Hans Georg Ruhe über „Das dritte Licht“


Claire Keegan:

Das dritte Licht

Ein schmaler Band mit 95 Seiten, großzügigem Satzspiegel, in edler Ausstattung: Claire Keegans „Das dritte Licht“.

Die Handlung der Erzählung ist einfach und überschaubar. Ein kleines Mädchen wird von ihren ärmlichen, irischen Eltern bei Verwandten untergebracht. Es wird mit offenen Armen aufgenommen und erlebt – zunächst verschlossen, dann immer offener werdend – einen glücklichen Sommer. Nichts kann das Idyll trüben, das dem namenlose Mädchen fremd ist. Karge Sprache begleitet die weichende Vorsicht. „Du brauchst nichts zu sagen, nie. So mancher Mann hat viel verloren, nur weil er eine perfekte Gelegenheit verpasst hat, nichts zu sagen.“

Das Leben wird leicht, auch bei spürbarer Verschattung.

Claire Keegan hat aus der Perspektive des Mädchens ein poetisches Buch geschrieben. Die „Times“ zählt es den 50 wichtigsten Romanen des 21. Jahrhunderts. Auch wenn dieses Urteil überzogen scheint – große Kunst ist es allemal.

Claire Keegan: „Das dritte Licht“, Steidl, 95 Seiten, ISBN 978-3-96999-199-2, Preis: 20,00 €


Ein Gedanke zu „Hans Georg Ruhe über „Das dritte Licht“

  • 8. Februar 2025 um 13:29 Uhr
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    Dieser Ich-Erzählerin wird eine wunderbare Sprache in den Mund geschrieben! So schlicht und doch so tiefgehend, so kindgemäß und doch so klug,.
    Diese kleine Erzählung hat mich so berührt, dass ich sie gleich noch einmal lesen musste!
    Vielen Dank Herr Ruhe für diese Empfehlung!

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