburg, dessen Trikotsponsor die Kondomfirma „London“ war. Der DFB verlangte, dass die Werbung abgeklebt wurde. Vor Gericht jedoch setzte sich der FC Homburg durch. Geschichten, über die die Sport-Vermarkter heute nur milde schmunzeln, Männer wie Red-Bull-Chef Mateschitz haben da ganz andere Schlagzahlen vorgegeben.

Ein Fußball-Liebling auf dem Weg zur Fußball-Legende: Am 24. März 2001 erzielte im peinlichen Zitter-WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien kurz vor Schluss ein Nationalelf-Debütant den erlösenden 2:1-Siegtreffer. Es war das erste von ganz vielen Toren, heute ist Miroslav Klose mit 71 Treffern der erfolgreichste Torschütze der deutschen Nationalmannschaft und mit 16 „Buden“ der alleinige WM-Rekordtorschütze. 1. FC Kaiserslautern, SV Werder Bremen, FC Bayern München, Lazio Rom, deutsche Nationalmannschaft – einerlei, in welchem Trikot er auflief, der 1978 im polnischen Opole geborene „Miro“ Klose war der Liebling der Fans.



Alles okay mit Wetter und Liebe?

Brocken Wetterstation
Brocken Wetterstation

Alles okay mit Wetter und Liebe?

Mit meiner Vorliebe für Bauernregeln darf ich am heutigen Mittwoch nicht kommen: Der 23. März wird seit 1961 als Welttag der Meteorologie (World Meteorological Day) begangen.

Wobei die Meteorologen aktuell wohl eher Däumchen drehen, denn das sehr starke Hoch „Peter“ sorgte gerade sonnenglänzend für Langeweile. So oder so, übers Wetter reden ist immer gut. Wenigstens, um peinliche Pausen im Smalltalk zu überbrücken. Wobei der Welttag der Meteorologie einen ernsthaften Hintergrund hat: Er erinnert an den 23. März 1950, an dem die Konvention der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Kraft getreten ist. Ziel war es, anhand weltumspannender Wetterdaten der verschiedenen nationalen meteorologischen Dienste verlässliche Informationen zu sammeln und so die meteorologische Forschung als globales Projekt (unabhängig von politischen „Großwetterlagen“) voranzutreiben. Deutschland ist seit 1954 Mitglied in der WMO und wird dort durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) vertreten.

Noch besser als das Wetter eignen sich natürlich Ratsch und Tratsch als spannende Themen. Zum Beispiel über „Gefährliche Liebschaften“. Allein der Titel des am 23. März 1782 veröffentlichten Briefromans „Les Liaisons dangereuses“ dürfte dafür gesorgt haben, dass die 2000 Exemplare des Werks von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos nach vier Wochen ausverkauft waren. Der Skandalerfolg erlebte unzählige Auflagen und gehört heute zu den Klassikern der Weltliteratur.  Mehrfach wurde „Gefährliche Liebschaften“ für die Bühne und für den Film adaptiert, darunter in sehenswerten Filmen von Stephen Frears und Miloš Forman.

Soweit alles „okay“? Den Begriff musste ich noch unterbringen, denn heute vor 183 Jahren (1839) ist die Buchstabenkombination O.K. als Abkürzung für „oll korrect“ zum ersten Mal nachzuweisen. Die Boston Morning Post war der Wegbereiter für das Okay, das heute als das bekannteste Wort der Welt gilt. Der Etymologe Allen Walker Read wies in den 1960er Jahren nach, dass es sich dabei um eine Art Sprachwitz handelt: eine absichtliche Falschschreibung „oll korrekt“ für „all correct“ („alles korrekt“), in der eben ganz und gar nichts richtig ist. Dass das „all correct“ nicht AC sondern OK abgekürzt wurde, wird auch einer Mode jener Zeit angerechnet. Abkürzungen absichtlicher falscher Schreibungen („oll korrect“) waren der letzte Schrei:  KY für „know yuse“ („no use“ / zwecklos), KG für „know go“ („no go“ / geht nicht) oder NS für „nuff said“ („enough said“ / genug gesagt).

Das Risiko, missverstanden zu werden, bringt jedoch nicht allein die eigenwillige Schreibweise mit sich. Auch das Fingerzeichen für Okay, ein aus Daumen und Zeigefinger gebildeter Kreis, ist mit Vorsicht zu genießen. Tauchsportler werden es zwar sicher richtig deuten, in Brasilien aber klärt das Fingerzeichen beispielsweise einen „gegnerischen“ Autofahrer grob darüber auf, dass man ihn für ein „Arschloch“ hält. Dennoch hat es das Zeichen bis in die Emoji-Welt geschafft und wurde als 👌 (U+1F44C) unter der Bezeichnung „OK Hand Sign“ in Unicode 6.0 aufgenommen. Um bei diesen Irrungen und Wirrungen die Übersicht zu behalten, empfiehlt sich vielleicht ein im April erscheinendes Buch: „Big Feelings: How to Be Okay When Things Are Not Okay“.



Glück und freundliche Handlungen

Smiley Glück
Smiley Glück

Glück und freundliche Handlungen

Eine bittere Erkenntnis zum Start in diesen Dienstag, 22. März: Ich bin vor zwei Tagen zu oberflächlich über den „Tag des Glücks“ hinweggehuscht. Das Glück will Aufmerksamkeit. Im Weltglücksbericht ist Deutschland einen Platz abgerutscht…

„Jeder ist seines Glückes Schmied“, sagt der Volksmund und liegt damit durchaus richtig. Die Vereinten Nationen definieren Glück als Ausgleich von Ökonomie, Sozialem und Umwelt. Messgrößen also, die wir beeinflussen können. Unter anderem durch ehrenamtliches, soziales Engagement, wie es gerade in der BÜCHER-HEIMAT par excellence an den Tag gelegt wird. Der Tatsache, dass wir etwas für die Umwelt tun müssen, können wir Harzer zudem auch ohne internationale Klimaberichte tagtäglich „ins Auge blicken“: Der Zustand der Harzer Rest-Wälder kommt nicht von ungefähr…

Aber wir wollen ja nicht alles madig machen. Zwar haben wir im Weltglücksbericht mit Rang 14 wieder die Top Ten verpasst, sind sogar einen Platz abgerutscht. Doch Platz 14 unter mehr als 160 untersuchten Ländern ist so schlecht ja nun auch wieder nicht. Wer noch glücklicher werden will, sollte vielleicht nach Finnland ziehen. „Suomi“ ist zum fünften Mal in Folge zum Land mit der glücklichsten Bevölkerung erklärt worden. Auf die glücklichen Finnen folgen Dänemark, Island, die Schweiz, Holland, Luxemburg, Schweden, Norwegen, Israel, Neuseeland, Österreich, Australien und und Irland auf Platz 13. Wer sein Glück im eigenen Land sucht, kann im Glücksatlas 2021 recherchieren. Wobei ich mich frage, was die Deutsche Post mit dem Glück zu tun haben mag.

Der Weltglücksbericht, der auf Basis von Umfragen des Instituts Gallup erstellt wird, hat auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Wohlbefinden der Menschen in den Fokus gerückt. Vielleicht unerwartet zeitigt die Pandemie sogar einen positiven Effekt: Die Forschungsgruppe registrierte einen deutlichen Anstieg sogenannter „freundlichen Handlungen“.  „Die Hilfe für Fremde, Freiwilligenarbeit und Spenden waren im Jahr 2021 in allen Teilen der Welt stark gestiegen und erreichten Werte, die fast 25 Prozent über ihrem präpandemischen Wert lagen“, heißt es in dem Bericht. Irritiert hat mich, dass ein großer Buchversender mir auf die Sucheingabe „freundliche Handlungen“ einen „politischen Spannungsroman“ mit dem Reiztitel „Maut“ offerierte.

Ganz andere Gefühle wecken in der Regel Rechtschreibreformen. Die Dänen brachten das früh und im Vergleich zur letzten bundesdeutschen Reform fast geräuschlos hinter sich. Am 22. März 1948 trat die dänische Rechtschreibreform in Kraft, damit wurde die Großschreibung von Substantiven abgeschafft und der Buchstaben Å eingeführt. Dessen Name bescherte mir beim Schreiben einen glücklich schmunzelnden Moment: Was ich stets „Kringel-A“ nannte, heißt korrekt „Bolle-Å“. Damit wurde laut Lexikon das altnordische [aː] in weiten Teilen Skandinaviens zu einem langen, teils offenen, teils geschlossenen [oː] „verdumpft“. In Dänemark murrte lediglich die konservative Presse länger, zehn Jahre nach der Reform waren noch zwölf Zeitungen der alten Rechtschreibung treu. Und erst 1965 führte Ærø Folkeblad als letzte die neue Rechtschreibung ein…



Bäume, Wälder, Poesie und Farbe

Frühling Märzenbecher
Frühling Märzenbecher

Bäume, Wälder, Poesie und Farbe

„Frühling lässt sein blaues Band, flattern durch die Lüfte“. Ich kriege diese Zeile an diesem Montag, 21. März, einfach nicht aus dem Kopf. Aus gutem Grund, denn gestern war nicht allein kalendarischer Frühlingsanfang.

Der 21. März, auf den der Frühlingsbeginn häufig fällt, hat gleich vier interessante Aktionstage zu bieten. Allesamt mit dem lauen Lenz in Verbindung zu bringen. Der Internationale Welttag des Holzes (World Wood Day) wird seit 2013 begangen. Und natürlich steht dabei in vielen Regionen das Pflanzen neuer Bäume an. Bei Bäumen und Wald kommen wir auch im Harz um den deutschen Bestseller-Förster Peter Wohlleben nicht herum: „Das geheime Leben der Bäume – Was sie fühlen, wie sie kommunizieren – die Entdeckung einer verborgenen Welt“.

Der „Internationale Tag des Waldes“ (International Day of Forests) wurde angesichts des global zunehmenden Waldsterbens bereits 1971 am 21. März auf Initiative der Food and Agriculture Organization of the United Nations ins Leben gerufen. Bereits 1951 hatte die FAO die Einführung des Weltfesttags des Baumes empfohlen, der in Deutschland seit 1952 immer am 25. April als „Tag des Baumes“ begangen wird. Selbstverständlich rüstet uns Peter Wohlleben auch für Kontakte mit dem deutschen Wald aus: „Gebrauchsanweisung für den Wald – Ein besonderer Naturführer zu den Bäumen und Tieren unserer Wälder“.

Zu Wald und Bäumen passt der Welttag der Poesie (UNESCO World Poetry Day) sehr prosaisch ausgedrückt wie Faust aufs Auge. „Schläft ein Lied in allen Dingen, | Die da träumen fort und fort, | Und die Welt hebt an zu singen, | Triffst du nur das Zauberwort.“ Eichendorff und weitere deutsche Dichter haben nicht allein in der „Wünschelrute“ das Zauberwort eindeutig getroffen. Und so feiert Deutschland seit 2000 am 21. März den von der UNESCO initiierten Welttag der Poesie mit. Ziel des Aktionstages laut UNESCO: „Es soll an den Stellenwert der Poesie als Ausdruck der Vielfalt des menschlichen Kulturguts Sprache im Informationszeitalter des 21. Jahrhunderts erinnert werden.“

Wenn wir das also erledigt haben, sind wir beim ebenfalls heute anstehenden „Internationalen Tag der Farbe“ (International Colour Day) angekommen.  Der geht auf den Portugiesen Maria Joao Durao zurück, der als Präsident der Portuguese Colour Association die Idee für den Aktionstag 2008 der International Colour Association (Internationale Vereinigung für die Farbe) präsentierte. Dieses Gremium mit Mitgliedern aus über 30 Ländern und nationalen Verbänden stimmte dem Vorschlag im Jahr 2009 zu. Und in Deutschland denken dabei sicher nicht wenige nach dem Exkurs zur Poesie sofort an Goethes „Zur Farbenlehre“