Herta Gordon-Walcher hat ein Jahrhundertleben der Revolution gewidmet oder besser gesagt geopfert. Sie stammt aus Königsberg, war Jüdin und immer bekennende Kommunistin Sie war davon überzeugt, dass es eine Alternative zum Kapitalismus geben muss. Dafür hat sie ihr Leben lang gekämpft.
Sie hat alle (linken) Größen des letzten Jahrhunderts persönlich gekannt, war persönliche Sekretärin von Clara Zetkin, hat fünf Sprachen gesprochen und hat viele Länder gesehen. Ihr Mann Jacob Walcher kam aus der Gewerkschaftsbewegung und hat versucht, die Partei und die Gewerkschaften anzunähern. Sie blieben immer Kommunisten.
Trotzdem, wenn sie zur falschen Zeit in Moskau gewesen wäre, wäre sie – wie viele andere – ermordet worden. Sie erlebte, wie die gute Sache immer wieder an persönlichen Animositäten, Konkurrenz und Neid scheiterte. Sie konnte vor den Nazis fliehen, ist in die DDR zurückgekehrt, war mit Berthold Brecht und Willy Brandt befreundet, die sie sehr unterstützten.
Auch dort wurde sie und ihr Mann zum Teil verfolgt, ausgegrenzt. Ein Angebot von Brandt, sie in den Westen zu holen und zu versorgen, hat sie abgelehnt. Sie haben immer dafür gekämpft, in der Partei zu bleiben, was ihr und ihrem Mann Jacob Walcher dann letztendlich gelang, obwohl sie mehrfach ausgeschlossen wurden. 1990 ist sie gestorben.
Wie kann man einer Idee anhängen, wenn man so oft enttäuscht wird? Diese Frage bleibt bis zum Schluss offen. Die Autorin kannte Herta Gordon-Walcher über ihre Familien schon von Kindheit an. Das Buch fußt auf persönlichen Gesprächen der Autorin mit ihr, die das Material durch umfangreiche Recherchen ergänzt und verifiziert hat. Den Preis der Leipziger Buchmesse hat sie zu Recht bekommen.
Eine umfangreiche Arbeit, allein das Personenverzeichnis ist über 100 Seiten lang. Es liest sich spannend, wie ein Krimi.






